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Mindelheim - Altstadt

Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Mobilität / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Mitwirkung und Kooperation / Einsatz von Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Die Zentrenentwicklung in Mindelheim zielt darauf ab, die Altstadt als Wohn- und Arbeitsort zu stärken und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zu verbessern. Mit Mitteln aus dem Zentrenprogramm werden frühere Sanierungsaktivitäten im Stadtzentrum fortgesetzt. Auf Konversionsflächen eines ehemaligen Brauerei-Standortes (Ochsen-Areal) entstanden unterschiedliche Wohntypen für verschiedene Nutzergruppen. Zusätzlich soll die Innenstadt stabilisiert werden, indem der öffentliche Raum aufgewertet und so den Leerständen im Einzelhandel und in den Wohngebäuden begegnet wird. Das mangelnde Stellplatzangebot für den Einkaufsverkehr in der Altstadt wurde verbessert, indem Tiefgaragen und zusätzliche Parkplätzen im Randbereich gebaut wurden.

Vorschläge von beteiligten Bürgern aus dem dialogorientierten Planungsprozess "Mindelheim miteinander gestalten" flossen in die Umgestaltung der Haupteinkaufsstraße ein.

Kontext

Die Kreisstadt Mindelheim im Unterallgäu verfügt über ein großes Einzugsgebiet und ein entsprechendes Verkaufsflächenangebot außerhalb der kleinen historischen Altstadt. Die Einwohnerzahl ist in den letzten Jahren auf über 14.000 gewachsen. Der Mindelheimer Altstadtkern ist geprägt durch mittelalterliche Strukturen. Stadtmauer und Stadtwall sind im Ganzen erhalten. Die Altstadt einschließlich Wallbereich steht insgesamt unter Ensembleschutz, viele Gebäude sind als Einzeldenkmäler eingetragen. Unternehmer, Händler und Bürger beteiligen sich aktiv an der Entwicklung der Mindelheimer Altstadt. Der Haupteinkaufsstraßenzug der Maximilianstraße mit seiner Aufweitung am Marienplatz wurde als Durchgangsstraße genutzt und besaß daher nur eine geringe Aufenthaltsqualität. Problematisch stellten sich zu Beginn der Fördermaßnahme auch der Mangel an Stellplätzen sowie der Leerstand im Einzelhandel und im Bereich Wohnen dar.

Projektbeschreibung

Im neuen Wohnquartier Ochsen-Areal ergänzen neue Wohngebäude bestehende Altbauten. Alt neben neu - Wohnquartier Ochsen-ArealAlt neben neu - Wohnquartier Ochsen-Areal Quelle: Uwe Altrock

Im Anschluss an die Sanierungsmaßnahme des Stadtkerns im Städtebauförderprogramm "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen" wird die Stärkung des Zentrums seit 2008 mit Mitteln aus dem Zentrenprogramm gefördert. Zuvor hatte die Stadt im Sinne einer integrierten Stadtentwicklung ein mehrstufiges Beteiligungsverfahren und einen Leitbildprozess für das Stadtzentrum initiiert. Die Ergebnisse wurden in den Stadtratsbeschluss zum Leitbild und in einen Aktionsplan überführt.

Mit den bereits umgesetzten Maßnahmen konnten Einzelhandel und Gewerbe stabilisiert werden. Durch den umgestalteten Marienplatz und die Maximilianstraße entstand mehr Raum für Fußgänger und Außenbewirtschaftung und die Stadt wurde belebt. Die zur Mischverkehrsfläche umgebaute Maximilianstraße wurde von den Bürgern begrüßt und genießt eine hohe Akzeptanz. Im Zusammenhang mit dem Umbau der Straße wurde das Ochsen-Areal neu geordnet und mit mit Wohngebäuden bebaut. In einer öffentlichen Tiefgarage entstanden zusätzliche Stellplätze. Das Interesse an Ladenanmietungen in der Altstadt nahm nach der Fertigstellung zu und das Image als Einkaufsstadt konnte im Zuge der Programmumsetzung verbessert werden. Entstanden ist auch eine neue Grünfläche am Stadtgraben entlang der Fundsbergstraße. Hier wurde im Zuge der Stadtmauersanierung ein Stück des Stadtgrabens freigelegt und eine kleine Grünanlage mit Obstbäumen, Blumenwiese und Verweilmöglichkeiten gestaltet.

2016 fand ein Bürgerdialog zur Kornstraße in der Altstadt statt. Auf fünf Veranstaltungen erarbeiteten und diskutierten Bürger sowie relevante Innenstadtakteure Ideen und Maßnahmen, mit denen die Einkaufsstraße aufgewertet und stabilisiert werden kann. Die Ergebnisse des Dialogverfahrens dienen als Grundlage für einen Aktions- und Maßnahmenplan, der 2017 erarbeitet werden soll.

Mit Mitteln aus dem Zentrenprogramm wird im Rahmen eines kommunalen Fassadenprogramms ein einheitliches Erscheinungsbild entlang der Maximilianstraße und in angrenzenden Straßenabschnitten bezuschusst. Das Fassadenprogramm besteht seit 1998. Mit dem Programm sind im Rahmen von Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen in Abstimmung mit der Stadt anteilig die Erhaltung und Wiederherstellung stadtbildprägender Fassadenteile sowie die stadtbildgerechte und ökologische Gestaltung des Gebäudeumfelds förderfähig. Zwischen 2008 und 2016 wurde die Sanierung von knapp 30 Gebäuden mit Mitteln des Fassadenprogramms unterstützt. Ergänzend dazu wurden ein Gestaltungshandbuch und eine Werbeanlagensatzung verabschiedet sowie ein Immobilien- und Gewerbeflächenmanagement eingerichtet.

Der Dialog mit den Bürgern genießt einen hohen Stellenwert und hat sich etabliert. Bestehende Kooperationen mit Akteuren aus den Bereichen Kultur, Bildung und Tourismus und das ehrenamtliche Engagement der lokalen Unternehmer wurden zudem ausgebaut.

Ein Projektfonds (Bezeichnung für Verfügungsfonds in Bayern) wurde eingerichtet. Er wird von der Ende 2008 gegründeten Lenkungsgruppe verwaltet. Zahlreiche Maßnahmen, die die Innenstadt stärken, wurden initiiert und mit dem Projektfonds unterstützt. Hierzu zählen eine öffentlichkeitswirksame Aktion zur Eröffnung der Tiefgarage, die Initiierung und Durchführung von Märkten und Veranstaltungen im öffentlichen Raum, Marketingberatung, ein Trinkbrunnen am Marktplatz, baubegleitende Maßnahmen bei der Sanierung der Maximilianstraße, die Errichtung eines Orientierungssystems und die Möblierung des öffentlichen Raums mit Bänken, Abfallbehältern, Fahrradständern. Bestehende Initiativen, Organisationen und Vereine werden über die Arbeit der Lenkungsgruppe informiert und können sich mit ihren Ideen einbringen. In der Lenkungsgruppe vertreten sind alle altstadtrelevanten Vereine, Organisationen und Verbände, Vertreter der Kirchenstiftung, des Einzelhandels und des Werbekreises Mindelheim sowie der Wohnungsgenossenschaft.

Mischverkehrsfläche Maximilianstraße - Autos und Fußgänger teilen sich den Straßenraum. Im Hintergrund das Obere Tor. Mischverkehrsfläche Maximilianstraße - Blick zum Oberen TorMischverkehrsfläche Maximilianstraße - Blick zum Oberen Tor Quelle: Uwe Altrock

Handlungsfelder 

  • Stadtgestaltung, Wohnen und Verkehr
  • Einzelhandel, Dienstleistung, Gastronomie
  • Soziales und Bildung
  • Tourismus und Kultur
  • Jugend, Freizeit und Vereine

Einzelmaßnahmen

  • Umgestaltung des Marienplatzes (2008)
  • Gewerbeflächenmanagement (Einführung 2009)
  • Neugestaltung der Maximilianstraße und angrenzender Gassen (2010-2013)
  • Neuordnung des Ochsen-Areals und Einrichtung einer öffentlichen Tiefgarage (Fertigstellung 2010)
  • Sanierung Oberes Tor, teilweise Erneuerung der Stadtmauer (2010)
  • Parkraummanagement (sukzessive umgesetzt seit 2010)
  • Sanierung Mindelbrückenplatz (2012)
  • Gestaltungshandbuch (2012)
  • Aufwertung Imhofgasse mit Gestaltung des Platzes vor der Alten Fronfeste (2013)
  • Gestaltung einer Grünfläche am Stadtgraben Fundsbergstraße (2014)
  • Sanierung Nordflügel des Gefängnisturms (2015)
  • Sanierung Unteres Tor (2016)
  • Sanierung Textilmuseum (Fertigstellung 2016)
  • Umgestaltung der Kornstraße (in Vorbereitung)
  • Fassadensanierung am Rathaus (geplant)
  • Umgestaltung der Stadtbücherei (geplant)
  • Neuordnung von Teilflächen mit stark vernachlässigter Bausubstanz (Block 12, Memminger Straße 6-8) (geplant)
  • Beteiligung durch Ausbau bestehender Kooperationen mit lokalen Akteuren (kontinuierlich)

Finanzierung

Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Aufnahme in das Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" / Standortentwicklungskonzept zur Steuerung des Einzelhandels / acht Expertenrunden zur Auswertung von Projektvorschlägen / Lenkungsgruppensitzung zum Leitbildentwurf / Aktionsplan und gewichteter Maßnahmenkatalog / Stadtratsbeschluss mit Leitbild und Aktionsplan / Umgestaltung des Marienplatzes mit feierlicher Einweihung
2008-10Neuordnung und Neubebauung des Ochsenareals
2010Sanierungsmaßnahmen "Oberes Tor" sowie erster Bauabschnitt Maximilianstraße (östlicher Teil) / Einführung Parkraummanagement und Verkehrsleitsystem für die Altstadt
2012Neugestaltung Mindelbrückenplatz / Erarbeitung eines Gestaltungshandbuchs
2013Altstadtgerechter Ausbau der Imhofgasse / Fertigstellung zweiter und dritter Bauabschnitt Maximilianstraße
2014Aufwertung des Stadtgrabens an der Frundsbergstraße / Kreativtag (öffentlicher Workshop zur Entwicklung von Ideen zur Weiterentwicklung der Altstadt)
2015Abschluss Sanierungsarbeiten am Nordflügel des Gefängnisturms
2016Eröffnung des sanierten Textilmuseums / Sanierung Unteres Tor / Bürgerdialog zur Umgestaltung der Kornstraße


Besonderheiten

Oberes Tor nach Abschluss der Sanierung Oberes Tor nach Abschluss der SanierungOberes Tor nach Abschluss der Sanierung Quelle: Stadt Mindelheim

Die Entwicklung des Ochsen-Areals war eine wesentliche Voraussetzung, um das in einer Bürgerwerkstatt erarbeitete Konzept für den Umbau der Hauptgeschäftsstraße zu einer Mischverkehrsfläche zu realisieren. Ein privater Bauunternehmer hat das bis an die Stadtmauer reichende Ochsen-Areal mit einem für die geringe Stadtgröße ehrgeizigen Wohnprojekt entwickelt, das der Altstadt zusätzliche Einwohner und Kaufkraft bringt. Dazu wurden die nicht mehr benötigten Gebäudeteile der Brauerei abgetragen. Der Neubau an der Hauptgeschäftsstraße fügt sich gut in die Substanz ein. Im Blockinnenbereich werden unterschiedliche Wohnungen angeboten, unter anderem für Familien. Die gesamte Anlage steht auf einer neu gebauten Tiefgarage, die vom Altstadtring angefahren werden kann. Sie war die Voraussetzung, um die Maximilianstraße zu einer Mischverkehrsfläche umzugestalten und die Zahl der Parkplätze zugunsten zusätzlichen Raums für Fußgänger zu reduzieren.

Lernerfahrungen

Die Ergebnisse des intensiven dialogorientierten Prozesses zur Weiterentwicklung der Altstadt, insbesondere zur Umgestaltung der Maximilianstraße, flossen in die Planungen und die Umsetzung der Fördermaßnahme ein. So wurde erreicht, dass die Bürger die Umgestaltung akzeptieren und sich stärker mit der Innenstadt identifizieren. Das mehrstufige Beteiligungsverfahren umfasste Veranstaltungen verschiedener Art, darunter eine Stadtführung, ein Kreativwochenende, eine Konsenswerkstatt und eine Bürgerwerkstatt. Zwei Zukunftswerkstätten und ein "Markt der Ideen" dienten der Strategieentwicklung und mündeten in einem Leitbildentwurf, einem Aktionsplan und einem gewichteten Maßnahmenkatalog, die bei der Lenkungsgruppe und im Stadtrat vorgelegt wurden.

Zusatzinformationen

Bundesland

Bayern


Gemeinde

Stadt Mindelheim


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2018


Größe des Gebietes

Circa 23 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 1,56 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Mindelheim
Stadtbauamt
Rathaus, Maximilianstraße 26
87719 Mindelheim
Tel.: +49 8261 9915 28
E-Mail: bauamt@mindelheim.de


Link / weitere Informationen

Planen und Bauen in Mindelheim

Mindelheimer Werbekreis e.V.

Bürgerstiftung Mindelheim


Stand

Februar 2017

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