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Berlin - Karl-Marx-Straße

Schwerpunkte: Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Öffentlicher Raum / Mobilität / Mitwirkung und Kooperation / Einsatz von Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Die von Funktionsschwächen und Defiziten im öffentlichen Raum geprägte Karl-Marx-Straße ist mit ihren Seitenstraßen der zentrale Versorgungsbereich des multikulturellen Bezirks Neukölln. Seit 2004 gibt es Aktivitäten, die Karl-Marx-Straße als zukunftsfähiges Zentrum, lebendige Mitte von Neukölln und als Identifikationsraum für die Neuköllner weiter zu entwickeln. Die Hauptthemen Handeln, Begegnen und Erleben werden in den Handlungsfeldern "Interessen bündeln", "Platz schaffen" und "Vielfalt stärken" verfolgt. Ziele der Erneuerung sind Umbau und Aufwertung des Straßenraums, Entwicklung von Schlüsselimmobilien, Qualifizierung des Handels und der weiteren zentralen Funktionen, insbesondere der Kultureinrichtungen, sowie die noch stärkere Vernetzung der Akteure.

Kontext

Das Programmgebiet "Karl-Marx-Straße" liegt am südlichen Berliner Innenstadtrand im Bezirk Neukölln und gehört mit einem Einzugsbereich von circa 450.000 Menschen zu den wichtigsten Zentren der Innenstadt. Im Stadtentwicklungsplan "Zentren" des Landes Berlin ist das Gebiet als "Hauptzentrum" definiert. Es verfügt über eine hervorragende Anbindung an den ÖPNV. Seit 2009 ist es als Sanierungsgebiet nach § 142 Baugesetzbuch (BauGB) ausgewiesen.

Das Gebiet ist gekennzeichnet durch eine gründerzeitliche Bebauung und stadtbildprägende Gebäude wie das Rathaus, das Amtsgericht Neukölln oder die ehemalige Kaiserliche Post sowie durch kulturelle Einrichtungen (zum Beispiel Theater Heimathafen Neukölln, Neuköllner Oper). In das Fördergebiet wurde das Gelände einer ehemaligen Brauerei einbezogen, das für einen Nutzungsmix aus Kultur, Kunst, Bildung, Dienstleistungen und Wohnen entwickelt wird.

Die Situation im Gebiet zu Beginn der Förderung war geprägt von Funktionsverlusten im Einzelhandel, die sich in Leerständen zentraler Immobilien und in Qualitätsverlusten des kleinteiligen, häufig inhabergeführten Einzelhandels ausdrückten. Als Folgewirkungen waren eine gestiegene Fluktuation und die Zunahme von Vergnügungsstätten zu beobachten. Der hohen Passantenfrequenz standen schlechte Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer sowie eine geringe Aufenthaltsqualität gegenüber. Obwohl es viele engagierte Akteure und eine hohe Mitwirkungsbereitschaft gab, mangelte es noch an der Vernetzung. Insbesondere übergreifende Initiativen zwischen Handel, Eigentümern und Kulturschaffenden sowie Anwohnern fehlten.

Im Förderzeitraum unterstützten Aktivitäten und Maßnahmen des Zentrenprogramms den Aufbau tragfähiger Kommunikations-, Beteiligungs- und Akteursstrukturen. Auch konnten wichtige Schlüsselprojekte umgesetzt werden. Zudem hat sich, unter anderem ausgelöst durch den Zuzug junger Menschen, das Bevölkerungswachstum in Berlin und steigendes Interesse von Investoren, zunehmend ein positives Image des Stadtteils entwickelt.

Projektbeschreibung

Im Rahmen des Handlungsfeldes "Interessen bündeln" soll das größte Potenzial des Gebietes – die hohe Mitwirkungsbereitschaft verschiedener Akteure – genutzt werden, indem diese in einer kooperativen Organisationsstruktur gebündelt und vernetzt werden. Dazu wurde die [Aktion! Karl-Marx-Straße] gleichzeitig als Kommunikationsplattform und als organisatorische Einheit ins Leben gerufen, die sich regelmäßig trifft. Eine im Mai 2009 eingerichtete Lenkungsgruppe verbindet die unterschiedlichen Interessengruppen und tagt einmal im Monat öffentlich. Seit Februar 2010 fungiert die Lenkungsgruppe gleichzeitig als Beteiligungsgremium für den Sanierungsprozess und zog in ein eigenes Büro.

Revitalisiertes Kaufhaus Revitalisiertes KaufhausRevitalisiertes Kaufhaus Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Als wichtiges Ziel der Fördermaßnahme soll die Struktur und Qualität von Handel und Dienstleistungen im Gebiet gestärkt werden. In Kooperation mit privaten Akteuren/Initiativen wurden und werden die, das Gebiet stark prägenden Gebäude, des geschlossenen Warenhauses Hertie und der ehemaligen Kindl-Brauerei umgebaut und neu genutzt. Das Warenhaus bietet nach dem Umbau seit 2010 mehrere Ladenflächen, die über die Straße erschlossen werden. Im Untergeschoss gibt es Nahversorgungsangebote, die Obergeschosse werden als Fitnessstudio und vermietete Lagerräume genutzt. Ein für mehrere Jahre leerstehendes Bekleidungskaufhaus wird als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Mit der Eröffnung des privaten „KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst“ auf dem ehemaligen Kindl-Gelände wurde 2016 ein wichtiger Baustein zur Revitalisierung des Areal fertig gestellt, der die schon vorhandene Kunst- und Kulturszene im Stadtteilzentrum erweitert. Auf dem Areal werden derzeit Wohngebäude errichtet, die sich unter anderem an Familien und Studenten richten. In Kooperation mit den Betreibern des KINDL-Zentrums wurde 2016 eine barrierefreie Wegverbindung, die sogenannte Kindl-Treppe mit Fahrstuhl, eröffnet. Sie verbindet das Kindl-Gelände auf kurzem Weg über die Neckarstraße mit der Karl-Marx-Straße. Auf der Grundlage eines Wettbewerbs wurde die Treppe künstlerisch gestaltet.

Auf dem bislang untergenutzten Baublock 77 im Norden der Karl-Marx-Straße sollen Freizeit- und Bildungsangeboten für Familien und Jugendliche errichtet werden. Hierfür wurde 2016 ein Entwicklungskonzept erarbeitet.

Ein weiteres Ziel ist der fußgänger- und radfahrerfreundliche Umbau sowie die Aufwertung der stark vom Durchgangsverkehr geprägten Karl-Marx-Straße und angrenzender öffentlicher Räume zur Steigerung der Aufenthaltsqualität. Die ersten Bauabschnitte des Umbaus sind fertig gestellt. Entstanden sind breitere Gehwege, Ladezonen für den Lieferverkehr und Radverkehrsstreifen. 2021 soll der Umbau der Straße abgeschossen sein. Als zentrale Maßnahme des Straßenumbaus wurde der Platz der Stadt Hof, heute Alfred-Scholz-Platz, neu gestaltet. Mit einer Änderung der Verkehrsführung gelang es, den Platz deutlich zu vergrößern. Der Oberflächenbelag ist künstlerisch gestaltet und neue Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Auf dem Platz gibt es zudem einen Imbiss, der Veranstaltungen durchführt, die den Platz beleben und in seiner Funktion als Treff- und Kommunikationsort stärken. Die Eröffnung des Platzes erfolgte 2014.

Um das Stadtbild aufzuwerten, wurde 2012 ein Leitfaden für die Gestaltung und energetische Sanierung von Fassaden veröffentlicht. Er setzt sich detailliert mit den Gestaltungs- und Sanierungsmöglichkeiten gründerzeitlicher Hausfassaden und Schaufensterfronten auseinander und geht auch auf Aspekte des Klimaschutzes und Sicherung baukultureller Qualitäten ein. Ergänzend wird im Zuge der Bau- und Sanierungsmaßnahmen ein Lichtkonzept umgesetzt.

Um die Vielfalt des Gebiets zu stärken, soll das Einzelhandels- sowie das gastronomische Angebot qualifiziert und ausgeweitet werden. Wichtiger Akteur ist in diesem Zusammenhang das Citymanagement, das 2010 eingerichtet wurde. Kulturevents wie "48 Stunden Neukölln", Kunstaktionen im öffentlichen Raum und die Vitalisierung der leer stehenden Post, nach Möglichkeit durch Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft, dienen der Stärkung des bereits heute überörtlich bekannten Kulturschwerpunktes der Straße. Begleitend wird eine offensive Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit (Magazin "Broadway Neukölln", Website, Newsletter, Kunstaktionen etc.) geleistet, um das Image der Karl-Marx-Straße und Nord-Neuköllns durch die Bewerbung der neuen Aktivitäten und Angebote positiv zu prägen und die Mitwirkungsbereitschaft anzuregen.

Handlungsfelder            

  • Handel, Gastronomie und Dienstleistungen
  • Kunst, Kultur, urbane Vielfalt
  • Öffentlicher Raum
  • Vernetzung und Kooperation der Akteure
  • Einzelhandel, Gastronomie, Handwerk und Dienstleistungen
  • Stadtverträgliche Mobilität
  • Wohnen
  • Marketing und Öffentlichkeitsarbeit

Einzelmaßnahmen        

  • Umgestaltung der Karl-Marx-Straße einschließlich angrenzender Plätze vom Verkehrs- zum Erlebnisraum (in Umsetzung)
  • Umgestaltung und Erweiterung des Platzes der Stadt Hof (heute: Alfred-Scholz-Platz) als Zentrum der Karl-Marx-Straße (2012 - 2014)
  • Lichtkonzept Karl-Marx-Straße (in Umsetzung)
  • Wiedernutzung Post - Front Office der kreativen Karl-Marx-Straße (geplant)
  • Revitalisierung des ehemaligen Hertie-Warenhauses (Eröffnung 2010)
  • Umnutzung eines Bekleidungskaufhauses zur Flüchtlingsunterkunft (2015)
  • Entwicklung/Umnutzung der Kindl-Brauerei als Teil des Zentrums (in Umsetzung)
  • Erarbeitung Gestaltungsleitfaden für Erneuerung der gründerzeitlichen Fassaden (2012)
  • Aufwertung des Kulturstandortes "Passage" (in Umsetzung)
  • Baustellenmarketing, Öffentlichkeitsarbeit, Durchführung von Festen und Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Kulturfestival "48 Stunden Neukölln"", "Late Night Shopping", Kultkölln (laufend)
  • Citymanagement (ab 2010)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • KfW-Programm zur Modernisierung und Instandsetzung von Wohnungen
  • Mittel nach Sozialgesetzbuch III (Arbeitsförderung)
  • Mittel aus dem Berliner Landesprogramm Kulturelle Bildung
  • Wirtschaftsdienliche Maßnahmen (EFRE)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2007Beschluss der Vorbereitenden Untersuchungen
2008Erstes Treffen der [Aktion! Karl-Marx-Straße] / Beschluss des Entwicklungskonzepts durch das Bezirksamt Neukölln unter dem Motto [Aktion! Karl-Marx-Straße] / Einrichtung des Aktionärsfonds (Verfügungsfonds)
2009Aufnahme in das Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" / Erstes Treffen der (informellen) Lenkungsgruppe der [Aktion! Karl-Marx-Straße] / Abschluss der Vorbereitenden Untersuchungen / Festsetzung des Aktiven Zentrums zum Sanierungsgebiet
2010Wahl der Lenkungsgruppe als formelle Vertretung / Beginn der Umsetzung von Maßnahmen / Einrichtung einer zentralen Fahrradstellplatzanlage / Einrichtung eines Citymanagements / Eröffnung des ehemaligen Hertie-Kaufhauses als neues Einkaufszentrum
2011Eröffnung des Büros der [Aktion! Karl-Marx-Straße] für Citymanagement und Lenkungsgruppe / Nutzungsänderung der ehemaligen Kindl-Brauerei zu einem Kulturstandort
2012Baubeginn am Platz der Stadt Hof (heute Alfred-Scholz-Platz) / Baubeginn im historischen Teil des Gebietes anlässlich des Jubiläums 275 Jahre Böhmisches Dorf / Veröffentlichung Gestaltungsleitfaden für die Fassadensanierung
2014Fertigstellung des Alfred-Scholz-Platzes / Teileröffnung des KINDL – Zentrums für zeitgenössische Kunst
2015Baubeginn der Kindl-Treppe / Baubeginn der Straßenumbauten in Neckar- und Isarstraße, teilweise Karl-Marx-Straße / Neuwahl der Lenkungsgruppe
2016Fertigstellung der Kindl-Treppe / Fortführung des Straßenumbaus in der Karl-Marx-Straße / Erarbeitung eines Entwicklungskonzeptes für den Block 77 (Errichtung von Infrastruktureinrichtungen für Bildung und Freizeit)


Besonderheiten

Nach dem Vorbild der Quartiersfonds in Quartiersmanagement-Gebieten wurde bereits 2008 ein "Aktionärsfonds" (Verfügungsfonds, in Berlin: Gebietsfonds) eingerichtet, um das Image des Gebietes und Projekte von lokalen Akteuren zu fördern, die die Karl-Marx-Straße im Rahmen der zentralen Handlungsfelder unterstützen. Zwischen 2008 und 2016 wurden über 80 Projekte mit dem Aktionärsfonds unterstützt. Die Obergrenze für die Unterstützung eines einzelnen Projektes liegt bei 3.000 Euro.

Jedes Jahr wird ein Aufruf gestartet, der ein besonderes Motto besitzt. Der Fokus lag 2013 auf "verborgenen Dingen", die es in der Karl-Marx-Straße zu entdecken gilt (zum Beispiel durch eine Ausstellung zum "Böhmischen Dorf", das als historischer Kern von Neukölln direkt hinter der Karl-Marx-Straße liegt sowie durch die Fotoausstellung "Behind the wall", die mit ihrem Wechselspiel aus Bildern von Gebäuden und Menschen den Blick des Betrachters weitet). 2015 wurden unter dem Motto "Wir verdoppeln Ihren Einsatz" insbesondere Projekte gefördert, die die Attraktivität des aktuellen Baustellenbereichs in der Karl-Marx-Straße erhöhen und diesen nachhaltig stärken. 2016 lautete das Motto "Begegnungen", um Projekte zu initiieren, die unter anderem direkt für oder mit geflüchteten Menschen durchgeführt werden und der Integration dienen.

Lernerfahrungen

Aus den Akteuren der unterschiedlichsten Interessengruppen an der Karl-Marx-Straße wurde eine Kerngruppe gebildet. Dies hat zu einem dynamischen und vertrauensvollen Umgang beigetragen. Die hohe Kontinuität der Teilnahme an den monatlichen Treffen der Lenkungsgruppe signalisiert ein großes Interesse und die Bereitschaft, sich in die Prozesse einzubringen. Von Beginn an war das Engagement und nicht eine formelle Wahl in das Gremium das Kriterium für die Teilnahme an den Sitzungen der Lenkungsgruppe. Die Gruppe steht nach wie vor allen Interessierten offen. Dennoch wuchs der Wunsch seitens der Akteure, aber auch seitens der Verwaltung und der politischen Entscheidungsträger, durch eine demokratische Legitimation eine stärkere Verbindlichkeit herzustellen. Mit der Wahl der Lenkungsgruppe im Februar 2010 wurde diesem Wunsch entsprochen. Mit der Funktion der Vertretung von bestimmten Interessen ist aber auch die Gefahr verbunden, dass der Einzelne sich nicht mehr selbst in den Prozess einbringt.

Die Lenkungsgruppe nimmt formal auch die Aufgaben der Betroffenenvertretung im Sanierungsgebiet (§ 137 BauGB) wahr. Um die eigenen Interessen aktiv in den Prozess einbringen zu können, gab sich die Lenkungsgruppe eine eigene Geschäftsordnung und verfügt seit 2011 über einen kleinen eigenen Etat sowie über Büro- und Versammlungsräume. Die frühzeitige intensive Öffentlichkeitsarbeit bewirkte nach innen und außen Veränderungen in der Wahrnehmung des Bezirks Neukölln. Grundlage aller öffentlichen Auftritte und der entwickelten Medien ist ein abgestimmtes Kommunikationskonzept. Die Kampagne der [Aktion! Karl-Marx-Straße] baut auf ein einheitliches Corporate-Design auf, das mit einem Design-Büro in Bürgerversammlungen erarbeitet wurde.

Zusatzinformationen

Bundesland

Berlin


Gemeinde

Berlin (Bezirk Neukölln)


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2009: Aufnahme in das Programm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektende

voraussichtlich 2026


Größe des Gebietes

circa 54 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 3,751 Mio. Euro


Gebietstypus

Stadtteilzentrum


Kontaktdaten

Bezirksamt Neukölln von Berlin
Stadtentwicklungsamt
Herr Dirk Faulenbach
Karl-Marx-Str. 83
12040 Berlin
E-Mail: stadtplanung@bezirksamt-neukoelln.de


BSG mbH
Beauftragter Projektsteuerer im Untersuchungsgebiet
Herr Horst Evertz
Karl-Marx-Str. 117
12043 Berlin
E-Mail: kms@bsgmbh.com


Link / weitere Informationen

Senat Berlin - Aktive Stadtzentren
Senat Berlin - Quartier Karl-Marx-Straße
[Aktion! Karl-Marx-Straße]


Stand

Januar 2017

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