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Kassel - Friedrich-Ebert-Straße

Schwerpunkte: Konzepte / Öffentlicher Raum / Mobilität / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Das Gebiet mit seiner hohen Nutzungsmischung von Wohnen und Arbeiten, aber auch Kultur und Erholung soll als an die Innenstadt angrenzendes Stadtteilzentrum bewahrt und in seinen Funktionen gestärkt werden. Die Entwicklungsziele ergeben sich sowohl aus der Leerstandsproblematik und Fluktuation von Büro- und Einzelhandelsflächen als auch durch Funktions- und Nutzungsdefizite der Straßen- und Grünräume. Bei der Umsetzung der Maßnahme wird ein integrierter Beteiligungs- und Kooperationsansatz verfolgt, der die zahlreichen im Quartier existierenden Anwohnerinitiativen umfassend einbezieht.

Kontext

Das Programmgebiet "Friedrich-Ebert-Straße" grenzt westlich an das Stadtzentrum an und ist aufgrund der Bebauungsstruktur in zwei Teile geteilt. Die Friedrich-Ebert-Straße ist das verbindende Element zwischen dem östlichen, nach dem Zweiten Weltkrieg neu aufgebauten Teil bis zur Annastraße und dem westlichen, durch gründerzeitliche Bebauung geprägten Teilquartier. Sie bildet das Rückgrat dieses hochverdichteten Stadtteils und zeichnet sich durch viele inhabergeführte Ladengeschäfte aus. Das Quartier ist ein wichtiger Standort für Arbeitsplätze, Dienstleistungen jeder Art und für bekannte Cafés, Restaurants und Kneipen. Der Stadtteil "Vorderer Westen" ist insgesamt ein attraktives Wohnquartier mit teils historischer Bausubstanz. Trotz dieser Stärken nehmen seit Mitte der 1990er Jahre Leerstand und Fluktuation immer mehr zu, das Straßenbild wirkt teilweise vernachlässigt und die Laufkundschaft der Geschäfte geht zurück. Vor allem im Ostabschnitt stellt die breite Verkehrsachse eine behindernde Barriere dar.

Projektbeschreibung

Der bereits 2007 von den beiden Ortsbeiräten Mitte und Vorderer Westen gegründete runde Tisch regte früh eine Bürgerbeteiligung und Diskussionen an. Auf dieses Netzwerk zurückgreifend wurde zügig ein Arbeitsprogramm entwickelt, welches sich zum einen auf bauliche Maßnahmen wie die Aufwertung der Straßen- und Grünräume, die Wiedernutzung von Brachflächen und einzelne Neubauprojekte konzentriert, zum anderen mit einem Leerstandsmanagement und einem Marketingkonzept für das Erneuerungsgebiet darauf ausgelegt ist, positive Impulse für das Viertel zu setzen. Mit Modellprojekten wie "Eigentümer helfen Eigentümern" und "Leerstand als Chance" soll privates Engagement im Quartier angestoßen werden.

Den Schwerpunkt der bisher realisierten baulichen Maßnahmen bildete die Umgestaltung der Goethe-, Germania- und Friedrich-Ebert-Straße, die erheblich zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität im Gebiet beigetragen hat. Die drei Straßenzüge wurden so umgestaltet, dass ihre Verkehrsfunktion erhalten blieb. Die Neuorganisation der Verkehrsflächen hat einen hohen Flächengewinn zur Folge, der Fußgängern und Radfahrern erhebliche Verbesserungen beschert: Die neu entstandene Promenade an der Goethe- und Germaniastraße schafft Aufenthaltsqualität und stellt eine Verbindung mit den Freiräumen des Stadtteils "Vorderer Westen" her. Anstelle der früheren zweiten Richtungsfahrbahn wurde eine autofreie Promenade angelegt und auf ehemaligen Verkehrsflächen entstanden weiträumige Stadtplätze, die Auftakt und Ende der Promenade markieren. Die Promenade ist Teil einer stadtweiten Rad- und Fußverkehrsverbindung. Der Umbau der Goethe‐ und der Germaniastraße wurde zwischen 2011 und 2013 realisiert und mit dem Deutschen Städtebaupreis 2014 (Sonderpreis Anerkennung) ausgezeichnet.

Anschließend begann der Umbau der angrenzenden Friedrich‐Ebert‐Straße, der Ende 2015 abgeschlossen werden konnte. Auch hier bestimmt die Verkehrsfunktion nicht mehr den öffentlichen Raum. Vielmehr präsentiert sich der Straßenzug nun mit über 70 neu gepflanzten Bäumen, breiten Gehwegen, geordneten Parkstreifen und separaten Radstreifen als attraktiver innerstädtischer Boulevard. Auch die Einmündungsbereiche zu angrenzenden Seitenstraßen wurden in die Umgestaltung einbezogen. In allen Bauabschnitten wurden parallel zum Umbau die über- und unterirdischen Leitungsnetze sowie die Gleisanlagen der Straßenbahn erneuert. Die Haltestellen wurden barrierefrei umgestaltet. Im Jahr 2016 begann die Umgestaltung eines benachbarten Grünzugs (sog. "Grüne Banane"), der als wohnungsnaher Freiraum eine wesentliche Ergänzung zum dichten städtisch geprägten Raum der Friedrich- Ebert-Straße darstellt. Dieser Bauabschnitt wurde 2016 mit dem Deutschen Verkehrsplanungspreis ausgezeichnet.

Die baulichen Maßnahmen werden von diversen Aktivitäten des Kernbereichsmanagements begleitet. Zentrale Anlaufstelle und Sitz des Kernbereichsmanagements ist das Stadtbüro in der Friedrich-Ebert-Straße. Neben der Einrichtung einer Leerstandbörse betreibt das Stadtbüro in Zusammenarbeit mit lokalen Einzelhändlern, Künstlern und dem Stadtmagazin aktives Baustellenmarketing. Das Stadtbüro ist außerdem für die Koordination eines Fassadenprogramms und des Verfügungsfonds zuständig. Mit dem Fassadenprogramm können Eigentümer im Gebiet Fördermittel für die Instandsetzung ihrer Fassaden erhalten, wenn die optische Aufwertung der Fassaden zur Standortaufwertung der Friedrich-Ebert-Straße beiträgt und das Erscheinungsbild des Stadtteils „Vorderer Westen“ positiv beeinflusst. Mit dem Verfügungsfonds werden Kunstaktionen, Informationstafeln zur Stadtteilgeschichte sowie eine Büchertauschbörse gefördert.

Handlungsfelder

  • Aufwertung des Wohnumfeldes in Verbindung mit der Neuordnung des Verkehrs
  • Aufwertung der öffentlichen Räume
  • Sicherung und Ausbau des Einzelhandels
  • Stärkung des Wohnens
  • Sicherung und Ausbau der Kulturszene
  • Privat-öffentliche Kooperation
  • Standortvermarktung (Marke Friedrich-Ebert-Straße)

Einzelmaßnahmen

  • Umgestaltung des Straßenraums und der Kreuzungsbereiche
  • Vernetzung von Grünflächen
  • Erstellen eines Gesamtkonzeptes "Ruhender Verkehr" für das Quartier
  • Wiedernutzung verschiedener Brachflächen durch Aufwertung und Nachverdichtung
  • Aufbau eines Leerstandsmanagements und eines Marketingkonzeptes

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Fördermittel für kommunale Verkehrsprojekte (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2007"Runder Tisch Friedrich-Ebert-Straße" zwischen lokalen Akteuren und der Stadt Kassel
2008Aufnahme in das Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
2009Bestandsaufnahme, Akteursgespräche, Perspektivenwerkstatt, teilräumliche Projektwerkstätten, Erarbeitung eines integrierten Handlungskonzeptes, Initiierung einer "lokalen Partnerschaft"
2010Ausschreibung und Beauftragung eines Kernbereichsmanagements, Umsetzung von Startermaßnahmen (öffentlich hoch wirksam), Entwurfsplanung für den Umbau der Goethe- und Germaniastraße (Promenade) mit intensivem Beteiligungsprozess
2011Fertigstellung und Ausschreibung der Umbauplanung für die Goethe- und Germaniastraße sowie erste Umbaumaßnahmen im Leitungsbau / Entwicklung eines Kommunikationskonzeptes für die Quartiersentwicklung und Umsetzung erster Maßnahmen / Einrichtung einer Internetplattform des Kernbereichsmanagements / Begleitung bei der Gründung der Aktionsgemeinschaft Goethe- und Germaniastraße / Begleitung von Aktionen der Einzelhändler / Eigentümerberatung / erste private Gebäudemodernisierungen unterstützt durch das kommunale "Fassadenprogramm Aktiver Kernbereich Friedrich-Ebert-Straße")
2012Umbau der Goethe- und Germaniastraße / Entwurfsplanung für den Umbau der Friedrich-Ebert-Straße (Boulevard) mit intensivem Beteiligungsverfahren / Aufbau des Leerstandsmanagements / Durchführung von Eigentümerforen / Weitere Umsetzung des Kommunikationskonzeptes (u.a. Quartierszeitung "mittendrin") / Entwicklung des städtebaulichen Konzeptes für die zentralen Grünflächen im Quartier mit intensivem Beteiligungsverfahren / Unterstützung einer privaten Maßnahme zur Leerstandsbeseitigung in einem stadtbildprägenden Gebäude an der Friedrich-Ebert-Straße
2013Fertigstellung der Umbaumaßnahmen in der Goethe- und Germaniastraße / Durchführung einer eigenen Zwischenevaluierung (Selbstevaluierung)
2014Auszeichnung mit dem Deutschen Städtebaupreis (Sonderpreis Anerkennung)
2015Fertigstellung des Umbaus der Friedrich-Ebert-Straße
2016Auszeichnung mit dem Deutschen Verkehrsplanungspreis / Beginn der Bauarbeiten zur Umgestaltung des Grünzugs "Grüne Banane"

Besonderheiten

Im Programmgebiet Friedrich-Ebert-Straße in Kassel gab es bereits vor Aufnahme in das Programm ein sehr breites bürgerschaftliches Engagement in Gestalt von unterschiedlichen Anwohnervereinen und Initiativen. Die Berücksichtigung möglichst aller vorhandenen Gruppierungen und die Bündelung ihrer jeweiligen Einzelinteressen stellt eine besondere Herausforderung für den Kommunikations- und Beteiligungsprozess in diesem Fördergebiet dar.


Lernerfahrungen

Das Projekt steht beispielhaft für die strukturierte Erstellung eines integrierten Handlungskonzeptes unter Einbeziehung eines breiten Akteursspektrums. Der angestoßene Kommunikations- und Beteiligungsprozess umfasst zahlreiche bereits zuvor bestehende Anwohnerinitiativen und bezieht auch andere Gruppierungen sowie weitere Akteure, wie z.B. im Gebiet ansässige Einzelhändler und Behörden mit ein.

Bereits in der Diskussionsphase zum Integrierten Handlungskonzept zeigten sich erste Erfolge: Die Nachfrage nach Ladengeschäften bzw. gewerblich nutzbaren Flächen nimmt deutlich zu, lange leerstehende Flächen werden jetzt wieder genutzt und die Neunutzung von freiwerdenden Läden erfolgt nahezu umgehend.

Am gewählten Kommunikations- und Beteiligungsprozess zeigt sich, dass ein frühzeitiges, umfassendes und transparentes Verfahren die privaten Potenziale und deren Gestaltungswillen schnell aktiviert und zu einer außergewöhnlichen Dynamik des Entwicklungsprozesses führt.

Die intensive Diskussion über die Aufwertung und Nutzung der öffentlichen Räume sowie die damit verbundenen Investitionen der öffentlichen Hand stimulieren nachweisbar die privatwirtschaftliche Investitionsbereitschaft in den Neubau und die Sanierung von Gebäuden.

Die von allen Akteuren kommunizierte hohe Wertigkeit des Quartiers führte bisher scheinbar zwangsläufig zur Ansiedlung von weiteren inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften mit einem entsprechend hochwertigen Warenangebot.

Durch die ständige Einbindung der Anlieger werden die Umbaumaßnahmen von diesen nicht erduldet, sondern aktiv aufgegriffen (z.B. Baustellenaktionen der Einzelhändler), um mit den Kunden ins Gespräch zu kommen und gemeinsam die Bauphase gut durchzustehen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Hessen


Gemeinde

Kassel


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

voraussichtlich 2019


Größe des Gebietes

85 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: ca. 3,819 Mio. Euro


Gebietstypus

Stadtteilzentrum


Kontaktdaten

Stadt Kassel
Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz
Obere Königsstraße 8
34117 Kassel
E-Mail: stadtplanung@stadt-kassel.de


Stadtbüro Friedrich-Ebert-Straße
Kernbereichsmanagement
Friedrich-Ebert-Straße 32-34
34117 Kassel

Fabian Lollert, Simone Mäckler
E-Mail: stadtbuero@friedrich-ebert-strasse.net


Stadtteilverein Kassel-West e.V.
Goethestraße 42
34119 Kassel
E-Mail: kontakt@vorderer-westen.net


Link / weitere Informationen:

Stadt Kassel

Kernbereichsmanagement Friedrich-Ebert-Straße

Stadtteilverein Kassel-West

Nachhaltige Stadtentwicklung Hessen


Stand

Oktober 2016

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