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Offenbach am Main - Stadtzentrum

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Öffentlicher Raum / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Seit 2008 ist die Innenstadt von Offenbach Fördergebiet im Zentrenprogramm (in Hessen: Aktive Kernbereiche). Die Konkurrenzsituation zur Nachbarstadt Frankfurt am Main, die schwierige Lage des kommunalen Haushalts und geringe Investitionen der Immobilieneigentümer führten dazu, dass Offenbachs Innenstadt unter Funktionsverlusten und einem negativen Image litt. Zudem besteht in Offenbach eine hohe Arbeitslosigkeit. Das 2009 entstandene integrierte Handlungskonzept (IHK) sieht mit Unterstützung aus dem Zentrenprogramm vor, das negative Image zu verändern und die Identifikation der Bürger mit der Innenstadt zu stärken. Der öffentliche Raum soll aufgewertet, der Einzelhandel gestärkt und die partnerschaftliche Zusammenarbeit lokaler Akteure intensiviert sowie die Kultur- und Kreativwirtschaft gefördert werden.

Kontext

Das Oberzentrum Offenbach am Main hat rund 122.000 Einwohner und grenzt südöstlich an Frankfurt am Main. Die Stadt ist geprägt durch eine kulturelle und soziale Vielfalt, da hier viele Bürger mit Migrationshintergrund leben. Das Fördergebiet befindet sich in der Innenstadt und umfasst eine Fußgängerzone sowie angrenzende gemischt genutzte Quartiere (Wohnen, Gewerbe, Büros). Die Innenstadt ist sehr gut in das öffentliche Personennahverkehrsnetz eingebunden.

Die Innenstadt war zu Beginn der Förderung von Funktionsverlusten betroffen. Dies äußerte sich in zunehmendem Leerstand von Einzelhandels- und Büroräumen und einem sinkenden Qualitätsniveau der Angebote. Die Baustruktur ist heterogen und in Teilbereichen von untergenutzten Grundstücken oder Brachen gekennzeichnet. Mit dem Markt-, Alice- und Wilhelmsplatz sowie dem Stadthof befinden sich bedeutende, die Stadtstruktur prägende Plätze im Fördergebiet. Sie wiesen zu Beginn der Förderung gestalterische und funktionale Defizite auf. Im Norden des Fördergebiets wirkt sich die stark befahrene Berliner Straße negativ auf die Umgebung aus.

Projektbeschreibung

Ziel des integrierten Entwicklungsprozesses ist es, Alleinstellungsmerkmale und Stärken der Innenstadt herauszuarbeiten und ein eigenständiges Profil zu etablieren, indem die Kultur- und Kreativwirtschaft gestärkt wird.

Grundlage ist das im Zusammenhang mit der Aufnahme in das Zentrenprogramm erarbeitete integrierte Handlungskonzept. Es ist in einem partizipativen Prozess gemeinsam mit Bürgern und Gewerbetreibenden entstanden. Als Ziele werden verfolgt, den Einzelhandel und die Gastronomie zu stabilisieren, die Stadtgestalt zu verbessern, innovative Wohnprojekte zu entwickeln und eine kreative Atmosphäre zu fördern, um ein neues, selbstbewusstes Image herzustellen und den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Die Umsetzung der Gesamtmaßnahmen koordinierte in der Startphase ein Zentrenmanagement (in Hessen: Kernbereichsmanagement).

Die Standortgemeinschaft "Karree Offenbach", ein Business Improvement District (BID, in Hessen: INGE) wurde initiiert, um den Einzelhandel und die partnerschaftliche Zusammenarbeit zu stärken. Das Gebiet umfasst einen Teil des Fördergebiets. Die Standortattraktivität wird durch Beleuchtungsmaßnahmen und Gestaltung der Eingangsbereiche in die Fußgängerzone verbessert. Eine "Karree-Beauftragte" unterstützt die Vernetzung der Akteure und koordiniert die Umsetzung von Maßnahmen und Aktionen.

Im Rahmen des Zentrenprogramms werden das Erscheinungsbild und die Attraktivität der Innenstadt aufgewertet, indem die Fußgängerzone und innerstädtische Plätze umgestaltet und durch temporäre Aktionen und Feste bespielt werden. 2009 erfolgte die Neugestaltung des Wilhelmsplatzes, dem größten Platz im Fördergebiet. Um mehr Fläche für den Wochenmarkt und Feste zur Verfügung zu haben, wurde die Anzahl der Parkplätze reduziert. 2011 wurden auf dem Aliceplatz bewegliche, leuchtend rote Stühle aufgestellt und der Platz hat sich zu einem beliebten innerstädtischen Treffpunkt entwickelt. Auch der an den Aliceplatz angrenzende Stadthof wurde 2014 im Zusammenhang mit der Sanierung der darunter liegenden Tiefgarage umgestaltet. Der Platz ist seitdem barrierefrei, hat eine hohe Aufenthaltsqualität und kann besser für Veranstaltungen genutzt werden.

Des Weiteren laufen die Planungen zum Umbau des Marktplatzes, ein zentraler Verkehrsknotenpunkt in der Innenstadt. Dazu fand 2015 ein Gestaltungswettbewerb statt. Die Öffentlichkeit wurde im Rahmen des "Forum Marktplatz" durch mehrere Informations-und Diskussionsveranstaltungen und einen Internetblog umfassend beteiligt. Es ist vorgesehen, eine Mischverkehrsfläche ("Shared Space") zu gestalten, um die Dominanz des Autoverkehrs zu reduzieren. Dadurch sollen die trennende Wirkung des Platzes zwischen östlicher und westlicher Innenstadt überwunden werden und die Aufenthaltsqualität steigen. Der Beginn des Umbaus ist für 2018 geplant.

Umgestaltet wird derzeit die Kaiserstraße, eine wichtige Verbindungsachse zwischen Bahnhof und Fußgängerzone. Die Aufenthaltsqualität und Standortattraktivität sollen durch breitere Gehwege, Baumpflanzungen und eine neue Stadtmöblierung steigen.

Im Zuge der Umgestaltungsmaßnahmen in der Innenstadt wird sukzessive ein Lichtkonzept umgesetzt, das 2011 erarbeitet wurde. Ziel ist es, die Beleuchtung der Innenstadt zu vereinheitlichen und besondere Straßenräume, Plätze, bauliche Details oder Fassaden hervorzuheben. Als eine der ersten Maßnahmen wurde 2009 ein Stadtinfo-Leitsystem installiert, das Besuchern der Innenstadt die Orientierung erleichtert und auf besondere Orte hinweist.

Detail der Synagogenwand Detail der SynagogenwandDetail der Synagogenwand Quelle: Stadt Offenbach

Als wichtiger Impulsgeber für private Investitionen hat sich das Fassadenprogramm erwiesen, das seit 2010 Immobilieneigentümer mit bis zu 25.000 Euro bei der Aufwertung von Fassaden, der Herstellung eines ortstypischen Erscheinungsbildes und der Neugestaltung von Werbeanlagen unterstützt. Im Zuge von Fassadensanierungsarbeiten wurde in der Hintergasse die Ostwand einer ehemaligen Synagoge aus dem 18. Jahrhundert entdeckt, freigelegt und denkmalgerecht saniert. An dem verloren geglaubten historischen Ort wurde eine Säule der Erinnerung aufgestellt, um an das jüdische Leben in Offenbach zu gedenken.

Große Bedeutung hat die Umsetzung von Stadtmarketingmaßnahmen, mit denen ein positives Image und das kreative Profil der Innenstadt gefördert werden. Die Öffentlichkeit wird intensiv in den Zentrenentwicklungsprozess sowohl bei der Erarbeitung von Konzepten als auch bei der Planung von Einzelmaßnahmen einbezogen. Hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendparlament, das Ideen und Vorschläge für die zukünftige Gestaltung der Innenstadt einbringen konnte.

Handlungsfelder            

  • Öffentlicher Raum
  • Stadtgestalt und Baukultur
  • Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und Kreativwirtschaft
  • Stadtmarketing und Image
  • Wohnen
  • Verkehr

Einzelmaßnahmen

  • Erarbeitung eines integrierten Handlungskonzeptes (2009)
  • Kernbereichsmanagement (2009-13)
  • Umgestaltung Fußgängerzone (2008-2012)
  • Aufstellung des Stadtinfo-Leitsystems aus Eigenmitteln der Stadt (2009)
  • Umgestaltung des Wilhelmsplatzes aus Eigenmitteln der Stadt und dem Konjunkturprogramm des Bundes (2009-2011)
  • Fassadenprogramm (seit 2010)
  • Gestaltungsmaßnahmen am Aliceplatz (2011)
  • Erarbeitung und Umsetzung des Lichtkonzeptes (seit 2011)
  • Sanierung der Ostfassade der ehemaligen Synagoge (2012)
  • Umgestaltung des Stadthofes (2014-2015)
  • Umbau der Kaiserstraße (in Umsetzung seit 2016)
  • Gestaltungswettbewerb Marktplatz (2015)
  • Umbau des Marktplatzes (in Vorbereitung)
  • Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing (laufend)
  • Erarbeitung eines Gestalthandbuchs für den öffentlichen Raum in Verbindung mit einer Änderung der Sondernutzungs- und Erlass einer Werbeanlagensatzung (laufend)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"
  • Konjunkturprogramm des Bundes
  • Städtische Mittel für die Wirtschaftsförderung

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Aufnahme in das Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" (in Hessen: Aktive Kernbereiche) / Beginn Umgestaltung Fußgängerzone
2009Erarbeitung des integrierten Handlungskonzeptes / Einrichtung Kernbereichsmanagement / Beginn der Umgestaltunge des Wilhelmsplatzes / Aufstellung des Stadtinfo-Leitsystems
2010Start des Fassadenprogramms
2011Fertigstellung des Wilhelmsplatzes / Umgestaltung Aliceplatz / Erarbeitung Lichtkonzept und Umsetzung erster Maßnahmen / Start des "Karree Offenbach"
2012Sanierung Ostfassade der ehemaligen Synagoge / Beginn Beteiligungsverfahren "Forum Marktplatz" mit einem Bürgerforum / Initiierung "Wohnbüro Offenbach"
2013Beendigung des Kernbereichsmanagements
2014-15Umgestaltung des Stadthofes
2015Gestaltungswettbewerb Marktplatz
2016Beginn des Umbaus der Kaiserstraße


Besonderheiten

In Offenbach wird das vorhandene Kreativpotenzial gezielt genutzt, um die Innenstadt zu stärken. Dies gelingt, da das Handlungskonzept für die Innenstadt eng mit einer Kreativwirtschaftsstrategie und der Offenbacher Wirtschaftsförderung verknüpft ist. Durch diesen ressortübergreifenden Ansatz werden Strategien gebündelt, um Akteure bei der Schaffung kreativer Orte zu unterstützen. Akteure aus dem Kunst- und Kulturmilieu setzen Impulse für ein neues Image der Innenstadt. Verschiedene Events, Zwischennutzungen und Veranstaltungen tragen dazu bei, dass kulturelles Leben in der Innenstadt stattfindet. Hierzu gehören beispielsweise die Luminale, die Nacht der Museen, Kino an außergewöhnlichen Orten oder der rote Teppich für Bürger.

Von Bedeutung sind auch kreative Zwischennutzungen, zum Beispiel in einem leerstehenden Bürogebäude am Rande der Innenstadt, in dem 2012-14 das Projekt "Wohnbüro Offenbach" angestoßen wurde. Hierbei handelt sich um ein Modellvorhaben im Rahmen des Forschungsfeldes des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) "Innovation für Innenstädte". Es kombinierte Wohnen, Kultur und Arbeiten mit genossenschaftlichen Ansätzen. Die Umnutzung verhalf zum Erhalt des Gebäudes und gab schließlich einen entscheidenden Impuls zu dessen Umbau. Der Kunstverein Offenbach, der zahlreiche Künstler aus Offenbach und Umgebung vereint, nutzte im "Wohnbüro" erstmals eigene Räume für öffentliche Veranstaltungen. Nach dem Ende des "Wohnbüros" hat ein innerstädtisches Einkaufszentrum dem Verein ein großes Ladenlokal als Kulturraum überlassen, in dem Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden.

Lernerfahrungen

Die Einbindung von kreativen Akteuren und kulturellen Einrichtungen hat Impulse für die Umnutzung von Leerstand und die Stabilisierung der Innenstadt ausgelöst. Die Attraktivität des Zentrums ist durch kreative Zwischennutzungen, Feste und kulturelle Veranstaltungen gestiegen. Die Innenstadt gewinnt dadurch zunehmend ein positives Image und eigenständiges Profil. Kreative Unternehmen oder spezialisierte Einzelhandelsgeschäfte werden gegründet. Hochwertige, innovative Arbeitsplätze entstehen, kommerzielle Kernangebote in der Innenstadt werden durch kulturelle Angebote ergänzt und die Erlebnisdichte ist durch eine hohe Mischung unterschiedlicher Funktionen auf engem Raum gestiegen. Die Stabilisierung des Einzelhandels und die Sicherung eines qualitativ hochwertigen und attraktiven Angebots bleibt aber nach wie vor eine zentrale Aufgabe der Innenstadtentwicklung.

Zusatzinformationen

Bundesland

Hessen


Gemeinde

Offenbach am Main


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2020


Größe des Gebietes

30 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 2,9 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum

Kontaktdaten

Stadt Offenbach am Main
Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement
Frau Marion Rüber-Steins
Berliner Straße 60
63065 Offenbach am Main
Tel.: +49 69 80652261
E-Mail: marion.rueber-steins@offenbach.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Stadt Offenbach am Main

Stand

November 2016

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