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Berlin - Turmstraße

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Öffentlicher Raum / Mobilität / Mitwirkung und Kooperation / Einsatz von Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Das Stadtteilzentrum des Berliner Ortsteils Moabit, die Turmstraße, soll sich zu einem vielfältigen und funktionsfähigen Kern der "Moabiter Insel" entwickeln. Dabei soll der Bereich als räumliches, funktionales und identitätsstiftendes Zentrum Moabits wieder gewonnen werden. Die Ziele der Sanierung ergeben sich aus erheblichen Funktionsschwächen, die sich in fortschreitendem Verlust der vielfältigen Nutzungen und der Funktion als Einkaufs-, Versorgungs- und Wohnstandort sowie in einem Attraktivitätsverlust der Geschäftsstraße niederschlagen. Erhebliche Funktionsmängel zeigen sich auch im öffentlichen Raum, wie beispielsweise eine auf die Bedürfnisse des motorisierten Verkehrs zugeschnittene Straßenraumgestaltung. Die das Gebiet prägende große Grünanlage Kleiner Tiergarten / Ottopark weist ebenso Nutzungs- und Gestaltdefizite auf wie die teilweise unzureichend ausgestatteten Spielplätze. Auch das starke sozio-ökonomische Auseinanderdriften der nördlichen und südlichen Wohnquartiere ist zunehmend problematisch. Mit der Etablierung eines Geschäftsstraßenmanagements, der Umgestaltung der Grünflächen und des öffentlichen Raumes sowie einer Neuordnung der Straßen- und Kreuzungsbereiche sollen diese Probleme bewältigt werden.

Kontext

Das Gebiet Turmstraße befindet sich am westlichen Innenstadtrand von Berlin im Ortsteil Moabit des Stadtbezirks Mitte. Moabit wird durch die Spree, Kanäle und Bahnflächen begrenzt. Dadurch besteht  eine stadträumlich abgegrenzte "Insellage". Gründerzeitbebauung sowie Gebäude aus den 1950er und 1960er Jahren prägen die städtebauliche Struktur. Viele Bewohner haben einen Migrationshintergund.

Die Turmstraße ist eine traditionelle Geschäftsstraße, die mit Problemen des strukturellen Wandels im Einzelhandel konfrontiert ist. Sie ist gekennzeichnet durch eine hohe Dichte von Discountern und Filialisten. Durch die Schließung des Hertie-Kaufhauses im August 2009 ging dem Gebiet ein wichtiger Anker und Einkaufsmagnet verloren. Die relativ geringe Kaufkraft wurde zusätzlich durch nahegelegene oder schnell erreichbare Einkaufszentren aus dem Gebiet abgezogen. Die Attraktivität als Einkaufsstraße für Berliner aus anderen Stadtteilen sank stetig – nicht zuletzt deshalb hatte das Quartier ein relativ schlechtes Image in der Bevölkerung. Diesem Negativtrend konnte durch die Aufwertungsmaßnahmen im Zentrenprogramm entgegengewirkt werden.

Projektbeschreibung

Auf Grundlage der bestehenden Potenziale wird die Erhaltung, Stabilisierung und Weiterentwicklung der Vielfalt der Turmstraße und ihres Umfeldes als Ort zum Wohnen und Arbeiten, als Einkaufs-, Dienstleistungs- und Unternehmensstandort, als Ort der Versorgung mit sozialer und medizinischer Infrastruktur, mit Kultur- und Freizeitangeboten sowie als Ort der Kommunikation und der Identifikation mit dem Stadtteil angestrebt. Handlungsgrundlage ist ein integriertes Maßnahmen- und Entwicklungskonzept aus dem Jahr 2010, das aus den Vorbereitenden Untersuchungen (VU) abgeleitet wurde.

Zu Maßnahmenbeginn wurde ein externes Büro mit dem Prozessmanagement beauftragt, um die Kommunikation zwischen den Akteuren zu fördern, Maßnahmen zu koordinieren und die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren. Ergänzend dazu gibt es ein Geschäftsstraßenmanagement, das sich gezielt der Stärkung des Einzelhandels- und Dienstleistungsstandortes widmet. Im Jahr 2013 wurde das Zentrumskonzept als Arbeitsgrundlage für das Geschäftsstraßenmanagement fertig gestellt. In ihm sind die Ziele und Maßnahmen beschrieben, mit denen die Entwicklung des Einzelhandels gesteuert und ergänzende Nutzungen (Dienstleistungen, Gastronomie, Kunst, Kultur) im Stadtteilzentrum gestärkt werden sollen.

Zentrales Projekt der Gesamtmaßnahme ist die Aufwertung der großen zentralen Grünfläche des Quartiers, bestehend aus Kleinem Tiergarten und Ottopark. Auf der Grundlage eines landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerbes wurde sie seit dem Jahr 2011 umgestaltet und an die Nutzungsansprüche der Bewohner, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, unter Bewahrung schützenswerter Bereiche angepasst. 2016 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen. Entstanden sind unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten für verschiedene Nutzergruppen. Neue Wegeverbindungen wurden angelegt, die Begrünung ausgelichtet und Wege beleuchtet. Es ist damit gelungen, Angsträume zu beseitigen und die Grünanlage mit den umliegenden Quartieren besser zu vernetzen.

Für die Stärkung der Funktionsvielfalt im Stadtteilzentrum hat die Qualifizierung sozialer und kultureller Infrastruktur Bedeutung. Der im Ottopark gelegene Otto-Spielplatz, ein pädagogisch betreuter Spielplatz mit Spielhaus, wurde aufgewertet. Geplant ist zudem der Umbau des Brüder-Grimm-Hauses in der Turmstraße. Hier befinden sich eine kommunale Galerie, die Volkshochschule, eine Musikschule und eine Schule für Erwachsenenbildung. Das Brüder-Grimm-Haus soll als zentrale Institution für Kultur und Bildung im Stadtteilzentrum profiliert werden. Unter aktiver Einbindung eines Beirats und der Öffentlichkeit entstanden drei Varianten für ein Nutzungskonzept und erste räumliche Entwurfsskizzen. Der Umbau des Gebäudes soll 2017 beginnen.

Ein Verkehrs- und Gestaltungskonzept für Turmstraße / Alt-Moabit und den Ortsteil Moabit wurde erarbeitet. Wesentliche Inhalte sind die Reduzierung der Turmstraße auf eine Fahrspur, die Herstellung von Radfahrstreifen und Querungshilfen, Verkehrsberuhigung und Erhöhung der Aufenthaltsqualität besonders für die Thusneldaallee und rund um die Arminius-Markthalle. Erste Maßnahme ist die Aufwertung des Umfeldes der Markthalle, um mehr Raum für Fußgänger und Aufenthalt zu gewinnen. Mit den Bauarbeiten wurde 2015 begonnen.

Die architektonisch reizvolle Markthalle hat eine große städtebauliche und funktionale Bedeutung für das Quartier. Es ist gelungen, die zu Beginn der Fördermaßnahme nahezu leer stehende Markthalle zu revitalisieren und ein neues Nutzungskonzept zu etablieren. Die "Zunfthalle" bietet neben regionalen Lebensmitteln nun gastronomische Angebote, eine Brauerei und Kunsthandwerk. Sie wird auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Damit wird das kulturelle Angebot im Quartier ausgebaut.

Erfolgreich konnte auch ein leer stehendes Kaufhaus revitalisiert werden. Es beherbergt nun neben drei Verkaufsetagen (Untergeschoss, Erdgeschoss und 1. Obergeschoss) mit getrennten, von der Straßenebene zugänglichen Ladenflächen (unter anderem Drogerie, Asia-Supermarkt, Krankenkasse, Bekleidung) ein Fitnessstudio und 48 Wohnungen (Appartements). Diese multifunktionale Nutzung trägt zur Belebung der Geschäftsstraße bei.

Einen großen Stellenwert im Rahmen der Fördermaßnahme hat die Öffentlichkeitsarbeit. Neben der Durchführung zahlreicher Informations- und Beteiligungsveranstaltungen sowie Expertenrunden wurden auch Flyer, Newsletter (Printmedium), eine Internetseite sowie einige themenbezogene Veröffentlichungen und Stadtteilbroschüren erstellt (zum Beispiel zur "Moabiter Kochkultur" oder zur Vorstellung ausgewählter Einzelhandels- und Gewerbebetriebe). Es wurde auch ein Verfügungsfonds (in Berlin: Gebietsfonds) eingerichtet. Mit Unterstützung aus dem Verfügungsfonds wurde unter anderem der Umbau des Arminiussaals in der Markthalle unterstützt, um ihn als Ort für Veranstaltungen zu qualifizieren.

Handlungsfelder            

  • Prozesssteuerung, Geschäftsstraßenmanagement
  • Öffentlichkeitsarbeit, Beteiligung und kleinteilige Projekte
  • Grün- und Freiflächen
  • Straßenräume
  • Soziale Infrastruktur

Einzelmaßnahmen

  • Etablierung eines Prozesssteuerers
  • Etablierung eines Geschäftsstraßenmanagements, unter anderem zur gezielten Ansprache von Eigentümern, Gewerbetreibenden und potenziellen Investoren für un- oder untergenutzte Grundstücke, Aktivierung der ethnischen Unternehmer für gemeinsames Handeln
  • Unterstützung von kleinteiligen Projekten als Beitrag zur Förderung der Image- und Zentrumsentwicklung (im Bereich Kunst und Kultur, aber auch öffentlicher Raum)
  • Umsetzung der aus dem Verkehrs- und Gestaltungskonzept gewonnenen Erkenntnisse: unter anderem Straßenraum- und Kreuzungsgestaltung im gesamten Gebiet, Verbreiterung der Gehwege, Herstellen von Radfahrstreifen und Querungshilfen (geplant)
  • Umgestaltung der bedeutenden Grünflächen und Schaffen von vielfältigen Nutzungsangeboten für breite Bevölkerungsgruppen auf Grundlage der Ergebnisse des landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerbes Kleiner Tiergarten / Ottopark (2011-2016)
  • Revitalisierung der Arminius-Markthalle (durch privaten Investor)
  • Umnutzung eines ehemaligen Kaufhauses (durch privaten Investor)
  • Umgestaltung des Umfeldes der Arminius-Markthalle (seit 2015)
  • Aufwertung und Profilierung des Brüder-Grimm-Hauses (in Vorbereitung)
  • Qualifizierung von Spielplätzen (umgesetzt)
  • kontinuierliche Beteiligung, Öffentlichkeits- und Imagearbeit

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Konjunkturpaket II der Bundesregierung

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Aufnahme in das Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
2010Abschluss der Vorbereitenden Untersuchungen gemäß § 141 BauGB mit integriertem Maßnahmen- und Entwicklungskonzept / Einrichtung der Prozesssteuerung und des Geschäftsstraßenmanagements / Abschluss der Verfahren zum Verkehrs- und Gestaltungskonzept sowie zum landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerb / Einrichtung eines Gebietsfonds
2011Festlegung eines Sanierungsgebiets gemäß § 142 BauGB / Beginn Umgestaltung Kleiner Tiergarten / Ottopark
2012-2013Umbau des ehemaligen Kaufhauses
2013Fertigstellung Zentrumskonzept Turmstraße
2014Beginn Beteiligungsprozess zur Erstellung eines Nutzungskonzeptes für das Brüder-Grimm-Haus
2015Beginn der Umgestaltung des Umfeldes der Arminius-Markthalle
2016Abschluss der Umgestaltung Kleiner Tiergarten / Ottopark


Besonderheiten

Die Arminius-Markthalle - stadtbildprägend für das Quartier Turmstraße Die Arminius-Markthalle - stadtbildprägend für das Quartier TurmstraßeDie Arminius-Markthalle - stadtbildprägend für das Quartier Turmstraße Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Die Entwicklungen in der Turmstraße werden durch eine aktive Stadtteilvertretung begleitet. Die Stadtteilvertretung erarbeitet in thematischen Arbeitsgruppen (Grün, Verkehr, Öffentlichkeitsarbeit, Nutzung, Soziales und Markthalle) Beiträge, Anregungen und Stellungnahmen. Obwohl die Stadtteilvertretung lediglich informellen Charakter hat und keine direkten Mitbestimmungsrechte besitzt, besteht ein überdurchschnittlich hohes Engagement ihrer Mitglieder. So wurden zahlreiche Veranstaltungen vorbereitet und durchgeführt sowie Informationsmaterialien hergestellt und verbreitet.

Hervorzuheben ist der sozial-integrative Ansatz der Fördermaßnahme. Anfang 2011 wurde der ressortübergreifende Arbeitskreis "Straßensozialarbeit" gegründet, der insbesondere die Umgestaltung der Grünanlage Kleiner Tiergarten / Ottopark begleitete. Die Grünanlage ist Treffpunkt unterschiedlicher Nutzergruppen, unter anderem auch von Menschen mit Alkohol- und Drogenproblemen. Die unterschiedlichen Nutzergruppen wurden aktiv eingebunden. So wurden zum Beispiel die Planungen vor Ort diskutiert und die unterschiedlichen Bedürfnisse erfasst. Es ist gelungen, bestehende Konflikte zu entschärfen, indem für die Nutzergruppen unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten geschaffen wurden. Der Arbeitskreis "Straßensozialarbeit" trifft sich in regelmäßigen Abständen, um Methoden zur Bestandsaufnahme und vorgeschlagene Maßnahmen zu diskutieren und in die fachliche Grünplanung einfließen zu lassen. Ständige Mitglieder der Arbeitsgruppe sind der Präventionsrat des Bezirksamts Berlin-Mitte, Vertreter der bezirklichen Verwaltung, das Referat Stadterneuerung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin, der Präventionsbeauftragte des zuständigen Polizeiabschnitts, verschiedene Interessenverbände sowie die Stadtteilvertretung Turmstraße.

Lernerfahrungen

Das Projekt Turmstraße bietet insbesondere aufgrund seines konsequent integrierten Ansatzes vielfältige Lernerfahrungen für ähnlich gelagerte Stadtteilzentren mit Funktionsdefiziten. Durch den Einsatz von Städtebaufördermitteln, aktive Prozesssteuerung und die Anwendung kooperativer und kommunikativer Ansätze wurde ein ganzheitlicher Entwicklungsprozess initiiert. Hervorzuheben sind der Ansatz, die Neuordnung und Umgestaltung der Grün- und Freiflächen durch ein Wettbewerbsverfahren vorzubereiten und unterschiedliche Nutzergruppen in die Umgestaltung des Parks einzubeziehen sowie die gelungenen Revitalisierungen von Schlüsselimmobilien wie der Arminius-Markthalle und des ehemaligen Kaufhauses. Auch das große Engagement und die vielfältigen Aktivitäten der Stadtteilvertretung sind beispielhaft.

Zusatzinformationen

Bundesland

Berlin


Gemeinde

Berlin (Bezirk Mitte, Ortsteil Tiergarten)


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2026


Größe des Gebietes

81,6 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: circa 6,1 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtteilzentrum


Kontaktdaten

Bezirksamt Mitte von Berlin
Abteilung Stadtentwicklung, Fachbereich Stadtplanung
Frau Evelyn Möbus
Müllerstraße 146
13353 Berlin
Tel.: +49 30 901845776
E-Mail:evelyn.moebus@ba-mitte.berlin.de

KoSP GmbH
Herr Gisbert Preuss
Schwedter Str. 34a
10435 Berlin
Tel.: +49 30 33002850
E-Mail: preuss@kosp-berlin.de


Link / weitere Informationen

Informationsportal der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
Informationsportal "Aktives Stadtzentrum Turmstraße"

Stand

Februar 2017

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