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Berlin - Marzahner Promenade

Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Einsatz von Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Die Marzahner Promenade war ein ambitioniertes Projekt des "komplexen Wohnungsbaus" zu DDR-Zeiten. Sie wurde "aus einem Guss" als Einkaufsstraße geplant und ist charakterisiert durch einen weitläufigen Stadtraum, der von Geschosswohnungsbauten gesäumt wird. Seit dem Bau eines Einkaufszentrums mit rund 30.000 Verkaufsfläche (Eröffnung 2005) im Süden der Marzahner Promenade verlor sie zunehmend ihre Funktion als Geschäftsstraße. Das Stadtteilzentrum wurde von außen kaum wahrgenommen und sein Image außerhalb Marzahns war nicht gut. Zudem fehlte es an Aufenthaltsqualität. Im Rahmen der Fördermaßnahme im Zentrenprogramm werden Maßnahmen umgesetzt, um an vorhandene Potenziale anzuknüpfen und die Marzahner Promenade zu einem attraktiven Stadtteilzentrum zum Einkaufen und als kommunikativer Ort zur Freizeitgestaltung zu entwickeln. Dabei spielen Kultur und nichtkommerzielle Angebote eine wichtige Rolle.

Kontext

Das Stadtteilzentrum Marzahner Promenade liegt am südwestlichen Rand der Großsiedlung Berlin-Marzahn an den Haupterschließungsachsen Märkische Allee und Landsberger Allee. Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf überwiegen Großsiedlungsstrukturen in Plattenbauweise aus DDR-Zeiten. Die Marzahner Promenade wurde als Vorzeigeprojekt in den 1970er Jahren geplant und bis Ende der 1980er Jahre gebaut. Sie erstreckt sich über eine Länge von gut einem Kilometer und hat ihren Ausgangspunkt am S-Bahnhof Marzahn. Den Endpunkt bildet das Freizeitforum Marzahn (FFM), ein wichtiges Kultur- und Freizeitzentrum des Bezirks. Dazwischen reihen sich in mehreren Abschnitten Einzelhandelsnutzungen, öffentliche Einrichtungen und Dienstleistungen sowie kleinere Freizeit- und Kultureinrichtungen aneinander. Seit Beginn der 1990er Jahre und insbesondere nach dem Bau des Einkaufszentrums am S-Bahnhof verlor die Marzahner Promenade durch zunehmenden Leerstand, ein qualitativ unzureichendes Angebot im Einzelhandel und Gestaltungsmängel im öffentlichen Raum deutlich an Attraktivität und Bedeutung. Hingegen erfreut sich das Einkaufszentrum unweit des S-Bahnhofs Marzahn großer Beliebtheit und absorbiert einen Großteil der Besucher des Stadtteilzentrums.

Projektbeschreibung

Ziel der Fördermaßnahme ist es, die Marzahner Promenade zu einem attraktiven Stadtteilzentrum zu entwickeln. Handlungsgrundlage ist ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept, das 2014 fortgeschrieben wurde. Im Mittelpunkt stehen der Ausbau der Multifunktionalität und die Verbesserung des Außenimages. Von großer Bedeutung ist auch die Aufwertung des öffentlichen Raums, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, die Marzahner Promenade stärker mit dem Umfeld zu verknüpfen und die unübersichtliche Gestaltung zu verbessern.

Grundlage für die Umgestaltung der Marzahner Promenade ist das Ergebnis eines landschaftsplanerischen Wettbewerbs. Eine einheitliche Gestaltung betont den räumlichen Zusammenhang der Promenade, vorhandene Stadtplätze wurden aufgewertet und für unterschiedliche Funktionen und Nutzungen qualifiziert. So wurde der Zugang zur Promenade am Busbahnhof vollständig neu organisiert. Am anderen Ende der Marzahner Promenade schafft der neugestaltete Victor-Klemperer-Platz eine optische und räumliche Beziehung zwischen Freizeitforum und Promenade. Hier entstand auch ein neuer Spielplatz. Der 12.000 große Marktplatz im Zentrum der Promenade wurde ebenfalls aufgewertet und ist nun als Ort für Veranstaltungen und den Wochenmarkt besser erreichbar und nutzbar. Am sogenannten "Mosaikplatz" wurden die künstlerisch wertvoll gestalteten Mosaiken aus der Entstehungszeit der Promenade saniert und durch Beleuchtung hervorgehoben. Im gesamten Verlauf der Marzahner Promenade wurden die Gehwege saniert, Sitzmöglichkeiten geschaffen, Grünflächen aufgewertet und die barrierefreie Erreichbarkeit verbessert.

Wichtige öffentliche Einrichtung ist das Freizeitforum Marzahn (FFM). Es verfügt über zahlreiche Angebote und Qualitäten, die als wichtige Impulsgeber für den Revitalisierungsprozess genutzt werden können. Hier befinden sich unter anderem ein Schwimmbad, mehrere Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, gastronomische Einrichtungen, eine Frauensporthalle und eine Jugendfreizeiteinrichtung. Durch eine dreitägige Veranstaltung 2011 wurden die Vielfalt des Freizeitforums und seine Möglichkeiten für Kultur, Kunst, Sport und Freizeit für alle Altersgruppen der breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht und seine Bedeutung für die Funktionsvielfalt in der Marzahner Promenade diskutiert. Geplant ist die energetische Sanierung und gestalterische Aufwertung des Gebäudes. Die energetische Sanierung erfolgt auch durch die zusätzliche Förderung aus dem Berliner Zukunftsinvestitionsprogramm (ZIP) und konzentriert sich auf die Dächer, einschließlich Dachbegrünung in einzelnen Bereichen und auf das Blockheizkraftwerk.

Um eine gemeinsame Identität für die Marzahner Promenade zu schaffen und das Image zu verbessern, wurden ein Werbe- und Gestaltungskonzept mit Logo entwickelt. Dementsprechend gestaltete Fahrradständer, Sonnenschirme und Wegweiser wurden unter Einsatz von Mitteln aus dem Verfügungsfonds (in Berlin: Gebietsfonds) installiert. Erarbeitet wurde weiterhin eine Gewerbebroschüre, die die Einzelhandels- und Dienstleistungsangebote sowie die Vielfalt der Marzahner Promenade aufzeigt. Eine neue Attraktion mit Außenwirkung ist der "Skywalk", eine kostenlose Aussichtsplattform auf einem Hochhaus an der Promenade mit Blick in die Berliner Innenstadt. Sie wurde 2015 eröffnet und entstand als Kooperationsprojekt mit der Eigentümerin des Wohnhochhauses, einer Wohnungsbaugesellschaft.

Von den Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und des Außenimages profitieren auch Handel und Gewerbe, sodass die Multifunktionalität gestärkt wird. Außerdem wird attraktiver Raum geschaffen für kulturelle und sonstige Veranstaltungen. Auf öffentlichen Flächen der Marzahner Promenade finden seit 2010 regelmäßig temporäre Kunstaktionen statt. Die Kunstinstallationen werden im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens ausgewählt, an dem auch Bürgerinnen und Bürger beteiligt sind. Weitere Veranstaltungen, zum Beispiel die auf Gesundheits- und Sportangebote im Stadtteilzentrum fokussierte "Fit & Gesund"-Mitmachaktion, finden auf den aufgewerteten Bereichen der Promenade statt.

Zum Erfolg der Maßnahme tragen auch die unterschiedlichen Beteiligungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten für die Akteure bei (Gewerbetreibende, Träger soziokultureller Einrichtungen, Bewohnerinnen und Bewohner). Das Prozessmanagement führt zu allen Bauprojekten Beteiligungsverfahren durch, wie zum Beispiel Baustellensprechstunden und eine Fragebogenaktion über die Zufriedenheit mit den umgesetzten Maßnahmen. Kinder und Jugendliche wurden zudem gezielt über die Gestaltung des Spielplatzes auf dem Victor-Klemperer-Platz befragt. Das Geschäftsstraßenmanagement (hier: Promenadenmanagement) koordiniert Aktionen und Veranstaltungen, die der Vernetzung der Gewerbetreibenden dienen. Hierzu zählt das Unternehmerfrühstück, wo mit lokalen Händlern die aktuellen Planungen diskutiert werden.

Handlungsfelder     

  • Multifunktionalität
  • Öffentlicher Raum
  • Erreichbarkeit und Wahrnehmbarkeit
  • Image
  • Einzelhandel und Dienstleistungen
  • Öffentliche Einrichtungen, Kunst und Kultur
  • Beteiligung und Aktivierung

Einzelmaßnahmen

  • Integriertes städtebauliches Einwicklungskonzept für die Marzahner Promenade (2008, Evaluierung und Fortschreibung 2014)
  • Geschäftsstraßenmanagement (seit 2009)
  • Verfügungsfonds (seit 2010)
  • Marken- und Gestaltungskonzept mit Logo (2012)
  • Landschaftsplanerischer Wettbewerb für die Umgestaltung der Marzahner Promenade (2009)
  • Verbesserung der Eingangssituation und Schaffung von Aufenthaltsmöglichkeiten am S-Bahnhof und Busbahnhof (2011)
  • Aufwertung der Marzahner Promenade mit Umgestaltung von drei Stadtplätzen (Victor-Klemperer-Platz, Marktplatz und Mosaikplatz) zur Strukturierung und abschnittsweisen Funktionszuweisung im öffentlichen Raum (in Umsetzung)
  • Einrichtung einer Aussichtsplattform ("Skywalk") auf einem Hochhaus an der Promenade (2015)
  • Kunstaktionen im öffentlichen Raum (laufend)
  • Lichtinstallation an Hochhäusern und Gestaltungselementen entlang der Promenade (in Umsetzung)
  • Funktionale und bauliche Aufwertung des Freizeitforums (in Umsetzung)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost"
  • Zukunftsinvestitionsprogramm (ZIP)
  • punktuelle Kofinanzierung durch die Wohnungsbaugesellschaft degewo / Marzahner Tor

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Aufnahme in das Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" / Erarbeitung des integrierten Entwicklungskonzeptes
2009Auslobung eines landschaftsplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerbs zur Aufwertung und Umgestaltung des öffentlichen Raums der Marzahner Promenade / Gründung eines Geschäftsstraßenmanagements unter Schirmherrschaft der Wohnungsbaugesellschaft degewo
2010Konstituierung des Beirates "Akteursrunde Marzahner Promenade" / Start der Umgestaltung der Marzahner Promenade: Umgestaltung des Platzes vor dem Freizeitforum (Victor-Kemperer-Platz) / Einrichtung des Verfügungsfonds / Kunstaktionen von Oktober bis Dezember
2011Neugestaltung des Busbahnhofs / Veranstaltung zum Freizeitforum
2013Abschluss der Bauarbeiten auf dem Victor-Klemperer-Platz und Eröffnung des Spielplatzes / Werbe- und Gestaltungskonzept
2014Gewerbebroschüre über die Marzahner Promenade / Fortschreibung des Entwicklungskonzeptes
2015Eröffnung des Skywalks / Eröffnung des umgestalteten Marktplatzes
2016Mitmachaktion "Fit & Gesund" / Beginn der Bauarbeiten am Mosaikplatz


Besonderheiten

Die Ausgangslage in diesem Fördergebiet unterscheidet sich grundlegend von Stadtteilzentren in gewachsenen Strukturen (stadträumlich, eigentumsrechtlich, nutzungsstrukturell). Der große Wohnungsbesatz der Promenadenbebauung dominiert den Charakter des Quartiers. Die Marzahner Promenade besitzt besondere Potenziale: Der Fußgängerbereich ist mit vielen Naturerlebnisräumen und Kunstobjekten ausgestattet und frei von Großstadthektik und Verkehrsbelastungen.

Die Aktivitäten zur Stärkung der Marzahner Promenade werden im Rahmen des Zentrenprogramms durch ein "Atelierprogramm" ergänzt. Mit diesem Programm bietet der Bezirk in Kooperation mit den Wohnungsbaugesellschaften Gewerbeimmobilien für Künstler an, die die künstlerische Nutzung der Immobilien nach außen sichtbar gestalten sollen, um den Stadtraum zu beleben. Über die kommunale "Galerie M" werden zudem die kulturellen Aktionen und Kunstprojekte an der Marzahner Promenade koordiniert.

Lernerfahrungen

Skywalk mit Blick auf den Viktor-Klemperer-Platz Skywalk mit Blick auf den Viktor-Klemperer-PlatzSkywalk mit Blick auf den Viktor-Klemperer-Platz Quelle: BSM mbH Berlin

Aufgrund der Eigentumsverhältnisse und der städtebaulichen Struktur ist der Akteurskreis überschaubar. Damit bestehen günstige Voraussetzungen zur Bündelung von privaten und öffentlichen Maßnahmen. Der Haupteigentümer der Gebäude im Umfeld der Marzahner Promenade ist die Wohnungsgesellschaft degewo, die den Prozess der Aufwertung intensiv unterstützt. Einzelmaßnahmen werden durch die degewo kofinanziert, sodass deren Umsetzung beschleunigt wird. Die Erfahrungen aus dieser intensiven Kooperation können auch für andere Quartiere, in denen der Gebäudebestand sich auf wenige größere Eigentümer verteilt, genutzt werden.

Zusatzinformationen

Bundesland

Berlin


Gemeinde

Berlin (Bezirk Marzahn-Hellersdorf)


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

voraussichtlich 2019


Größe des Gebietes

ca. 34,6 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: circa 6,52 Mio. Euro


Gebietstypus

Stadtteilzentrum


Kontaktdaten

Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
Abteilung Ökologische Stadtentwicklung
Frau Sabine Antony
Tel.: +49 30 90293-5210
E-Mail: sabine.antony@ba-mh.berlin.de
Frau Beate Heinrich
Tel.: +49 30 90293-5250
E-Mail: beate.heinrich@ba-mh.berlin.de

BSM - Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH
Prozesssteuerung
Frau Gaby Morr
Tel.: +49 30 896003-199
E-Mail: gaby.morr@bsm-berlin.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Berlin

Informationen des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf

Stand

Januar 2017

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