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Radevormwald - Innenstadt

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Öffentlicher Raum / Mitwirkung und Kooperation / Einsatz von Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Mit der Teilnahme der Stadt am Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" werden auf der Grundlage des "Integrierten Handlungskonzeptes Radevormwald" vielfältige Umgestaltungsmaßnahmen umgesetzt. Eine qualitativ nachhaltige Innenstadtentwicklung wird kooperativ mit allen Akteuren realisiert. Die Innenstadt erfüllte 2010 – zum Zeitpunkt der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm – nur noch eingeschränkt die Aufgabe als Zentrum des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens und wies zum Teil strukturelle Defizite und städtebauliche Missstände auf. Zu verzeichnen waren circa 25 Leerstände im zentralen Versorgungsbereich. Dies war ausschlaggebend für die Erarbeitung des integrierten Handlungskonzeptes.

Seit der Aufnahme in das Zentrenprogramm wurden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Anknüpfend an die Ende der 1980er Jahre durchgeführten Wohnumfeldverbesserungsmaßnahmen wurden die Hauptgeschäftsstraße, ein Stadtkerneingang und zwei zentrale Plätze umgestaltet. Flankiert werden die baulichen Maßnahmen durch ein aktives Baustellenmarketing, das in Kooperation mit dem Verein Citymanagement Radevormwald umgesetzt wird.

Seit 2011 gibt es ein Citymanagement. Das Geschäftsflächenmanagement im innerstädtischen Bereich zählt zu den zentralen Aufgaben des Citymanagers, um den Branchenmix zu steuern und die Leerstände zu reduzieren. Ein Verfügungsfonds wurde eingerichtet, um die lokalen Akteure in ihrer Selbstbestimmung zu stärken und das vorhandene Engagement auszubauen. Darüber hinaus wurden in den Jahren 2012 und 2013 über das Programm "Ab in die Mitte! Die Cityoffensive NRW" mit den Projekten "Rader LokalZeit" und "Auf nach Rade! Die Reise zum Mittelpunkt unserer Stadt" weitere Maßnahmen durchgeführt, die zu einer Belebung der Innenstadt führten.

Kontext

Die Stadt Radevormwald, Mittelzentrum im Oberbergischen Kreis, gehört zu den ältesten Siedlungen im Bergischen Land. Der Marktplatz mit seinem historischen Grundriss und der stadtbildprägenden Randbebauung in der ortstypischen Bauweise mit Schieferverkleidung stellt den räumlichen Mittelpunkt der Innenstadt dar. Die Bebauung ist durch eine einheitliche, zwei- bis dreigeschossige Bauweise und Traufständigkeit geprägt. Die Türme der vier Stadtkirchen ergänzen das historische Stadtbild Radevormwalds. Neben dem Handel in den Erdgeschossbereichen ist das Wohnen ein wesentlicher Nutzungsschwerpunkt.

Der Einzelhandelsleerstand führte zu Beginn der Umsetzungsphase zu strukturellen sowie städtebaulichen Defiziten. Die erschwerte Erreichbarkeit und teilweise schwierige Verkehrsführung in der Innenstadt schwächten den Gesamtstandort. Mit einem Geschäftsflächenmanagement unter Federführung des Citymanagements konnten zentrale Leerstände beseitigt werden. Es ist auch gelungen, individuelle Angebote in den Bereichen Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie anzusiedeln und damit die Anziehungskraft der Innenstadt zu stärken.

Projektbeschreibung

Kaiserstraße nach der Umgestaltung Kaiserstraße nach der UmgestaltungKaiserstraße nach der Umgestaltung Quelle: Plan und Praxis, Berlin

In den Jahren vor der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" wurden auf der Basis mehrerer Gutachten verschiedene Ansätze für eine Revitalisierung der Innenstadt diskutiert. Empfehlungen des Gutachtens "Entwicklungsleitbild und Perspektiven für die Innenstadt von Radevormwald" haben im Jahr 2001 einen moderierten Arbeitsprozess angestoßen. So wurde das Gremium "Runder Tisch Innenstadt" mit Bürgerinnen und Bürgern, Planungsfachleuten sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und Verbänden gegründet. In den Jahren 2006/07 wurde das "Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Radevormwald" aufbauend auf dem regionalen Einzelhandelskonzept des Oberbergischen Kreises erarbeitet. Weiterer Meilenstein im Stadtentwicklungsprozess waren die Aufstellung des integrierten Handlungskonzeptes Innenstadt im Jahr 2009 in Kooperation mit lokalen Akteuren und letztendlich die Aufnahme in das Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" im Jahr 2010.

Die investiven Maßnahmen des integrierten Handlungskonzeptes zielen auf eine städtebauliche Neuordnung, barrierefreie Umgestaltung und Attraktivierung der Straßen und Plätze sowie die Verbesserung der verkehrlichen Erreichbarkeit durch eine schlüssigere Verkehrsführung. Denkmalschutz und aktive Stadtbildpflege sowie Fassadenneugestaltung und Lichtkonzept dienen der "Aufhellung" des Gesamtimages der Stadt. Im Jahr 2012 wurde der Marktplatz erfolgreich umgestaltet, 2013 folgte die östliche Kaiserstraße. Bis Ende 2015 wurde der Schloßmacherplatz mit einer angrenzenden Fußgängerpassage aufgewertet. Damit sind die zentralen öffentlichen Räume in der Innenstadt hochwertig und einheitlich gestaltet. Es ist gelungen, die Aufenthaltsqualität deutlich zu steigern. Hierzu tragen Wasserspiele, Baumpflanzungen, Spielgeräte und Sitzgelegenheiten bei. Ein Lichtkonzept wurde erarbeitet und wird sukzessive umgesetzt. Seit Ende 2016 ist durch den Bau eines Kreisverkehrs an der Stelle einer überdimensionierten Kreuzung der östliche Innenstadteingang aufgewertet und die Verkehrsführung übersichtlicher gestaltet. Es steht nun mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer zur Verfügung, zudem ist die Innenstadt für Autofahrer leichter erreichbar.

Ergänzend zu den baulich-investiven Maßnahmen wurde ein Gestaltungsleitfaden für die Innenstadt entwickelt und im Herbst 2014 das Haus- und Hofprogramm aufgelegt. Zum Start des Haus- und Hofprogramms hat die Stadt Beratungsgutscheine ausgegeben. Immobilieneigentümer und Gewerbetreibende können sich bei Fachplanern zu Förder- und Gestaltungsmöglichkeiten von Fassaden, Hofflächen und Werbeanlagen sowie zu Möglichkeiten der energetischen Sanierung informieren. Mit Mitteln des Haus- und Hofprogramms werden Eigentümer bei der Umsetzung dieser Maßnahmen unterstützt. Die Förderung erfolgt in Form eines Zuschusses, der 50 Prozent der maßnahmenbedingten Aufwendungen, aber maximal 30 Euro pro Quadratmeter umgestalteter Fläche beziehungsweise maximal 5.000 Euro pro Maßnahme beträgt.

Für den Baublock Markt/Nordstraße/Burgstraße/Kottenstraße, der massive städtebauliche Missstände aufwies, wurde eine sogenannte Mehrfachbeauftragung, ähnlich einem städtebaulichen Wettbewerb, durchgeführt. Mittlerweile wurden die Gebäude von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft zwischenerworben und eine Konzeptvertiefung mit Varianten für eine Neubebauung (innerstädtisches Wohnen) wurde von dem ausgewählten Büro erarbeitet, auf deren Basis nun die Investorensuche erfolgt. Hier gibt es bereits erste Ergebnisse. Im Neuordnungsbereich Burgstraße konnte durch einen privaten Investor hochwertige Wohnbebauung umgesetzt werden und in großen Leerständen am Markt siedelten sich ein Drogeriemarkt und ein Bekleidungsgeschäft an.

Im Bereich der kooperativen Projekte konnten parallel zur Erstellung des integrierten Handlungskonzeptes erste Erfolge erzielt werden: Abstimmungen mit den wesentlichen Akteuren der Innenstadt (Einzelhändler, Kreditinstitute, Betriebe, Verbände und Eigentümer) für die Realisierung der Einzelmaßnahmen des Handlungskonzeptes mündeten in Absichtserklärungen für finanzielle Beteiligungen am Citymanagement und am Verfügungsfonds. Bereits vor der Fertigstellung des Handlungskonzeptes waren damit die notwendigen finanziellen Mittel Privater für die Instrumente Citymanagement und Verfügungsfonds sichergestellt und sogar übertroffen.

Im Februar 2011 wurde schließlich der Verein Citymanagement Radevormwald gegründet. Der Verein hat für die Durchführung des Citymanagements ein qualifiziertes Büro ausgewählt und erarbeitet jährlich eine Jahresplanung für Projekte aus dem Verfügungsfonds. Als Geschäfts- und Anlaufstelle aller Innenstadt-Akteure und Schnittstelle zwischen Geschäftstreibenden, Wirtschaftsförderungsgesellschaft und Stadtverwaltung kommt dem Citymanagement eine tragende Rolle im Handlungskonzept zu. Die Aktivierung der Einzelhändler genießt hierbei hohe Priorität: Abgestimmte Konzepte für einen vielfältigen Branchenmix, gemeinsame Marketing-Aktivitäten und Fortbildungen in Form von Workshops und persönliche Beratung sind wesentliche Schwerpunkte. Darüber hinaus sind weitere kleine Erfolge im Flächenmanagement zu verzeichnen, die auf Synergieeffekte und eine positive Entwicklung des Einzelhandelsbesatzes hoffen lassen.

Handlungsfelder 

  • Handel: Citymanagement und Verfügungsfonds; Geschäftsflächenmanagement und abgestimmte Aktivitäten der Einzelhändler
  • Straßen- und Platzgestaltung (Stadteingänge und Verkehrsführung)
  • Aufwertung von Grün- und Freiflächen
  • Stadtbildpflege
  • Städtebauliche Neuordnung
  • Öffentlichkeitsarbeit, Kooperation und intensive Bürgerbeteiligung

Einzelmaßnahmen

  • Repräsentative Bürgerbefragung (2009)
  • Citymanagement (seit 2011)
  • Verfügungsfonds (seit 2011)
  • Aufwertung Marktplatz (Fertigstellung 2012)
  • Mehrfachbeauftragung für ein Schlüsselgrundstück (städtebaulicher Wettbewerb) (2012)
  • Umgestaltung der östlichen Kaiserstraße (Fertigstellung 2013)
  • Gestaltungsleitlinien (2014)
  • Haus- und Hofprogramm/Fassadeninitiative (seit 2014)
  • Umgestaltung des Schloßmacherplatzes und der Schloßmacherpassage (2015)
  • Besucherleitsystem (2015/16)
  • Umgestaltung Innenstadteingang Ost/Ausfahrt Oststraße durch Bau eines Kreisverkehrs (2016)
  • Aufwertung Grün- und Freiflächen Burgstraße + Parc de Châteaubriant (geplant)
  • Geschäftsflächenmanagement (einschließlich Internetportal) (dauerhaft)
  • Betreiberkonzepte als Anstoß für Immobilieneigentümer (dauerhaft)
  • Lichtkonzept (Umsetzung sukzessive mit Bauabschnitten seit 2012)
  • Bürgerwerkstätten/ -foren (Marktplatz/Schloßmacherplatz, -passage)
  • Stadtteilzeitungen

Finanzierung

Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008/09Integriertes Handlungskonzept
2009Bürgerbefragung
2010Aufnahme in das Zentrenprogramm / Ratsbeschluss Sanierungssatzung und Vergaberichtlinien Verfügungsfonds
2011Start der Programmumsetzung / Gründung Verein Citymanagement Radevormwald, Eröffnung des Vor-Ort-Büros / Mehrfachbeauftragung Schlüsselbaublock ("städtebaulicher Wettbewerb") / Einrichtung des Verfügungsfonds
2012

Umgestaltung des Marktplatzes / Beginn Umsetzung Lichtkonzept (sukzessive mit Umbaumaßnahmen)

2013Umgestaltung östliche Kaiserstraße
2014Gestaltungsleitfaden / Haus- und Hofprogramm/Fassadeninitiative / Beginn Umgestaltung Schloßmacherplatz
2015Eröffnung Schloßmacherplatz mit Schloßmacherpassage / Installation Besucherleitsystem
2016Umbau Kreuzung Hohenfurstraße/Kaiserstraße zum Kreisverkehr


Besonderheiten

Kooperatives Handeln ist die Basis der Maßnahme. Grundlegendes Verständnis der verantwortlichen Akteure in der Stadtverwaltung ist, dass sich nur durch funktionierende Netzwerke und Kommunikation, gemeinsam getragene und aufeinander abgestimmte Maßnahmen sowie Rückhalt in der Bevölkerung eine langfristig tragfähige Stabilisierung erreichen lässt und die Innenstadtentwicklung zum Erfolg führt. Gestärkt werden soll die gemeinsame Verantwortung für die Innenstadt.

Das partnerschaftliche Handeln umfasst sowohl die Zusammenarbeit unterschiedlicher kommunaler Akteure, die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und Einzelhändlern, Gewerbetreibenden und Eigentümern als auch mit Bürgerinnen und Bürgern. Im Rahmen der Fördermaßnahme ist es zudem gelungen, die Zusammenarbeit der Einzelhändler und Gewerbetreibenden untereinander zu stärken und handlungsfähige Strukturen zu etablieren. Gemeinsame Maßnahmen und Aktionen wurden umgesetzt, die die Innenstadt stärken und die kommunalen Investitionen in den öffentlichen Raum ergänzen.

Die Einrichtung des Citymanagements und des Verfügungsfonds sind Ausdruck des kooperativen Handlungsansatzes. Dabei ist die Organisationsform des Citymanagements als Verein hervorzuheben, da dadurch die an der Innenstadtentwicklung interessierten Akteure in den Entwicklungsprozess direkt eingebunden werden und Verantwortung übernehmen. Die erfolgreiche Mittelakquise für den Verfügungsfonds zeigt, dass sich private Akteure für die Innenstadt engagieren.

Lernerfahrungen

Die Verknüpfung der baulichen Maßnahmen im Zentrenprogramm mit dem Citymanagement und dem Verfügungsfonds ist in Radevormwald ein zentraler und gut funktionierender Baustein der Innenstadtentwicklung. Intensive Kommunikationsprozesse und eine transparente Vorgehensweise sind dabei entscheidende Parameter.

Die bauliche Umsetzung mündete mit der Umgestaltung des Marktplatzes und der Kaiserstraße in positive Resonanzen der Bevölkerung, der ansässigen Gastronomen und Einzelhändler, obwohl zu Beginn des Prozesses zahlreiche kritische Stimmen gegenüber den Umgestaltungsmaßnahmen zu vernehmen waren. Für die positive Entwicklung verantwortlich ist vor allem das Kommunikationskonzept während der Baustellenphasen, das im Rahmen des "Baustellenmarketings" kooperativ zwischen Citymanagement, der Stadt Radevormwald, dem ausführenden Bauunternehmen und anliegenden Einzelhändlern abgestimmt wurde.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen


Gemeinde

Stadt Radevormwald


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2010


Projektende

Voraussichtlich 2018


Größe des Gebietes

Circa 16 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 1,27 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Radevormwald
Herr Burkhard Klein
Hohenfuhrstraße 13
42477 Radevormwald
Tel.: +49 2195 606162
E-Mail: burkhard.klein@radevormwald.de

Citymanagement Radevormwald e.V.
Herr Dr. Siegbert Panteleit
Hohenfuhrstraße 6
42477 Radevormwald
Tel.: +49 151 15121582
E-Mail: info@citymanagement-radevormwald.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Stadt zur Innenstadtentwicklung

Vergaberichtlinien Verfügungsfonds

Citymanagement Radevormwald e.V.

Praxisbeispiel "Verfügungsfonds Radevormwald"


Stand

Februar 2017

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