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Bad Kreuznach - Innenstadt / Mannheimer Straße

Schwerpunkte: : Einzelhandel, Dienstleistungen und Handwerk / Öffentlicher Raum / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Bad Kreuznach hat circa 50.000 Einwohner und ist Mittelzentrum mit Teilfunktion eines Oberzentrums. Die Kurstadt an der Nahe liegt circa 20 Kilometer südlich von Bingen am Rhein und circa 40 Kilometer westlich von Mainz. Die Innenstadt von Bad Kreuznach wird seit 2009 auf der Grundlage eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes mit Mitteln aus dem Städtebauförderprogramm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren unterstützt. Ziel ist es, die Funktionsmischung aus Wohnen, Arbeiten, Handel und Kultur zu stärken und den öffentlichen Raum aufzuwerten. Ein Zentrenmanagement, in Bad Kreuznach Quartiersmanagement genannt, wurde eingerichtet. Es berät Eigentümer, Stadtteilinitiativen und Gewerbetreibende, betreibt Öffentlichkeitsarbeit und vernetzt Akteure, um Maßnahmen und Aktivitäten anzustoßen, mit denen die Innenstadt belebt und das Erscheinungsbild aufgewertet werden.

Kontext

Das Fördergebiet ist circa 42 Hektar groß und liegt in der Innenstadt entlang der Fußgängerzone Mannheimer Straße. Sie ist die zentrale Einkaufsstraße und reicht vom Bahnhof bis in die Neustadt, dem historischen Stadtkern Bad Kreuznachs.

Das Fördergebiet setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen. Nördlich der Nahe liegt die Neustadt mit einer kleinteiligen Bebauungsstruktur mittelalterlichen Ursprungs. Der Teilbereich ist durch eine Funktionsmischung aus Wohnen, Handel, Handwerk und Gastronomie gekennzeichnet und hat eine große Bedeutung als Identifikationsort und touristischer Anziehungspunkt. Die Naheüberquerung ist der zweite Teilbereich und verbindet den historischen Stadtkern mit dem Haupteinkaufsbereich der Stadt.

Der dritte Teilbereich umfasst den langgestreckten Haupteinkaufsbereich zwischen dem Kornmarkt unweit der Nahe und dem Bahnhof. Das Stadtbild und die Bebauungsstruktur in diesem Bereich der Innenstadt sind heterogen. Neben kleinteiligen Wohn- und Geschäftshäusern mit drei bis vier Geschossen und zum Teil stadtbildprägenden Fassaden, gibt es mehrere parzellenübergreifende Gebäude für Handel und Gewerbe aus der Nachkriegszeit.

Projektbeschreibung

Grundlage für die Abgrenzung des Fördergebietes und die Umsetzung der Fördermaßnahme ist ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK), das 2012 fertig gestellt wurde.

Eine Maßnahme mit hoher Priorität war die Sanierung der beiden Nahebrücken. Die "Alte Nahebrücke" und die "Brücke über den Mühlenteich" verbinden als ein Brückenzug den historischen Stadtkern mit dem Haupteinkaufsbereich. Die Sanierung war erforderlich, da die Standsicherheit der "Alten Nahebrücke" nicht mehr gewährleistet war, zudem beeinträchtigten gestalterische Mängel das Erscheinungsbild.

Die Sanierung und Umgestaltung der Brücken erfolgte zwischen 2014 und 2017. Durch einen zusätzlichen Brückenpfeiler orientiert sich die "Alte Nahebrücke" wieder stärker an dem historischen Brückenbauwerk, das im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Die Brücken wurden zudem barrierefrei umgebaut und als Mischverkehrsfläche gestaltet. Ein Beleuchtungskonzept wurde umgesetzt und durch neue Stadtmöbel die Aufenthaltsqualität verbessert. Es ist auf der Grundlage eines Verkehrskonzeptes auch gelungen, die Brücken weitestgehend vom Autoverkehr zu befreien.

Geplant ist es, die Fußgängerzone, die sich südlich an die Brücken anschließt, umzugestalten. Dabei sollen Gestaltungselemente aufgegriffen werden, die bereits bei den Brücken eingesetzt wurden. Ziel ist es, ein einheitliches Erscheinungsbild herzustellen und die Standortbedingungen für Handel und Gewerbe zu verbessern. In die Neugestaltung wird auch der Kornmarkt einbezogen, eine große Platzfläche unweit der Nahe, die unter anderem für den Wochenmarkt und Veranstaltungen genutzt wird. Seit Herbst 2017 verlegen die Stadtwerke im Bereich des Kornmarktes und in angrenzenden Straßenzügen neue Gas- und Wasserleitungen. Im Anschluss beginnt die Neugestaltung der Fußgängerzone und des Kornmarktes. Der Platz wird zu einer barrierefreien, multifunktionalen Fläche mit Brunnen, neuen Baumpflanzungen und Spielbereichen für Kinder umgebaut.

Am südlichen Ende der Fußgängerzone entsteht derzeit das "Haus der Stadtgeschichte". Dazu wird ein leer stehendes Bettengeschäft umgebaut und erweitert, um es zukünftig als Stadtarchiv nutzen zu können. Das Nutzungskonzept sieht vor, Räume für Veranstaltungen und Ausstellungen zu schaffen und so das Stadtarchiv als öffentlichen Ort für die Information und den Austausch zur Stadtgeschichte zu etablieren.

Der Schwerpunkt der Aktivitäten im Rahmen des Zentrenprogramm liegt auf dem historischen Stadtkern, da hier aufgrund zunehmenden Leerstandes, sanierungsbedürftiger Bausubstanz und Nutzungskonflikten zwischen Wohnen, Gastronomie und Verkehr besonderer Handlungsbedarf besteht. Der historische Stadtkern ist als Sanierungsgebiet im vereinfachten Verfahren gemäß §142 BauGB ausgewiesen.

Modernisiertes Wohn- und Geschäftshaus am Eiermarkt Modernisiertes Wohn- und Geschäftshaus am EiermarktModernisiertes Wohn- und Geschäftshaus am Eiermarkt Quelle: Plan und Praxis Berlin

Im historischen Stadtkern wurde der Wolff´sche Garten an der Nahe (heute: Fischerplatz) umgestaltet. Mit Sitz- und Liegebänken, einer neuen Oberflächengestaltung, Fahrradabstellplätzen und barrierefreien Zugängen bietet er ruhesuchenden Anwohnern und Besuchern eine hohe Aufenthaltsqualität. Zentraler Platz im historischen Stadtkern ist der Eiermarkt. Er wurde vom Autoverkehr befreit, neue Sitz- und Beleuchtungselemente werten ihn zusätzlich auf.

2015 wurde eine Gestaltungssatzung für den historischen Stadtkern verabschiedet und eine Informationsbroschüre herausgegeben. Sie wird ergänzt durch das Handbuch "Farbkollektion für den historischen Stadtkern". Vorausgegangen war ein Gestaltungsworkshop, um gemeinsam mit lokalen Akteuren Ideen und Vorschläge für die zukünftigen Gestaltungsprinzipien zu diskutieren. Auf der Grundlage einer Modernisierungsrichtlinie werden private Eigentümer dabei unterstützt, ihre Immobilien zu sanieren. Die Zuschüsse werden zum Beispiel für die Erneuerung der Fassaden, für die Dämmung, für neue Dächer und für die Verbesserung von Wohnungsgrundrissen ausgegeben. Förderfähig sind maximal 20 Prozent der Gesamtkosten. Bislang wurden circa zehn Gebäude modernisiert.

Seit 2015 gibt es das Quartiersmanagement "zag – zusammen aktiv gestalten". Es konzentriert seine Aktivitäten auf den historischen Stadtkern und ist bei der Stadt angesiedelt. In einem Gebäude, dessen Modernisierung mit Mitteln aus dem Zentrenprogramms unterstützt wurde, wurde ein Vor-Ort-Büro eingerichtet. Ziel des Quartiersmanagements ist es, Akteure und Initiativen zu vernetzen, Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit umzusetzen und den Leerstand abzubauen. Das Quartiersmanagement bietet regelmäßige Sprechstunden an, gibt die Stadtteilzeitung "NeuStadtBlatt" heraus und ist für die Ansprache und Beratung von Eigentümern verantwortlich, um Investitionen in den Gebäudebestand anzuregen.

Jahn-Gärtchen Jahn-GärtchenJahn-Gärtchen Quelle: Plan und Praxis Berlin

Mit Unterstützung des Quartiersmanagements wurden Stadtteilinitiativen vernetzt, Feste und Aktionen in der Neustadt initiiert. Hierzu zählt zum Beispiel die Umgestaltung einer Brachfläche durch eine Anwohnerinitiative. Das sogenannte Jahn-Gärtchen wertet das Wohnumfeld auf und hat sich als Treffpunkt für Anwohner etabliert. 2016 startete die Aktion "KLARA - Kreuznacher Lastenradinitiative". Um den Handel in der Neustadt zu stärken, werden ehrenamtlich Einkäufe vom Wochenmarkt und aus Fachgeschäften mit einem Lastenfahrrad nach Hause transportiert. Im Sommer 2017 stellten Gewerbetreibende sogenannte "Verschnauf-Pausen-Stühle" vor ihre Ladenlokale, um Passanten die Möglichkeit zu geben, sich zu setzen, ins Gespräch zu kommen und neue Perspektiven auf den Stadtraum zu erhalten. Im Rahmen des Leerstandsmanagements konnten leer stehende Ladenlokale an neue Nutzer vermittelt oder durch Kunst- und Kulturaktionen zwischengenutzt werden.

Handlungsfelder      

  • Stadtgestalt und Baukultur
  • Öffentlicher Raum
  • Aktivierung und Beteiligung / Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing
  • Einzelhandel, Gastronomie und Handwerk
  • Wohnen
  • Leerstandsmanagement / Modernisierung und Instandsetzung von privaten Gebäuden
  • Kultur / Tourismus
  • Mobilität

Einzelmaßnahmen     

  • Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (Fertigstellung und Beschluss im Stadtrat 2012)
  • Quartiersmanagement und Einrichtung eines Vor-Ort-Büros (seit 2015)
  • Sanierung der Brücken über die Nahe und Gestaltung als Mischverkehrsfläche ("Brückenschlag") (2014-2017)
  • Beleuchtungskonzept für die Nahebrücken (umgesetzt 2017)
  • Verkehrskonzept für die Nahebrücken (umgesetzt 2017)
  • Gestaltungssatzung und Gestaltungshandbuch / Förderung privater Gebäudemodernisierungen und Umgestaltung privater Freiflächen auf der Grundlage einer Modernisierungsrichtlinie (seit 2015)
  • Leerstandsmanagement / Zwischennutzung von leerstehenden Ladenflächen (seit 2016)
  • Herausgabe der Stadtteilzeitung "NeuStadtBlatt" (seit 2016)
  • Neugestaltung Fischerplatz (2016/17)
  • Umbau eines leerstehenden Bettengeschäfts zum Haus der Stadtgeschichte (seit 2017)
  • Öffentlichkeitsarbeit, Beratungs- und Beteiligungsangebote (kontinuierlich)
  • Sanierung der Fußgängerzone und des Kornmarktes (in Vorbereitung)
  • Umgestaltung der Mühlenstraße zu einer Mischverkehrsfläche (geplant)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
2011Bürgerworkshops im Rahmen der Erstellung des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK)
2012Fertigstellung des ISEK und Beschluss im Stadtrat
2014Sanierungsbeginn der Nahebrücken
2015Einrichtung Quartiersmanagement zag / Beschluss Gestaltungssatzung / Beschluss Modernisierungsrichtlinie / Veröffentlichung Gestaltungshandbuch
2016Start Herausgabe der Stadtteilzeitung "NeuStadtBlatt" / Gestaltung des Jahn-Gärtchens durch eine Anwohnerinitiative / Start der Aktion "KLARA – Kreuznacher Lastenradinitiative"
2017Fertigstellung der Nahebrücken und Eröffnung am Tag der Städtebauförderung mit einem Brückenfest / Baubeginn "Haus der Stadtgeschichte" / Fertigstellung Fischerplatz / Beginn Bauarbeiten der Stadtwerke im Bereich des Kornmarktes
2018Umbau des Kornmarktes und angrenzender Straßenzüge (geplant)


Besonderheiten

Die Sanierung der Nahebrücken, der sogenannte "Brückenschlag", war eine komplexe Maßnahme, die Bund und Land mit knapp vier Millionen Euro Fördermittel unterstützten. Die Brücken sind aus historischer, städtebaulicher, gestalterischer und funktionaler Sicht von hoher Bedeutung für die Innenstadt. Sie sind zudem touristischer Anziehungspunkt, da sich auf der "Brücke über den Mühlenteich" denkmalgeschützte Brückenhäuser befinden. Sie ist damit eine der wenigen bebauten Brücken in Deutschland.

Lernerfahrungen

Im historischen Stadtkern gibt es aufgrund einer lebendigen Nutzungsmischung vereinzelte Nutzungskonflikte zwischen Gastronomie, Tourismus, Wohnen und Verkehr. Diese lassen sich durch ordnungsrechtliche Maßnahmen nur bedingt lösen. Deshalb verfolgt das Quartiersmanagement das Ziel, mit Hilfe kommunikativer Ansätze und Vermittlungsarbeit zwischen Interessengruppen dazu beizutragen, dass verstärkt Rücksicht genommen wird, das Verständnis für unterschiedliche Ansprüche steigt und Konflikte gemildert werden. Geplant ist es, einen Leitbildprozess anzustoßen, indem die einzelnen Akteure ihre Interessen einbringen können und sich auf einen Kompromiss über die Nutzung des historischen Stadtkerns und ein verträgliches Nebeneinander der Nutzungen einigen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Rheinland-Pfalz


Gemeinde

Bad Kreuznach


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2009


Projektende

Voraussichtlich 2021


Größe des Gebietes

Circa 42 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2016: 2,54 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Bad Kreuznach
Abteilung Stadtplanung und Umwelt
Herr Bettino Hans Gagliani
Viktoriastraße 13
55543 Bad Kreuznach
Telefon: +49 671 800 740
E-Mail: bettino-hans.gagliani@bad-kreuznach.de


Stadtteilbüro | zag: zusammen aktiv gestalten
Quartiersmanagement Aktive Stadt
Herr Rainer Schmitt
Mannheimer Str. 55
55545 Bad Kreuznach
Tel. +49 671 97 04 59 69
E-Mail: zag@bad-kreuznach.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Stadt Bad Kreuznach


Stand

November 2017

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