Navigation und Service

Emden - Sanierungsgebiet Innenstadt

Schwerpunkte: Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Öffentlicher Raum / Mobilität / Stadtgestalt und Baukultur

Zusammenfassung

Die stark kriegszerstörte Stadt Emden ist die größte Stadt in Ostfriesland. Die Emder Innenstadt weist bis heute ein durch die Wiederaufbauarchitektur geprägtes Stadtbild auf, das ein Alleinstellungsmerkmal im norddeutschen Raum darstellt. Es zeichnet sich durch eine relativ schlichte Bauweise und einen überwiegend beibehaltenen historischen Stadtgrundriss aus. Die Stadt hat aufgrund zunehmender städtebaulicher und funktionaler Missstände bereits frühzeitig Vorbereitende Untersuchungen mit einem bauhistorischen Gutachten durchführen lassen, die 2008 zur Aufnahme in das Zentrenprogramm führten. Mit ihrem Rahmenkonzept verfolgt die Stadt das Ziel, die bauliche und städtebauliche Struktur als historisches Erbe zu begreifen und dabei die Besonderheit der Wiederaufbauarchitektur der 1950er und 1960er Jahre zu pflegen. Gleichzeitig soll die Emder Innenstadt als Einzelhandels- und Geschäftsstandort gestärkt werden.

Kontext

Auslöser für die Aufnahme der Innenstadt von Emden in das Zentrenprogramm waren Funktionsschwächen. Die Weiterentwicklung des innerstädtischen Einzelhandelsbereichs und die Verknüpfung dieser Innenstadtfunktion mit der Entwicklung Emdens als Kultur- und Tourismusstandort waren gefährdet. Das identitätsstiftende Erscheinungsbild der Wiederaufbauarchitektur der 1950er Jahre im Fördergebiet ist zunehmend von Überformungen bedroht. Leer stehende Gebäude, wie das zentral gelegene ehemalige Hertie-Kaufhaus, im Folgenden Kaufhallengebäude genannt, und ungenutzte Brachflächen innerhalb des Sanierungsgebietes stellen deutlich sichtbare städtebauliche Mängel dar.

Die Innenstadt verfügt auch über einige große, teilweise überregional bekannte kulturelle Einrichtungen wie die Kunsthalle Emden, das Ostfriesische Landesmuseum Emden, den Museumshafen oder die Johannes a Lasco Bibliothek.

Projektbeschreibung

Im Rahmen der Programmumsetzung sollen im Fördergebiet Gebäude- und Parzellenstrukturen angepasst werden, um den gegenwärtigen Anforderungen der Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe in der Innenstadt zu entsprechen. Zudem sollen leer stehende und untergenutzte Gebäude und Flächen in Nebengeschäftslagen revitalisiert, Wohnumfeldmaßnahmen durchgeführt und die Einzelhandels- und Geschäftslagen gestärkt werden.

Für die städtebauliche Erneuerung im Sanierungsgebiet grenzt die Stadt Emden teilräumliche Handlungsbereiche ab, die einer Neuordnung bedürfen. Die Stadt strebt mit dem Einsatz des besonderen Städtebaurechts einen gesteuerten Prozess an, um unterlassene Erhaltungsinvestitionen auszulösen, Neuentwicklungen einzuleiten und Planungssicherheit zu schaffen. Das Rahmenkonzept konzentriert sich auf Maßnahmen zur städtebaulichen Entwicklung und die Stärkung des Geschäftsstandortes. Besonders das leer stehende Kaufhallengebäude und dessen Umfeld erfordern eine grundlegende und strukturelle Erneuerung, um die Innenstadt als Einzelhandelsstandort zu stärken.

Zur Stärkung der Innenstadt als Nahversorgungs- und Einzelhandelsstandort ist weiterhin die Umgestaltung des zentralen Neuen Marktes und des umliegenden Bereichs vorgesehen. In einem freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbsverfahren wurden ein Entwurf für Grün- und Beleuchtungskonzeptionen sowie ein Zonierungskonzept ausgewählt. Er wird nun im Rahmen einer intensiven Beteiligung der Anwohnerinnen und Anwohner sowie der Einzelhändler und weiterer relevanter Akteure konkretisiert. Die Umsetzung ist für 2017 / 2018 geplant.

Bisher wurden insbesondere Maßnahmen zur Aufwertung des innerstädtischen Straßenraums realisiert. So wurde die Faldernstraße, eine Geschäftsstraße mit überörtlicher Bedeutung und eine Haupterschließungsachse der Innenstadt, umfassend saniert. Die Fußwege und Parkflächen wurden unter Einbindung der Anlieger erneuert, Fahrradbügel installiert und die Inseln zwischen den Parkbuchten bepflanzt. Seit 2015 wird die zentral gelegene Daalerstraße sowie der hier gelegene, bislang ungestaltete öffentliche Parkplatz modernisiert und aufgewertet.

Handlungsfelder            

  • Handel, Handwerk und Dienstleistung
  • Aufwertung des öffentlichen Raumes
  • Stadtbaukultur
  • Stadtverträgliche Mobilität

Einzelmaßnahmen     

  • Citymanagement (seit 2010)
  • Umgestaltung Brückstraße (2010)
  • Erstellung einer Sanierungsbroschüre mit Gestaltungsgrundsätzen (2010)
  • Richtlinie zur Förderung von Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen (2009)
  • Fortschreibung des Rahmenkonzeptes für die Sanierungsmaßnahme (2013)
  • Umgestaltung der Faldernstraße (2013)
  • Sanierung Lookvenne (2014)
  • Freiraumplanerischer Wettbewerb für den Neuen Markt (2015)
  • Sanierung der Daalerstraße und Osterstraße einschließlich des Parkplatzes (2016)
  • Aufwertung und Stärkung des Nahversorgungsstandortes Neuer Markt (in Vorbereitung)
  • Entwicklung des ehemaligen Kaufhallengeländes zum Einkaufsbereich für großräumige Geschäfte (geplant)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Vorbereitende Untersuchungen mit bauhistorischem Gutachten / Aufnahme des Sanierungsgebietes "Innenstadt Emden" in das Zentrenprogramm
2009Rahmenkonzept für das Sanierungsgebiet "Innenstadt Emden" / Verabschiedung der Modernisierungs- und Instandsetzungsrichtlinie
2010Herausgabe Sanierungsbroschüre mit Gestaltungsgrundsätzen / Förderung erster privater Sanierungsmaßnahmen
2010Beschluss zur Ausschreibung eines europaweiten Vergabeverfahrens mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb zur Entwicklung des ehemaligen Kaufhallengeländes
2010/ 2011Einführung eines Citymanagements zur Koordinierung von Maßnahmen zur Aktivierung der Akteure im Fördergebiet / Start Vergabe- und Wettbewerbsverfahren zur Entwicklung des Kaufhallengeländes
2013Aufhebung des Vergabeverfahrens zur Entwicklung des Kaufhallengeländes / Investorensuche ohne Bindung an ein förmliches Verfahren / Fortschreibung des Rahmenkonzeptes Innenstadtsanierung / Erneuerung und Umgestaltung der Faldernstraße
2015Beginn der Bauarbeiten in der Daalerstraße / Wettbewerb zur Entwicklung des Neuen Marktes
2016Erstellung eines Abbruchs- und Entsorgungskonzeptes für das Kaufhallengebäude / Fortschreibung des Rahmenkonzeptes und der Kosten- und Finanzierungsübersicht / Erstellung eines Standortgutachtens für innerstädtisches Parken


Besonderheiten

Die Stadt hat bei der Umsetzung der Fördermaßnahme hohe baukulturelle Ansprüche. So wird eine Erhöhung der Gestalt- und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum angestrebt, insbesondere von Plätzen und Wasserlagen. In diesem Zusammenhang spielt die Verwendung ortstypischer Baumaterialien und Gestaltungselemente eine wichtige Rolle in den Erneuerungszielen. Die Erarbeitung von Gestaltungsgrundsätzen und die daran orientierte Modernisierung stadtbildprägender Gebäude sowie weiterer Maßnahmen zur Stärkung des Stadtbildes werden mit unterschiedlichen Instrumenten verfolgt. So wurde den Eigentümern eine Sanierungsbroschüre für städtebauliche Erneuerungsmaßnahmen an die Hand gegeben. Bei der Anpassung von Geschäftsimmobilien an zeitgemäße Ansprüche bei einer Vergrößerung von Verkaufsflächen, Erneuerung der Ladenfronten, baulichen Maßnahmen bei Leerstand, Minder- oder Fehlnutzung sowie der Modernisierung stadtbildprägender Gebäude folgt die Stadt ihren Gestaltungsgrundsätzen. Zur Sicherung der Gestaltungsziele erhalten Immobilieneigentümer auf der Grundlage einer Modernisierungs- und Instandsetzungsrichtlinie eine Pauschalförderung in Höhe von 20 Prozent für die Modernisierung der Gebäudehülle.

Lernerfahrungen

Der Umgang mit einem leer stehenden Kaufhallengebäude aus den 1950er Jahren ist ein zentrales Thema für die Entwicklung der Innenstadt. Ein europaweites Wettbewerbsverfahren zur Entwicklung des Kaufhallengebäudes (2011-2013) und die Investorensuche ohne Bindung (2013-2016) mussten ohne Erfolg beendet werden. Zurzeit wird die Investorensuche ohne Bindung an ein förmliches Verfahren fortgesetzt. Die Stadt Emden hofft, das Auswahlverfahren 2017 erfolgreich abschließen zu können. Durch die Verzögerung bei der Investorensuche wird auch die Entwicklung von weiteren, kleineren Einzelhandelsstandorten erschwert, da bislang Unklarheiten hinsichtlich Größe und Branchenstruktur der zukünftigen Einzelhandelsflächen bestehen. Auch bei der Planung und Umsetzung weiterer Maßnahmen im Zentrenprogramm kommt es deshalb zu Verzögerungen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Niedersachsen


Gemeinde

Stadt Emden


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2019


Größe des Gebietes

21,4 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: circa 1,79 Mio. Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Emden,
FB 300, Fachdienst Stadtplanung
Peter Bruns
Ringstraße 38b
26721 Emden
Tel.: +49 4921 871356
E-Mail: bruns@emden.de


BauBeCon Sanierungsträger GmbH
Bianca Matthes
Anne-Conway-Straße 1
28359 Bremen
Tel.. +49 421 3290141
E-Mail: Bmatthes@baubeconstadtsanierung.de


Link / weitere Informationen

Informationen zur Sanierung der Innenstadt Emden


Stand

Februar 2017

Diese Seite