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Grebenstein-Altstadt

Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Die historische Altstadt von Grebenstein (Landkreis Kassel) soll als attraktiver Wohnstandort mit vielfältigen Nutzungen erhalten werden. Im Mittelpunkt der Fördermaßnahme steht die Aufwertung der öffentlichen Räume. Unter intensiver Beteiligung der Einwohner werden öffentliche Freiflächen aufgewertet oder neu geschaffen, unter anderem durch die Umgestaltung einer stillgelegten Bahntrasse zu einem öffentlichen Park. Auch stadtbildprägende Fachwerkhäuser sind derzeit von hohen Leerständen betroffen. Ein kommunales Förderprogramm für Bau- und Sanierungszuschüsse wurde aufgelegt. Es wurde ein Kernbereichsmanagement eingerichtet, das drei thematische Arbeitsgruppen im Rahmen einer "lokalen Partnerschaft" koordiniert.

Kontext

Charakteristisch für die 5.800 Einwohner zählende Stadt Grebenstein (rund 20 Kilometer nördlich von Kassel gelegen) ist das historische Stadtbild der Altstadt mit ihren sechs Stadttürmen, der noch weitgehend erhaltenen Stadtmauer, den zahlreichen Fachwerkensembles und der alles überragenden Burg. Ein schmaler Bachlauf trennt die durch Wohnnutzung geprägte Unterstadt von der Oberstadt, wo sich auch öffentliche Einrichtungen, Handwerks- und Einzelhandelsbetriebe befinden. In den letzten Jahren verschärften sich städtebauliche Missstände und strukturelle Schwächen, die in erster Linie durch zahlreiche Gebäude mit äußeren Sanierungs- und Instandhaltungsmängeln sowie Leerstand von Wohn- und Gewerbeeinheiten im Stadtbild sichtbar werden. Die Altstadt verfügt über einen sehr hohen Anteil an denkmalgeschützten Gebäuden, deren Sanierung jedoch mit erhöhtem Aufwand verbunden ist.

Projektbeschreibung

Das integrierte Handlungskonzept sieht für die Umsetzung der Maßnahmen unterschiedliche Prioritäten vor. Übergeordnetes Ziel der Fördermaßnahme ist der Erhalt einer attraktiven Fachwerkstadt mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität für alle Generationen. Zu diesem Zweck sollen die historische Gebäudesubstanz sowie der öffentliche Raum aufgewertet werden.

Vor Aufnahme des Fördergebiets in das Zentrenprogramm (in Hessen: "Aktive Kernbereiche") war im Rahmen eines Modellprojektes der Bundesinitiative "Nationale Stadtentwicklungspolitik" in den Jahren 2008 bis 2009 der Handlungsbedarf für die historische Altstadt in einem ergebnisoffenen Verfahren ermittelt worden. Hierzu wurde die Bürgerschaft mit Begehungen, Aktionstagen und Arbeitsgruppen stark in den Ideenfindungsprozess eingebunden. Durch das im Rahmen des Zentrenprogramms eingerichtete Kernbereichsmanagement wurden die Projekte des erarbeiteten Ideenkataloges auf Umsetzbarkeit und Nachhaltigkeit geprüft.

Leitgedanke der Fördermaßnahme ist die Vernetzung derzeit untergenutzter städtischer Freiräume zwischen Oberstadt und Unterstadt durch eine "Grüne Spange". Im Bereich der gesamten historischen Kernstadt entsteht so ein hochwertiges und abwechslungsreiches Freiraumangebot, das sich an alle Alters- und Nutzergruppen richtet und die historische Fachwerkstadt als Wohnstandort weiter qualifiziert. Ein wichtiger Baustein zur Umsetzung der "Grünen Spange" ist die 2016 abgeschlossene Revitalisierung des Geländes der ehemaligen "Friedrich-Wilhelm-Nordbahn" zum Gleispark. Es handelt sich um einen innerstädtisch gelegenen, ehemaligen Bahndamm mit historischer Brücke über den Fluss Esse. Auf dieser Brache ist ein qualifizierter Freiraum entstanden, der neue Wegeverbindungen und Blickbeziehungen innerhalb der Altstadt schafft. Das zentrale Element des Freiraums sind stilisierte Gleiselemente. Sitzmöglichkeiten laden zum Verweilen ein und erstrecken sich wegbegleitend entlang eines kleinen Parks. Auch die alte Brücke wurde durch eine gestalterisch angepasste Neukonstruktion ersetzt. Ergänzend ist auf dem Gelände ein Mehrgenerationenspielplatz geplant.

Ein weiterer Baustein der "Grünen Spange" ist die Herstellung einer öffentlichen Grünfläche an einer der drei zentralen Nord-Süd-Fußwegeverbindungen zwischen Ober- und Unterstadt. Das mit einem stark baufälligen und einsturzgefährdeten Wohngebäude bebaute Grundstück wurde beräumt und zu einem kleinen Park umgestaltet. Basis dafür war ein Gestaltungs- und Nutzungskonzept, das im Rahmen eines Bürgerworkshops erarbeitet wurde. Ein neu gepflanzter Baum sowie die Skulptur einer lokalen Künstlerin (stilisiertes Tor) werten den Park auf. Der historische Gewölbekeller des ehemaligen Wohgebäudes blieb erhalten und ist nun als Teil des Parks zugänglich. Die Treppe des direkt angrenzenden Fußwegs wurde saniert, ebenso die Stützmauern und das Treppengeländer. Dadurch kann der Weg auch von leicht mobilitätseingeschränkten Menschen nun besser genutzt werden.

Handlungsfelder

  • Stärkung der Wohnfunktion in der historischen Altstadt
  • Nutzung des besonderen Kunst- und Kulturangebotes der Stadt zur Steigerung der touristischen Nachfrage
  • Schaffung von kleinteiligen öffentlichen Stadträumen sowie privaten Freiräumen
  • Verbesserung der Verkehrssituation in der Altstadt
  • Erhaltung stadtbildprägender Gebäude

Einzelmaßnahmen

  • Erarbeitung eines integrierten Handlungskonzeptes (2009)
  • Einrichtung und Etablierung eines Kernbereichsmanagements (2010)
  • Intensive Einbeziehung der Bürgerschaft in den Stadtentwicklungsprozess durch drei thematische Arbeitsgruppen und eine Lenkungsgruppe ("lokale Partnerschaft")
  • Inwertsetzung des historischen Bahndamms der "Friedrich-Wilhelm-Nordbahn" durch Anlage einer öffentlichen Freifläche ("Gleispark") (2012-2016)
  • Instandsetzung und Sanierung stadtbildprägender Fachwerkgebäude (laufend)
  • Initiierung eines Beratungs- und Anreizprogramms zur Sicherung der historischen Bausubstanz (Bauberatung, Zuschuss für Baumaßnahmen privater Eigentümer durch Fördermittel aus dem Zentrenprogramm) (seit 2011)
  • Umbau eines stadtbildprägenden Fachwerkhauses für seniorengerechtes Wohnen (2012)
  • Abriss eines nicht mehr erhaltenswerten Fachwerkhauses und Schaffung einer attraktiven öffentlichen Freifläche an einem stadtbildprägenden Standort (2011/12)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Modellvorhaben "Nationale Stadtentwicklungspolitik"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Aufnahme in das Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
2009Erarbeitung eines integrierten Handlungskonzeptes
2010Einrichtung eines Kernbereichsmanagements
seit 2011Modernisierung und Instandsetzung mehrerer historischer Gebäude
2011-2012Erste investive Maßnahmen: Gestaltung eines Platzes, Abbruch eines nicht mehr erhaltenswerten Fachwerkgebäudes / Neugestaltung einer attraktiven öffentlichen Freifläche und des angrenzenden Fußwegs / Beschluss einer Förderrichtlinie und einer Satzung zur Anreizfinanzierung für private, kernbereichsrelevante bauliche Maßnahmen
2012-2016Restrukturierungsmaßnahmen am Bahndamm der historischen "Friedrich-Wilhelm-Nordbahn" zum Umbau in den Gleispark / umfassende Neugestaltung einschließlich Neubau einer Brücke


Besonderheiten

Um den Zustand ortsbildprägender Gebäude im Fördergebiet zu verbessern und dadurch den Leerstand zu reduzieren, hat die Stadt Grebenstein ein kommunales Beratungs- und Förderprogramm zur Anreizfinanzierung für Sanierungs- und Umbaumaßnahmen beschlossen. Private Eigentümer von Immobilien im Fördergebiet erhalten auf Antrag einen einmaligen Baukostenzuschuss, der zur Finanzierung von unrentierlichen Kosten des Bauvorhabens eingesetzt werden muss.

Die maximale Förderhöhe pro Vorhaben wurde auf 10.000 Euro (maximal 25 Prozent der Investitionssumme des Bauvorhabens) begrenzt. Bis 2016 wurden bereits 14 Bau- und Sanierungsmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen. Die getätigten Sanierungsarbeiten unterlagen den Auflagen des Denkmalschutzes, die Ergebnisse tragen maßgeblich zu einer Steigerung der baulichen Qualität und zum Erhalt und der zukunftsfähigen Weiterentwicklung der historischen Bausubstanz Grebensteins bei.

Lernerfahrungen

Durch die Sicherung der Nutzung von denkmalgeschützten oder stadtbildbedeutsamen Gebäuden kann dem Verfall der für den Kernbereich von Grebenstein prägenden historischen Bausubstanz entgegengewirkt werden. Das örtliche Angebot an adäquatem Wohnraum wird damit verbessert und die Sicherung des Kernbereiches als Wohnstandort gestützt. Voraussetzung für die Beantragung der Fördermittel ist die kostenfreie Teilnahme an einem Beratungsprogramm zur Sicherung der städtebaulichen und architektonischen Qualität und zur Gewährleistung einer fachgerechten Umsetzung der bezuschussten Baumaßnahmen. Die Zuschüsse und das Beratungsprogramm werden aus Mitteln des Zentrenprogramms finanziert.

Zusatzinformationen

Bundesland

Hessen


Gemeinde

Stadt Grebenstein


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2017


Größe des Gebietes

Circa 20 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: circa 1,35 Mio. Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Grebenstein, Bürgermeister
Herr Danny Sutor
Markt 1
34393 Grebenstein
Tel. +49 5674 705-11
E-Mail: danny.sutor@stadt-grebenstein.de


Arbeitsgruppe Stadt
Büro für Stadt- und Regionalplanung
Herr Dieter Hennicken
Sickingenstr. 10
34117 Kassel
Tel. +49 561 778357
E-Mail: dieter.hennicken@ag-stadt.de


Link / weitere Informationen

Grebenstein aktiv
Stadt Grebenstein – Kommunales Förderprogramm zur Anreizfinanzierung


Stand

Januar 2017

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