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Hamburg-Barmbek Nord – Fuhlsbüttler Straße

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Öffentlicher Raum / Mobilität / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation / Einsatz von Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Zinnschmelze nach der Erweiterung Zinnschmelze nach der ErweiterungZinnschmelze nach der Erweiterung Quelle: Bezirk Hamburg-Nord

Der Stadtteil Barmbek-Nord wird seit 2008 im Rahmen des Zentrenprogramms gefördert. Das Stadtteilzentrum Barmbek-Nord setzt sich aus der Einkaufsstraße Fuhlsbüttler Straße (genannt Fuhle), dem Bereich rund um den S + U-Bahnhof Barmbek und dem "Museumshof" zusammen. Die Funktionsvielfalt soll ausgebaut und das Stadtteilzentrum stabilisiert werden, indem der kleinteilige Einzelhandel gesichert, nutzungsgemischte Neubauten errichtet und kulturelle Einrichtungen gestärkt werden. Der integrierte Handlungsansatz schließt eine ressortübergreifende Koordinierung von Maßnahmen, die Aktivierung und Beteiligung der Gewerbetreibenden, den Einbezug der Öffentlichkeit und die Lenkung von Investitionen Privater im Sinne der Sanierungsziele ein.

Kontext

Das Stadtteilzentrum befindet sich nördlich der Hamburger Innenstadt im Bezirk Hamburg-Nord. Das Fördergebiet erstreckt sich nördlich und südlich des S + U-Bahnhofs Barmbek und setzt sich aus zwei Teilbereichen zusammen. Im Norden befindet sich die stark durch inhabergeführten Einzelhandel geprägte Fuhlsbüttler Straße. Südlich der Bahntrasse gibt es rund um den Museumshof mehrere kulturelle Einrichtungen mit gesamtstädtischer Bedeutung (unter anderem das Museum der Arbeit und das Stadtteilkulturzentrum Zinnschmelze).

Die Fuhlsbüttler Straße verlor seit Mitte der 1990er Jahre trotz guter Erreichbarkeit über den S+U-Bahnhof Barmbek und den Busbahnhof immer mehr an Bedeutung. Den Tiefpunkt der Entwicklung bildete 2009 die Schließung eines großen Kaufhauses. Das leerstehende Gebäude, der angrenzende Busbahnhof mit gestalterischen und funktionalen Mängeln sowie ein benachbarter Parkplatz stellten städtebauliche Missstände dar. Zusätzlich wirkte der Bahnhof in seiner Gestalt als Hochbahnhof als Barriere zwischen der Fuhlsbüttler Straße und dem Museumshof. Dadurch konnten Synergien zwischen den beiden Teilbereichen nicht für die Stabilisierung des Stadtteilzentrums genutzt werden.

Bereits seit 2005 wird die Entwicklung des Stadtteils durch die Städtebauförderung unterstützt (Bund-Länder-Programm Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen). Seit 2006 gibt es einen Gebietsentwickler (Sanierungsträger). Zur Überführung der Gesamtmaßnahme in das Zentrenprogramm wurde das bestehende Entwicklungskonzept 2011 fortgeschrieben.

Projektbeschreibung

Ziel der Gesamtmaßnahme ist es, die Funktionsvielfalt im Stadtteilzentrum zu sichern und auszubauen. Dabei stehen die Stabilisierung der kleinteiligen Einzelhandelsstruktur, die Stärkung kultureller Infrastruktur und die Anreicherung der Funktionsvielfalt durch Neubauprojekte im Mittelpunkt. Das durch die Bahnlinie in zwei Bereiche getrennte Stadtteilzentrum soll stärker zusammen wachsen und durch die Aufwertung der öffentlichen Räume, Förderung einer stadtverträglichen Mobilität sowie die Behebung von städtebaulichen Missständen übersichtlicher und attraktiver gestaltet werden.

Das Integrierte Entwicklungskonzept (IEK) ist die Handlungsgrundlage für die Umsetzung der Gesamtmaßnahme im Programm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren. Es baut auf einem im Jahr 2005 beschlossenen und im Jahr 2009 fortgeschriebenen „Erneuerungskonzept“ für das seit 2005 bestehende Sanierungsgebiet auf.

Bereits bestehende Kommunikations- und Beteiligungsstrukturen werden für die Umsetzung des Zentrenprogramms genutzt. Dadurch konnten von Beginn an in allen Phasen der Programmumsetzung sowohl auf Ebene der Verwaltung als auch im Quartier verschiedene Akteure (unter anderem Gewerbetreibende, Kulturschaffende, Stadtteilgremien und -vereine) eingebunden werden. Große Bedeutung hat der beauftragte Gebietsentwickler, der in Zusammenarbeit mit dem Bezirk das Zentrenmanagement (in Hamburg: Gebietsmanagement) übernimmt und die Umsetzung der Gesamtmaßnahme koordiniert.

Eine zentrale Maßnahme zur Stärkung des Stadtteilzentrums ist die Sanierung und Erweiterung des Stadtteilkulturzentrums Zinnschmelze, eine bedeutende Kultureinrichtung mit Ausstrahlungskraft über Barmbek hinaus. Die Zinnschmelze wurde in den 1980er Jahren als freie Kultureinrichtung in einem denkmalgeschützten Gebäude am Museumshof gegründet und ist ein Ort der Kommunikation und Begegnung im Stadtteil. Auf der Grundlage eines architektonischen Wettbewerbs wurde die Zinnschmelze umgebaut. Das bestehende Gebäude wurde räumlich neu geordnet und durch einen Neubau ergänzt. Der Neubau, der mit einer Kupferhaut überzogen ist, lehnt sich architektonisch dem Bestandsgebäude an und folgt der Kubatur des Altbaus. Ein gläserner Zwischenbau verbindet die beiden Baukörper.

Auch das Umfeld der Zinnschmelze wurde umgestaltet. Hierzu zählt der Bert-Kaempfert-Platz südlich des Bahnhofs, der für die multifunktionale Nutzung als Marktplatz und Veranstaltungsort qualifiziert wurde. Der aufgewertete Platz trägt zudem zu einer verbesserten Erreichbarkeit und Wahrnehmung der Zinnschmelze und des Museumshofs bei.

Als weitere Schwerpunktmaßnahme wurde die Fuhlsbüttler Straße umgestaltet. Durch eine Änderung des Straßenquerschnittes und die Wegnahme von Parkplätzen konnte mehr Raum für Fußgänger, Radfahrer und zum Verweilen geschaffen werden. Der öffentliche Raum wurde einheitlich gestaltet, Sitzmöglichkeiten unter straßenbegleitenden Bäumen und Bepflanzung der Baumscheiben verbessern die Aufenthaltsqualität spürbar. Abgeschlossen wird die Umgestaltung durch die Aufwertung der sogenannten Piazetta, einem kleinen Platzbereich in der Fuhlsbüttler Straße unweit des Bahnhofs.

Zur Stärkung der lokalen Gewerbetreibenden in der Fuhlsbüttler Straße unterstützt der Gebietsentwickler die Interessengemeinschaft „IG Fuhle“ durch Aktivitäten zur Vernetzung der Gewerbetreibenden und zum Aufbau selbsttragender Strukturen sowie mit Stadtmarketingaktionen. Hierbei kommt auch der Verfügungsfonds zum Einsatz.

Die trennende Wirkung des Hochbahnhofs Barmbek konnte im Zuge einer Umgestaltung durch die Hamburger Hochbahn und die Deutsche Bahn reduziert werden. Entstanden sind zusätzliche Querungsmöglichkeiten, die neue Wegebeziehungen zwischen den beiden Teilbereichen des Stadtteilzentrums ermöglichen. Der Bahnhof und sein Umfeld wurden zudem barrierefrei gestaltet. Der Busbahnhof wurde verlagert und befindet sich nun nördlich und südlich des Bahndamms am Bahnhof.

Nördlich des Bahnhofs wurden der ehemalige Busbahnhof und das leerstehende Kaufhaus abgerissen. Auf den Flächen entstehen zwei Neubauten für Handel, Gewerbe, Gastronomie, Büros und ein Hotel. Zwischen den Bauten wird eine Fußgängerpassage angelegt. Sie stellt zukünftig eine neue Verbindung zwischen der Fuhlsbüttler Straße und dem Bahnhof dar. Zusammen mit den neuen Querungsmöglichkeiten verknüpft sie die Teilräume des Stadtteilzentrums.

Handlungsfelder            

  • Städtebauliche Strukturen
  • Wohnen und Wohnumfeld
  • Öffentlicher Raum
  • Lokale Ökonomie
  • Kultur im Stadtteil
  • Umwelt und Verkehr
  • Sport und Freizeit
  • Image
  • Beteiligung, Aktivierung, Lokale Partnerschaften, Vernetzung

Einzelmaßnahmen

  • Gebietsentwickler mit Stadtteilbüro (seit 2008, zuvor gefördert aus dem Programm Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen)
  • Aufwertung Bahnhofsumfeld und Neuorganisation der Verkehrsführung (Fertigstellung 2013)
  • Erarbeitung des Integrierten Entwicklungskonzepts (Fertigstellung 2014)
  • Architekturwettbewerb Zinnschmelze (2010)
  • Umbau und Erweiterung der Zinnschmelze (Fertigstellung 2015)
  • Verfügungsfonds (seit 2012)
  • Umgestaltung des Bert-Kaempfert-Platzes mit Aufwertung der Außenanlagen eines Rundbunkers (2013-2016)
  • Umbau der Fuhlsbüttler Straße (Fertigstellung 2016)
  • Umbau S+U-Bahnhof Barmbek mit Umgestaltung und Ergänzung von Querungsmöglichkeiten (private Maßnahme, Fertigstellung 2016)
  • Abriss Kaufhaus und Errichtung Geschäftshaus mit Hotel (private Maßnahme, in Umsetzung)
  • Neubau eines Bürohochhauses am Standort des ehemaligen Busbahnhofs (private Maßnahme, in Umsetzung)
  • Schaffung einer Fußgängerpassage zwischen Bahnhof und Fuhlsbüttler Straße (private Maßnahme, in Umsetzung)
  • Aufwertung Piazetta (in Vorbereitung)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Bund-Länder-Programm "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen"
  • Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2005Förmliche Festlegung des Sanierungsgebiets: "Barmbek-Nord S1, Fuhlsbüttler Straße" / Aufnahme in das Bund-Länder-Programm Städtebauliche Sanierung und Entwicklung
2006Beauftragung des Gebietsentwicklers (Sanierungsträger) / Einrichtung Stadtteilbüro
2010Aufnahme in das Städtebauförderprogramm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren / Architektonischer Wettbewerb für die Erweiterung der Zinnschmelze
2011Beginn der Erstellung des Integrierten Entwicklungskonzepts (IEK)
2012Start des Verfügungsfonds
2013Fertigstellung des Busbahnhofs an der Nord- und Südseite des Bahnhofs Barmbek
2014Beschluss des Integrierten Entwicklungskonzepts (IEK) / Abriss Kaufhaus
2015Fertigstellung Umbau und Erweiterung der Zinnschmelze / Beginn der Errichtung der Neubauvorhaben am Bahnhof mit der Fußgängerpassage
2016Abschluss des Umbaus der Fuhlsbüttler Straße / Fertigstellung des S+U-Bahnhofs mit Bahnhofsumfeld


Besonderheiten

Bei der Erweiterung der Zinnschmelze wurde ein besonderes Gestaltungs- und Raumkonzept umgesetzt. Herzstück des neuen Gebäudes ist ein Multifunktionssaal mit 150 Sitzplätzen. Um für den Saal und die erforderlichen Nebenräume ausreichend Raum anzubieten, ohne die denkmalgeschützte Ensembleanordnung des Museumshofes zu stören, wurde dieser unterirdisch errichtet. Große Fensteröffnungen garantieren viel Licht im großen Saal. Im Obergeschoss des Bestandgebäudes ist der Theatersaal angeordnet, der durch ein neugestaltetes Foyer und einen separaten Probenraum ergänzt wurde. Die im Altbau gelegene Bar mit Ausschank wurde zu einem vollwertigen, separat nutzbaren Restaurant vergrößert und die Flächen für Außengastronomie neu gestaltet. Zur Finanzierung der umfangreichen Baumaßnahme wurden neben Mitteln des Zentrenprogramms Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), Eigenmittel des Bezirks und des Landes sowie Spenden von Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen eingesetzt.

In den letzten Jahren ist der Stadtteil Barmbek-Nord immer mehr in den Fokus von Investoren gerückt. Auch hatten mehrere Investoren Interesse, das Areal am Bahnhof zu bebauen. Es wurden Bedingungen im Sinne der Sanierungsziele an die Gestaltung und Nutzung des Neubaus geknüpft. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang der Einsatz städtebaulicher Verträge und ein Branchenmix-Konzept, das zur Steuerung der Einzelhandels- und Dienstleistungsangebote erarbeitet wurde. Ziel ist es, die Konkurrenz zwischen den Händlern und Gewerbetreibenden in den Neubauten am Bahnhof und der kleinteilig strukturierten Fuhlsbüttler Straße zu reduzieren.

Lernerfahrungen

Neugestalteter Busbahnhof Neugestalteter BusbahnhofNeugestalteter Busbahnhof Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Der integrierte Handlungsansatz ermöglichte es, ressortübergreifend Projekte für eine abgestimmte Entwicklung des Stadtteilzentrums umzusetzen. Neben Vorhaben, die aus dem Zentrenprogramm gefördert wurden, wurden Maßnahmen zur Stärkung der lokalen Ökonomie, der Umbau des S+U-Bahnhofs Barmbek, die Verlegung des Busbahnhofs sowie die Neubauvorhaben auf den Flächen nördlich des Bahnhofs anderweitig finanziert. Unterschiedliche Förderprogramme und Finanzierungsquellen kommen zum Einsatz, unter anderem der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), der Europäische Sozialfonds (EFS), private Mittel und Mittel der Hamburger Ressorts für Verkehr und Kultur.

Zusatzinformationen

Bundesland

Hamburg


Bezirk

Hamburg-Nord


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2017


Größe des Gebietes

21 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 4,77 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtteilzentrum

Kontaktdaten

Bezirksamt Hamburg-Nord
Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung
Frau Jasmin Castro Frenzel
Kümmellstraße 6
20249 Hamburg
Tel. +49 40 428042387
E-Mail: jasmin.castrofrenzel@hamburg-nord.hamburg.de


BIG Städtebau (Gebietsentwickler/Sanierungsträger)
Frau Carolin Ahrens
Eckernförder Straße 212
24119 Kronshagen
Tel. +49 40 341065832
E-Mail: c.ahrens@big-bau.de


Link / weitere Informationen

Barmbek baut

Stand

November 2016

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