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Geisa – Altstadt

Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Stadtgestalt und Baukultur / Wohnen und öffentliche Einrichtungen

Zusammenfassung

Die Kleinstadt Geisa (circa 4.700 Einwohner) liegt im Westen Thüringens direkt an der Landesgrenze zu Hessen auf einem Bergsporn zwischen den Flüssen Geis und Ulster. Die Altstadt ist weitgehend erhalten und noch vollständig von der historischen Stadtmauer umschlossen. Dort wurden bereits in den Jahren vor 2009 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen realisiert. Mit der Förderung aus dem Zentrenprogramm wird der Verflechtungsbereich zwischen Altstadtkern und Innenstadt seit 2009 gestärkt. Mit Mitteln des Zentrenprogramms wurde die Ulsteraue östlich der historischen Altstadt nach Abbruch einer Industriebrache zum städtischen Frei- und Erholungsraum aufgewertet. Zwischen Altstadt und östlicher Innenstadt entstand eine attraktive Fußwegverbindung und für einen an die Ulsteraue angrenzenden Innenstadtbereich (Handwerkervorstadt) wurde ein neues stadträumliches Konzept entwickelt. Dazu werden unterschiedliche Förderprogramme der Städtebauförderung und der Europäischen Union gezielt gebündelt. Weitere Förderschwerpunkte sind die Stärkung der kulturellen Infrastruktur und die Unterstützung privater Immobilieneigentümer bei der Sanierung ihrer Wohnhäuser.

Kontext

Früher befand sich Geisa direkt an der innerdeutschen Grenze im Sperrgebiet der DDR. In Sichtweite zur Stadt betreibt die Point-Alpha-Stiftung die gleichnamige Gedenkstätte an einem früheren Beobachtungsstützpunkt. Die Gedenkstätte zählt jährlich etwa 120.000 Besucher.

Geisa ist geprägt durch eine geschlossene historische Bebauung innerhalb der Stadtmauer. In den 1970er Jahren entstanden südlich und östlich der Kernstadt einige Zeilenbauten sowie Ein- und Zweifamilienhäuser. Die Entwicklung des Zentrums wurde nach der Wiedervereinigung bereits seit 1992 mit Finanzhilfen der Städtebauförderung unterstützt. Dementsprechend waren bei der Aufnahme des Fördergebietes in das Zentrenprogramm bereits wichtige Fortschritte gegenüber der Situation nach der politischen Wende erreicht. Insbesondere die gelungene denkmalgerechte Sanierung und behutsame Erweiterung des Schlossensembles und die Nutzung der Gebäude durch die Point-Alpha-Stiftung (als Stiftungssitz und Fortbildungsakademie mit Bettenhaus) hat die Attraktivität der Altstadt wesentlich erhöht. Neue Qualitäten entstanden auch im öffentlichen Raum, zum Beispiel durch die Neugestaltung des Marktplatzes.

Die Fördermaßnahme im Zentrenprogramm legt den Fokus auf die qualitätvolle Verbindung des Altstadtkerns mit der östlichen Innenstadt, auch durch die Revitalisierung der Ulsteraue. Ihre Entwicklung zu einem attraktiven Erholungsraum steht in engem Zusammenhang zu den Wege- und Blickbeziehungen zwischen dem Bereich der Aue und dem historischen Stadtzentrum auf dem Bergrücken.

Projektbeschreibung

Als übergeordnetes Entwicklungsziel hat die Stadt Geisa die "Schaffung einer funktionierenden urbanen Nutzungsmischung im Stadtzentrum" beschlossen. Im Rahmen der Fördermaßnahme im Zentrenprogramm kommt der Stärkung des Wohn- und Kulturstandortes eine wichtige Rolle zu.

Den Kern der Maßnahme bildet die Revitalisierung der Freiflächen an der Ulsteraue und angrenzender städtischer Bereiche in der Handwerkervorstadt und des Kulturhausumfeldes am gegenüberliegenden Flussufer. Die Ulsteraue bildet einen wertvollen Naturraum zwischen der Altstadt auf dem Bergsporn und den benachbarten Freiflächen. Die Flussaue im Schnittpunkt zwischen Altstadt und östlicher Innenstadt stellte jedoch einen gravierenden städtebaulichen Missstand dar. Auf einer versiegelten Fläche von circa 1,3 Hektar befanden sich Gebäude und Werkhallen eines ehemaligen Betriebes (VEB Plasta), die teilweise noch durch den städtischen Bauhof genutzt wurden. Durch die Verlagerung des Bauhofes (mit Ersatzneubau an anderer Stelle im Stadtgebiet) und den Rückbau der ehemaligen Produktionsgebäude entstand auf der ehemaligen Flächenbrache ein attraktiver Naherholungsbereich. 

Im September 2011 wurde ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb ausgelobt, um die naturnahe Umgestaltung vorzubereiten. Die Wettbewerbsaufgabe umfasste neben der unmittelbaren Gestaltung der Ulsteraue auch einen barrierefreien Altstadtzugang von der Ulsteraue sowie den Bereich des ehemaligen Schlossgartens und das Kulturhausumfeld. Der Wettbewerb wurde im Januar 2012 abgeschlossen. Auf Basis des Siegerentwurfs entstand bis Sommer 2014 ein Erholungsbereich mit Badeteich, der durch ein flussbegleitendes Wegenetz erschlossen wird. Damit steht die Ulsteraue künftig ausschließlich Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung. Der vom Wettbewerbssieger geplante barrierefreie Altstadtzugang durch einen modernen Turm mit Aufzug wird aus Kostengründen nicht weiter verfolgt. Stattdessen wird eine barrierearme Erschließung durch eine neue Wegeverbindung realisiert, die mit den neu gestalteten Freiflächen in der Handwerkervorstadt korrespondiert. 

Parallel wurde die Umgestaltung des Schlossgartens, am Hang zwischen Schloss und Ulsteraue gelegen, geplant und umgesetzt. Der Schlossgarten diente für viele Jahre örtlichen Vereinen als Festplatz. Im Laufe der Zeit entstanden mehrere Gebäude, die jedoch hinsichtlich ihrer Gestaltung eher einen provisorischen Charakter aufwiesen. Im Rahmen der Umgestaltung ist es gelungen, den Schlossgarten in das Schlossensemble zu integrieren. Es entstand ein attraktiver öffentlicher Grünbereich, der auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Dazu wurde ein zentrales Funktionsgebäude mit Ausschank und Sanitäranlagen in den Hang integriert und Befestigungspunkte zum Aufstellen eines zusätzlichen Festzeltes geschaffen.

Einen weiteren Investitionsschwerpunkt stellt die Sanierung des denkmalgeschützten Kulturhauses aus den 1950er Jahren und seines unmittelbaren Umfeldes dar. Das Gebäude befindet sich gegenüber der Altstadt am rechten Flussufer der Ulster. Die Gebäudesubstanz erfüllte nach jahrzehntelanger Nutzung nicht mehr die notwendigen Anforderungen, insbesondere hinsichtlich Brandschutz, Fluchtwegen und Barrierefreiheit. Zudem gab es Feuchtigkeitsschäden und die Energiekosten waren aufgrund der Raumhöhen des Gebäudes sehr hoch. Die technische und energetische Sanierung, die auch den Anbau eines Aufzuges sowie den Einbau einer neuen Hackschnitzelheizung umfasst, erfolgte zwischen 2013 und 2015. Die Umfeldgestaltung wurde im Rahmen des oben genannten städtebaulichen Wettbewerbs geplant und realisiert, denn das Kulturhaus und sein Umfeld waren wenig mit der Aue und der Altstadt verknüpft. Der Vorplatz des Kulturhauses, ursprünglich als militärischer Aufmarschplatz angelegt, wurde über lange Zeit als Parkplatz genutzt. Hier entstand ein attraktiver, autofreier Aufenthaltsraum mit Sitzgelegenheiten, Begrünung und einem Brunnen, der auch als Kinderspielplatz genutzt werden kann. Auf der Fläche hinter dem Kulturhaus entstand nach Ankauf mehrerer Grundstücke ein neuer Parkplatz mit geringer Versiegelung, der nicht nur für Autos, sondern auch für Busse genutzt werden kann, um die Altstadt zu entlasten. Außerdem wurde durch eine Treppe ein direkter Zugang zum Ulsterufer geschaffen. 

Weitere Standorte der Fördermaßnahme liegen innerhalb der historischen Stadtmauer, die – einschließlich eines begleitenden Rundwegs – im Bereich des Schlossgartens grundlegend saniert wurde. Durch den Umbau des Schlosses zur Point-Alpha-Stiftung wurde ein neuer Standort für das zuvor dort befindliche städtische Museum gebraucht. Ein stark sanierungsbedürftiges stadtbildprägendes Gebäude nahe des Schlossensembles wurde von der Stadt erworben und zum Stadtmuseum umgebaut. Das neue Museum wurde im Juli 2014 eröffnet. Weiterhin werden zahlreiche private Einzeleigentümer bei der Sanierung ihrer Gebäude unterstützt.

Handlungsfelder 

  • Öffentlicher Raum
  • Öffentliche Infrastruktur (Schwerpunkt: Kultur)
  • Stadtgestalt und Baukultur
  • Wohnen

Einzelmaßnahmen

  • Neugestaltung der Ulsteraue und angrenzender Bereiche (einschließlich Schlossgarten, Teil der Stadtmauer im Bereich des Schlossgartens mit Mauerrundweg, Freiflächengestaltung Handwerkervorstadt) auf Basis eines städtebaulichen Realisierungswettbewerbs (2011-2014)
  • Sanierung des Kulturhauses einschließlich Umfeldgestaltung (2013-2015)
  • Umbau eines stadtbildprägenden Gebäudes zum Stadtmuseum (2009-2014)
  • Förderung privater Sanierungsmaßnahmen (seit 2009)
  • Neubau "Haus der Vereine" mit Musikschule nach Abriss des nicht sanierungsfähigen alten Gebäudes (2015-2016)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Bund-Länder Programm "Stadtumbau Ost"
  • Bund-Länder-Programm "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen"
  • Bund Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Aufnahme in das Programm Aktive Stadt‐ und Ortsteilzentren / Auszeichnung des Entwurfs "Altstadt und Fluss – Chancen einer Begegnung" mit einem Preis im Rahmen des Thüringer Landeswettbewerbs "Genial zentral – Aktive Innenstadt"
2010Beginn der Umbauarbeiten zum Stadtmuseum
2011Durchführung des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs / Beginn der Revitalisierung der Ulsteraue mit der Verlagerung des städtischen Bauhofs zur Erlangung von Baufreiheit / Aktualisierung der Sanierungsziele von 1993
2012Umgestaltung des öffentlichen Raums in der Handwerkervorstadt / Umgestaltung des Kulturhausumfeldes / Beginn der Renaturierung der Ulsteraue
2013Preisträger im Bundeswettbewerb "Historische Stadtkerne – integriert denken und handeln" mit dem Beitrag "Altstadt – Denkmalensemble und energetische Erneuerung" / Umgestaltung des Kulturhausumfeldes / Beginn der Sanierung des Kulturhauses
2014Beschluss des integrierten Quartierskonzeptes "KlimaQuartier Altstadt Geisa" / Fertigstellung der Revitalisierung der Ulsteraue und angrenzender Bereiche / Eröffnung des neuen Stadtmuseums
2015Fertigstellung des Sanierung des Kulturhauses
2015-2016Neubau "Haus der Vereine" mit Musikschule nach Abbruch des nicht sanierungsfähigen Bestandsgebäudes


Besonderheiten

Durch den Einsatz verschiedener Städtebauförderprogramme konnte eine Vielzahl privater Einzeleigentümer bei der Sanierung ihrer stadtbildprägenden Gebäude unterstützt werden. Die Sanierung und Modernisierung von privaten Immobilien wird durch ein kommunales Förderprogramm unterstützt. Private Eigentümer können bis zu 30 Prozent der förderfähigen Kosten, maximal jedoch 5.000 Euro pro Gebäude, als Zuschuss zur Sanierung erhalten. Diese Summe kann für mehrere Teilmaßnahmen beantragt werden. In Einzelfällen können umfangreiche Sanierungsmaßnahmen auch mit größeren Summen unterstützt werden. Bis einschließlich 2016 wurden mit anteiliger Refinanzierung aus dem Zentrenprogramm insgesamt circa 15 private Maßnahmen aus dem kommunalen Förderprogramm unterstützt. Zuvor wurden bereits aus Finanzhilfen des Städtebauförderprogramms "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen" seit dem Jahr 2000 kleinteilige Maßnahmen an über 40 privaten Gebäuden gefördert. Das Interesse der Eigentümer ist groß, die Anreizwirkung des Förderprogramms ist hoch. Es gab weitere Antragsteller, die bislang nicht berücksichtigt werden konnten. In einem Einzelfall (stadtbildprägendes Wohn- und Geschäftshaus am Marktplatz mit hohem Sanierungsbedarf) wurde nach dem zwischenzeitlichen Erwerb des Gebäudes durch die Stadt eine neue Eigentümergemeinschaft gefunden. Den jungen Eigentümern, die in dem Haus Wohnungen zur Selbstnutzung saniert haben, wurden Finanzhilfen aus der Städtebauförderung zur Verfügung gestellt, um schnell die dringlichsten Sicherungsmaßnahmen an dem Gebäude durchführen zu können.

Lernerfahrungen

Durch das Instrument des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs, der konzeptionell auf einem erfolgreichen Wettbewerbsbeitrag für die Thüringer Landesinitiative GENIAL zentral aufbaute, konnten die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen zentrenrelevanten Teilräumen sowie zwischen bebauten Grundstücken und Freiräumen in ihrem Gesamtzusammenhang berücksichtigt werden. Gerade durch die Stärkung des Verflechtungsbereichs zwischen Altstadtkern und Innenstadt gelingt es mit den Umgestaltungsmaßnahmen auch die Funktionsfähigkeit des zentralen Versorgungsbereichs zu stärken. Dementsprechend sind bei der Umsetzung der Fördermaßnahme, die zu ganz wesentlichen Teilen auf den Ergebnissen des Wettbewerbs basiert, auch nicht isolierte Einzelprojekte entstanden, sondern ein beeindruckendes Gesamtbild: Vom Schlossensemble über das neue Stadtmuseum, den Schlossgarten, die Stadtmauer mit Mauergasse über die Ulsteraue zum neuen Mühlenplatz und von dort durch die ehemalige Handwerkervorstadt bis zum Kulturhaus bietet sich Bewohnern und Besuchern ein zusammenhängender und attraktiver zentraler Stadtraum, der den zugrunde liegenden integrierten Handlungsansatz eindrucksvoll zum Ausdruck bringt.

Zusatzinformationen

Bundesland

Thüringen


Gemeinde

Geisa


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2009


Projektende

Voraussichtlich 2025


Größe des Gebietes

19,4 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: circa 1,3 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtteilzentrum


Kontaktdaten

Stadt Geisa
Herr Bürgermeister Martin Henkel
Marktplatz 27
36419 Geisa
Tel. +49 36967 69-110
E-Mail: buergermeister@geisa.de


DSK Regionalbüro Weimar
Frau Dr. Christine Meißner
Erfurter Str. 11
99423 Weimar
Tel. +49 3643 5414-24
E-Mail: christine.meissner@dsk-gmbh.de


Stand

Februar 2017

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