Navigation und Service

Schierling - Ortskern

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Öffentlicher Raum / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation / Einsatz von Verfügungsfonds

Zusammenfassung

Kulturzentrum in Deutschland ältestem Schulhaus Kulturzentrum in Deutschland ältestem SchulhausKulturzentrum in Deutschland ältestem Schulhaus Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Das Projektgebiet liegt im Zentrum der Gemeinde Schierling. Auf Basis eines intergierten Entwicklungskonzeptes werden im Ortskern Gebäude und Brachflächen saniert und neu genutzt sowie der öffentliche Raum aufgewertet und umgestaltet. Durch einen intensiven Bürgerbeteiligungsprozess und die Einrichtung eines Verfügungsfonds wurden öffentlich-private Partnerschaften angestoßen und Investitionen aktiviert, die dazu beitragen, die Funktionsvielfalt im Ortskern zu steigern.

Kontext

Die Marktgemeinde Schierling mit etwa 7.500 Einwohnern liegt südlich von Regensburg in der Oberpfalz und entwickelte sich in den letzten 50 Jahren von einem Ort mit bäuerlich-ländlicher Prägung zu einem Unterzentrum mit gewerblich-industriellem Schwerpunkt. Anfang der 2000er Jahre wurde ein umfangreicher Stadtmarketingprozess angestoßen, begleitend dazu konnten durch Zuwendungen aus der Städtebauförderung die Umgestaltung des Rathausplatzes und der Ankauf von Brachflächen realisiert werden. Die Schaffung eines neuen Geschäftszentrums scheiterte jedoch an fehlenden oder zögerlich handelnden Investoren. Dadurch waren zentrale Lagen der Gemeinde für einen langen Zeitraum durch Unternutzungen und Brachflächen geprägt, was sich negativ auf das Ortsbild auswirkte. Eine neue Ortsumgehung der Bundestraße 15, die Ende 2010 für den Verkehr freigegeben wurde, trägt zur Entlastung des Ortskerns vom Durchgangsverkehr bei und hat auch im Verkehrsbereich die Chance für eine Neuordnung der städtebaulichen Struktur eröffnet.

Projektbeschreibung

Nach der Aufnahme des Ortskerns in das Zentrenprogramm im Jahr 2008 wurde ein umfassender Beteiligungsprozess angestoßen und ein integriertes gesamtörtliches Entwicklungskonzept erarbeitet, das im Jahr 2013 beschlossen wurde. Mit ihm werden bestehende Gemeindeentwicklungsstrategien, die im Rahmen eines Stadtmarketingprozesses in den Jahren 1999/2000 erarbeitet wurden, aktualisiert und um integrierte Handlungsansätze erweitert. Das integrierte Entwicklungskonzept beinhaltet auch ein Einzelhandelskonzept und ein "städtebauliches Innenkonzept". Kern des 2013 beschlossenen Konzeptes sind die Stärkung des Ortskerns durch Aufwertungsmaßnahmen und die Qualifizierung des Versorgungsangebots, die Hinwendung des Ortes zum Fluss sowie der Ausbau und die Erneuerung von Grün- und Freiflächen. Ziel ist es, Schierling als Mehrgenerationenort weiter zu entwickeln. Grundeigentümer werden für Fragen der Sanierung und Gestaltung aktiviert und sensibilisiert, um die Instandsetzung von ortsbildprägenden Gebäuden anzustoßen.

Ziele der Ortskernentwicklung sind, die Nahversorgung zu sichern, die Wohnfunktion zu stärken und ein "Haus der Begegnung" zu realisieren. Das "Haus der Begegnung" bündelt verschiedene soziale und kulturelle Einrichtungen. Im Jahr 2013 ist es gelungen, einen Betreiber für einen Lebensmittelmarkt im Ortskern zu finden. Das Gebäude, errichtet durch einen lokalen Investor, wird neben Büroräumen, Flächen für Gastronomie und der Polizeiwache auch die Bibliothek und einen Familienstützpunkt beherbergen und damit die Funktion des Hauses der Begegnung erfüllen. Das aktive Standortmarketing und das kommunale Flächenmanagement haben zudem dazu geführt, dass sich im Ortskern ein kleines Fachärztezentrum ansiedelte.

Wichtige Impulsprojekte für die Erhöhung der Anziehungskraft des Ortskerns sind die Aufwertung des Rathausumfeldes und der Ortsdurchfahrt, wodurch die Aufenthaltsqualität gestiegen ist. Seit 2011 ist die Sanierung des "ältesten Schulhauses Deutschlands" (erbaut im Jahr 1608) abgeschlossenen. In Kooperation mit dem Heimatverein entstand ein touristischer Anziehungspunkt und kultureller Treff- und Veranstaltungsort im Ortskern. Bei der behutsamen Sanierung wurde eine hohe architektonische Qualität hergestellt. Um den Tourismus zu stärken ist darüber hinaus geplant, das größtenteils ungenutzte Geländes der Schierlinger Brauerei in zentraler Lage zu einer Besucherbrauerei umzubauen. Ein neues Hotel im Ortskern soll Schierling als Wirtschaftsstandort und touristisches Ziel stärken. Hierfür hat die Gemeinde das Grundstück eines ehemaligen Lebensmitteldiscounters erworben und es für die Realisierung eines Hotels gesichert.

Eine herausragende Rolle im Gesamtprozess kommt der Information und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger zu: Bereits die Auftaktveranstaltung zum Gemeindeentwicklungsprozess war mit 230 Personen sehr gut besucht. Es folgten eine Zukunftskonferenz im Januar 2010 sowie eine Planungswerkstatt im März 2010. Das dadurch angestoßene Engagement mündete in eine dauerhafte, prozessbegleitende Beteiligung der Bewohner, Gewerbetreibenden und Eigentümer und wird durch die zahlreichen Öffentlichkeitsveranstaltungen, Beratungsmöglichkeiten und Arbeitskreise gefördert. Auch wurde ein Verfügungsfonds eingerichtet, für den private Mittel eingeworben wurden. 2013 wurde eine "kommunale Selbstreflexion" durchgeführt.

Rege Beteiligung bei einer Planungswerkstatt Rege Beteiligung bei einer PlanungswerkstattRege Beteiligung bei einer Planungswerkstatt Quelle: Fritz Wallner / Markt Schierling

Handlungsfelder 

  • Schaffung von Funktionsvielfalt
  • Öffentlicher Raum
  • Nahversorgung und Infrastruktur (Kulturzentrum/Haus der Begegnung)
  • Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung
  • Kooperation und partnerschaftliche Zusammenarbeit
  • Aufbau von Fremdenverkehr und Tourismus

Einzelmaßnahmen

  • Erarbeitung eines integrierten, gesamtörtlichen Entwicklungskonzeptes unter breiter öffentlicher Beteiligung
  • Sanierung des "ältesten Schulhauses Deutschlands" und Umbau zu einem Heimat- und Kulturzentrum
  • Haus der Begegnung im Ortskern (Lebensmittelmarkt mit Bücherei, Familienstützpunkt und Polizeiwache)
  • Aufwertung Rathausumfeld
  • Stadtverträgliche Umgestaltung der Ortsdurchfahrt
  • Ankauf einer zentral gelegenen Brache als zukünftigen Hotelstandort
  • Einbeziehung der Jugendlichen im Rahmen der Jugendtagsveranstaltung "DemoCrazy"
  • Einrichtung eines Beachvolleyballfeldes als Ergebnis der Jugend-Bürgerbeteiligung
  • Bürgerinformation unter anderem durch die Stadtzeitungen "Schierling-Vorsprung-Echo" und "SCHIERLING-EXKLUSIV"
  • Umbau eines zentral gelegenen Gewerbeareals zu einer Erlebnis- und Besucherbrauerei (in Planung)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Auftaktveranstaltung / Erstellung einer Einzelhandelsanalyse / Kommunaler Jugendtag "DemoCrazy" / Einrichtung des Verfügungsfonds
2010Zukunftskonferenz / Planungswerkstatt / Informationsveranstaltung "Sanierungsberatung" / Diskussion der Vorschläge aus der Bürgerbeteiligung durch Experten, Erarbeitung von Vorschlägen zur Umsetzbarkeit und Vorstellung der verschiedenen Möglichkeiten / Prozessbegleitung durch eine Lenkungsgruppe
2010- 2012Umgestaltung Rathausumfeld und Ortsdurchfahrt
2011Abschluss der Sanierungen am "ältesten Schulgebäude Deutschlands" / Grundstückserwerb für zukünftigen Hotelstandort
2013Beschluss des integrierten gesamtörtlichen Entwicklungskonzepts / Durchführung einer kommunalen Selbstreflexion
2014Baubeginn "Haus der Begegnung"
2015Eröffnung Lebensmittelmarkt im "Haus der Begegnung"
2016Fertigstellung "Haus der Begegnung": Eröffnung Bücherei, Familienstützpunkt, Polizeiwache und medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)


Besonderheiten

Durch die Einrichtung eines Verfügungsfonds konnten zusätzliche Privatinvestitionen in Höhe von bislang circa 25.000 Euro akquiriert werden. Über die Verwendung entscheidet ein Gremium aus sechs Personen (Bürgermeister, vier Bürgervertreter, ein Vertreter der Gemeindeverwaltung). Mit Mitteln des Verfügungsfonds wurden unter anderem der kommunale Jugendtag "DemoCrazy", eine Einzelhändler-Aktion und die Anschaffung eines transportablen Präsentationsstandes für das Modellvorhaben "Leben findet Innenstadt - öffentlich-private Kooperationen zur Standortentwicklung" finanziert.

Schierling ist zudem eine der ersten Gemeinden bundesweit, die eine jährliche Evaluierung und kommunale Selbstreflexion zur Verwirklichung ihres Konzeptes durchführte. In der Evaluierung untersuchte die Lenkungsgruppe, inwiefern die Ziele und Maßnahmen des gesamtörtlichen Entwicklungskonzepts realisiert wurden, welche neuen Herausforderungen auftreten und inwiefern Anpassungsbedarf an neuen Gegebenheiten notwendig ist. Das Ergebnisprotokoll des öffentlichen Evaluierungs- und Reflexionstermin ist auf den Internetseiten der Stadt veröffentlicht.

Lernerfahrungen

In Schierling ist es gelungen, den hohen Anspruch einer umfassenden Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Planung und Umsetzung des Ortsentwicklungsprozesses zu verwirklichen. Zum Gelingen hat beigetragen, dass an Potenziale in der Bevölkerung angeknüpft wurde. Dazu zählen ein großes Traditionsbewusstsein mit einhergehendem Engagement in Vereinen und Institutionen sowie das Bewusstsein für die Stärken und Schwächen von Schierling und der Wille, aktiv mitzugestalten. Um langfristig die lokale Identität zu stärken, wurden bei der Bürgerbeteiligung insbesondere die Interessen von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt. Hervorzuheben sind der kommunale Jugendtag "DemoCrazy" und der Workshop "Jugend mischt mit. Demokratie leben. Ideen für Schierling" mit Vertretern aus Politik und Verwaltung, die einen Beitrag für eine jugendfreundliche Kommunalentwicklung leisten. Die Gemeinde hat zudem belegen können, dass eine Umsetzung der formulierten Ideen kurzfristig und unbürokratisch erfolgen kann: Der größte Wunsch der Jugendlichen, ein Beachvolleyballfeld, wurde innerhalb von drei Wochen erfüllt.

Hervorzuheben ist auch die Konsequenz, mit der in Schierling die Stärkung des Ortskerns vorangetrieben wird. Der Ansiedlung des Lebensmittelmarktes ging eine mehrjährige Phase voraus, in der aktiv um Investoren geworben wurde, um sie vom innerörtlichen Standort zu überzeugen. Die Aussicht auf Investitionen am Gemeinderand wurde gegenüber einer nachhaltigen Flächenpolitik zur Stärkung des Ortskerns zurückgestellt. Es musste auch ein Bürgerbegehren abgewehrt werden, das sich gegen das kommunale Ansiedlungsverbot von Einzelhandel am Gemeinderand richtete. Das abgestimmte Handeln zwischen Politik und Verwaltung und ihre Beharrlichkeit bei der Verfolgung des Ziels, einen Nahversorger im Ortskern anzusiedeln, hat letztendlich zum Erfolg geführt. Das 2016 fertig gestellte Haus der Begegnung mit seiner multifunktionalen Nutzung trägt zur langfristigen Stabilisierung des Ortskerns bei.

Zusatzinformationen

Bundesland

Bayern


Gemeinde

Schierling


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2008


Projektende

Voraussichtlich 2018


Größe des Gebietes

18 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 911.500 Euro


Gebietstypus

Ortszentrum


Kontaktdaten

Markt Schierling
Herr Manuel Kammermeier
Rathausplatz 1
84069 Schierling
Telefon: +49 9451 930212
E-Mail: m.kammermeier@schierling.de


Link / weitere Informationen

Entwicklungsprozess der Marktgemeinde Schierling


Stand

Februar 2017

Diese Seite