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Bad Driburg - Aktives Stadtzentrum

Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Stadtgestalt und Baukultur / Mobilität / Einsatz von Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Auf Grundlage eines integrierten Handlungskonzeptes wird das Stadtzentrum von Bad Driburg seit 2009 mit Mitteln des Zentrenprogramms aufgewertet. Im Mittelpunkt steht die Umgestaltung der zentralen Verbindungsachse zwischen Innenstadt und Kurpark, der Langen Straße. Durch eine einheitliche Gestaltung werden die unterschiedlichen Bereiche dieser Achse miteinander verknüpft. Zur Aktivierung privaten Kapitals wurde ein Verfügungsfonds eingerichtet und ein Fassadenprogramm aufgelegt. Die gesamte Programmumsetzung erfolgt in einem kooperativen Prozess mit lokalen Akteuren.

Kontext

Der Ort mit ca. 19.000 Einwohnern liegt am westlichen Rande des Kreises Höxter (Ostwestfalen) mit einer engen räumlichen Nähe zum Oberzentrum Paderborn und ist gekennzeichnet durch eine sehr gute Infrastrukturausstattung mit sämtlichen Schulformen am Ort. Bad Driburg ist wesentlich durch die Kureinrichtungen (sieben Kurkliniken und ein Allgemeinkrankenhaus) geprägt. Mit über 700.000 Übernachtungen und mehr als 70.000 Gästen im Jahr nimmt der Kur- und Fremdenverkehrssektor eine wesentliche Rolle ein. Es existieren 42 Beherbergungsbetriebe mit ca. 2.800 Betten. Die Einwohnerzahl der Stadt ist seit mehreren Jahren leicht rückläufig.

Das Stadtparlament hat im Jahr 2007 die Erarbeitung eines integrierten Handlungskonzeptes (IHK) für die Kernstadt Bad Driburg beschlossen, um die verkehrlichen, wirtschaftlichen, touristisch-kurbezogenen, kulturellen und städtebaulichen Gegebenheiten durch geeignete Aktivitäten und Maßnahmen zu verbessern und somit die Kernstadt als Zentrum der gesamtgemeindlichen Entwicklung nachhaltig zu stärken und zukunftsfähig zu entwickeln. Das 2008 beschlossene IHK dient als Grundlage für die Umsetzung des Zentrenprogramms.

Projektbeschreibung

Zentrale Maßnahme ist die Stärkung der Langen Straße, der etwa 1,5 km langen "Flaniermeile" zwischen der Innenstadt mit dem historischen Stadtkern und dem Kurpark. Durch mehrere städtebauliche Barrieren (Bahnlinie, Verkehrsflächen) sind die räumlichen Zusammenhänge nur schwer erlebbar, offene Räume und die starke Prägung durch parkende Autos lassen keine klare Wegeführung erkennen. Beispielsweise ist die Verbindung zur Stadtkirche und zum Kirchplatz durch die Nutzung als Parkplatz sowie eine Mauerbegrenzung kaum auffindbar. Durch Pflanzflächen und teilweise Hochbeete ist die Nutzung der Fußgängerzone eingeschränkt, die Wege- und Straßenbeläge sind uneinheitlich und schadhaft.

Das IHK sieht eine Zonierung in zentrale Bereiche vor: Der westliche Bereich der Straße soll als touristischer Schwerpunkt ausgebildet werden, während die angrenzenden Straßenzüge des Altstadtkerns in ihrer Funktion als Wohnstandort aufgewertet werden sollen. Der mittlere Abschnitt der Langen Straße sowie der angrenzende Bereich am Hellweg (Fußgängerzone) sollen als Haupteinkaufslagen gestärkt werden. Im östlichen Bereich soll die Lange Straße als Hauptverbindungsachse zwischen Bahnhof, Kurpark und Stadtkern ebenfalls eine grundlegende Aufwertung erfahren.

Die grundlegende Gestaltungsidee verbindet in Funktion und stadträumlicher Ausprägung die unterschiedlichen Abschnitte und stellt den räumlichen Zusammenhang zwischen Kurpark und Innenstadt her. Ziel ist es, die Lange Straße durch eine einheitliche Materialsprache als durchgängige Flanierzone erlebbar zu machen. Besondere städtebauliche und räumliche Situationen, wie der Platz an der Stadtkirche, der Raiffeisenplatz und der Rathausplatz werden durch besondere Ausstattungselemente als Orte für den Aufenthalt herausgearbeitet. Wichtige Stadteingangssituationen erhalten eine Aufwertung durch Brunnen, die das Stadtbild beleben und auf die Mineralwasserquellen der Stadt verweisen.

Die Umgestaltung der Langen Straße begann 2011. Die Maßnahme ist in vier Bauabschnitte geteilt. Im Zuge des ersten Bauabschnitts (2011-2013) erfolgte die Umgestaltung des mittleren Bereichs der Langen Straße. Im zweiten Bauabschnitt (2013-2014) wurde die obere Lange Straße fertig gestellt. Im Frühjahr 2016 begannen die Bauarbeiten am dritten Bauabschnitt, der auch die Umgestaltung des Rathausplatzes umfasst. Der letzte Bauabschnitt ist für 2017/18 geplant und konzentriert sich auf die Umgestaltung der unteren Langen Straße. Dort soll eine Neuordnung des Straßenraums zu einer Verkehrsberuhigung führen und durch das Pflanzen neuer Bäume ein Boulevard- und Alleecharakter entstehen.

Bis Ende 2016 wird die Caspar-Heinrich-Straße umgestaltet. Sie ist eine direkte und zentral gelegene Verbindungsachse zwischen der Innenstadt, dem Kurpark und den Kliniken. Vor Beginn der Baumaßnahme wurden die Planungen in zwei Anliegerversammlungen diskutiert.

Im Jahr 2012 wurde eine Gestaltungsrichtlinie für Sondernutzungen auf öffentlichen Flächen im Fördergebiet beschlossen. Die Richtlinie regelt die Gestaltung von Objekten, die für eine dauerhafte oder saisonal wiederkehrende Inanspruchnahme der öffentlichen Straßen und Wege durch private und gewerbliche Nutzer vorgesehen sind. Ziel ist es, die Gestaltqualität dieser Objekte an den Kontext der historischen Innenstadt anzupassen, um so zu einer Verbesserung der Stadtidentität und einer Aufwertung des öffentlichen Raums beizutragen.

Handlungsfelder            

  • Aufwertung öffentlicher Räume
  • Verkehr und Mobilität
  • Stadtgestalt und Baukultur
  • Stärkung der Funktionsvielfalt (Einzelhandel, Wohnen, Freizeit, Tourismus)
  • Einsatz des Verfügungsfonds

Einzelmaßnahmen     

  • Erarbeitung des integrierten Handlungskonzeptes für das Stadtzentrum Bad Driburg
  • Initiierung einer Lenkungsgruppe und Einrichtung eines Verfügungsfonds

  • Umgestaltung der Langen Straße (1. Bauabschnitt 2013 abgeschlossen / 2. Bauabschnitt 2014 abgeschlossen / 3. Bauabschnitt Baubeginn Mai 2016)
  • Öffentlichkeitsarbeit im Zuge der Vorbereitung der Umgestaltung des Straßenraums (Informationsveranstaltungen, Faltblatt)
  • Baustellenmarketing und -management

  • Einrichtung eines Fassadenprogramms
  • Umgestaltung der Caspar-Heinrich-Straße
  • Erarbeitung einer Gestaltungsrichtlinie für Sondernutzungen im öffentlichen Raum

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Verkehrsinfrastrukturförderung des Landes NRW

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Erstellung des integrierten Handlungskonzeptes
2009Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" / Beschluss des Fördergebiets "Aktives Stadtzentrum Bad Driburg" durch die Gemeinde
2010

Gründung der Lenkungsgruppe / Initiierung des Verfügungsfonds

2012Beginn des ersten Bauabschnitts der Langen Straße (mittlerer Bereich)
2013Fertigstellung des ersten Bauabschnitts, Beginn des zweiten Bauabschnitts (westliche Lange Straße)
2014Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts der Langen Straße
2016Beginn des dritten Bauabschnitts (Lange Straße / Rathausplatz) / Beginn der Umgestaltung der Caspar-Heinrich-Straße


Besonderheiten

Um auch private Immobilieneigentümer zu aktivieren, sich an der Umgestaltung des Bad Driburger Stadtzentrums zu beteiligen, wurde im Jahr 2012 ein Fassadenprogramm eingerichtet. Es wurden dafür Fördermittel in Höhe von insgesamt 60.000 Euro eingeplant, verteilt auf drei Jahre von 2012 bis Ende 2014. Gefördert wurden Maßnahmen zur Herrichtung und Gestaltung von sichtbaren Außenwänden von Gebäuden; Renovierung und Restaurierung von Fassaden, sowie die dazu erforderlichen Vorarbeiten. Auch Betreuungs- und Beratungskosten waren förderfähig. Die Stadt Bad Driburg hat zur Abwicklung des Fassadenprogramms eine Förderrichtlinie verabschiedet, in der festgelegt ist, dass 50 Prozent der als förderfähig anerkannten Kosten, höchstens jedoch 30 Euro je Quadratmeter hergerichteter Fläche (maximal 10.000 Euro je Gebäude) erstattet werden.

Das Fassadenprogramm wurde sehr erfolgreich von den Eigentümern angenommen. Bis Ende 2014 konnte die Instandsetzung von 13 Gebäuden unterstützt werden.

Lernerfahrungen

Bei einer umfangreichen Baumaßnahme bleiben Staub und Lärm vor den Geschäften nicht aus. Um die Baustellensituation zu entschärfen und auch während der Bauarbeiten in der Langen Straße ein angenehmes Einkaufen in der Innenstadt zu ermöglichen, haben sich einige Einzelhändler zu einer "Baustelleninitiative" zusammengetan. Diese arbeitet unter dem Leitthema "Alles wird schön!" ein jährliches Marketingprogramm aus, das zwei wesentliche Ansätze verfolgt. Einerseits geht es darum, mögliche Nachteile durch die Baustelle für die Einzelhändler und ihre Kunden abzumildern - andererseits aber auch darum, die Baumaßnahmen selbst als besonderes Ereignis in den Mittelpunkt der Öffentlichkeitsarbeit zu stellen. Zahlreiche Events und Baustellenaktionen sollen unter dem Motto "Alles wird Schön - Bad Driburg Lange Straße" dazu beitragen, die unvermeidlichen Unannehmlichkeiten durch Baulöcher, Staub und Lärm für Einzelhändler und Kunden erträglicher zu machen, die Motivation aller betroffenen Einzelhändler durch ein positives Wir-Gefühl zu erhöhen und die Kundenfrequenz durch zusätzliche Verkaufsanreize aufrechtzuerhalten. Das Maskottchen "Manni, der Maulwurf", ein mit Bauarbeiterkleidung ausstaffierter Maulwurf, steht Pate für die vielfältigen Aktionen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen


Gemeinde

Bad Driburg


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2009


Projektende

Voraussichtlich 2018


Größe des Gebietes

ca. 57 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: circa 1,38 Mio. Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Bad Driburg
Wirtschaftsförderung
Frau Nicole Sude
Tel. +49 5253 881602
E-Mail: nicole.sude@bad-driburg.de


Link / weitere Informationen

Informationen zur Programmumsetzung in Bad Driburg

Stand

Januar 2017


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