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Neue Mitte Ludwigsfelde

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Öffentlicher Raum / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation / Einsatz Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Ludwigsfelde besitzt als junge Stadt im sogenannten Speckgürtel Berlins kein historisch gewachsenes Zentrum. Die geographische Stadtmitte wird geprägt durch die seit Anfang der 2000er Jahre in einem Bereich von 330 Metern aufgestelzte Trasse der Bundesautobahn A 10, die von der Potsdamer Straße unterquert wird. Entlang der Potsdamer Straße haben sich in den vergangenen 20 Jahren überwiegend Einzelhandelsnutzungen sowie öffentliche Einrichtungen angesiedelt. Größere Bereiche entlang der Potsdamer Straße sind immer noch ungenutzt oder entsprechen in ihrer städtebaulichen und/oder funktionalen Qualität nicht dem Anspruch eines Mittelzentrums. Die Autobahn verursacht eine große Trennwirkung zwischen dem zentralen Versorgungsbereich nördlich und dem Kultur- und Verwaltungszentrum südlich der Trasse. Der Zentrumsbereich besitzt deshalb nur wenig Anziehungskraft und Aufenthaltsqualität. Auf der Grundlage des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes der Stadt Ludwigsfelde (INSEK) wurden die Qualifizierung und der Ausbau des Zentrumsbereichs sowie seine Verknüpfung mit dem übrigen Stadtgebiet vorangetrieben. Intensive Bürgerbeteiligung und ein bis 2014 extern beauftragtes Innenstadtmanagement begleiten diesen Prozess. Die Stärkung der Nutzungsmischung und die Aktivierung lokaler Akteure sind von großer Bedeutung.

Kontext

Das Mittelzentrum Ludwigsfelde ist ein bedeutender Industrie- und Gewerbestandort nahe der südlichen Berliner Stadtgrenze und liegt im direkten Umfeld des neuen Großflughafens Berlin Brandenburg (BER). Die brandenburgische Landesplanung weist Ludwigsfelde als regionalen Wachstumskern aus. Industrieansiedlungen in den 1930er Jahren lösten ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum aus (1937: circa 1.000 Einwohner; 1989: circa 23.000; 2011: circa 24.000; 2016: circa 25.000). Seit 2001 stagniert die Einwohnerzahl bei circa 24.000. Allerdings ist die Gestaltung eines attraktiven Zentrums mit Anziehungs- und Bindungskraft bislang nicht gelungen und die Versorgungsfunktion eines Mittelzentrums wird nur teilweise erfüllt. Viele Flächen mitten in der Stadt sind un- bzw. untergenutzt. Durch die Aufnahme in das Zentrenprogramm im Jahr 2009 wird der Prozess zur Schaffung einer "Neuen Mitte" unterstützt.

Projektbeschreibung

Eingangsbereich des neugestalteten Aktiv-Stadt-Parks Eingangsbereich des neugestalteten Aktiv-Stadt-ParksEingangsbereich des neugestalteten Aktiv-Stadt-Parks Quelle: Plan und Praxis, Berlin

In Ludwigsfelde gibt es bereits seit den 1990er Jahren verstärkt Bemühungen, um den zentralen Bereich der Stadt zu einem lebendigen und vielfältigen Zentrum der Stadt zu entwickeln. Bislang ist dies jedoch nicht in vollem Umfang gelungen. Durch die Aufnahme in das Zentrenprogramm im Jahr 2009 konnten Impulse für die Fortführung und Realisierung einer "Neuen Mitte" ausgelöst werden. Dabei wird an bestehende Nutzungen angeknüpft und diese werden durch die gezielte Weiterentwicklung des Zentrums ergänzt und miteinander verknüpft. Grundlage für den städtebaulichen Entwicklungsprozess ist das integrierte Stadtentwicklungskonzept aus dem Jahr 2009 (Fortschreibung 2016) sowie das 2010 durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossene Einzelhandels- und Zentrenkonzept.

Durch gezielte Ansprache von Investoren, Erhöhung der Aufenthaltsqualität und Sicherstellung einer ausgewogenen Nutzungsmischung aus Wohnen, Einzelhandel, Dienstleistungen und Kultur soll die Potsdamer Straße an Attraktivität gewinnen und ihrer Zentrumsfunktion gerecht werden. Eine Besonderheit der Stadt ist dabei, dass um die aufgestelzte Autobahn mitten im Zentrum erhebliche, bislang unbebaute Flächen für die Zentrumsentwicklung zur Verfügung stehen. Projektentwicklung und Neubebauung spielen deswegen in Ludwigsfelde eine überdurchschnittlich große Rolle. Eine Rahmenplanung konkretisiert unter Berücksichtigung sich abzeichnender Investitions- und Nutzungsmöglichkeiten die gestalterische Konzeption des Zentrums. Große Bedeutung wird der Adressbildung mit Hilfe der Gestaltung des öffentlichen Raums entlang der Potsdamer Straße beigemessen. Realisiert wird eine einheitliche Gestaltung der Gebäudevorzonen bei Neubauvorhaben. Rad- und Gehwege wurden bereits umgestaltet und Stadtmöbel erneuert. Zudem werden neue Wegebeziehungen geschaffen, um umliegende Wohnquartiere besser an das Zentrum anzubinden und Besucher einer Therme mit circa 600.000 Gästen im Jahr in die Innenstadt zu lenken.

Der Beginn der energetischen Sanierung des denkmalgeschützten Kulturhauses am Rathausplatz, die im Jahr 2014 abgeschlossen werden konnte und durch eine Qualifizierung des angrenzenden Innenhofs für Freiluftveranstaltungen ergänzt wird, sowie der Abriss eines leer stehenden Wohnhauses an der Potsdamer Straße durch die Stadt hatten Signalwirkung, die eine positive Aufbruchstimmung in Ludwigsfelde erzeugte und für den anschließenden Beteiligungsprozess genutzt werden konnte.

Mit dem Aktiv-Stadt-Park wurde im Jahr 2015 ein Grün- und Erholungsraum für unterschiedliche Alters- und Zielgruppen fertiggestellt, der die Barrierewirkung der Autobahn reduziert und damit den nördlichen Teil der Potsdamer Straße (Schwerpunkt Einzelhandel und Wohnen) und den südlichen Bereich (Schwerpunkt öffentliche Nutzungen) besser miteinander verbindet. Entstanden ist ein neuer Anziehungspunkt im Zentrum mit hoher Aufenthaltsqualität. Aufgewertet wird auch die unter Denkmalschutz stehende Theodor Fontane-Grundschule. Das stadtbildprägende Gebäude soll energetisch saniert und barrierefrei gestaltet werden.

In Umsetzung ist der Bau eines aus mehreren Gebäuden bestehenden Einkaufszentrums auf den Flächen unter und beiderseits der Autobahn. Ziel ist die Erweiterung des Einzelhandelsangebots und Stärkung des zentralen Versorgungsbereichs, damit Ludwigsfelde seiner Funktion als Mittelzentrum gerecht wird. Der Baubeginn für das Einkaufszentrum mit circa 13.500 Quadratmetern war im Herbst 2015. Ende 2016 wurde der 1. Bauabschnitt fertig gestellt. Im Zusammenhang mit dem Bau des Einkaufszentrums werden unter der Autobahn neue Parkplätze geschaffen und durch Bepflanzungen, farbige Markierungen und breite Querungsmöglichkeiten für Fußgänger ergänzt und ansprechend gestaltet. Eine bestehende "Graffiti-Freiluftgalerie" wird hierbei integriert. Die Fertigstellung des Einkaufszentrums ist für Sommer 2017 geplant.

Viele Instrumente werden eingesetzt: Die Einbeziehung lokaler Akteure und der Öffentlichkeit hat einen großen Stellenwert und stößt auf große Resonanz. Auf insgesamt fünf öffentlichen Bürgerforen zwischen 2011 und 2014 wurden die Planungen für die Zentrumsentwicklung mit jeweils circa 200 Interessierten diskutiert. Im Jahr 2013 wurde ein Ideenwettbewerb durchgeführt, bei dem Bürger Ideen für Gestaltungselemente in der Potsdamer Straße einreichen konnten. Ein extern beauftragtes Innenstadtmanagement unterstützte die Stadt in der Startphase der Programmumsetzung bei der Beteiligung der Öffentlichkeit und Steuerung der Entwicklungen sowie bei der Ansprache potenzieller Investoren. Seit Mitte 2014 wird das Innenstadtmanagement durch die Stadt übernommen.

Zur Einbindung und Aktivierung der Gewerbetreibenden wurde 2011 der Gewerbeverein GVLu gegründet. In der Stadtmitte wurden drei Litfaßsäulen aufgestellt, auf denen der Gewerbeverein über Aktivitäten, Veranstaltungen und das Einzelhandels- und Gewerbeangebot in der Innenstadt informiert. Die Litfaßsäulen wurden aus dem Verfügungsfonds finanziert. Vertreter des Gewerbevereins wirken gemeinsam mit der Stadt in einer Lenkungsgruppe mit, die über die Vergabe von Fördermitteln aus dem Verfügungsfonds entscheidet. Seit 2011 konnten mit Mitteln des Fonds öffentliche Veranstaltungen unterstützt und Maßnahmen im Rahmen des Standortmarketing umgesetzt werden (unter anderem Ludwigsfelder Geschenkgutschein, Aufstellung von Pflanzgefäßen und Weihnachtsbeleuchtung).

Handlungsfelder 

  • Bauliche und funktionale Weiterentwicklung des Zentrums
  • Anziehungs- und Identifikationskraft des Zentrums
  • Öffentlicher Raum
  • Grün- und Erholungsflächen
  • Aktivierung von Brachflächen
  • Mitwirkung und Kooperation
  • Ansprache und Steuerung von Investoren
  • Innenstadtmanagement
  • Einsatz eines Verfügungsfonds

Einzelmaßnahmen

  • Abriss eines leer stehenden Wohngebäudes an der Potsdamer Straße (2009)
  • Einrichtung und Etablierung eines extern beauftragten Innenstadtmanagements (bis 2014)
  • Unterstützung der Gründung des Gewerbevereins Ludwigsfelde (GVLu) (2011)
  • Einrichtung eines Verfügungsfonds (2011)
  • Aufstellung von drei Litfaßsäulen als Werbefläche für lokale Unternehmen (2011)
  • Entwicklung eines Corporate-Designs und eines Logos zur Imagebildung und Standortvermarktung (2010)
  • Entwicklung und Einsatz eines Standortexposés zur Investorenansprache (2011)
  • Neugestaltung Geh- und Radwege entlang der Potsdamer Straße (seit 2013)
  • Energetische Sanierung des Kulturhauses (Fertigstellung 2014, finanziert mit Mitteln des Investitionspaktes)
  • Qualifizierung des Innenhofs des Kulturhauses für öffentliche Veranstaltungen (in Umsetzung)
  • Rahmenplanung "Grüne Mitte", Entwicklung von Brachflächen entlang der Autobahn zum "Aktiv-Stadt-Park" mit Skaterpark (Fertigstellung 2015)
  • Herstellung von Wegebeziehungen zwischen Aktiv-Stadt-Park, Kulturhaus, Grüner Mitte und Therme, / Lenkung von Verkehrs- und Besucherströmen in die Innenstadt (laufend)
  • Neubau Einkaufszentrum (in Umsetzung, private Maßnahme)
  • Sanierung der Theodor Fontane-Schule (seit 2016)

Finanzierung

Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Qualifizierung des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes aus dem Jahr 2007 für den Einsatz von Fördermitteln aus dem Zentrenprogramm / Aufnahme in das Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
2010Beschluss Einzelhandels- und Zentrenkonzept / Festlegung des Fördergebiets durch Beschluss der Stadt / Einrichtung Innenstadtmanagement
2011Beginn energetische Sanierung Kulturhaus / Einrichtung des Verfügungsfonds / 1. Bürgerforum / Investoren- und Projektentwickler-Ansprache / Abbruch eines leer stehenden Gebäudes an der Potsdamer Straße / Aufstellung von drei Litfaßsäulen / Umgestaltung von Geh- und Radwegen / Grundsteinlegung für ein Seniorenwohnheim an der Potsdamer Straße / Gründung des Gewerbevereins GVLu
20122. und 3. Bürgerforum / Beginn der Baumaßnahme "Aktiv-Stadt-Park"
20134. Bürgerforum / Ideenwettbewerb Potsdamer Straße
2014Eröffnung des Kulturhauses unter dem neuen Namen "Klubhaus"/ 5. Bürgerforum
2015Eröffnung des "Aktiv-Stadt-Parks" / Baubeginn des Einkaufszentrums
2016Beginn der Sanierung der Theodor-Fontane-Schule / Fortschreibung INSEK / Teileröffnung Einkaufszentrum


Besonderheiten

Das Gebiet in Ludwigsfelde ist außergewöhnlich: Es weist anders als die meisten anderen Programmstädte in Brandenburg wachsende Bevölkerungszahlen auf. Die Zielstellung, ein neues Zentrum zu entwickeln, ist in diesem Umfang im Zentrenprogramm ein Sonderfall. Auch ist die Ausgangslage mit einer dominanten Autobahnbrücke im Zentrumsbereich außergewöhnlich. Trotz dieser besonderen Ausgangslage ist der vielfältige Instrumenteneinsatz (Zentrenmanagement, integrierte Konzepte und Verfügungsfonds) in Verbindung mit intensiver Öffentlichkeitsbeteiligung beispielhaft für eine breit angelegte, integrierte Stärkung von Zentrumsbereichen. Dabei steht in Ludwigsfelde die Konkretisierung "harter" baulicher Maßnahmen im Vordergrund, die Mitte muss hier erst noch "erzeugt" werden. Vorrangig orientiert sich die Umsetzung des Zentrenprogramms daher in erster Linie an städtebaulichen und gestalterischen Aufgaben.

Lernerfahrungen

Die Erstellung eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes und die Aufnahme ins Zentrenprogramm haben in Ludwigsfelde entscheidende Impulse für eine strategische Neuausrichtung der schon länger anhaltenden Bemühungen um die Qualifizierung und Weiterentwicklung der Stadtmitte ausgelöst. Mit dazu beigetragen haben der offensive Bürgerbeteiligungsprozess, die Berücksichtigung der verschiedenen Handlungsfelder und Instrumente des Zentrenprogramms sowie der Verfügungsfonds, wodurch die Zentrenentwicklung stärker als zu vor zu einem umfassenden und gemeinsam von Politik, Öffentlichkeit und Privatwirtschaft getragenen Prozess geworden ist.

Zusatzinformationen

Bundesland

Brandenburg


Gemeinde

Ludwigsfelde


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2019


Größe des Gebietes

80 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: circa 2,44 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Ludwigsfelde
Fachbereich Bauen und Infrastruktur
Herr Torsten Klaehn
Rathausstraße 3
14974 Ludwigsfelde

Tel.: + 49 3378/ 827208
E-Mail: Torsten.Klaehn@svludwigsfelde.brandenburg.de


Link / weitere Informationen

Aktiv-Stadt-Park Ludwigsfelde



Stand

Januar 2017

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