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Bad Wildungen – Brunnenallee

Konzepte / Öffentlicher Raum / Mobilität / Stadtgestalt und Baukultur

Zusammenfassung

Neue Spiel- und Aufenthaltsflächen in der Brunnenstraße Neue Spiel- und Aufenthaltsflächen in der BrunnenstraßeNeue Spiel- und Aufenthaltsflächen in der Brunnenstraße Quelle: Stadt Bad Wildungen

Die Stadt Bad Wildungen im westlichen Nordhessen wird seit 2008 im Rahmen der interkommunalen Kooperation Mittleres Edertal im Zentrenprogramm gefördert. Die Innenstadt von Bad Wildungen setzt sich zusammen aus der historischen Altstadt und dem Kurbereich, die durch die Brunnenallee und die Brunnenstraße verbunden werden. Diese wirkten durch eine hohe Verkehrsbelastung und mangelhafte Gestaltung als Barriere zwischen den beiden Innenstadtbereichen. Mithilfe von Städtebaufördermitteln wurden Abschnitte der Straße stadtverträglich umgestaltet. Entstanden ist die "Flaniermeile", eine fußgängerfreundliche und barrierefreie Begegnungszone mit hoher Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität, die einen wichtigen Beitrag für die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt leistet.

Kontext

Bad Wildungen ist Kurstadt und wichtiger Gesundheitsstandort für die Region. Die Stadt hat circa 17.000 Einwohner. Die Stadt wurde als Mitglied der kommunalen Arbeitsgemeinschaft (KAG) Mittleres Edertal zusammen mit den Kommunen Fritzlar und Edertal in das Zentrenprogramm aufgenommen. Diese überörtliche Kooperation wurde ursprünglich für die gemeinsame Erschließung und Vermarktung eines interkommunalen Gewerbegebietes initiiert. Die drei Kommunen wollen zudem im Rahmen des Zentrenprogramms gemeinsam auf die Auswirkungen des demografischen Wandels reagieren.

Als Grundlage für die Kooperation wurde ein integriertes Handlungskonzept erarbeitet, in dem die Potenziale und Defizite der Region identifiziert, ein gemeinsames Leitbild entwickelt und Projekte sowohl auf regionaler als auch kommunaler Ebene geplant wurden. Regionale Maßnahmen sind unter anderem die Entwicklung einer Identität für die Wirtschaftsregion durch Moderationen, Veranstaltungen und einen gemeinsamen Internetauftritt sowie die Einrichtung eines Kernbereichsmanagements.

Lokale Schlüsselmaßnahmen neben der Begegnungszone in Bad Wildungen sind die Neugestaltung des Marktplatzes in Fritzlar (Fertigstellung 2014) und die Errichtung einer Markthalle auf einem Teil des Festplatzes in Edertal, in der neben dem regelmäßigen Markt auch diverse private und öffentliche Veranstaltungen stattfinden können (Fertigstellung 2011). Die Maßnahmen und die Synergien zwischen den drei Kooperationsmitgliedern wurden im Rahmen des gemeinschaftlichen Aktionsprogramms "Rendezvous zu Dritt" in drei Veranstaltungen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Fördergebiet in Bad Wildungen wird durch die Ost-West-Achse Brunnenallee/Brunnenstraße geprägt, eine Hauptverkehrsstraße mit angrenzenden Wohn- und Geschäftshäusern. Hier befindet sich der Haupteinkaufsbereich der Innenstadt. Am Schnittpunkt zwischen Altstadt und Kurbereich kreuzt die Straße den Altstadtring, der als Umgehung für den Altstadtkern fungiert. Die Verkehrsbelastung in diesem Bereich war bis zum Umbau sehr hoch (circa 14.000 Kfz/Tag). Weiterhin führten eine unübersichtliche Gestaltung und fehlende Querungsmöglichkeiten zu Funktionsverlusten in der Geschäftsstraße und zu einer stark eingeschränkten Aufenthaltsqualität.

Projektbeschreibung

Ziel der Maßnahme in Bad Wildungen ist es, die durch die Verkehrsbelastung und Gestaltungsmängel verursachte Barriere zwischen Altstadt und Kurbereich zu beseitigen, eine Verbindung zwischen diesen beiden Innenstadtbereichen mit attraktiven Aufenthaltsflächen zu schaffen, die Dominanz des Kfz-Verkehrs zu reduzieren und den Einzelhandel in diesem Gebiet zu stärken.

Zu diesem Zweck wurde der Knotenpunkt Brunnenallee/Brunnenstraße grundlegend von einer verkehrsbelasteten zweispurigen Einbahnstraße ohne Aufenthaltsqualität zu einer attraktiven und hochwertig gestalteten Begegnungszone umgebaut. Die circa 200 Meter lange Begegnungszone wirkt nun als "Scharnier" zwischen den zwei Innenstadtbereichen.

Brunnenstraße vor dem Umbau 2010 Brunnenstraße vor dem Umbau 2010Brunnenstraße vor dem Umbau 2010 Quelle: Stadt Bad Wildungen

Für die Neugestaltung wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben. Dieser diente als Grundlage für die Umwandlung des Straßenabschnitts in eine Tempo-20-Zone mit Autos, Fußgängern, Radfahrern und Bussen als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer (gegenseitige Rücksichtnahme). Der Straßenquerschnitt wurde stark verändert. Für Fußgänger, Radfahrer und Aufenthalt steht nun deutlich mehr Raum zur Verfügung. Die Straße hat durch Gestaltungselemente (z.B. Bepflanzung, Bänke, Wasserspiele und Kinderspielgeräte) sowie einen hochwertigen Bodenbelag den Charakter einer Platzfläche erhalten. Bei der Gestaltung wurde außerdem die Barrierefreiheit berücksichtigt und durch eine qualitätsvolle Anlage von Bushaltestellen wird die Attraktivität des ÖPNV gefördert.

Brunnenstraße nach dem Umbau 2013 Brunnenstraße nach dem Umbau 2013Brunnenstraße nach dem Umbau 2013 Quelle: Stadt Bad Wildungen

Das "Scharnier" zwischen der Altstadt und dem Kurbereich wurde in drei Bauabschnitten realisiert und von intensiver Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Erfolgreich wurden die Anrainer und Bürgerinnen und Bürger für den Umbau der Straße sensibilisiert und von der Maßnahme überzeugt. Der letzte Bauabschnitt wurde im Jahr 2014 abgeschlossen. Untersuchungen und Befragungen haben ergeben, dass die Verkehrsbelastung und die Geschwindigkeit in der Begegnungszone deutlich abgenommen haben. Die Zahl der Fahrzeuge hat sich um bis zu 70 Prozent reduziert, die Geschwindigkeit der Autos hat sich fast halbiert und liegt nun bei durchschnittlich circa 20 km/h. Das neue Verkehrskonzept hat sich schnell etabliert und wird positiv wahrgenommen, zudem hat sich die Verkehrssicherheit erhöht. Die anliegenden Händler profitieren von einer wachsenden Laufkundschaft.

Das Vorhaben ist eingebettet in ein gesamtstädtisches Verkehrskonzept. Auf dieser Grundlage wurden Maßnahmen zur Verkehrslenkung umgesetzt, um den Autoverkehr im Innenstadtbereich zu reduzieren. Gebaut wurden unter anderem mehrere Verkehrskreisel auf dem Stadtring, um den Verkehrsfluss zu verbessern und den Durchgangsverkehr aus dem Innenstadtbereich herauszuhalten. So wurden die Voraussetzungen für den Umbau der "Brunnenmeile" geschaffen.

Handlungsfelder            

  • Öffentlicher Raum
  • Mobilität
  • Stadtgestalt
  • Einzelhandel

Einzelmaßnahmen

  • Erarbeitung des integrierten Handlungskonzeptes für die Wirtschaftsregion Mittleres Edertal (2009)
  • Gestaltungswettbewerb für das "Scharnier" (2011)
  • Umbau "Scharnier" (2011-2014)
  • Öffentlichkeitsarbeit

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Mittel des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG)
  • Mittel des Finanzierungsausgleichsgesetzes (FAG)
  • Preisgeld des Landeswettbewerbs "Ab in die Mitte! Die Innenstadt‐Offensive Hessen 2012 und 2014"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2007Verkehrszählung und Wirkungsanalyse zum Umbau des Stadtrings
2008Aufnahme der interkommunalen Kooperation "Mittleres Edertal" in das Zentrenprogramm
2009Erarbeitung des Integrierten Handlungskonzeptes für die Wirtschaftsregion Mittleres Edertal
2010Durchführung eines städtebaulichen Wettbewerbes für das "Scharnier"
2011Beginn der Umbaumaßnahmen am Stadtring sowie Umsetzung der ersten Maßnahmen im "Scharnier"
2012Gewinn des Landeswettbewerbs "Ab in die Mitte!" mit dem Projekt "Das Scharnier verbindet ...!"
2014Gewinn des Landeswettbewerbs "Ab in die Mitte!" mit dem Projekt "Rendezvous zu Dritt" sowie Einweihung des neuen Stadtraums


Besonderheiten

Es wurden verschiedene Förderprogramme gebündelt, um die hohen Investitionskosten finanzieren zu können. Die Realisierung der Maßnahme wäre ohne diese Bündelung nicht möglich gewesen. Die notwendigen Verkehrsmaßnahmen (Umbau des Stadtrings und einer Bushaltestelle, Bau der Fahrbahn in der Begegnungszone) wurden aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) und des Finanzierungsausgleichsgesetzes (FAG) bezuschusst. Die Öffentlichkeitsarbeit (Veranstaltungen in der Begegnungszone, Flyer und Informationsangebote) wurde aus dem Preisgeld des Landeswettbewerbs "Ab in die Mitte! Die Innenstadt‐Offensive Hessen 2012" finanziert. Das Zentrenprogramm unterstützte die Erarbeitung von Konzepten und Gutachten zur Vorbereitung der Umgestaltung sowie die städtebaulichen Maßnahmen zur Stärkung des Stadtkerns, insbesondere zur Aufwertung und barrierefreien Gestaltung des öffentlichen Raums.

Lernerfahrungen

Die Umgestaltung einer stark befahrenen innerstädtischen Straße in eine Begegnungszone steht für die stadtverträgliche Gestaltung von innerstädtischen Geschäftsstraßen. In Bad Wildungen ist es gelungen, bei der Umgestaltung die Ansprüche unterschiedlicher Verkehrsteilnehmer (ÖPNV, Autoverkehr, Fußgänger, Radfahrer) zu berücksichtigen. Im Mittelpunkt stand die Erhöhung der Aufenthaltsqualität bei gleichzeitigem Erhalt der wichtigen Verbindungs- und Kreuzungsfunktion dieses Straßenabschnitts. Stadt- und Verkehrsplanung haben auf der Grundlage integrierter Zielsetzungen Lösungen erarbeitet und Verkehrsräume hochwertig gestaltet, von denen positive Effekte für die Attraktivität und Anziehungskraft der Innenstadt ausgehen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Hessen


Gemeinde

Bad Wildungen (Teil der interkommunalen Fördermaßnahme „Mittleres Edertal“)


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

2015


Größe des Fördergebietes "Mittleres Edertal"

107 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 2.855.000 € für die gesamte Fördermaßnahme "Mittleres Edertal"


Kontaktdaten

Stadt Bad Wildungen
Bauamt
Herr Robert Hilligus
Am Markt 1
34537 Bad Wildungen
Telefon: +49 5621 701411
Fax: +49 5621 701460
E-Mail: robert.hilligus@bad-wildungen.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Stadt Bad Wildungen

Beispieldarstellung auf der Seite "Nachhaltige Stadtentwicklung Hessen"

Veranstaltungsdokumentation "Hausbesuch in Bad Wildungen"

Nationaler Radverkehrsplan - Praxisbeispiel Bad Wildungen

Stand

April 2016

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