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Radebeul - Zentrum Ost

Schwerpunkte: Öffentlicher Raum / Einzelhandel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Stadtgestalt und Baukultur

Zusammenfassung

Im Ballungsraum nordwestlich der sächsischen Landeshauptstadt Dresden liegt die Stadt Radebeul mit circa 34.000 Einwohnern. Das Mittelzentrum ist an der Elbe gelegen und touristisches Zentrum an der Sächsischen Weinstraße. Radebeul weist eine langgestreckte Stadtstruktur mit zwei Hauptgeschäftszentren auf. Eines dieser Zentren ist Radebeul-Ost, das 2010 in das Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" aufgenommen wurde. Anknüpfend an bereits erfolgte Sanierungsmaßnahmen im Programm "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen" wird die Funktionsvielfalt der Einkaufsstraße gestärkt, indem das Einzelhandelsangebot und die touristische Infrastruktur erweitert, Brachflächen reaktiviert und öffentliche Einrichtungen im Stadtteilzentrum konzentriert werden.

Kontext

Im Jahr 2003 wurde das Sanierungsgebiet "Zentrum und Dorfkern Radebeul-Ost" festgelegt und in das Bund-Länder-Programm "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen" aufgenommen. Im Jahr 2010 wurde der nördliche Teil des Sanierungsgebiets in das Zentrenprogramm überführt. Das Sanierungsgebiet wurde 2015 in westliche Richtung durch die Bereiche um die Lutherkirche und das Karl-May-Museum erweitert. Somit umfasst das jetzige Sanierungsgebiet eine Fläche von circa 18,3 Hektar.

Radebeul-Ost ist eines der beiden Hauptgeschäftszentren der Stadt. Hier konzentrieren sich wichtige öffentliche Einrichtungen, darunter das Rathaus mit der Stadtverwaltung, der Kulturbahnhof mit Stadtbibliothek sowie mehrere Schulen. Das Quartier ist zudem ein beliebter Wohnstandort für Familien. Das Fördergebiet ist gekennzeichnet durch eine kleinteilige Bebauungsstruktur zwischen der Eisenbahnlinie im Süden und der Hauptverkehrsader der Stadt, der Meißner Straße, im Norden. Es wird von der Hauptstraße in Nord-Süd-Richtung durchzogen, die gleichzeitig Haupteinkaufsstraße im Stadtteilzentrum ist. Sie wurde vor der Förderung im Zentrenprogramm zu einem verkehrsberuhigten Bereich umgestaltet, was zur Stabilisierung des Standortes beitrug. Die Anziehungskraft und gesamtstädtische Bedeutung des Zentrums wurde zu Beginn der Förderung im Zentrenprogramm durch eine eingeschränkte Angebotsvielfalt im Einzelhandel, unzureichend gestaltete Freiflächen und großflächige Brachen im Norden und Süden des Fördergebietes geschwächt.

Projektbeschreibung

Hauptstraße 9 vor der Sanierung Hauptstraße 9 vor der SanierungHauptstraße 9 vor der Sanierung Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Grundlage für die Förderung ist ein Stadtentwicklungskonzept (SEKO), das im Jahr 2011 beschlossen wurde und eine Fortschreibung der Sanierungsziele aus dem Jahr 2002 darstellt. In das Entwicklungskonzept sind die Vorgaben eines Einzelhandels- und Zentrenkonzepts für die Gesamtstadt (Stand: 2009) eingeflossen. Im Jahr 2015 wurden die konzeptionellen Grundlagen fortgeschrieben und ein integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK) erarbeitet.

Einen Schwerpunkt der Maßnahme stellt die Revitalisierung von Brachflächen dar, um die Nutzungsvielfalt zu stärken und das Stadtbild zu qualifizieren. Im Süden entstand bis 2013 auf einer Brachfläche unweit des Bahnhofs ein neuer Lebensmittelmarkt mit Parkdeck. Auf einem ungenutzten Grundstück in der Sidonienstraße wurde von 2011 bis 2013 eine Seniorenwohnanlage errichtet.

Zentrale Maßnahme ist die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und angrenzender Straßenzüge als Eingangssituation in den Stadtteil. Dies ist auch im Hinblick auf die touristische Bedeutung des Stadtteiles (Karl-May-Museum, Museum "Zeitreise", Schmalspurbahnmuseum, Schmalspurbahnhof) von Bedeutung. Freiräume werden aufgewertet und die Erschließung des S-Bahnhofs verbessert. Auch der Ostflügels des ehemaligen Bahnhofsgebäudes wurde saniert. Im Jahr 2013 zog die Volkshochschule hier ein. Das schon vorhandene Angebot des "Kulturbahnhofs" (Stadtbibliothek und Veranstaltungsräume) wird dadurch erweitert. Seit 2016 wird ein leerstehendes Haus im Umfeld des Bahnhofs an der Ecke Hauptstraße/ Gellertstraße umgebaut. Hier zieht die Tourist-Information ein und ist am diesem Standort für Besucher besser erreichbar.

Das Zentrum wird auch als Verwaltungsstandort ausgebaut. Seit dem Jahr 2010 wird die Sanierung des "Rathauskomplexes" im Süden des Fördergebiets vorangetrieben. Hierfür werden Verwaltungsgebäude nach energetischen Standards saniert, Ämter und Behörden zentralisiert und die Gebäude und ihre Zugänge barrierefrei gestaltet. Ein ehemaliges Postgebäude wird zum Standesamt. In einem weiteren Bauabschnitt werden die Freiflächen des Areals qualifiziert und die Stellplatzsituation verbessert.

Das viele Jahre lang leer stehende Eckgebäude der Hauptstraße 9 wird seit 2015 denkmalgerecht saniert und umgebaut. Es erfolgte ein Lückschluss zum Nachbargebäude in der Hauptstraße und auf der Rückseite des Gebäudes wurde ein neues Treppenaus erreichtet. Das stadtbildprägende Gebäude bietet zukünftig Raum für Handel, Gewerbe und Wohnen. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2017 geplant.

Glasinvest-Bürogebäude vor dem Abriss Glasinvest-Bürogebäude vor dem AbrissGlasinvest-Bürogebäude vor dem Abriss Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Das ebenfalls lange leerstehende Bürohochhaus der Firma Glasinvest wurde Ende 2016 abgerissen. Nun bietet das gesamte Areal zwischen Hauptstraße, Meißener Straße und Freiligrathstraße Platz für neue Nutzungen. Hier ist ein aus mehreren Gebäuden bestehendes Wohnquartier geplant, unter anderem entstehen betreute Wohnangebote und ein Pflegeheim. In den Erdgeschossen der Gebäude sind Läden vorgesehen. Eine neue Wegeverbindung über das Areal verbindet umliegende Wohngebiete besser mit dem Stadtteilzentrum.

Im erweiterten Sanierungsgebiet befindet sich an der Kreuzung Pestalozzistraße und Schildenstraße eine Brachfläche, auf der der Neubau des Horts der Friedrich Schiller Grundschule geplant ist. Des Weiteren wird derzeit, unterstützt durch Fördermittel des Zentrenprogramms, das neue Kirchgemeindehaus der Lutherkirche errichtet. Außerdem ist eine denkmalgerechte Umgestaltung des Karl-May-Hains geplant. Dieser befindet sich gegenüber dem Karl-May-Museum und wurde 1932 zum Gedenken an Karl May gestaltet. Nach der mehrfachen Überformungen des Parks soll er unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten aufgewertet werden. Des Weiteren soll im südlichen Teil des Parks eine Kletterlandschaft und auf einem angrenzenden Grundstück ein Abenteuerspielplatz entstehen. Der Spielplatz verbindet die Schildenstraße mit dem Karl-May-Hain und trägt so zur Vernetzung von Grünräumen im Stadtteilzentrum bei.

Handlungsfelder

  • Stärkung und Sicherung der Funktionsvielfalt
  • Revitalisierung von Brachflächen
  • Aufwertung öffentlicher Räume
  • Bündelung und Aufwertung öffentlicher Einrichtungen
  • Ausbau touristischer Infrastruktur

Einzelmaßnahmen

  • Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes und Verbesserung der Erschließung des Bahnhofsareals (2011-2013)
  • Sanierung des Ostflügels des Bahnhofs und Nutzung für öffentliche Einrichtungen (2010-2011)
  • Straßenraumgestaltung Sidonienstraße und Pestalozzistraße (2011-2016)
  • Energetische Sanierung und barrierefreier Umbau von Gebäuden der städtischen Verwaltung ("Rathauskomplex") (seit 2010)
  • Aufwertung der Freiflächen am Rathaus und Schaffung von Parkplätzen (in Umsetzung)
  • Bebauung der Brachfläche Sidonienstraße/Hauptstraße (Lebensmittelmarkt mit Parkdeck, private Maßnahme; 2012-2013)
  • Umnutzung des Geländes um das Bürogebäude "Glasinvest" (Wettbewerb 2012, private Maßnahme, in Umsetzung)
  • Umbau Hauptstraße 12 zur Tourist-Information (laufend, Fertigstellung Frühjahr 2017 geplant)
  • Neubau des Kirchgemeindehauses der Lutherkirchgemeinde Radebeul (seit 2016)
  • Sanierung des Gebäudes Hauptstraße 9 (seit 2015)
  • Neubau Hort der Friedrich Schiller Grundschule (in Vorbereitung)
  • Neugestaltung und Erweiterung des Karl-May-Hain (seit 2017)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Erstellung Städtebauliches Entwicklungskonzept (SEKO)
2010Aufnahme des nördlichen Teils des bestehenden Sanierungsgebiets in das Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" / Beginn Sanierung Rathauskomplex
2011Umgestaltung Sidonienstraße
2011-2013Errichtung Seniorenwohnanlage auf einer Brachfläche in der Sidonienstraße
2011/ 2012Sanierung Ostflügel des Bahnhofsgebäudes
2011-2013Gestaltung Bahnhofsvorplatz, Aufwertung der Erschließung
2012/ 2013Neubau Lebensmittelmarkt mit Parkdeck in der Sidonienstraße
2013-2016Umgestaltung der Pestalozzistraße
2015Erweiterung des bestehenden Sanierungsgebietes / Erstellung eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (INSEK) / Überarbeitung der Gestaltungsrichtlinien für das Sanierungsgebiet / Sanierung des stadtbildprägenden Wohn- und Geschäftshauses Hauptstraße 9
2016Beginn des Umbaus Hauptstraße 12 zur Tourist-Information / Baubeginn des Kirchgemeindehauses der Lutherkirchgemeinde
2017Neugestaltung und Erweiterung des Karl-May-Hains


Besonderheiten

Zahlreiche Initiativen zur Stärkung des Standortes in Verbindung mit der Sanierungsmaßnahme (unter anderem Wettbewerbsbeiträge zu "Ab in die Mitte", Pilotstadt zur Vorbereitung eines sächsischen BID-Gesetzes) haben im Vorfeld der Fördermaßnahme im Zentrenprogramm gute Ausgangsbedingungen geschaffen. Der Gewerbeleerstand ist in den vergangenen Jahren rückläufig, neue Bewohner, vor allem Familien, sind in die sanierten Wohngebäude gezogen. Die Maßnahme im Zentrenprogramm verfolgt  - neben dem Abbau bestehender Missstände - einen präventiven Ansatz, um die bereits erzielten Erfolge langfristig zu sichern und die Bindung an das Stadtteilzentrum zu erhöhen. Hierzu soll die Stärkung der Funktionsvielfalt beitragen. Bemerkenswert ist die große Bedeutung unterschiedlicher öffentlicher Einrichtungen (Verwaltung, Bildung und Kultur) und der touristischen Infrastruktur, die durch eine Aufwertung und Bündelung zur Stärkung des Zentrums und seiner gesamtstädtischen Bedeutung beitragen sollen.

Lernerfahrungen

Die Fördermaßnahme im Zentrenprogramm knüpft an gestalterische und bauliche Aufwertungen im Programm "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen" an. Durch die Aufnahme in das Zentrenprogramm, verbunden mit der Erarbeitung eines integrierten Entwicklungskonzeptes, wurde die Sanierungsmaßnahme auf die Stärkung der Funktionsvielfalt den Ausbau des Einzelhandelsangebots und die Nutzung touristischer Potenziale ausgerichtet. Dies hat wichtige Impulse zur funktionalen Stärkung des Zentrums angestoßen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Sachsen


Gemeinde

Stadt Radebeul


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2010


Projektende

Voraussichtlich 2019


Größe des Gebietes

Circa 18,3 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: circa 3,65 Million Euro


Gebietstypus

Stadtteilzentrum


Kontaktdaten

Stadt Radebeul
Stadtplanungs- und Bauaufsichtsamt
Frau Anja Schöniger
Pestalozzistraße 8
01445 Radebeul
Tel.: +49 351 8311953
E-Mail: planung@radebeul.de


STEG Stadtentwicklung GmbH
Treuhänderischer Sanierungsträger
Frau Christine Borstorff
Bodenbacher Straße 97
01277 Dresden
Tel.: +49 351 255180
E-Mail: steg-dresden@steg.de


Link / weitere Informationen

Informationsportal der Stadt zur Sanierung "Zentrum Ost"

Internetauftritt des Vereins "Handel und Gewerbe in Radebeul-Ost"


Stand

Februar 2017

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