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Freiburg - Betzenhausen-Bischofslinde

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Öffentlicher Raum / Mobilität / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Seit 2012 werden die Stadtteilzentren Sundgauallee und Am Bischofskreuz im Stadtteil Betzenhausen-Bischofslinde in Freiburg im Breisgau mit Mitteln des Zentrenprogramms unterstützt. Das Fördergebiet ist durch zunehmende Funktionsverluste sowie Gestaltungsdefizite im öffentlichen Raum und im Gebäudebestand gekennzeichnet.

Grundlage für die Zentrenentwicklung ist ein Zentren-Aktivierungs-Konzept (ZAK) aus dem Jahr 2009. Die Mittel des Zentrenprogramms werden insbesondere eingesetzt, um lokale Akteure zu aktivieren und den öffentlichen Raum aufzuwerten. Schwerpunkte bilden dabei der stadtverträgliche Umbau der Sundgauallee, des Betzenhauser Torplatzes sowie des Platzes Am Bischofskreuz. Die Sundgauallee, eine überdimensionierte Verkehrstrasse, durchquert das Gebiet und stellt eine stadträumliche Barriere dar. Die genannten Platzbereiche sollen zu zentralen öffentliche Räumen mit hoher Verweilqualität umgestaltet werden.

Kontext

Das Fördergebiet in dem circa 13.000 Einwohner zählenden Stadtteil Betzenhausen-Bischofslinde liegt im Westen von Freiburg und wird fast ausschließlich durch Bauten der 1960er bis 1980er Jahre geprägt. Die beiden Zentren des Stadtteils erstrecken sich entlang der Sundgauallee, die den Stadtteil in West-Ost-Richtung durchquert. Die Sundgauallee ist verkehrlich, städtebaulich und bezogen auf die Stadtteilversorgung die zentrale Achse des Stadtteils. Zugleich stellt sie aufgrund ihrer Gestaltung und fehlenden Querungsmöglichkeiten eine Barriere dar.

Die Stadtteilzentren sind geprägt durch überwiegende Wohnnutzung und übernehmen vor allem die Funktion von Nahversorgungszentren. Aufgrund des Strukturwandels im Einzelhandel sind sie mit funktionellen und strukturellen Problemen konfrontiert. Zudem besteht Sanierungs- und Aufwertungsbedarf im öffentlichen Raum wie auch bei privaten Außenflächen und Gebäuden. Bislang mangelt es an attraktiven zentralen öffentlichen Orten für Kommunikation, Aufenthalt und Veranstaltungen.

Konzeptionelle Vorarbeiten gab es bereits vor der Aufnahme in das Zentrenprogramm. Im Jahr 2009 wurde das Zentren-Aktivierungs-Konzept Betzenhausen-Bischofslinde (ZAK) fertiggestellt. Darauf aufbauend wurden Verkehrs- und Gestaltungskonzepte für die Stadtteilzentren erarbeitet. Mit der Aufnahme in das Zentrenprogramm im Jahr 2012 begann die Umsetzung der im ZAK beschriebenen Ziele und Maßnahmen und die angestoßenen Planungskonzepte wurden konkretisiert.

Projektbeschreibung

Prioritäres Ziel der Maßnahme ist die Sicherung und Stärkung der Nahversorgungsfunktion in den beiden Stadtteilzentren. Vor diesem Hintergrund wird der Aktivierung und Vernetzung der Händlerschaft eine große Bedeutung beigemessen, um durch abgestimmtes Handeln, gezieltes Marketing und gemeinsame Projekte die Attraktivität des Einzelhandelsstandortes zu steigern und Kaufkraft zu binden. Die funktionale Vielfalt der beiden Stadtteilzentren soll zudem durch gastronomische Angebote und durch Vernetzung und Ergänzung der bestehenden Kultur- und Freizeitstätten befördert werden.

Nach der Aufnahme in das Zentrenprogramm wurde mit Unterstützung der Stadtverwaltung im Sommer 2012 die Interessensgemeinschaft Sundgauallee-Am Bischofskreuz e.V. (SuBi) gegründet, die Maßnahmen zur Stärkung der Stadtteilzentren erarbeitet und konkret umsetzt. Zu den bislang umgesetzten Maßnahmen zählen unter anderem die Organisation und Durchführung des seit 2013 jährlich im Juni stattfindenden Stadtteilfestes auf dem neuen Platzbereich Am Bischofskreuz und ein Baustellenmarketing während des Umbaus des Platzes. Die SuBi nimmt zusammen mit dem ortsansässigen Bürgerverein aktiv am Planungsprozess teil und vertritt somit die Meinung eines Großteils der von den Zielen und Maßnahmen des ZAK betroffenen Zielgruppen.

Einen weiteren Schwerpunkt der Zentrenentwicklung bildet die gestalterische und funktionale Aufwertung des öffentlichen Raums. Im Bereich des Platzes Am Bischofskreuz gab es bislang überwiegend unattraktive Aufenthaltsbereiche. Im Jahr 2013 erfolgte die Umgestaltung des Stadtteilzentrums Am Bischofskreuz. Durch die Verlagerung von Parkplätzen und die Verschwenkung einer Straße wurde zusätzlicher öffentlicher Raum geschaffen und damit eine multifunktional nutzbare Platzfläche mit Verweilfunktion geschaffen. Die Baumaßnahme hat Impulse bei den angrenzenden Gewerbetreibenden für Engagement und Investitionen ausgelöst.

Zentrale Maßnahme ist der Umbau der Sundgauallee, um die Aufenthalts- und Nutzungsqualität zu verbessern, die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs zu reduzieren und die Barrierewirkung der Straße abzubauen. Ein Gestaltungs- und Verkehrskonzept wurde 2014 erarbeitet, öffentlich diskutiert, im Anschluss weiterentwickelt und im September 2015 beschlossen. Anfang 2016 begannen die Umbaumaßnahmen und dauerten bis Ende 2016. Die Straße wurde zum räumlichen, funktionalen und identitätsstiftenden Kern des Stadtteilzentrums weiter entwickelt. Dazu wurde der überdimensionierte Straßenraum neu strukturiert. Die Zahl der Fahrspuren ist reduziert, es gibt Fahrradspuren und zusätzliche Querungsmöglichkeiten. Die Fußgängerbereiche wurden vergrößert und Gebäudevorzonen neu gestaltet. Gleichzeitig zur Umgestaltung der Sundgauallee wurden die Straßenbahngleise und -haltestellen sowie die Sundgaubrücke und die Fußgängerunterführung an der Paduaallee saniert. Ein Baustellenmarketing begleitete den Umbau.

Herausforderung für den Umbau der Straße war die Eigentümerstruktur an der Sundgauallee. Dort gibt es einen hohen Anteil an Eigentümergemeinschaften in Wohneigentumsanlagen. Im Zuge des Umbaus der Sundgauallee konnten private Gebäudevorflächen in die Umgestaltung einbezogen werden, um ein einheitliches Erscheinungsbild herzustellen und die Flächen besser nutzen zu können. Eine umfassende Information der Eigentümer über Fördermöglichkeiten hat mit dazu beigetragen, die Eigentümergemeinschaften zu aktivieren und abgestimmte Maßnahmen umzusetzen.

Große Bedeutung im Rahmen der Umgestaltung der Hauptverkehrsstraße hat der Bereich rund um den Betzenhauser Torplatz. Hier konzentriert sich ein Großteil des Einzelhandels im Stadtteilzentrum. Auf dem Platz befinden sich derzeit mehrere große Holzskulpturen, die als Eingangstor für die Landesgartenschau 1986 im angrenzenden Naherholungsgebiet Flückigersee ("Seepark") fungierte. Die Querung der Straße ist hier wegen einer abgezäunten Straßenbahnhaltestelle erschwert. Der Platz soll aufgewertet werden, damit er besser als bislang für Aufenthalt und Veranstaltungen sowie als Tor zum Seeparkgelände genutzt werden kann. Durch die gestalterische Verknüpfung mit der gegenüberliegenden Straßenseite wird die trennende Wirkung der Sundgauallee in diesem Bereich reduziert und eine neue attraktive Platzsituation in zentraler Lage  geschaffen. Die Straßenbahnhaltestellen werden dabei auseinander gezogen und gestalterisch integriert. Bei den Planungen für den Betzenhauser Torplatz wurde die Öffentlichkeit intensiv einbezogen, unter anderem fand im Sommer 2014 ein Workshop statt, auf dem unterschiedliche Varianten der Platzgestaltung diskutiert und Anregungen eingebracht werden konnten. Weitere Informations- und Beteiligungsveranstaltungen sind für 2017 geplant. Der Umbau erfolgt in zwei Bauabschnitten und soll 2018 beginnen.

Handlungsfelder 

  • Öffentlicher Raum
  • Mobilität
  • Geschäftsstraßenmanagement
  • Beteiligung und Aktivierung
  • Sicherung der Nahversorgung

Einzelmaßnahmen

  • Gründung Interessensgemeinschaft SuBi (2012) und Umsetzung erster Maßnahmen (unter anderem Entwicklung Logo, Weihnachtsaktion, Baustellenmarketing, Stadtteilfest)
  • Umbau des Stadtteilzentrums Am Bischofskreuz (2013)
  • Verkehrs- und Gestaltungskonzept für die Sundgauallee (2012-2015)
  • Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligungsveranstaltungen, unter anderem Internetseite, Gewerbestammtische, Informationsveranstaltungen und Workshops (seit 2012)
  • Umbau Sundgauallee (2016)
  • Umbau Betzenhauser Torplatz (geplant ab 2018)
  • Unterstützung privater Erweiterungs- und Modernisierungsvorhaben (geplant zum Beispiel Nutzungskonzept Sundgaupassage)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Fertigstellung Zentren-Aktivierungs-Konzept (ZAK)
2012Aufnahme in das Zentrenprogramm / Festlegung des Sanierungsgebietes Betzenhausen-Bischofslinde / Gründung der Interessensgemeinschaft Sundgauallee-Am Bischofskreuz e.V. (SuBi)
2013Umbau Stadtteilzentrum Am Bischofskreuz, begleitet durch Baustellenmarketing / Beginn Erarbeitung Verkehrs- und Gestaltungskonzept, begleitet durch eine Arbeitsgruppe, im Wesentlichen bestehend aus Mitgliedern des Bürgervereins und SuBi
2014Workshop zur Umgestaltung des Betzenhauser Torplatzes / Informationsveranstaltungen zum Gestaltungs- und Verkehrskonzept
2015Beschluss Verkehrs- und Gestaltungskonzept
2016Umbau Sundgauallee
2018Umbau Betzenhauser Tortplatz (geplant)


Besonderheiten

Erschwerte Querung im Bereich des Betzenhauser Torplatzes Erschwerte Querung im Bereich des Betzenhauser TorplatzesErschwerte Querung im Bereich des Betzenhauser Torplatzes Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Ein wichtiger Akteur im Stadtteilzentrum ist der Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde. Er bringt sich seit 2007 intensiv in den Stadtteil ein und erarbeitet Vorschläge und Anregungen für die weitere Entwicklung des Stadtteilzentrums. Die Stadtverwaltung arbeitet eng mit dem Verein zusammen und greift die Positionen des Bürgervereins auf. Die Anregungen des Bürgervereins, beispielsweise zur Umgestaltung des Platzes Am Bischofskreuz, sind in das Zentren-Aktivierungs-Konzept eingeflossen. Anregungen des Bürgervereins trugen  auch dazu bei, dass ein Workshop zur Umgestaltung des Betzenhauser Torplatzes durchgeführt wurde. Der Bürgerverein arbeitet hierbei eng mit der seit 2012 bestehenden Interessengemeinschaft SuBi zusammen – gemeinsam bildeten diese Vereine eine feste Arbeitsgruppe während der Erarbeitung der konzeptionellen Pläne zur Umgestaltung der Sundgauallee und des Betzenhauser Torplatzes. Die Stadt führte zusammen mit den beauftragten Planungsbüros und dieser Arbeitsgruppe mehrere Abendveranstaltungen zur Weiterentwicklung der Planungen durch.

Das von der Stadt Freiburg betriebene Geschäftsstraßenmanagement stellt einen integrativen Ansatz zur Stärkung der Stadtteilzentren und der Nahversorgungsfunktion dar. Dabei ist das Engagement jeder und jedes Einzelnen vor Ort von Bedeutung, weshalb die kontinuierliche Einbindung der Betroffenen bereits zu Beginn der ZAK-Umsetzung intensiv betrieben wurde. Hierdurch findet eine kontinuierliche Information, Beteiligung und Vernetzung wichtiger Akteure vor Ort statt. Das Ergebnis zeigt sich unter anderem in einem sehr beteiligungsintensiven Planungsprozess. Das Geschäftsstraßenmanagement stellt dabei ein verbindendes Element zwischen den Betroffenen vor Ort und der Stadt dar und erfüllt somit eine zentrale, in diesem Falle auch steuernde Funktion im Gesamtprozess ZAK. Dabei integriert das Geschäftsstraßenmanagement ganz unterschiedlich vom ZAK tangierte Zielgruppen, zu denen insbesondere Gewerbetreibende, Anwohner und lokale Vereine, Eigentümer und Mieter, aber auch potenzielle Investoren gehören.

Lernerfahrungen

Die Fördermaßnahme in den Stadtteilzentren Sundgauallee und Am Bischofskreuz im Stadtteil Betzenhausen-Bischofslinde zeigt einen Entwicklungsansatz für Nahversorgungszentren auf, die zwar grundsätzlich noch stabil sind, aber erste Funktionsverluste erkennen lassen. In Betzenhausen-Bischofslinde werden gezielt Schlüsselmaßnahmen in Angriff genommen, um Entwicklungsimpulse auszulösen und den Standort zu stabilisieren. Die Händlerschaft wird aktiviert, zivilgesellschaftliche Akteure werden eingebunden und der öffentliche Raum neu gestaltet, indem Verkehrsräume stadtverträglich in das Stadtgefüge integriert werden. Lerneffekte lassen sich zukünftig auch durch die Einbindung der Eigentümergemeinschaften sowie weiterer themenrelevanter Zielgruppen in den Prozess der Zentrenentwicklung erwarten.

Zusatzinformationen

Bundesland

Baden-Württemberg


Gemeinde

Stadt Freiburg im Breisgau


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2012


Projektende

Voraussichtlich 2020


Größe des Gebietes

16,8 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 330.000 Euro


Gebietstypus

Stadtteilzentrum


Kontaktdaten

Stadt Freiburg im Breisgau
Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung
Herr Yves Strittmatter
Fehrenbachallee 12
79106 Freiburg im Breisgau
Tel. +49 761 201-4022
E-Mail: yves.strittmatter@stadt.freiburg.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Stadt Freiburg zum Fördergebiet

Bürgerverein Betzenhausen-Bischofslinde


Stand

Januar 2017

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