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Baunatal - Stadtmitte

Schwerpunkte: Konzepte / Öffentlicher Raum / Mobilität / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Stadtgestalt und Baukultur

Zusammenfassung

Das Stadtzentrum der Stadt Baunatal wurde in den 1970er Jahren als verbindendes Element zwischen den stetig wachsenden Ortsteilen, als neue Stadtmitte sowie als zentraler Einkaufsstandort geplant. Es wurde innerhalb einer relativ kurzen Periode errichtet. Ab den 1990er Jahren kennzeichneten Funktionsverluste im Einzelhandel sowie eine nicht mehr zeitgemäße städtebauliche Struktur und fehlende Aufenthaltsqualitäten das Zentrum. Das Fördergebiet, gleichzeitig auch ein "Business Improvement District" nach dem hessischen Gesetz zur Stärkung innerstädtischer Geschäftsquartiere (INGE), wird im Rahmen des Programms "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" auf der Basis eines integrierten Konzeptes aufgewertet. Darüber hinaus wurden die Gewerbetreibenden im Zentrum durch das EFRE-Programm Lokale Ökonomie unterstützt. Das Programm ist Ende 2014 ausgelaufen.

Kontext

Die Stadt Baunatal, ein Mittelzentrum mit ca. 27.500 Einwohnern, grenzt südlich an die Stadt Kassel an und ist überregional hauptsächlich als Standort eines großen VW-Werkes mit circa 16.000 Arbeitsplätzen bekannt. Die Innenstadt von Baunatal, geplant und errichtet in den 1970er Jahren nach den seinerzeit üblichen städtebaulichen Maßstäben, litt lange unter einem Bedeutungsverlust, der sich unter anderem in leer stehenden Ladenlokalen manifestierte. Neben einem Rückgang der Einzelhandelsbedeutung waren zu Beginn der Fördermaßnahme fehlende architektonische Ausstrahlung sowie gravierende funktionale und ästhetische Mängel als Schwächen deutlich erkennbar. Verstärkt wurde diese Situation durch eine vierspurige Ringstraße um die Innenstadt, die dazu führte, dass die Innenstadt von Besuchern kaum wahrgenommen wurde und an vielen Stellen Rückseiten nach außen zeigt.

Projektbeschreibung

Grundlage für alle Maßnahmen im Fördergebiet ist das im Frühjahr 2010 fertiggestellte integrierte Handlungskonzept, ein "Konsenspapier" relevanter gesellschaftlicher Gruppen, von Bürgern und Innenstadtakteuren getragen. Das Handlungskonzept zielt auf eine städtebauliche und funktionale Stärkung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mitte. Durch unterschiedlichste Maßnahmen soll die Innenstadt an Attraktivität gewinnen.

So wird der hohe Standard im öffentlichen Raum, die Familien- und Fußgängerfreundlichkeit des Zentrums ausgebaut sowie der Marktplatz als gesellschaftlicher Mittelpunkt der Stadt profiliert. Hierzu wurde im Jahr 2011 ein freiraumplanerischer Wettbewerb durchgeführt, der im darauffolgenden Jahr als Gestaltungskonzept Innenstadt weiter ausgearbeitet wurde. Auf dieser Grundlage sind mittlerweile zahlreiche Umgestaltungsprojekte im öffentlichen Raum fertig gestellt, insbesondere in den Randbereichen der Innenstadt und an der Stadthalle.

Weitere Schwerpunkte stellen die Qualifizierung des Einzelhandels und die Stärkung der mittelständischen Betriebe dar. Ziel ist es, Projekte anzustoßen, die sich privatwirtschaftlich umsetzen lassen. Zahlreiche private Maßnahmen wurden bislang umgesetzt, teilweise mit Förderung durch das EFRE-Programm Lokale Ökonomie. Besonders hervorzuheben sind der Umbau eines SB-Warenhauses in ein modernes Einkaufszentrum und die Wiederbelebung großflächiger Leerstände in der Westpassage durch Handel und Gewerbe. Im Jahr 2015 wurden darüber hinaus ein Multiplexkino und eine Polizeidienststelle an der Friedrich-Ebert-Allee fertig gestellt. Insgesamt wurden bisher circa 24 Millionen Euro von privater Seite ins Zentrum investiert. Hinzu kommt die Entwicklung eines an die Innenstadt grenzenden Wohngebietes auf einem ehemaligen Schulgrundstück (THS-Gelände). Der Bau begann im Jahr 2013 und ist weitgehend fertig gestellt. Insgesamt entstehen ca. 140 Wohneinheiten. Dabei wird ein Schwerpunkt auf Mehrgenerationenhäuser und barrierefreie Wohnangebote gelegt.

Weitere wichtige "Schlüsselprojekte" wurden erfolgreich umgesetzt bzw. befinden sich vor der Fertigstellung. Die Bücherei im Rathaus wurde erweitert und aufgestockt. Dabei wurde der vorhandene Medienbestand modernisiert und deutlich erweitert. Zusätzlich entstand ein Raum für Veranstaltungen. Das Sockelgeschoss wurde energetisch erneuert. Das leer stehende Postgebäude am Marktplatz wurde saniert und zur soziokulturellen Begegnungsstätte umgenutzt. Der Umbau der vierspurigen Friedrich-Ebert-Allee von einer trennenden Verkehrstrasse in eine Allee und innerstädtische Adresse ist überwiegend fertig gestellt. Entstanden ist mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer. Grundlage für den stadtverträglichen Umbau war ein Verkehrsgutachten. An wichtigen Knotenpunkten werden Kreisverkehre eingerichtet. Dadurch lassen sich die Verkehrsströme sicherer abwickeln, gleichzeitig kann die Leistungsfähigkeit der Straßen erhöht und abschnittsweise auf Fahrstreifen verzichtet werden. Derzeit wird an der Friedrich-Ebert-Allee ein Kino errichtet, in dem einige der Säle auch für Veranstaltungen, Konzerte und Aufführungen genutzt werden können, so dass das Gebäude auch die Funktion eines Kulturzentrums übernimmt.

Zur Koordinierung der Umsetzung des integrierten Handlungskonzeptes und zur Förderung der Zusammenarbeit der Akteure wurde im Jahr 2010 ein Zentrenmanagement (in Hessen: Kernbereichsmanagement) eingerichtet.

Handlungsfelder            

  • Handel, Handwerk und Dienstleistungen
  • Öffentlicher Raum
  • Infrastruktur und öffentliche Einrichtungen
  • Privat-öffentliche Kooperation
  • Verkehr
  • Wohnen
  • Kernbereichsmanagement

Einzelmaßnahmen        

  • Umbau des Herkulesmarkts, vom SB-Warenhaus zum Innenstadtmagneten: Der Umbau in zentraler Lage stabilisiert die Einzelhandelsstrukturen und macht das Zentrum durch Schaufenster und neue Zugänge attraktiver (Fertigstellung 2010).
  • Erweiterung der Bücherei - das Rathaus als Haus für Bürger: Umbau und Erweiterung der Sockelgeschosse, Umgestaltung der Bücherei in eine moderne Mediathek (Fertigstellung 2013).
  • Umbau und Aufstockung der ehemaligen Post – Umnutzung in eine soziokulturelle Begegnungsstätte, Bäckerei mit Café, Reisebüro im Erdgeschoss. Im Anschluss an die Maßnahme wurde die angrenzende Postgasse zu einem barrierefreien und attraktiven Stadteingang umgestaltet (Fertigstellung 2013).
  • Das Westviertel - Entwicklung und Vernetzung: Die leer stehende Westpassage wurde 2010 saniert und mit Einzelhandel und gewerblichen Nutzungen wiederbelebt. Im nächsten Schritt erfolgt die Aufwertung des Umfelds, um den Bereich besser mit dem Zentrum zu verbinden.
  • Ein attraktiver öffentlicher Raum als Aushängeschild: Umfassende Aufwertung des öffentlichen Raums, von Plätzen, Straßen und Zuwegungen im Zentrum (ab 2013 Umgestaltung Fußgängerzone, Marktplatz und An der Stadthalle Fertigstellung voraussichtlich 2019).
  • Entwicklung eines innenstadtnahen Wohngebietes im Grünen: Auf einem ehemals durch die Theodor-Heuss-Schule genutzten Areal (THS-Gelände) entsteht ein neues Wohnquartier mit städtischen Wohnformen und barrierefreien Wohneinheiten (Erschließung: 2012, Realisierung ab 2013).
  • Umgestaltung von Verkehrsstraßen: Auf der Grundlage einer Verkehrsuntersuchung wurden die Friedrich-Ebert-Allee und Kirchbaunaer Allee zu einer Adresse im Zentrum umgebaut, angrenzende Straßen umgestaltet und Kreisverkehre geschaffen (Fertigstellung 2014).
  • Kino und Kulturzentrum: An der Friedrich-Ebert-Allee entstand in Nachbarschaft zur Stadthalle ein Neubau für ein Kino mit mehreren Sälen, die auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden können (Fertigstellung 2015)
  • Polizeigebäude: An der Friedrich-Ebert-Allee wurde ein neues Gebäude als Polizeirevier Süd-West errichtet (Fertigstellung 2015).

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Landesförderprogramm "Lokale Ökonomie" bis 2013
  • GVFG-Mittel
  • Eigenmittel der Stadt

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Aufnahme in das Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
2009Erarbeitung des integrierten Handlungskonzepts, Initiierung einer "lokalen Partnerschaft", Baubeginn SB-Warenhaus
2010Einrichtung Kernbereichsmanagement mit Büro vor Ort, Erstellung einer Website, Projektvorplanungen, Umbau Herkulesmarkt und Westpassage
2011Modernisierung von Gewerbebetrieben, Auswahlverfahren und Planungen zum Umbau von Rathaus und Post, Durchführung eines Wettbewerbs zum öffentlichen Raum
2012Gestaltungskonzept Innenstadt, Einrichtung Verfügungsfonds, Umbau Friedrich-Ebert-Alle (1. BA), Erschließung THS-Gelände (ehemalige Schule) zur Errichtung eines Wohnquartiers
2013Umbau Bücherei, Sanierung und Umbau Alte Post, Umgestaltung Fußgängerzone, Umgestaltung Postgasse – Umbau angrenzender Vordächer, Stadteingang Westpassage, Eingang Stadthalle, Umbau Friedrich-Ebert-Allee (2. BA) / Baubeginn Wohnquartier auf dem THS-Gelände
2014Umbau Kirchbaunaer Straße / Eröffnung des umgebauten Rathauses mit der Stadtbibliothek / Eröffnung Haus der Begegnung / Baubeginn Kino- und Kulturzentrum
2015Fertigstellung Polizeirevier Süd-West und Kino, Umgestaltung Fußgängerzone und Bereich an der Stadthalle


Besonderheiten

Im Rahmen des innerstädtischen Entwicklungsprozesses werden Anreize für Investitionen geschaffen. Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung arbeiten eng zusammen: Über das INGE-Gesetz (siehe oben) werden Gelder privater Eigentümer für gemeinsame Projekte zur Verfügung gestellt. Mit dem Programm Lokale Ökonomie wurde gezielt die lokale, mittelständische Wirtschaft durch finanzielle Hilfen bei Investitionen gestärkt. Auch Beratung, Schulung und Marketing gehörten zum Spektrum der Möglichkeiten. Zusätzlich wurde ein Verfügungsfonds eingerichtet. Gleichzeitig werden der öffentliche Raum aufgewertet und weitere, wichtige Hochbauprojekte, die das Gesicht des Zentrums aufwerten, vorangetrieben. Der wirtschaftliche Aufschwung soll auf diese Weise für alle sichtbar nach außen getragen werden, neue Besucher sollen auf das Baunataler Zentrum aufmerksam gemacht werden.

Lernerfahrungen

Die Zentrenentwicklung in Baunatal ist geprägt durch einen konsequent integrierten Ansatz sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und privaten Akteuren. Dabei soll der Aufschwung nicht nur für einige Wenige von Vorteil sein, sondern möglichst Vielen zu Gute kommen. Dieser umfangreiche Prozess wird von einem Kernbereichsmanagement professionell unterstützt. Aus diesem Vorgehen lassen sich für andere Kommunen Erfahrungen ableiten, wie insbesondere kleine und mittelständische Betriebe sowie Gebäude- und Grundstückseigentümer für eine Mitwirkung an der Weiterentwicklung der städtischen Zentren aktiviert werden können. Weitere Lernerfahrungen lassen sich durch die Koppelung der BID-Initiative (INGE) mit dem Verfügungsfonds gewinnen: Die INGE-Initiative hat mit Geldern des Verfügungsfonds zum Beispiel die Möblierung des Marktplatzes oder das Aufstellen von Hinweisschildern unterstützt.

Zusatzinformationen

Bundesland

Hessen


Gemeinde

Baunatal (Landkreis Kassel)


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

frühestens 2016


Größe des Gebietes

ca. 16 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2014: 1.539.000 Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Magistrat der Stadt Baunatal
FB Wirtschaftsförderung, Finanzen und Stadtmarketing
Herr Klaus-Peter Metz
Marktplatz 14
34225 Baunatal
E-Mail:klaus-peter.metz@stadt-baunatal.de

Kernbereichsmanagement "baunatalaktiv"
Herr Andreas Mayer
E-Mail: kontakt@baunatalaktiv.de


Link / weitere Informationen

Baunatal aktiv

Stand

August 2015



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