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Finsterwalde - Stadtzentrum

Schwerpunkte: Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Öffentlicher Raum / Mitwirkung und Kooperation / Einsatz von Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Die im äußersten Süden Brandenburgs gelegene Stadt Finsterwalde hat derzeit knapp 17.000 Einwohner. Sie ist ein bedeutendes Einzelhandelszentrum im Elbe-Elster-Kreis und übernimmt als Mittelzentrum wichtige Funktionen für das ländlich geprägte und dünn besiedelte Umland. Wie andere ehemalige Industriestädte in Ostdeutschland ist sie mit einem starken Bevölkerungsrückgang konfrontiert. In Finsterwalde werden seit Jahren die Fördermittel verschiedener Städtebauförderprogramme konsequent für die Stärkung der Innenstadt eingesetzt. Durch die Aufnahme in das Zentrenprogramm wird an die erzielten Erfolge angeknüpft und dabei durch die Einrichtung eines Verfügungsfonds ein Schwerpunkt auf die Mitwirkung lokaler Akteure gelegt.

Kontext

Der Stärkung der Innenstadt von Finsterwalde wird seit den frühen 1990er Jahren durch den integrierten Einsatz mehrerer Städtebauförderungsprogramme große Bedeutung beigemessen. Trotz rückläufiger Bevölkerungszahlen konnte das historische Zentrum als Standort für Einzelhandel, Kultur und Wohnen stabilisiert werden. Der Marktplatz und weite Teile der Innenstadt wurden aufgewertet. Ausgelöst durch Neubautätigkeit der städtischen Wohnungsgesellschaft nahm in den vergangenen Jahren die Wohnbevölkerung in der Innenstadt zu. So suchen zum Beispiel ältere Menschen einen Wohnort in der Nähe zu Infrastruktureinrichtungen.

Das Fördergebiet im Zentrenprogramm umfasst die Verbindung vom Marktplatz zum Bahnhof über die seit 2016 verkehrsberuhigte Berliner Straße (ehemalige B 96) sowie die südlich des Marktes gelegene Schaefersche Tuchfabrik, die zu einer Veranstaltungshalle umgebaut werden soll. Entlang der Berliner Straße ist das Erscheinungsbild bislang durch Baulücken, städtebauliche Defizite im öffentlichen Raum und eine deutlich geringere Vitalität als in der Altstadt geprägt. Durch die Verlegung der Bundesstraße ergeben sich hier Potenziale für eine funktionale und gestalterische Aufwertung, die mit Unterstützung des Zentrenprogramms genutzt werden sollen.

Projektbeschreibung

Anknüpfend an die bereits erzielten Erfolge vorangegangener oder noch laufender Stadterneuerungsmaßnahmen aus anderen Förderprogrammen wird der Standort Innenstadt weiter qualifiziert und den Bedürfnissen der Bewohner und Besucher entsprechend angepasst. Zur weiteren Profilierung der Einzelhandelsstruktur wurde 2009 ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept beschlossen, das stark auf die Förderung des Standorts Innenstadt setzt. Daran angelehnt werden ergänzende Nutzungen etabliert und besondere Angebote durch Mittel des Zentrenprogramms unterstützt. Dazu zählen die Modernisierung eines privat betriebenen Kinos und die touristische Nutzung einer stillgelegten Bahnstrecke. Die Sanierung und der barrierefreie Umbau von Geschäftshäusern werden durch Mittel des Zentrenprogramms unterstützt.

Kleinere Grünflächen in der Innenstadt werden aufgewertet. Hierzu zählt der Stadtpark an der Berliner Straße. Im Herbst 2012 wurde die Öffentlichkeit intensiv in die geplante Umgestaltung einbezogen und Gestaltungsvarianten diskutiert. Als erste Maßnahme wurde von 2013 bis 2014 der Eingangsbereich erneuert.

Schlüsselmaßnahme der Zentrenentwicklung ist der Umbau des Industriedenkmals "Schaefersche Tuchfabrik" südlich des Marktplatzes zur Sängerstadt-Veranstaltungshalle. Im Jahr 2012 wurde hierfür ein Architekturwettbewerb durchgeführt. Auf Grund der hohen Kosten wurde im November 2016 ein verbindlicher Bürgerentscheid über den Umbau zur Stadthalle durchgeführt. Eine deutliche Mehrheit der Bürger sprach sich für die Stadthalle aus. Die Baumaßnahme wird derzeit vorbereitet.

Berliner Straße nach dem Umbau Berliner Straße nach dem UmbauBerliner Straße nach dem Umbau Quelle: Stadt Finsterwalde

Eine neue Ortsumgehungsstraße entlastet die bislang das Fördergebiet durchquerende Berliner Straße. Durch den abschnittsweisen Umbau der Straße und Begrünungsmaßnahmen sollen die dadurch entstehenden Potenziale zur Stabilisierung dieses Bereichs des Zentrums genutzt und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum gesteigert werden. 2016 wurde der erste Bauabschnitt zwischen Grabenstraße und August-Bebel-Straße fertiggestellt. Eine hochwertige Pflasterung, neue Stadtmöbel sowie breitere Gehwege erhöhen die Aufenthaltsqualität und werten das Stadtbild auf.

In den Jahren zwischen 2013 und 2015 wurde die Villa Krause in der Geschwister-Scholl-Straße am südlichen Ende des Sanierungsgebiets denkmalgerecht saniert und barrierefrei gestaltet. Mit Abschluss der Umbauarbeiten zogen die Bibliothek sowie das Stadtarchiv in die alte Fabrikantenvilla. Sie bildet zusammen mit dem Finsterwalder Schloss nun einen attraktiven Eingang ins südliche Stadtzentrum.

Wichtiger Baustein im Rahmen der Fördermaßnahme ist die Aktivierung der Mitwirkungsbereitschaft von Gewerbetreibenden. Zu diesem Zweck wurde erfolgreich ein Verfügungsfonds eingerichtet und eine kommunale Richtlinie für die Beantragung und Vergabe von Mitteln des Fonds verabschiedet, die 2015 aktualisiert wurde. Bislang wurden circa 200 Anträge zur Mittelvergabe aus dem Verfügungsfonds gestellt. Attraktivitätssteigernde Maßnahmen im nicht investiven Bereich, zum Beispiel Feste und Märkte, werden in erster Linie gefördert. Mit Mitteln des Verfügungsfonds wird das Erscheinungsbild von Gastronomiebetrieben und Geschäften durch die Anschaffung einheitlicher Markisen, Möblierung und Sonnenschirmen am Marktplatz und in angrenzenden Straßenzügen harmonisiert. Dazu sucht die Stadt eine enge Kooperation mit der örtlichen Kaufmannsgilde (Zusammenschluss der Einzelhändler).

Handlungsfelder 

  • Öffentlicher Raum
  • Stärkung der Wohnfunktion
  • Revitalisierung von Gebäuden und Brachflächen
  • Stärkung der Anziehungskraft des Zentrums
  • Sicherung der Funktionsmischung
  • Qualifizierung von Grün- und Freiflächen
  • Einsatz von Verfügungsfonds
  • Ausbau kultureller und touristischer Infrastruktur

Einzelmaßnahmen

  • Umbau des Industriedenkmals Schaefersche Tuchfabrik zur Sängerstadt-Veranstaltungshalle (geplant)
  • Förderung von Festen und Aktivitäten (unter anderem Sängerfest, Kinderfest, Weihnachtsbeleuchtung) (seit 2010)
  • Unterstützung von Gewerbetreibenden bei der Anschaffung von Markisen und Sonnenschirmen zur Herstellung eines einheitlichen Erscheinungsbildes (seit 2010)
  • Modernisierung des privat betriebenen Kinos "Weltspiegel" (2011)
  • Umbau Karl-Marx-Straße (1. Bauabschnitt 2011-2012)
  • Aufwertung des Stadtparks an der Berliner Straße und Bau eines Spielplatzes (2013-2014)
  • Umbau und Begrünung der Berliner Straße (Fertigstellung 1. Bauabschnitt 2016)
  • Sanierung und Umbau der Villa Krause zur Stadtbibliothek und zum Stadtarchiv (2013-2015)
  • Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes (geplant)
  • Touristische Nutzung einer stillgelegten Bahnstrecke (geplant)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Bund-Länder-Programm "Stadtumbau Ost" (bis 2009)
  • Bund-Länder-Programm "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen" (bis 2012)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Aufnahme in das Zentrenprogramm
2009Fertigstellung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts
2010Einrichtung eines Verfügungsfonds und Verabschiedung einer kommunalen Richtlinie (Überarbeitung 2015)
2011Energetische Fassaden- und Dachsanierung des Kinos "Weltspiegel" / Anschaffung digitaler Projektionstechnik (Ko-Finanzierung mit Mitteln des Verfügungsfonds)
2011-2012Umbau und Aufwertung der Karl-Marx-Straße (1. Bauabschnitt)
2012Beteiligungsverfahren zur Umgestaltung des Stadtparks in der Berliner Straße / Durchführung Architekturwettbewerb für den Umbau der Tuchfabrik zur Sängerstadt-Veranstaltungshalle / Beginn der Erarbeitung eines energetischen Quartierskonzepts (KfW-Programm) für das Fördergebiet
2013Beginn der Aufwertung des Eingangsbereichs des Stadtparks in der Berliner Straße / Beginn der Sanierung der Villa Krause (Bibliothek und Stadtarchiv)
2014Fertigstellung der Umgestaltung des Stadtplatzes in der Berliner Straße
2015Abschluss der Sanierungsarbeiten und Eröffnung der Bibliothek und des Stadtarchives in der Villa Krause


Besonderheiten

Finsterwalde hat frühzeitig die Möglichkeit zur Einrichtung eines Verfügungsfonds genutzt, um baulich-investiven Maßnahmen ergänzende attraktivitätssteigernde Maßnahmen im nicht investiven Bereich an die Seite zu stellen. Es wurde eine kommunale Richtlinie zur Vergabe der Mittel erlassen. Ein Beirat aus Vertretern der Stadt und vor allem der sehr aktiven lokalen Vereine entscheidet über die Vergabe der Mittel aus dem Verfügungsfonds. Eng kooperiert wird mit dem Stadtmarketingverein, der als zentrale Anlaufstelle für die nicht investiven Maßnahmen im Rahmen des Programms fungiert. Durch den Verfügungsfonds sollen unter anderem unterschiedliche in der Innenstadt abgehaltene Feste und weitere nichtkommerzielle Ereignisse unterstützt werden, um die Bekanntheit der Innenstadt weiter zu steigern sowie Bewohner und Besucher in die Altstadt zu locken.

Lernerfahrungen

Das Beispiel Finsterwalde zeigt die Anstoßwirkung für die Zentrenentwicklung, die von der Einrichtung eines Verfügungsfonds ausgehen kann. Er hat sich als Instrument für eine kooperative Innenstadtentwicklung etabliert und stößt auf reges Interesse. Durch die intensive Einbeziehung lokaler Vereine und Institutionen konnte die Mitwirkungsbereitschaft deutlich erhöht und die Anreizwirkung der öffentlichen Fördermittel genutzt werden. Durch die Etablierung des Vergabegremiums für die Mittel des Verfügungsfonds ist es gelungen, eine neue Gesprächskultur zu entwickeln. Dies sorgt dafür, dass die Geschäftsleute in der Stadt gemeinsam mit der Stadtverwaltung Aktivitäten und Maßnahmen zur Stärkung des Zentrums planen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Brandenburg


Gemeinde

Stadt Finsterwalde


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2019


Größe des Gebietes

Circa 30,4 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: circa 3,130 Mio. Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Finsterwalde
Fachbereich Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr
Herr Frank Zimmermann
Schloßstraße 7 / 8
03238 Finsterwalde
Tel.: +49 3531 783900
E-Mail: bauamt@finsterwalde.de

Sängerstadtmarketingverein Finsterwalde
Herr Veit Klaue
Markt 1
03238 Finsterwalde
Tel.: +49 3531 717830
E-Mail: info@finsterwalde-touristinfo.de

City- und Innenstadtmanagement Finsterwalde
complan Kommunalberatung
Herr Matthias von Popowski
Frau Birgit Würdemann
Voltaireweg 4
14469 Potsdam
Tel.: +49 331 201510
E-Mail: info@complangmbh.de

Link / weitere Informationen

Informationen der Stadt Finsterwalde

Kommunale Richtlinie zur Vergabe von Mitteln aus dem Verfügungsfonds


Stand

Januar 2017

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