Navigation und Service

Neuwied - Aktives Stadtzentrum

Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Stadtgestalt und Baukultur / Mobilität / Einsatz von Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Auf Grundlage eines integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes wird das Stadtzentrum von Neuwied seit 2008 mit Mitteln des Zentrenprogramms aufgewertet. Mit der Maßnahme wird zum einen die Zentrumsfunktion der Innenstadt gestärkt, indem die Aufenthaltsqualität gesteigert sowie für einzelne Quartiere das Profil geschärft und das Image verbessert wird. Zum anderen geht es darum, den Wohnstandort durch Modernisierungs- und Sanierungsvorhaben im privaten Immobilienbestand zu qualifizieren. Mit der Umgestaltung der Mittelstraße wurde im Jahr 2012 ein erstes größeres investives Projekt abgeschlossen. 2015 folgte eine neue zentrale Busstation am Luisenplatz verbunden mit einer Umstrukturierung der Verkehrsführung des öffentlichen Personennahverkehrs und einer Aufwertung des öffentlichen Raums. Die gesamte Programmumsetzung erfolgt in einem kooperativen Prozess mit lokalen Akteuren – ein Citymanagement und ein Verfügungsfonds wurden eingerichtet.

Kontext

Das Mittelzentrum Neuwied hat rund 65.000 Einwohner und ist Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Norden von Rheinland-Pfalz. Die Stadt liegt zwischen den Ballungsräumen Rhein/Main und Köln/Bonn am rechten Rheinufer und ist gut an das Fernstraßennetz angebunden. Koblenz ist circa 20 Kilometer entfernt.

Das Fördergebiet umfasst den Kern der Neuwieder Innenstadt bis an das Rheinufer und ist geprägt durch eine strikte Karree-Struktur sowie die monumentale Deichmauer zwischen Stadtzentrum und Uferpromenade. Große Teile des Fördergebietes waren zwischen 1976 und 2008 als Sanierungsgebiet förmlich festgelegt. Im Rahmen der damaligen Fördermaßnahme gelang es, den öffentlichen Raum und den Gebäudebestand in Teilbereichen aufzuwerten. Es besteht jedoch weiterhin Handlungsbedarf, um Leerstände im Einzelhandels- und Wohnbereich zu reduzieren sowie den öffentlichen Raum neu zu gestalten. Mit der Überführung der Fördermaßnahme in das Zentrenprogramm wird den städtebaulichen Missständen noch gezielter als zuvor in einem kooperativen Prozess mit den Grundstückseigentümern und Geschäftsinhabern entgegen gewirkt.

Projektbeschreibung

Zu Beginn der Fördermaßnahme wurde ein integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept erstellt, das als Grundlage für die Umsetzung des Stadterneuerungsprojektes dient. Derzeit wird das integrierte Handlungskonzept fortgeschrieben.

Zur Stärkung des innerstädtischen Versorgungsbereiches werden Aufwertungsmaßnahmen im öffentlichen Raum mit gebäudebezogenen Maßnahmen verknüpft. Auch die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur (insbesondere der Nutzungsfreundlichkeit des öffentlichen Personennahverkehrs) spielt eine wichtige Rolle. Die Maßnahme wird flankiert durch ein Citymanagement und einen Verfügungsfonds.

Eine im Jahr 2006 vorgenommene Nutzungskartierung wurde aktualisiert, um die Entwicklungen und Veränderungen einschätzen zu können. Zudem wurden vertiefend eine Fragebogen-Erhebung bei Grundstückseigentümern, Händlern und Gewerbetreibenden durchgeführt sowie Passanten befragt. Gegenstand der Befragungen waren die Themen öffentlicher Raum, Verkehr und Wohnen. Besonders häufig wurde der Umgestaltungsbedarf der zentralen Fußgängerzone in der Mittelstraße thematisiert. Unter anderem deshalb wurde dieses – in der ursprünglichen Maßnahmenplanung erst für 2013 vorgesehene – Projekt vorgezogen und bereits im Herbst 2012 als erste investive Maßnahme im Zentrenprogramm abgeschlossen.

Im Rahmen einer Stadtbildanalyse wurde als besonderes Charakteristikum des Gebietes die Situation entlang der Deichpromenade identifiziert. Deshalb wurde deren Umgestaltung – einschließlich eines neuen Nutzungskonzeptes für die Gaststätte "Deichkrone" mit ihrem stadtbildprägenden Gebäude – als Schlüsselmaßnahme definiert. 2011 begannen die Planungen zur Umgestaltung des Deichvorgeländes, verbunden mit einer intensiven Bürgerbeteiligung (siehe unten unter "Lernerfahrungen"). Die Baumaßnahmen zur statischen Sicherung und gestalterischen Aufwertung des Deichvorgeländes begannen 2015. Entstehen soll ein hochwertig gestalteter Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität und einer großzügigen Freitreppe am Rheinufer sowie Angeboten für unterschiedliche Alters- und Nutzergruppen. Im ersten Bauabschnitt werden die Kaimauer konstruktiv ertüchtigt, die Schiffsanlegestellen neu geordnet und die Widerlager und Poller erneuert. Im Anschluss wird die Freitreppe zum Rheinufer gebaut bevor die Freiflächengestaltung mit der Neupflanzung einer Baumachse erfolgt.

Langendorfer Straße Langendorfer StraßeLangendorfer Straße Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Ein weiteres Charakteristikum stellt das Einbahnstraßen-Ringsystem dar, das auf dem Verkehrsentwicklungsplan von 1995 basiert. Die vorhandenen Verkehrswege führen allerdings teilweise zu negativen Begleiterscheinungen, zum Beispiel in der Kirchstraße. Hier ist die Lärmbelastung stark und die Geschwindigkeit der Autos wird von den Passanten als zu hoch empfunden, was zu einem Unsicherheitsgefühl führt. Deshalb ist geplant, die Straße umzubauen und die Verkehrsführung zu ändern.

Eine spezielle Neuwieder Problematik stellt der öffentliche Busverkehr in seiner Standphase dar (Pausenzeiten vor Antritt der Rückfahrt), durch den Anlieger erheblich belästigt und auch das Stadtbild negativ beeinflusst werden.

Deshalb werden zwei zentrale Busstationen am Luisenplatz geschaffen, wobei die Station im Kreuzungsbereich Marktstraße/Langendorfer Straße fertiggestellt ist. Für den Mini–ZOB im Kreuzungsbereich Schlossstraße/Langendorfer Straße beginnt derzeit der Partizipationsprozess. Die Gestaltung als kleine Busbahnhöfe (sogenannte "Mini-ZOB") verleiht dem Luisenplatz neue begrenzende Proportionen und Akzente. Parallel wurden dort vorhandene Zweckbauten aus den 1970er Jahren abgerissen. Bei der Neugestaltung der Platzsituation (Überdachung) und bei der Einfügung neuer Gebäude werden hohe Ansprüche an die Gestaltung gestellt, um das Stadtbild aufzuwerten und Impulse bei Privateigentümern zur Aufwertung ihrer Gebäude auszulösen. An den Luisenplatz grenzt die Marktstraße. Bevor es den "Mini-ZOB" gab, endeten hier zahlreiche Buslinien. Durch die neue zentrale Busstation kann die Marktstraße umgebaut und ihr Erscheinungsbild aufgewertet werden, um die Aufenthaltsqualität zu steigern. Hierfür laufen derzeit die Vorbereitungen. Der Baubeginn ist für Juni 2017 vorgesehen.

Handlungsfelder      

  • Aufwertung öffentlicher Räume
  • Verkehr und Mobilität
  • Stadtgestalt und Baukultur
  • Stärkung der Funktionsvielfalt (Einzelhandel, Wohnen)
  • Citymanagement
  • Einsatz des Verfügungsfonds      

Einzelmaßnahmen     

  • Erarbeitung des integrierten Handlungs- und Entwicklungskonzeptes (2010 abgeschlossen, wird derzeit fortgeschrieben)
  • Initiierung einer Lenkungsgruppe und Einrichtung eines Verfügungsfonds (seit 2011 eingerichtet)
  • Citymanagement (seit 2012 eingerichtet)
  • Umgestaltung der zentralen Fußgängerzone in der Mittelstraße (2012 abgeschlossen)
  • Neugestaltung der Deichuferpromenade (in Umsetzung)
  • Nutzungskonzept für das stadtbildprägende Gebäude "Deichkrone" (Gastronomie)
  • Neugestaltung zentraler Omnibushaltestellen (Mini-ZOB) (Marktstraße Fertigstellung 2015 / Schlossstraße Beginn Parzipation 2017)
  • Umgestaltung der Marktstraße in zwei Bereichen (in Vorbereitung)
  • Umgestaltung von Straßen und zentraler Platzanlagen: Marktplatz und Schlossvorplatz (geplant)
  • Förderung privater Gebäudeinstandsetzungs- und Wohnumfeldmaßnahmen (laufend)
  • Aufwertung von Blockinnenbereichen und Wegeverbindungen (in Vorbereitung)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Verkehrsinfrastrukturförderung des Landes Rheinland-Pfalz (Entflechtungsgesetz)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
2010Durchführung einer Eigentümer- und Händlerbefragung sowie einer Passantenbefragung / Beschluss des integrierten Handlungskonzeptes
2011Einrichtung eines Verfügungsfonds
2011-12Durchführung von zwei "Stadtgesprächen" zur Bürgerbeteiligung bei den Planungen für das Deichvorgelände
2012Umgestaltung der Fußgängerzone Mittelstraße / Einrichtung eines Citymanagements beim Verein Aktionsforum Neuwied / Vorbereitende Planungen und Konzeption unterschiedlicher Varianten für die Umgestaltung der Bushaltepunkte ("Mini-ZOB")
2014Abschluss der Planungen für das Deichvorgelände
2015Eröffnung Mini-ZOB in der Marktstraße / Beginn Umgestaltung Deichvorgelände
2016Beginn der Fortschreibung des integrierten Handlungskonzeptes für das Fördergebiet
2017Baubeginn Umgestaltung Marktstraße (geplant) / Beginn Partizipationsprozess für die Umgestaltung der Schlossstraße


Besonderheiten

Die Untersuchungen im Rahmen des Entwicklungskonzeptes zeigten, dass ein Citymanagement erforderlich ist, um das Neuwieder Stadtzentrum als Einzelhandelsstandort zu stärken. Das Citymanagement wurde bei der etablierten Händlervereinigung Aktionsforum Neuwied eingerichtet, um die bereits bestehenden Akteursstrukturen optimal zu nutzen. Zu den bislang wichtigsten Aufgaben des Citymanagers, der zu Beginn des Jahres 2012 seine Tätigkeit als Angestellter des Aktionsforums aufnahm, gehörte die Umsetzung eines Baustellenmarketings während der Baumaßnahmen in der Mittelstraße. Neben regelmäßigen Aktionen (zum Beispiel Baustellenfrühstück, Flyer, Fotoaktion, Pressearbeit) wurde unter anderem eine Kinderbaustelle eingerichtet. Ein Kontingent an bemalten Pflastersteinen ist auch nach Abschluss der Baumaßnahmen noch im Straßenbild sichtbar. Auch bei folgenden Bauarbeiten wurde und wird ein Baustellenmarketing umgesetzt.

Der Verein Aktionsforum Neuwied gehört auch zu den Initiatoren des Verfügungsfonds. Die vierköpfige Lenkungsgruppe besteht aus dem Citymanager, dem Vorstand des Aktionsforums sowie zwei Vertretern unterschiedlicher Ressorts der Stadtverwaltung. Sie konnte bereits über die Verwendung von über 50.000 Euro privater Einlagen in den Verfügungsfonds entscheiden, die unter anderem für die Neuanschaffung einer Weihnachtsbeleuchtung vom Aktionsforum akquiriert wurden. Außer dieser Maßnahme wurde die flankierende Öffentlichkeitsarbeit (zum Beispiel Flyer zu themenspezifischen Veranstaltungen und Straßenfesten) aus dem nicht-investiven Teil des Verfügungsfonds finanziert.

Lernerfahrungen

Bei den Planungen für das Deichvorgelände wurde die Bevölkerung umfassend beteiligt. Nach der Durchführung eines Wettbewerbs für einen ersten Gestaltungsentwurf wurden die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen von zwei sehr gut besuchten Stadtgesprächen intensiv in die Planungen einbezogen. Zudem suchte die Verwaltung - etwa über Schulen - verstärkt den Kontakt zu jungen Leuten als künftige Nutzer der neuen Deichuferpromenade. Dennoch kam es zu Protesten aus der Bürgerschaft und ein Bürgerbegehren wurde initiiert, um die Fällung von Bäumen zu verhindern.

Durch geduldige Moderation ist es gelungen, den Konflikt abzuwenden und in einem gemeinsamen Prozess mit Bürgerinnen und Bürgern eine Kompromissvariante für die Umgestaltung zu erarbeiten. Zur Konfliktbewältigung trug bei, dass die Stadt sich intensiv mit den Kritikern auseinandergesetzte. Es wurden unterschiedliche Planungsalternativen erarbeitet und kontrovers diskutiert. Zudem wurden Fachgutachten (unter anderem zum Baumzustand, zum Baugrund und zum baulichen Zustand der Kaimauer) erarbeitet, die als fachlich fundierte Entscheidungsgrundlage herangezogen werden konnten.

Die hier gewonnenen Erfahrungen werden im anstehenden Partizipationsprozess mit den Neuwieder Bürgerinnen und Bürgern zur Umgestaltung des Marktplatzes genutzt.

Zusatzinformationen

Bundesland

Rheinland-Pfalz


Gemeinde

Neuwied


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2020


Größe des Gebietes

Circa 30 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2016: 3,2 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Neuwied
Stadtbauamt
Herr Bernd Wolff
Tel. +49 2631 802-653
E-Mail: bwolff@neuwied.de


Aktionsforum Neuwied e.V.
Citymanagerin
Frau Silke Steuer
Tel. +49 2631 9516768
E-Mail: citymanager@aktionsforum-neuwied.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Stadt Neuwied

Informationen des Aktionsforum Neuwied


Stand

Mai 2017

Diese Seite