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Dinslaken - Innenstadt

Schwerpunkte: Konzepte / Handel / Handwerk und Dienstleistungen / Öffentlicher Raum / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Mobilität / Stadtgestalt und Baukultur

Zusammenfassung

Neugestaltetes Umfeld des Rathauses Neugestaltetes Umfeld des RathausesNeugestaltetes Umfeld des Rathauses Quelle: Plan und Praxis, Berlin

In Dinslaken wird seit 2010 die Entwicklung der Innenstadt mit Mitteln des Städtebauförderprogramms Aktive Stadt- und Ortsteilzentren unterstützt. Die Innenstadt verzeichnete einen Verlust von Anziehungskraft und Attraktivität sowie zunehmenden Leerstand im Einzelhandel, darunter in einem ehemaligen Warenhaus. Grundlage für die Umsetzung der Fördermaßnahme ist ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) aus dem Jahr 2009, das 2014 fortgeschrieben wurde. Zahlreiche Projekte zur Stärkung der Innenstadt konnten bereits umgesetzt und die Innenstadt damit aufgewertet und stabilisiert werden. Im Mittelpunkt stehen die Vernetzung unterschiedlicher Teilbereiche der Innenstadt, die Stärkung des Einzelhandels, die Aufwertung des öffentlichen Raums und des Wohnumfeldes sowie die Umgestaltung von Straßen zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität und zur Stärkung des Fußgänger- und Radverkehrs.

Kontext

Das Mittelzentrum Dinslaken hat ca. 70.000 Einwohner und liegt nördlich von Oberhausen in zentraler Lage zwischen der stark urban geprägten Metropolregion Rhein-Ruhr und der eher ländlichen, den Übergang zu den Niederlanden bildenden Region des Niederrheins. Die Stadt ist vom Strukturwandel betroffen. Die Zeche "Lohberg" am nördlichen Stadtrand wurde 2005 geschlossen. Dies führte zu wirtschaftlichen und sozialstrukturellen Veränderungen in der Stadt. Dinslaken wurde im zweiten Weltkrieg stark zerstört, weshalb Architektur der Nachkriegsmoderne das Erscheinungsbild der Innenstadt prägt. Das Fördergebiet Innenstadt ist wichtiger Wohnstandort und weist eine heterogene Struktur auf. Es umfasst einen kleinen Altstadtkern mit Stadtpark, den Haupteinkaufsbereich mit Fußgängerzone Neustraße und dem Neutorplatz sowie das Bahnhofsumfeld.

Projektbeschreibung

Ziel der Maßnahme ist es, die unterschiedlichen Teilbereiche der Innenstadt – Bahnhof, Altstadt und Neutorplatz – zu vernetzen und ihre unterschiedlichen Qualitäten und Profile zu betonen. Damit soll insgesamt die Innenstadt als multifunktionaler Ort für Handel, Wohnen, Kultur und Freizeit gestärkt werden.

Zentrale Maßnahme ist die Umgestaltung des Neutorplatzes. Hier entstand auf Grundlage eines Wettbewerbs ein urbaner Platzbereich mit Sitzmöglichkeiten, Wasserspiel, einem Kiosk und einem Pavillon mit Außengastronomie. Angrenzend wurde nach Abriss eines leer stehenden Hertie-Warenhauses ein Einkaufszentrum neu errichtet. Durch die Umfeldgestaltung und die Aufwertung angrenzender Straßenzüge ist dieser Bereich mit benachbarten Quartieren und der Haupteinkaufsstraße Neustraße besser vernetzt. Weitere wichtige Maßnahme ist die Umgestaltung des Rutenwalls. Diese innerstädtische Wegeverbindung zwischen Altstadt und Neutorplatz wurde zu einer "Grünen Achse" entwickelt. Der Rutenwall war ein provisorischer Parkplatz mit Garagenhöfen und einer kleinen Grünfläche. Im Zuge der Baumaßnahme entstand ein großzügiger Eingangsbereich an der Friederich-Ebert-Straße mit Sitzbänken unter altem Baumbestand. Ein gepflasterter Bogenweg zeichnet den historischen Schwung des Rutenwalls nach. Entlang des Weges wurde ein Spielband mit unterschiedlichen Spiel- und Erlebnisangeboten für Kinder und Jugendliche geschaffen. Die parallel zur Grünanlage verlaufende Straße Rutenwallweg wurde fahrrad- und fußgängerfreundlich umgestaltet. Hier wurden auch die Stellplätze, die sich zuvor auf der Fläche des Grünzuges befunden hatten, neu angeordnet.

Bahnstraße vor der Umgestaltung Bahnstraße vor der UmgestaltungBahnstraße vor der Umgestaltung Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Im Frühjahr 2015 wurde mit den Vorbereitungen für den Umbau eines weiteren Straßenzuges begonnen. Die Bahnstraße, wichtige Verbindungsachse zwischen Innenstadt und Bahnhof, soll aufgewertet werden. Ziel ist es, zugunsten von Fußgänger- und Radverkehr sowie einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität die Straße verkehrsberuhigt umzugestalten und den ruhenden Verkehr neu zu ordnen. Die Aufwertung soll auch zur Stärkung des dort ansässigen Einzelhandels beitragen. Die Anrainer wurden dem entsprechend bereits frühzeitig in den Planungsprozess mit einbezogen.

Die Stadt legt einen Schwerpunkt auf die Aufwertung von Grün- und Freiräumen. Neben dem Neutorplatz und dem Rutenwall wurden auch der Platz Am Neutor, der Stadtpark und das Umfeld des Rathauses und der Kathrin-Türks-Halle (Stadthalle) umgestaltet bzw. werden derzeit umgestaltet. Weiterhin von Bedeutung ist die Stärkung öffentlicher Infrastruktur. Die Kathrin-Türks-Halle und die Gartenschule in der Altstadt sollen energetisch saniert, barrierefrei umgestaltet und durch Anbauten ergänzt werden. Zudem wurde ein Neubau für das Stadtarchiv in der Altstadt errichtet und die Stadtbibliothek saniert. Diese beiden Vorhaben wurden ohne Mittel aus dem Zentrenprogramm umgesetzt.

In den ersten Jahren der Fördermaßnahme gab es ein Innenstadtbüro, in dem ein von der Stadt beauftragtes Citymanagement über die Entwicklungen in der Innenstadt und insbesondere über den Neubau des Einkaufszentrums und die Umgestaltung des Neutorplatzes informierte und für Fragen zur Verfügung stand. Mittlerweile ist das Citymanagement bei der Stadtverwaltung angesiedelt. Das Vor-Ort-Büro wurde nach Fertigstellung des Einkaufszentrums Ende 2014 geschlossen.

Die Stadt ist in Zusammenarbeit mit dem Citymanagement intensiv mit der Aktivierung und Einbeziehung von Eigentümern und Gewerbetreibenden befasst. Durch aufsuchende Beratung, direkte Ansprache und moderierte Diskussionsveranstaltungen über konkrete Bauvorhaben ist es gelungen, Engagement für die Innenstadt zu wecken. Zur Anregung privater Investitionsbereitschaft wurde 2011 zudem ein Hof- und Fassadenprogramm erfolgreich aufgelegt. Grundlage für die Sanierungen sind ein Gestaltungshandbuch sowie eine Gestaltungssatzung.

Bei der Erarbeitung des ISEK im Jahr 2009 wurden viele vorhandene Konzepte einbezogen und durch die integrierte Betrachtung miteinander verknüpft. Das ISEK war zudem Anlass für die Erarbeitung vertiefender sektoraler Konzepte, um die Zielsetzungen des ISEK zu konkretisieren. Hierzu zählen ein Image- und Marketingkonzept, ein Stadtklimakonzept sowie ein Wohnkonzept Innenstadt. Das Wohnkonzept wurde im Jahr 2012 fertig gestellt und baut auf einer Analyse im ISEK zum Wohnumfeld auf, bei der auf soziale Infrastruktur, medizinische Versorgung, kulturelle Einrichtungen und die Nahversorgung eingegangen wurde. Das Wohnkonzept unterstützt die Stärkung des Wohnens in der Innenstadt.

Handlungsfelder            

  • Stadtgestalt und öffentlicher Raum
  • Einzelhandel
  • Verkehr und Mobilität
  • Öffentliche Einrichtungen
  • Grün in der Stadt

Einzelmaßnahmen

Grünachse Rutenwall Grünachse RutenwallGrünachse Rutenwall Quelle: Stadt Dinslaken

  • Erarbeitung des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts - ISEK (2009, Fortschreibung 2014)
  • Umgestaltung Bereich Platz Am Neutor, Neutorplatz und Saarstraße (inklusive gutachterlichem Wettbewerbsverfahren) (umgesetzt)
  • Neubau Einkaufszentrum (private Maßnahme, umgesetzt)
  • Gestaltung Grünachse Rutenwall (umgesetzt)
  • Umgestaltung von zwei Spielplätzen (umgesetzt)
  • Errichtung von Fahrradabstellanlagen und einer Fahrradwache (umgesetzt)
  • Beteiligungsveranstaltungen zur Altstadt und zum Stadtpark (umgesetzt)
  • Aufwertung Stadtparkbereich mit historischem Stadtpark, Rathausteich und Umfeld von Rathaus und Kathrin-Türks-Halle (in Umsetzung, Teilbereiche fertig gestellt)
  • Sanierung Stadthalle Kathrin-Türks-Halle (in Vorbereitung)
  • Umbau Teilabschnitt Friedrich-Ebert-Straße zur Verknüpfung Rutenwall und Altstadt (Baubeginn August 2015)
  • Wettbewerbsverfahren Bahnhofsumfeld (in Umsetzung)
  • Sanierung Gartenschule (Teilfinanzierung durch Zentrenprogramm, Baubeginn Herbst 2016)
  • Aufwertung Eingangsbereiche in die Altstadt (in Vorbereitung)
  • Umbau Bahnstraße (in Vorbereitung)
  • Private Sanierungsmaßnahmen unterstützt durch kommunales Fassaden- und Hofprogramm
  • Altengerechtes Wohnprojekt am Bahnhof und kleinteiliges Wohnquartier mit Einzelhandel in der Altstadt (in Umsetzung, beides private Maßnahmen ohne Einsatz von Fördermitteln)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Beschluss des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes Innenstadt Dinslaken (ISEK)
2010Aufnahme in das Bund-Länder-Programm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren
2010Gutachterliches Wettbewerbsverfahren zur Umgestaltung des Neutorplatzes und der angrenzenden Bereiche
2011Beauftragung Projektsteuerung / Beauftragung Citymanagement und Einrichtung Vor-Ort-Büro / Start des Hof- und Fassadenprogramms / Umgestaltung Spielplätze und Straßenraum Rutenwallweg
2012Bürgerworkshop Altstadt / Abriss Hertie-Warenhaus und Baubeginn Einkaufszentrum / Fertigstellung Image- und Marketingkonzept, Stadtklimakonzept und Wohnkonzept Innenstadt
2013Umgestaltung Rutenwall / Fertigstellung Platz Am Neutor / Beteiligungsveranstaltung zur Umgestaltung des Stadtparks
2014Eröffnung Einkaufszentrum am Neutorplatz / Fertigstellung Umgestaltung Neutorplatz und der Saarstraße / Fortschreibung ISEK
2015Beginn Umgestaltung des Stadtparks sowie Umfeld des Rathauses und der Kathrin-Türks-Halle / Baubeginn Querung Friedrich-Ebert-Straße - Am Rutenwall / Auslobung Wettbewerb zur Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes / Anliegerbeteiligung Bahnstraße / Baubeginn von Wohnprojekten am Bahnhof und in der Altstadt


Besonderheiten

Eine Besonderheit im Rahmen der Innenstadtentwicklung stellt die Stärkung des Anteils der Nahmobilität am Gesamtverkehrsaufkommen dar. In diesem Zusammenhang wird ein besonderes Augenmerk auf die Förderung des Fuß- und Radverkehrs in der Innenstadt gelegt. Dinslaken verfolgt das Ziel, sich als fahrradfreundliche Kommune zu profilieren. Zu diesem Zweck wird die Einrichtung neuer Fahrradwege und überdachter Fahrradabstellanlagen sowie Fahrradboxen an mehreren Standorten in der Innenstadt vorangetrieben. Des Weiteren steht bei baulichen Maßnahmen die Rückgewinnung von Flächen für den Fuß- und Radverkehr sowie die Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Vordergrund, wie z.B. bei der Neugestaltung der Grünfläche Rutenwall und der Umgestaltung des Neutorplatzes vom Parkplatz zum Stadtplatz. Am Neutor wurde zudem eine Fahrradwache eingerichtet. Eine Person überwacht den Fahrradparkplatz und hilft bei kleineren Reparaturen. Die Abstellanlage wurde mit Mitteln des Zentrenprogramms finanziert, die Personalkosten werden durch die Stadt getragen. Zudem ist Dinslaken in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. organisiert. Neben dem Fahrradverkehr wird auch der öffentliche Personennahverkehr gestärkt. Bushaltestellen in der Innenstadt wurden barrierefrei umgestaltet (ohne Mittel des Zentrenprogramms) und mit der derzeit in der Vorbereitung befindlichen Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes soll ein Mobilitätsknotenpunkt geschaffen werden, an dem die unterschiedlichen Verkehrsträger besser verknüpft werden. Durch die Neugestaltung soll zudem eine attraktive Eingangssituation in die Innenstadt entstehen.

Lernerfahrungen

In Dinslaken haben sich das Citymanagement und die Einrichtung eines Vor-Ort-Büros in der Innenstadt während der Hochphase an Bautätigkeiten bewährt. Das Informationsangebot wurde intensiv genutzt, die Vor-Ort-Präsenz hat das Citymanagement als Anlaufstelle bekannt gemacht, die auch jetzt nach der Verlagerung in das Rathaus gut angenommen wird. In Dinslaken zeigt sich darüber hinaus, dass zur Einbindung von Eigentümern und Gewerbetreibenden eine intensive und direkte Ansprache der Akteure notwendig ist, um Engagement, Mitwirkungsbereitschaft und private Investitionen anzuregen. Hierbei hatte das Citymanagement in enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung eine wichtige Funktion.

Nach ca. fünfjähriger Umsetzung des Zentrenprogramms bestand die Notwendigkeit einer Fortschreibung des ISEK. Mit der Fortschreibung im Jahr 2014 wird eine Zwischenbilanz der bisherigen Entwicklungen gezogen und auf geänderte Rahmenbedingungen reagiert. Darauf aufbauend werden zukünftige Handlungsbedarfe benannt und zielgerichtet geplante Projekte geprüft und neue Vorhaben entwickelt. Eine überarbeitete und aufeinander abgestimmte Projekt-, Zeit-, Kosten- und Finanzierungsplanung soll dazu beitragen, den Entwicklungsprozess der Innenstadt bis 2020 erfolgreich abzuschließen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen


Gemeinde

Stadt Dinslaken


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2009


Projektende

voraussichtlich 2020


Größe des Gebietes

ca. 470 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2014: 3,45 Mio. Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Dinslaken
III 4.1 Stabsstelle Stadtentwicklung
Frau Magdalena Pötschke
Hünxer Straße 81
46537 Dinslaken
Tel.: + 49 2064 66339
E-Mail: magdalena.schumann@dinslaken.de


Link / weitere Informationen

Innenstadtentwicklung Dinslaken

Stand

August 2015



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