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Bingen - Innenstadt

Schwerpunkte: : Einzelhandel, Dienstleistungen und Handwerk / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Die Stadt Bingen am Rhein wurde 2012 mit dem Fördergebiet "Innenstadt Bingen" in das Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" aufgenommen. Trotz wachsender Einwohnerzahl der Stadt ist die Innenstadt von städtebauliche Missständen und Leerstand betroffen. Zu Beginn der Gesamtmaßnahme stand ein ehemaliges Kaufhaus leer. Um diesen Problemen angemessen begegnen zu können, wurde ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) erarbeitet. Die Binger Innenstadt soll wieder an Anziehungskraft gewinnen und das Stadtbild aufgewertet werden, indem öffentliche Einrichtungen gestärkt, Engagement der Eigentümer, Gewerbetreibenden und Bürger initiiert, private Sanierungsmaßnahmen gefördert und ein Leerstandsmanagement umgesetzt werden.

Kontext

Bingen am Rhein ist Mittelzentrum und hat circa 26.000 Einwohner. Die Stadt liegt im UNESCO-Weltkulturerbe "Oberes Mittelrheintal" und ist ein bedeutender Tourismusstandort. Sie ist von Weinbergen umgeben und liegt am Zusammenfluss von Nahe und Rhein. Das Fördergebiet umfasst einen Großteil der Binger Innenstadt mit der Fußgängerzone, der Burg Kopp und dem östlichen Naheufer. Im Norden wird das Fördergebiet von einer stark befahrenen Straße und einer Bahnlinie begrenzt. Nördlich dieser Barrieren befindet sich das Rheinufer.

Die Innenstadt ist geprägt durch eine überwiegend kleinteilige Bebauungsstruktur unterschiedlichen Baualters. Der Wohnanteil ist hoch, allerdings führten stark verdichtete Blockinnenbereiche und fehlende Investitionen in den Gebäudebestand dazu, dass die Innenstadt als Wohnstandort an Attraktivität verlor. Auch Ladenlokale standen zunehmend leer. Besonders prägnant waren zu Beginn der Förderung der Leerstand des ehemaligen Hertie-Kaufhauses sowie die Ladenleerstände innerhalb der Fußgängerzone.

Projektbeschreibung

Die Grundlage für die Fördermaßnahme im Zentrenprogramm bildet das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), das 2015 vom Stadtrat beschlossen wurde. Zu den vordringlichen Handlungsfeldern zählt, den innerstädtischen Einzelhandel zu stärken und private Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen zu unterstützen. Ergänzend werden Maßnahmen umgesetzt, mit denen das Stadtbild aufgewertet und öffentliche Einrichtungen in der Innenstadt saniert und neu etabliert werden. Um Bürger, Eigentümer, Gewerbetreibende und weitere relevante Akteure anzusprechen und in den Zentrenentwicklungsprozess einzubinden, wurden ein Quartiersmanagement bei der Stadt eingerichtet, ein Verfügungsfonds initiiert und zahlreiche Informations- und Beteiligungsveranstaltungen durchgeführt. Hierzu zählen zum Beispiel die sogenannten Binger Innenstadtgespräche zu den Themen Leerstandsbelebung, Gemeinschaftsgärten und Verfügungsfonds.

Der Umbau des ehemaligen Hertie-Kaufhauses im Jahr 2014 bildete den Startschuss für die Zentrumsentwicklung im Rahmen des Zentrenprogramms. Das leerstehende Kaufhaus wurde mit privaten Mitteln zum Einkaufszentrum CityCenter Bingen umgebaut. Auf dem Dach befindliche Wohnungen blieben erhalten. Mit Mitteln aus dem Zentrenprogramm wurde das Umfeld des CityCenters aufgewertet und barrierefrei gestaltet. Dabei entstand eine hohe Aufenthaltsqualität und es gibt nun zusätzlichen Raum für Außengastronomie und Begegnung. Mit der Eröffnung des Einkaufszentrums sowie der neu gestalteten Straßen im März 2016 wurde ein wichtiger Meilenstein zur Funktionsstärkung der Binger Innenstadt erreicht.

Als Reaktion auf die steigenden Geschäftsleerstände in der Innenstadt und das 1. Binger Innenstadtgespräch zum Thema "Leerstand" gründete sich im Januar 2016 die Initiative Binger SchauFenster. Gemeinsam mit dem Quartiersmanagement, dass das Leerstandsmanagement betreibt, verfolgt die Initiative das Ziel, in Zusammenarbeit mit den Eigentümern neue Mieter für leerstehende Geschäfte zu gewinnen oder Zwischennutzungen zu realisieren. Bislang wurden mit Hilfe der Initiative Binger SchauFenster sechs Zwischennutzungen ermöglicht.

Auf der Grundlage einer Modernisierungsrichtlinie werden private Eigentümer dabei unterstützt, Wohnungen und Ladenlokale zu sanieren. Ziel ist es, die Innenstadt als Handels- und Wohnstandort zu stärken. Förderfähig sind unter anderem Maßnahmen, mit denen der Wohnungszuschnitt, der Wärme- und Schallschutz, die Barrierefreiheit, die Energieversorgung, die Sanitäreinrichtungen sowie das Erscheinungsbild der Fassade aufgewertet werden. Gefördert werden maximal 40 Prozent der berücksichtigungsfähigen Gesamtkosten, jedoch höchstens 30.000 Euro. Bislang wurden und werden 19 Gebäude mit Unterstützung von Fördermitteln des Zentrenprogramms saniert. Um die Investitionsbereitschaft der Eigentümer anzuregen, wurden sogenannte Bauherrenberatungsgutscheine für eine kostenlose Architektenberatung der Hauseigentümer im Fördergebiet ausgegeben.

Löhrturm während der Sanierung (2017) Löhrturm während der Sanierung (2017)Löhrturm während der Sanierung (2017) Quelle: Plan und Praxis Berlin

Am westlichen Eingang in die Innenstadt befindet sich der Löhrturm. Er ist der einzige Überrest der mittelalterlichen Stadtmauer, dessen Sichtbarkeit und Wirkung durch die enge Nachbarbebauung stark eingeschränkt war. Mit Mitteln des Zentrenprogramms wurde er freigelegt. Dazu wurde ein Gebäude abgerissen und ein kleiner Platz vor dem Turm angelegt, der von bereits vorhandenen Restaurants für Außengastronomie genutzt werden kann. Der Turm wurde unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf dem Dach entstand eine Aussichtsterrasse, die einen Blick in das Mittelrheintal bietet.

Eine weitere wichtige Maßnahme wird derzeit vorbereitet. Rund um die Basilika St. Martin im westlichen Bereich der Innenstadt entsteht ein Kulturquartier. Zentraler Bestandteil dieser Maßnahme ist die Ansiedlung der Stadtbücherei in der Basilikastraße 4-6. Die Planungen sehen vor, die dort stehenden, baufälligen Wohngebäude abzureißen und einen Neubau für die Stadtbibliothek zu errichten. Im Hinterhof steht das sogenannte Schwarze Haus, das zum Bürgerbüro mit Standesamt umgebaut werden soll. Die Bibliothek soll mit der Basilika, die auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird, und den an der Basilika gelegenen Kultur- und Bildungseinrichtungen (Kulturzentrum, Volkshochschule und Stefan-George-Museum) zu einem Kulturquartier zusammengefasst werden, um Bürger und Besucher in diesen Bereich der Innenstadt zu ziehen. 2017 wurde als erster Baustein des Kulturquartiers das Kulturzentrum saniert.

Handlungsfelder      

  • Einzelhandel
  • Wohnen
  • Öffentlicher Raum
  • Stadtgestalt und Baukultur
  • Beteiligung und Aktivierung
  • Neuordnung von Blockinnenbereichen
  • Leerstandsmanagement / Qualifizierung von privaten Freiflächen und Gebäuden
  • Kultur / Tourismus

Einzelmaßnahmen     

  • Erstellung eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (2012-2015)
  • Umbau eines leerstehenden Kaufhauses in das Einkaufszentrum CityCenter Bingen (privat, 2014-2016)
  • Aufwertung der Straßenräume im Umfeld des neuen Einkaufzentrums (Amtsstraße, Badergasse, Basilikastraße und Kaufhausgasse, 2015-2016)
  • Quartiersmanagement (seit 2015)
  • Förderung privater Gebäudemodernisierungen und Umgestaltung privater Freiflächen (seit 2015)
  • Leerstandsmanagement / Zwischennutzung von leerstehenden Ladenflächen (seit 2016)
  • Freilegung und Sanierung des Löhrturms (2016-2017)
  • Modernisierung des Kulturzentrums (2017)
  • Sanierung der Burgmauer (2017-2018)
  • Instandsetzung der Brücke zur Burg Klopp (2017-2018)
  • Einrichtung eines Verfügungsfonds (seit 2016, bisher noch keine Maßnahmen umgesetzt)
  • Bau einer neuen Stadtbibliothek in der Basilikastraße (in Vorbereitung)
  • Öffentlichkeitsarbeit, Beratungs- und Beteiligungsangebote (kontinuierlich)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2012Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" / Beginn der Erarbeitung des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK)
2014Beginn Umbau des ehemaligen Hertie-Kaufhauses
2015Stadtratsbeschluss zum fertig gestellten ISEK / Start Quartiersmanagement / Aufwertung Straßenräume im Umfeld des neuen Einkaufszentrums / Quartiersgespräche
2016Eröffnung des CityCenters Bingen und der umgestalteten Straßenräume / Einrichtung eines Verfügungsfonds / Beginn Freilegung und Sanierung des Löhrturms / Binger Innenstadtgespräche / Einführung Bauherrenberatungsgutscheine
2017Platzgestaltung am Löhrturm / Eröffnung des Löhrturms / Sanierung Kulturzentrum / Beginn der Sanierung der Burgmauer


Besonderheiten

Der Fokus liegt in Bingen darauf, Bürger, Gewerbetreibende und Eigentümer dafür zu gewinnen, an der Zentrenentwicklung aktiv mitzuwirken. Ein wichtiges Instrument, um die Investitionsbereitschaft Privater anzuregen, sind die Bauherrenberatungsgutscheine. Sie werden seit April 2016 an Interessierte ausgegeben. Sie berechtigen zu einer kostenlosen Architektenberatung der Hauseigentümer im Fördergebiet. Die Beratung umfasst den notwendigen Sanierungsumfang, energetische und städtebauliche Anforderungen an die Sanierung, Maßnahmenpriorisierung und voraussichtliche Kosten. Ziel dieses Angebotes ist es, potenzielle Hemmschwellen der Eigentümer bei anstehender Sanierung oder Modernisierung abzubauen und den ersten Schritt zur Investition zu erleichtern. Den Hauseigentümern steht zu diesem Zweck ein eigens hierfür gebildeter Architektenpool zur Verfügung. Finanziert wird der Beratungsgutschein im Wert von 250 Euro durch regionale Banken sowie die Stadt Bingen.

Lernerfahrungen

Die Maßnahmen des Quartiermanagements werden regelmäßig evaluiert. Bedarfsgerecht kann so auf die Entwicklungen im Fördergebiet und erforderliche Beratungsangebote reagiert werden. Zu Beginn der Förderung wurden durch das Quartiersmanagement eine Reihe von Beteiligungsaktivitäten (zum Beispiel Binger Innenstadtgespräche, Quartiersgespräche, Binger Themenreihe Bauen, Gewinnspiel zum Verfügungsfonds) initiiert. Auf Grundlage der Evaluationsergebnisse wurde die Arbeit des Quartiersmanagements auf bestimmte Aspekte und Angebote fokussiert, wie zum Beispiel das Leerstandsmanagement, die Bauherrenberatung und die Öffentlichkeitsarbeit.

Zusatzinformationen

Bundesland

Rheinland-Pfalz


Gemeinde

Bingen am Rhein


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2012


Projektende

Voraussichtlich 2024


Größe des Gebietes

Circa 29 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2016: 655.000 Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadtverwaltung Bingen am Rhein
Stadtbauamt
Frau Vera Reichert
Rochusallee 2
55411 Bingen am Rhein
Tel.: +49 6721 184-156
E-Mail: vera.reichert@bingen.de


Stadtverwaltung Bingen am Rhein
Quartiersmanagement Aktives Stadtzentrum Bingen
Frau Constanze Bückner
Rochusallee 2
55411 Bingen am Rhein
Tel.: +49 6721 184-158
E-Mail: constanze.bueckner@bingen.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Stadt Bingen


Stand

November 2017

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