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Flöha – Alte Baumwolle

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Öffentlicher Raum / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Stadtgestalt und Baukultur

Zusammenfassung

Die Stadt Flöha liegt in Mittelsachsen nahe Chemnitz und verfolgt das Ziel, auf dem Gelände einer ehemaligen Baumwollspinnerei ein neues, funktionsgemischtes Stadtzentrum zu entwickeln. Das circa 65.000 Quadratmeter umfassende Areal liegt im geografischen Mittelpunkt der Stadt Flöha. Es bietet die Möglichkeit, der aus vier Gemeinden zusammengewachsenen Stadt erstmalig ein Zentrum zu geben. Die Stadtbaukultur soll dabei gepflegt und die soziale Kohäsion gefördert werden. Auf Basis des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes aus dem Jahr 2010 werden historische Industriebauten umgenutzt und teilweise durch Neubauten ergänzt. Durch das Nebeneinander von sozialen Einrichtungen, Gewerbe, Dienstleistungen und generationsübergreifendem Wohnen soll das Stadtzentrum belebt werden und unterschiedliche Funktionen bieten.

Kontext

Flöha ist von Schrumpfungsprozessen betroffen. Zwischen 1990 und 2014 ging die Einwohnerzahl der Stadt von circa 13.000 auf circa 11.500 zurück. Hierzu trug auch die Schließung der Baumwollspinnerei bei, die vor 1990 einer der größten örtlichen Arbeitgeber war. Seit Schließung der "Alten Baumwolle" wurden zahlreiche Gebäude und Gebäudeteile abgerissen. Der noch vorhandene Gebäudebestand umfasst elf denkmalgeschützte Gebäude, von denen eines (der "Altbau" aus dem Jahr 1867) aufgrund erheblicher struktureller Schäden nicht erhalten werden konnte. Die übrigen zehn Gebäude, darunter der imposante "Neubau" und der "Wasserbau", sind Kernelemente des Konzeptes für ein nutzungsgemischtes Stadtzentrum. Durch den Bau einer Erschließungsstraße über den Fluss Zschopau sowie durch die Sanierung und Umnutzung des repräsentativen "Wasserbaus" zur Bibliothek, als Stadtsaal und für Vereine wurden bereits im Vorfeld der Aufnahme in das Zentrenprogramm 2009 wichtige Infrastrukturmaßnahmen realisiert.

Projektbeschreibung

Baumaßnahmen im öffentlichen Raum, in der Bildmitte das künftige Rathaus Baumaßnahmen im öffentlichen Raum, in der Bildmitte das künftige RathausBaumaßnahmen im öffentlichen Raum, in der Bildmitte das künftige Rathaus Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Hauptziel des Projekts ist es, ein neues innerstädtisches, funktionsgemischtes Zentrum in Flöha zu schaffen. Damit soll die Versorgung der Bevölkerung gesichert werden. Das Areal der Baumwollspinnerei bietet sich dafür an, weil es das geographische Zentrum der Stadt bildet, nach dem Abzug der Textilindustrie einen nachhaltigen Funktionsverlust erlitt und eine Vielzahl denkmalgeschützter und stadtbildprägender Gebäude für künftige Nachnutzungen bietet.

Im Rahmen des Zentrenprogramms erfolgten Umbaumaßnahmen am Hauptgebäude ("Shedhalle"). 2014 eröffnete hier eine Kinderbetreuungseinrichtung mit 370 Plätzen für eine Kinderkrippe, Kindergarten und Hort. Den Umbaumaßnahmen ging ein städtebaulicher Wettbewerb voraus. Ziel war der es, das äußere historische Erscheinungsbild größtmöglich zu erhalten. Die neue Nutzung entstand in zwölf neuen Einzelgebäuden innerhalb der historischen Fassade. Die Einzelgebäude bilden die alte Shed-Dach-Konstruktion nach. Als weiteres wichtiges Vorhaben wird das ehemalige Verwaltungsgebäude voraussichtlich ab 2017 zum neuen Rathaus umgebaut.

Mit Mitteln des Zentrenprogramms werden die Freiflächen in der "Alten Baumwolle" umgestaltet. Den größten Teil der Freiflächengestaltung nimmt die neue Fußgängerzone ein. Sie wurde Anfang 2016 fertiggestellt. Als neuer zentraler Treff- und Kommunikationsort entsteht zudem ein Marktplatz, der an die Fußgängerzone angrenzt. Der Marktplatz stellt sowohl eine Attraktion für Handel und Gastronomie als auch einen auto- und barrierefreien Begegnungsort für alle gesellschaftlichen Gruppen dar. Auch Sondernutzungen wie Konzerte und Stadtfeste auf dem Marktplatz können zukünftig zur Belebung des neuen Zentrums beitragen. Weiterhin ist vorgesehen, eine Wasseranlage zu gestalten, die den ehemaligen Verlauf des Mühlgrabens nachbildet.

Im sogenannten Neubau der "Alten Baumwolle" soll ein Einkaufs-, Dienstleitungs- und Ärztezentrum entwickelt werden. Dazu soll das historische Gebäude unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Belange saniert und den neuen Nutzungen zugeführt werden.

Das Gebäude "Oederaner Bau" soll für kirchliche und soziale Zwecke nachgenutzt werden. Auch für die "Altbauten am Park", die Stammgebäude der "Alten Baumwolle" aus den Jahren 1809, 1815 und 1887, gibt es aktuell noch keinen Investor. Vorgesehen ist hier generationengerechtes Wohnen. 2016 fand zu diesen Gebäuden ein studentischer Architekturwettbewerb unter dem Motto "DenkMal Nutzung" statt. Die Ergebnisse wurden im November 2016 der Öffentlichkeit präsentiert.

Um das Areal besser zu erschließen, werden mehr Parkmöglichkeiten für Autos und Fahrräder geschaffen, wobei die Autostellplätze in den Randbereichen entstehen, um das Areal von Autoverkehr freizuhalten.

Handlungsfelder 

  • Aufwertung des öffentlichen Raums
  • Instandsetzung und Modernisierung stadtbildprägender Gebäude
  • Etablierung von Infrastruktur und öffentlichen Einrichtungen
  • Ansiedlung von Einzelhandel und Dienstleitungen
  • Generationsübergreifendes Wohnen
  • Bau- und Ordnungsmaßnahmen für die Wiedernutzung von Grundstücken und von Brachen

Einzelmaßnahmen

Obergeschoss der Kita in der Shedhalle Obergeschoss der Kita in der ShedhalleObergeschoss der Kita in der Shedhalle Quelle: Plan und Praxis, Berlin

  • Verlagerung und Erweiterung der integrativen Kindertagesstätte "Friedrich Fröbel" in die Shedhalle der "Alten Baumwolle" (2010-2014)
  • Öffentlichkeitsarbeit / Vermarktung der Grundstücke und Gebäude (laufend)
  • Freiflächengestaltung in der "Alten Baumwolle" (seit 2013)
  • Neubau der Claußstraße und der Erschließungsstraße um den "Neubau" (2014)
  • Anlegen einer neuen Fußgängerzone als Verbindung zwischen den einzelnen Gebäuden (Fertigstellung 2016)
  • Bau des Marktplatzes (seit 2016)
  • Umbau des Verwaltungsgebäudes zum Rathaus (in Vorbereitung)
  • Umnutzung des "Neubaus" in ein Einkaufszentrum und die und Errichtung eines Parkdecks (geplant)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programme "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" und "Stadtumbau Ost"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Aufnahme in das Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" / Beginn Erarbeitung des Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (SEKO)
2010Stadtratsbeschluss zur Bestätigung des SEKO
2012Baubeginn der Kindertagesstätte in der ehemaligen Shedhalle
2014Fertigstellung der Kindertagesstätte / Neubau der Claußstraße und der Erschließungsstraße um den "Neubau"
2016Fertigstellung der Fußgängerzone / Beginn Bau des Marktplatzes


Besonderheiten

Die Stadt Flöha zeigt mit der Gesamtmaßnahme "Alte Baumwolle" eindrucksvoll, dass eine verhältnismäßig kleine Stadt durchaus in der Lage sein kann, das schwere Erbe des industriellen Niedergangs für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung zu nutzen. Hier wurde, in Zeiten eines Bevölkerungsrückgangs und einer ökonomisch schwierigen Gesamtsituation entschieden, sich der denkmalgerechten Revitalisierung einer industriellen Konversionsfläche zu stellen und ein neues Stadtzentrum zu entwickeln. Die Stadt geht dabei mit der umfassenden Etablierung von öffentlichen Infrastrukturangeboten erheblich in Vorleistung. Die Kommune kann lediglich geeignete Rahmenbedingungen schaffen. Die Umsetzung des Gesamtkonzeptes ist an erhebliche private Investitionen geknüpft. Insbesondere die Nachnutzung des "Neubaus" zu einem Einkaufzentrum und die Etablierung generationsübergreifenden Wohnens in weiteren Bestandsgebäuden sind elementar für den Erfolg der Gesamtmaßnahme.

Lernerfahrungen

In Flöha wird der integrierte Ansatz des Programms "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" beispielhaft angewendet und genutzt, um ein neues Stadtzentrum aufzubauen. Die investiven Maßnahmen für die Revitalisierung der denkmalgeschützten Gebäude, die Erschließung und den öffentlichen Raum stellen schon über die Bereitstellung der Eigenmittel einen erheblichen Kraftakt für die Stadt dar. Gleichwohl konnte die Stadt durch ein gutes Management die Maßnahmen bislang durchführen, ohne Kredite in Anspruch nehmen zu müssen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Sachsen


Gemeinde

Stadt Flöha


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2009


Projektende

Voraussichtlich 2019


Größe des Gebietes

Circa 8,4 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: Circa 4,25 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadtverwaltung Flöha
Bauverwaltung
Herr André Stefan
Augustusburger Str. 90
09557 Flöha
Tel. +49 3726 791-148
E-Mail: bauverwaltung@floeha.de

Link / weitere Informationen

Projekt Alte Baumwolle


Stand

Februar 2017

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