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Burgstetten - Ortskern Burgstall

Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen

Zusammenfassung

Der Ortskern von Burgstall, Ortsteil der Gemeinde Burgstetten, wird durch die Fördermaßnahme im Zentrenprogramm in seiner Funktionalität gestärkt. Der Neubau eines kleinen Einkaufs- und Dienstleistungszentrums (Bankfiliale, Arztpraxis, Bäcker, Wohnnutzung) direkt am Bahnhof stärkt die Nutzungsmischung im Ortskern. Die öffentliche Infrastruktur wird gestärkt indem das Rathaus saniert und erweitert, das Bahnhofsgebäude mit seinem Umfeld aufgewertet und ein ehemaliger Güterschuppen zu einem Veranstaltungssaal umgenutzt werden. Weiterhin bildet die Unterstützung privater Grundstücks- und Gebäudeeigentümer bei der Modernisierung und Instandsetzung ihrer Immobilien einen Schwerpunkt der Fördermaßnahme.

Kontext

Die Gemeinde Burgstetten (circa 3.600 Einwohner) liegt im ländlichen Raum, circa 20 Kilometer Luftlinie nordöstlich der Landeshauptstadt Stuttgart im Murrtal. Das Mittelzentrum Backnang ist 5 Kilometer entfernt. Burgstetten wurde im Zuge der Gemeindereform im Jahr 1971 aus den vormals selbstständigen Orten Burgstall und Erbstetten (mit dem Ortsteil Kirschenhardthof) gebildet. Der Ortskern von Burgstall hat circa 400 Einwohner und ist charakterisiert durch seine historisch gewachsene, kleinteilige Struktur. Die straßendorfartige Struktur und die ausgeprägten Höhenunterschiede sind besonders markante Kennzeichen des Ortskerns. Sie werden jedoch heute überlagert durch eine in den 1960er Jahren ausgebaute neue Durchfahrtsstraße, die in mehreren Serpentinen durch den Ort verläuft und dadurch das steile Gefälle der von West nach Ost stark ansteigenden ehemaligen Hauptstraße (Rathausstraße) umgeht. Den Ortskern durchquert die Bahnlinie, die seit wenigen Jahren wieder eine S-Bahn-Verbindung nach Backnang und Stuttgart ermöglicht.

Im Zuge der Vorbereitenden Untersuchungen (VU) im Jahr 2009 wurden städtebauliche Missstände erkannt und Potenziale für die Innenentwicklung identifiziert. Besonders die nicht oder untergenutzten Nebengebäude der ehemals landwirtschaftlichen Grundstücke bieten Chancen für eine Wohnnutzung durch Umbau oder Neuordnung. Der Handlungsbedarf bei der Sanierung der Gebäude wurde in den VU sowie im 2013 erstellten integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) dokumentiert. Das ISEK nennt 40 Gebäude, bei denen umfangreiche bauliche Maßnahmen notwendig sind. Weitere Missstände bestanden im Bereich Verkehr, besonders im Bereich der Ortsdurchfahrt (Lärmemissionen, unzureichende Parkmöglichkeiten, teilweise fehlende Gehwege, schadhafter Belag).

Projektbeschreibung

Mit den VU von 2009 wurde die konzeptionelle Grundlage für die Umsetzung der Fördermaßnahme geschaffen. Als erstes Impulsprojekt wurde in den Jahren 2009 bis 2011 ein Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum auf einem Grundstück direkt am Bahnhof neugebaut. Dort bestand dringender Neuordnungsbedarf aufgrund mehrerer ungeordneter, ehemals gewerblich genutzter Flächen. Da es im Ortskern Burgstall schon seit langem keinen Lebensmittel-Nahversorger mehr gab, bestand der Wunsch, einen Neubau zu errichten, in dem ein Lebensmittelmarkt sowie Dienstleistungseinrichtungen angesiedelt werden können. In langen Verhandlungen, teilweise bereits vor Beginn der Fördermaßnahme, konnte durch Kooperation mit der örtlichen Kreissparkasse ein lokaler Investor gewonnen werden. Mit Finanzhilfen der Städtebauförderung erfolgte die Räumung des Geländes, um Platz für den Neubau zu schaffen. Der Neubau wurde im Dezember 2011 eröffnet. Er beherbergt heute neben drei gewerblichen Einheiten eine Filiale der Kreissparkasse, eine Bäckerei und eine Arztpraxis. In den oberen Geschossen befinden sich vier Wohnungen.

Ein weiterer Beitrag zur Stärkung der Nutzungsvielfalt im Fördergebiet konnte durch die Revitalisierung einer Gewerbebrache in den Jahren 2010 bis 2012 erzielt werden. Aus Fördermitteln des Zentrenprogramms wurde der Grunderwerb der Gewerbebrache "Wasenäcker" am östlichen Rand des Ortsteilzentrums durch die Gemeinde finanziert. Auf dem Gelände wurde der Bauhof der Gemeinde angesiedelt, der zuvor an mehreren nicht optimalen Standorten im Fördergebiet untergebracht war. Weitere Flächen nutzen ortsansässige Handwerksbetriebe.

Ende 2015 wurde die Sanierung und Erweiterung des Rathauses abgeschlossen. Das Rathaus wurde in den 1960er Jahren erbaut und es bestand dringender Instandsetzungs- und Modernisierungsbedarf. Dabei ging es um eine energetische und barrierefreie Sanierung, Brandschutz und Fluchtwege. Zudem wurde ein Sitzungssaal für die Gemeinderatssitzungen benötigt und es bestand Bedarf an zusätzlichen Büro- und Lagerräumen. Um die Baumaßnahmen durchführen zu können, war im Juni 2014 der vorübergehende Umzug in ein ehemaliges Schulgebäude notwendig. Vor dem Umzug der Verwaltung wurde dieses Gebäude grundlegend modernisiert und energetisch ertüchtigt. Dabei wurde sichergestellt, dass nach dem Ende der Interimsnutzung eine Vermietung als Wohnraum problemlos möglich ist. Mit den Bauarbeiten am Rathaus wurde im Herbst 2014 begonnen. Umgesetzt wurden ein Erweiterungsbau, der Anbau eines Aufzugs, der Ausbau des Dachgeschosses zu einem Sitzungssaal sowie der Anschluss an ein Blockheizkraftwerk. Darüber hinaus wurden Stellplätze am Rathaus angelegt.

Rathaus Burgstetten nach der Sanierung Rathaus Burgstetten nach der SanierungRathaus Burgstetten nach der Sanierung Quelle: Gemeinde Burgstetten

Weitere Einzelmaßnahmen, die bereits erfolgreich umgesetzt sind, betreffen die Umgestaltung von Straßenräumen und Wegeverbindungen (u. a. Bau neuer Gehwege, Ertüchtigung einer Treppenanlage) sowie die Unterstützung von Modernisierungs- und Instandsetzungsarbeiten an diversen privaten Gebäuden. Zwischenzeitlich wurde auch der denkmalgeschützte Güterschuppen am Bahnhof saniert, der zu einem öffentlich nutzbaren Veranstaltungssaal umgebaut wurde. Mit diesem Projekt wurde die bereits umgesetzte Neugestaltung samt der Sanierung des Bahnhofgebäudes abgerundet.

Handlungsfelder 

  • Handel, Handwerk und Dienstleistungen
  • Wohnen und öffentliche Infrastruktur
  • Öffentlicher Raum
  • Mobilität

Einzelmaßnahmen

  • Neubau eines Einzelhandels- und Dienstleistungszentrums am Bahnhof nach vorherigen Neuordnungs- und Abbruchmaßnahmen (abgeschlossen)
  • Grunderwerb und Revitalisierung einer Gewerbebrache, unter anderem durch Umsiedelung und Erweiterung des Bauhofs (abgeschlossen)
  • Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, unter anderem Errichtung eines P+RPark and Ride-Parkplatzes (abgeschlossen)
  • Neubau von Gehwegen entlang der Neuen Straße (Ortsdurchfahrtsstraße / Landesstraße) im Rahmen einer Straßensanierung des Landes Baden-Württemberg (abgeschlossen)
  • Sanierung eines gemeindeeigenen Gebäudes (ehemalige Schule) und Herrichtung als Ersatzdomizil der Gemeindeverwaltung während der Rathaussanierung (abgeschlossen)
  • Sanierung und Erweiterung des Rathauses (abgeschlossen)
  • Sanierung des Bahnhofsgebäudes und des denkmalgeschützten Güterschuppens (abgeschlossen)
  • Sanierung eines gemeindeeigenen Gebäudes in der Rathausstraße (in Umsetzung)
  • Anbau und Sanierung der Gemeindehalle Burgstall (in Planung)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Durchführung Vorbereitender Untersuchungen / Festlegung als Sanierungsgebiet / Aufnahme in das Programm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren / Beginn der Neuordnungs- und Abbruchmaßnahmen auf dem Gelände des zukünftigen Einzelhandels- und Dienstleistungszentrums
2010Bau des Einzelhandels- und Dienstleistungszentrums / Erweiterung des Sanierungsgebiets um die Gewerbebrache "Wasenäcker", Grunderwerb der Gewerbebrache und Beginn der Baumaßnahmen für den Bauhof
2011Eröffnung des Einzelhandels- und Dienstleistungszentrums / Ausbau der Rathausstraße und weiterer Straßen und Wege im Fördergebiet
2012Erweiterung des Sanierungsgebiets (Einzelgrundstücke privater Eigentümer) / Abschluss der Baumaßnahmen auf dem Gewerbeareal „Wasenäcker“ / Beginn der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes / Baumaßnahmen in der Rathausstraße und der Neuen Straße
2013Abschluss der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, Eröffnung des P+RPark and Ride-Parkplatzes / Umgestaltung einer Treppenanlage und von Wegeverbindungen / Sanierung eines gemeindeeigenen Gebäudes und Herrichtung als Ersatzdomizil der Gemeindeverwaltung während der geplanten Rathaussanierung
2014

Umzug der Verwaltung in das Übergangsrathaus und Beginn der Sanierung des Rathauses 

2015Abschluss der Rathaussanierung und -erweiterung / Herrichtung des Übergangsrathauses zu einer Unterkunft für Asylbewerber
2016Sanierung des Bahnhofsgebäudes und Umnutzung des benachbarten denkmalgeschützten Güterschuppens zu einem Veranstaltungssaal
seit 2016Sanierung eines gemeindeeigenen Gebäudes mit zwei Wohnungen in der Rathausstraße (Fertigstellung Frühjahr 2017)


Besonderheiten

Neuer Gehweg an der Neuen Straße Neuer Gehweg an der Neuen StraßeNeuer Gehweg an der Neuen Straße Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Die Förderung von Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen an privaten Gebäuden ist einer der Schwerpunkte der Fördermaßnahme in Burgstall. Ehemals landwirtschaftlich genutzte, nunmehr leer stehende oder unzureichend genutzte Gebäude können umgenutzt oder nach Neuordnung für Wohnungsneubau nutzbar gemacht werden. Bei diesen Vorhaben und bei der Modernisierung von Bestandsgebäuden muss Bezug auf die vorhandenen Baustrukturen genommen werden, ortstypische Merkmale sind zu erhalten und in diesem Sinne gestalterische Aufwertungen vorzunehmen.

Bis einschließlich 2016 wurden Erneuerungsmaßnahmen an knapp 30 privaten Gebäuden unterstützt. Insgesamt wurden bis Dezember 2016 Förderzuschüsse in Höhe von circa 590.000 Euro an private Eigentümer ausgereicht. In der Regel werden bis zu 25 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst (Obergrenze bei Umnutzungsmaßnahmen: 40.000 Euro je Objekt zuzüglich je 10.000 Euro pro Wohneinheit / Obergrenze bei Modernisierungsmaßnahmen: 25.000 Euro je Objekt zuzüglich je 10.000 Euro pro Wohneinheit).

Lernerfahrungen

Die Fördermaßnahme im Ortskern Burgstall ist ein Beispiel dafür, dass der Ansatz des Zentrenprogramms auch in kleinen Ortsteilzentren, die derzeit im Programm nur in geringem Umfang vertreten sind, seine Wirkungen entfalten kann. Gerade in einem kleinen Ort wie Burgstetten ist es als großer Erfolg zu werten, dass die Ansiedlung eines Dienstleistungszentrums an einem zentralen Standort im Ortskern gelungen ist. Damit wird die Infrastruktur gestärkt.

Zusatzinformationen

Bundesland

Baden-Württemberg


Gemeinde

Burgstetten


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2009


Projektende

Voraussichtlich 2019


Größe des Gebietes

7,7 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: circa 1,33 Millionen Euro


Gebietstypus

Ortsteilzentrum


Kontaktdaten

Gemeinde Burgstetten
Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz
Rathausstr. 18
71576 Burgstetten
Tel.: +49 7191 9585-10
E-Mail: BMin.Wiedersatz@burgstetten.de


Link / weitere Informationen

Gemeinde Burgstetten


Stand

Februar 2017

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