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Bernburg - Fokus Saale

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Öffentlicher Raum / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund stark rückläufiger Einwohnerzahlen setzt Bernburg/Saale einen Schwerpunkt auf die Erneuerung und Qualifizierung der historischen Altstadt. Bernburg misst der Konzentration von Fördermitteln aus verschiedenen Programmen im zentralen Bereich der Stadt eine große Bedeutung bei, um das Zentrum als lebendigen und vielfältigen Mittelpunkt der Stadt zu stärken und Maßnahmen mit identifikationsstiftender Wirkung umzusetzen. Dieser Prozess wurde mit der Aufnahme in das Zentrenprogramm intensiviert.

Kontext

Die rund 35.000 Einwohner zählende Stadt ist Mittelzentrum und liegt etwa 40 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Magdeburg. Kleinteiliger Baubestand im historischen Innenstadtkern prägt das Erscheinungsbild. Während des Zweiten Weltkrieges blieben die Altstadtensembles der "Bergstadt" und der "Talstadt" an der Saale weitgehend erhalten. Allerdings wurden sie zu DDR-Zeiten zunehmend vernachlässigt. Insbesondere die "Talstadt", die für den Neubau eines Plattenbauwohngebietes abgerissen werden sollte, war von baulichem Verfall geprägt. Seit Mitte der 1990er Jahre werden die historischen Kerne Bernburgs schrittweise saniert. Gleichzeitig hat sich die Einwohnerzahl der Stadt um circa 20 Prozent reduziert. Unter diesen Rahmenbedingungen verfolgt Bernburg eine integrierte Strategie des Stadtumbaus, der die historische Altstadt (Aufwertung im Innern) zu Lasten anderer Stadtgebiete (konsequenter Rückbau ganzer Stadtquartiere an den Rändern) bevorzugt. Das Gebiet "Fokus Saale" wird aus mehreren Städtebauförderprogrammen unterstützt. Durch integriertes Handeln und die Bündelung von Mitteln dieser Förderprogramme wird die Revitalisierung des zentralen Bereichs der Stadt vorangetrieben.

Projektbeschreibung

Trotz umfangreicher Maßnahmen zur Sanierung des öffentlichen Raums und der historischen Bausubstanz setzte bisher keine sich selbst tragende Entwicklung des zentralen Versorgungsbereichs ein. 2008 wurde deshalb mit Mitteln aus dem Zentrenprogramm mit der Erarbeitung eines integrierten Handlungskonzeptes begonnen. Dieses Konzept unter dem Titel "Fokus Saale" wurde 2011 abgeschlossen und vom Stadtrat bestätigt. Ziel der Fördermaßnahme ist die Weiterentwicklung der bereits erreichten Sanierungserfolge, wobei ein Schwerpunkt auf der Qualifizierung des Einzelhandels- und Wohnraumangebots sowie auf der Aufwertung öffentlicher Freiflächen liegt. Durch eine strategische Verknüpfung von Maßnahmen unterschiedlicher Förderprogramme werden Synergien zur Stärkung der Nutzungsvielfalt und Stabilisierung des Zentrums genutzt. So wird zum Beispiel die mit Mitteln des Zentrenprogramms unterstütze Schaffung von Wohnraum für Familien und Senioren im Zentrum verbunden mit der Qualifizierung und Bündelung von sozialen Infrastruktureinrichtungen im Wohnumfeld. Diese Maßnahmen werden mit Mitteln der Städtebauförderprogramme Stadtumbau Ost und Soziale Stadt finanziert. Dem integrierten Handlungsansatz entsprechend wird in der Anregung von Kooperationen lokaler Akteure eine große Chance für die Zentrenentwicklung gesehen. Dazu werden spezifische Aktivierungsinstrumente eingesetzt, zum Beispiel die persönliche Ansprache der Eigentümer und ein Grundstücks- und Leerstandsmanagement.

Bauliche und funktionale Defizite im zentralen Bereich Bernburgs, vor allem am Saalplatz, am Markt und an der Durchgangsstraße Krumbholzstraße (B 185), sollen beseitigt werden. Voraussetzung dafür sind unter anderem Maßnahmen zur Grundstücksneuordnung, die nur durch kooperatives Handeln der verschiedenen Grundstückseigentümer, Gewerbetreibenden und des kommunalen Wohnungsunternehmens realisiert werden können. Zur Vorbereitung der Maßnahmen wurden grundstücks- oder quartiersbezogene Gestaltungskonzepte und Machbarkeitsstudien erarbeitet.

Große Bedeutung wird der Stärkung der Wohnfunktion im Stadtkern beigemessen. Mit Mitteln des Zentrenprogramms werden leerstehende Gebäude revitalisiert oder nach Abriss baufälliger Häuser neue Gebäude errichtet. Verbunden wird damit eine Entkernung und Aufwertung von Hofbereichen und angrenzender Straßenräume. Ziel ist die Schaffung zielgruppenspezifischer Wohnangebote. So werden zum Beispiel im Krumbholzquartier im Norden des Altstadtkerns durch das kommunale Wohnungsunternehmen in leerstehenden Altbauten Wohnungen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen geschaffen. Am Saalplatz entstehen großzügige und hochwertige Wohnungen, in einem stadtbildprägenden Ensemble, das stark sanierungsbedürftig ist. Einige Gebäude mussten deshalb 2015 abgerissen werden. An diesen Stellen werden Neubauten realisiert, die behutsam in das Ensemble integriert werden.

Im Rahmen der Programmumsetzung sollen insbesondere die öffentlichen Freiräume an den Uferbereichen der Saale sowie die Wegeverbindungen aus den angrenzenden Quartieren an den Fluss aufgewertet werden. Hierzu zählen die Badergasse und die Wachgasse in der Talstadt. Im Rahmen der Umgestaltung entsteht hier eine Uferpromenade mit neuen Bäumen und Bänken. Auch sollen die vier dorischen Säulen der ehemaligen Brückenwache wieder aufgestellt werden. Um das Erscheinungsbild aufzuwerten und die Barrierefreiheit zu verbessern wird die Lange Straße in der Bergstadt umgestaltet. Die Lange Straße führt zur Saale und es dominiert die Wohnfunktion. Im Zusammenhang mit dem Straßenumbau wird auch ein Parkplatz gestalterisch und funktional aufgewertet.

Handlungsfelder

  • Aufwertung des öffentlichen Raums
  • Stärkung der Wohnfunktion
  • Stärkung der Nutzungsvielfalt und Qualifizierung der Versorgungsangebote
  • Integrierter Fördermitteleinsatz
  • Öffentlich-private Kooperation zur Zentrenaufwertung

Einzelmaßnahmen

  • Erstellung des Integrierten Handlungskonzepts "Fokus Saale" (2011)
  • Gebäudemanagement (verbunden mit Leerstands- und Baulückenmanangement) (laufend)
  • Gestaltung der Uferbereiche an der Saale (in Umsetzung)
  • Umgestaltung Badergasse und Wachgasse (in Umsetzung)
  • Umgestaltung der Langen Straße mit Parkplatz (in Umsetzung)
  • Neuordnung von Grundstücken, Sanierung von Wohngebäuden, Aufwertung von Blockinnenbereichen und Schaffung von Wohnraum für unterschiedliche Zielgruppen entlang der Krumbholzstraße und der Fährgasse (seit 2009)
  • Barrierefreie Umgestaltung der Fährgasse (2010)
  • Sanierung und Neubau von Wohn- und Geschäftshäusern am Saalplatz (seit 2015 in der Umsetzung)
  • Gestaltung der Straße „Freiheit“ (geplant)
  • Umgestaltung Kaiplatz (geplant)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programme der Städtebauförderung (Aktive Stadt- und Ortsteilzentren, Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen, Städtebaulicher Denkmalschutz, Soziale Stadt, Stadtumbau Ost)
  • Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen der Landesinitiative URBAN 21

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Aufnahme in das Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
2009Fortschreibung des städtebaulichen Rahmenplans "Altstadt" und des Stadtentwicklungskonzeptes
2009-10Saalplatz: Vorbereitende Maßnahmen zur Entwicklung von Grundstücken für eine Neubebauung mit Wohn- und Geschäftshäusern und Aufwertung des städtebaulichen Umfeldes (Klärung der Eigentumsverhältnisse, Grundstücksneuordnung)
2009-12Fährgassenkarree: Grundstücksneuordnung, Abriss von Nebengebäuden, Gestaltung der Freiflächen und Instandsetzung von Wohngebäuden / barrierefreier Umbau der Fährgasse / Wiederherstellung von Raumkanten
2011Beschluss des Integrierten Handlungskonzeptes "Fokus Saale" / Beginn der Sanierung und des Umbaus von leerstehenden Wohngebäuden im "Krumbholzquartier"
2012Beginn der Umgestaltung der Langen Straße
2014Erarbeitung Gestaltungs- und Nutzungskonzept für das Ensemble am Saalplatz
2015Beginn Sanierung und Umgestaltung des Ensembles am Saalplatz (1. Bauabschnitt: Abriss und Teilabbruch von Gebäuden)
2016Abriss und Neubau des Gebäudes Krumbholzstraße 1a und Sanierung der Häuser Markt 16 und Krumbholzstraße 1b / Beginn der Gestaltung der Uferpromenade in der Wachgasse und Aufwertung der Badergasse / Modernisierung der Gebäude Saalplatz 13-15 / Umgestaltung des Parkplatzes Lange Straße


Besonderheiten

Lange Straße Lange StraßeLange Straße Quelle: Plan und Praxis, Berlin

In Bernburg wird der Stadtkern ganzheitlich im Sinne des Leitbildes der Stadt der kurzen Wege weiterentwickelt. Neben der Sicherung der Angebotsvielfalt im Einzelhandel wird ein Schwerpunkt auf die Stärkung der Wohnfunktion und die Konzentration von Infrastruktureinrichtungen gelegt. Durch zukunftsfähige, funktionsgemischte Stadtstrukturen und differenzierte Wohnangebote sollen neue Bewohner für den Stadtkern gewonnen werden. Bei der Sanierung von Bausubstanz und der Errichtung neuer Wohngebäude verfolgt die Stadt das Ziel, Wohnraum für unterschiedliche Zielgruppen, unter anderem Familien, Senioren, Studenten und einkommensschwache Bevölkerungsgruppen zu schaffen, um die soziale Mischung im Zentrum zu gewährleisten. Maßnahmen zur Bündelung und Aufwertung von Infrastruktureinrichtungen, beispielsweise zur Errichtung des innerstädtischen Bildungscampus "campus technicus", wurden mit Hilfe anderer Förderprogramme umgesetzt. Der angestrebte Zuzug von Einwohnern in das Zentrum soll auch dazu beitragen, die Kundenfrequenz für den Einzelhandel in der Altstadt zu erhöhen und die Auslastung der Infrastruktureinrichtungen sicherzustellen.

Lernerfahrungen

Die Stadt Bernburg verfolgt konsequent einen integrierten Handlungsansatz, der die historische Altstadt als Schwerpunktgebiet der Stadterneuerung stärkt. Das integrierte Handlungskonzept "Fokus Saale" dient auch der Bündelung von Finanzmitteln und Maßnahmen unterschiedlicher Förderprogramme. Die Einzelvorhaben der Programme werden so aufeinander abgestimmt. In Bernburg gelingt es dadurch, Synergien zwischen den Projekten zu identifizieren und für die ganzheitliche Stärkung des Zentrums und die Erhöhung seiner Funktionsvielfalt zu nutzen.  

In der Kooperation lokaler Akteure wird eine große Chance für die Zentrenentwicklung gesehen. Dazu werden spezifische Aktivierungsinstrumente (persönliche Ansprache der Eigentümer, Beratung zu Fördermöglichkeiten, Unterstützung der Eigentümer bei Bankgesprächen, Grundstücks- und Leerstandsmanagement) eingesetzt. Die Stadt betreibt darüber hinaus ein aktives Flächenmanagement (Grunderwerb, Gebäudesicherung), um die Altstadt aufzuwerten und Handlungsoptionen zu eröffnen. Dadurch konnten Folgeinvestitionen im Wohnungsbau und bei der Gebäudesanierung angestoßen werden.

Zusatzinformationen

Bundesland

Sachsen-Anhalt


Gemeinde

Bernburg


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2019


Größe des Gebietes

Circa 6,2 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: circa 1,86 Mio. Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Bernburg (Saale)
Amt für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung
Frau Elke Krause
Schlossgartenstraße 16
06406 Bernburg
Tel: +49 3471 659323
E-Mail: elke.krause.stadt@bernburg.de

Link / weitere Informationen

Stadtentwicklung Bernburg

IBA-Stadtumbau in Bernburg

Stand

Januar 2017

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