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Siegen - Siegen zu neuen Ufern

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk und Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Öffentlicher Raum / Mobilität / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Das Fördergebiet umfasst die Siegener Kernstadt mit der Ober- und Unterstadt, zwischen denen der Fluss Sieg verläuft. Die am Hang gelegene Oberstadt ist durch steile Straßen und eine kleinteilige, teilweise historische städtebauliche Struktur geprägt. In der Unterstadt dominieren moderne, vier- bis fünfgeschossige Geschäftsgebäude, große Einkaufskomplexe und Verwaltungsbauten. Im Zuge des Strukturwandels und der Veränderungen im Einkaufsverhalten hat sich der Hauptgeschäftsbereich, insbesondere durch die Ansiedlung von zwei Einkaufszentren, von der Oberstadt zunehmend in die Unterstadt verlagert.

Die Stadt Siegen begegnet diesem strukturellen Wandel durch eine Vielzahl von Maßnahmen, die in einem integrierten Entwicklungskonzept und unter dem Leitbild "Siegen zu neuen Ufern" zusammengefasst sind. Ziel ist es, die Nutzungsvielfalt und Aufenthaltsqualität zu steigern, um damit die Innenstadt zu stabilisieren. Zentrale Projekte sind die Freilegung der Sieg und die Schaffung eines neuen innerstädtischen Universitätscampus in der Oberstadt. Die Planung und Umsetzung der Maßnahmen wird durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit begleitet.

Kontext

Siegen mit seinen derzeit circa 100.000 Einwohnern ist die größte Stadt Südwestfalens und Oberzentrum. Die Kreisstadt des Kreises Siegen-Wittgenstein liegt rund 90 Kilometer östlich von Köln im Tal der Sieg.
Die Siegener Innenstadt hat seit den 1970er Jahren eine Fußgängerzone und konnte sich als vitaler Einzelhandelsstandort zunächst gut behaupten. Im Zuge der Umstrukturierung des Einzelhandels und aufgrund sinkender Investitionsbereitschaft verlor die Innenstadt an Anziehungskraft. Der Bau von zwei Einkaufszentren in der Unterstadt führte zusätzlich zu einer zunehmenden Verlagerung von Besucherströmen, was erhebliche Attraktivitäts- und Kaufkraftverluste in der Oberstadt nach sich zog. Zudem war das potenziell stadtbildprägende Flussbett der Sieg für viele Jahre durch überkragende Bauten wie die Siegplatte (Parkplatzfläche über dem Fluss) in der Unterstadt kaum wahrnehmbar.

Projektbeschreibung

Im Rahmen der Gesamtmaßnahme "Siegen zu neuen Ufern" erfolgt eine umfassende Neuprofilierung der Innenstadt. Sie soll nicht nur durch die Stabilisierung der Einzelhandels-, Gewerbe- und Dienstleistungsfunktion attraktiviert und wiederbelebt werden, sondern auch durch eine Nutzungsanreicherung als Wohn-, Bildungs- und Kulturstandort gestärkt werden.

Zentrale Maßnahme ist der "Campus Unteres Schloss", ein innerstädtischer Standort der Universität Siegen in der Oberstadt. Hierfür werden derzeit leer stehende Gebäude (Unteres Schloss und Krankenhaus) umgebaut und eine neue Universitätsbibliothek geschaffen. Bislang außerhalb der Innenstadt verortete Universitätsstandorte werden hierin verlagert. Mit dem Campus lassen sich sowohl eine neue Belebung der Oberstadt erreichen als auch universitäres Leben stärker in die Innenstadt integrieren. Für den Campus rund um den Schlosshof wird auch ein angrenzendes Kaufhaus einbezogen. Zu diesem Zweck werden Teilflächen (bislang Lagerflächen) des Kaufhauses für universitäre Zwecke umgebaut und die dem Schlosshof zugewandte Fassade neu gestaltet.

Neugestaltetes Ufer der Sieg Neugestaltetes Ufer der SiegNeugestaltetes Ufer der Sieg Quelle: Plan und Praxis, Berlin

In Ergänzung zur Ansiedlung des "Campus Unteres Schloss", aber auch im Zuge der generellen Neuausrichtung der Entwicklung der Innenstadt werden das innerstädtische Wohnen für Studenten, Familien und ältere Menschen in der Oberstadt gefördert und private Eigentümer bei der Sanierung ihrer Gebäude unterstützt. Diese Maßnahmen werden durch eine gezielte Ansiedlungspolitik im Einzelhandel flankiert. Bereits seit vielen Jahren wird zum Erhalt der Vitalität der Oberstadt und als Gegenstück zum stärker filialisierten Einzelhandel in der Unterstadt ("Berg der Fachgeschäfte")der inhabergeführte, spezialisierte und kleinteilige Einzelhandel gefördert. Beispielsweise wurde ein ehemaliges Warenhaus zum innerstädtischen Nahversorgungspunkt mit Lebensmittelvollsortimenter und Drogerie ausgebaut. Diese Angebote werden durch die Stadtbibliothek, das Stadtarchiv und die Volkshochschule ergänzt.

Als weiterer zentraler Baustein der Innenstadtaufwertung wird das Siegufer und sein städtebauliches Umfeld umgestaltet. Die Sieg, in der Innenstadt bislang von einer Parkplatzfläche ("Siegplatte") bedeckt und nicht erlebbar, wird in das Stadtgefüge integriert, indem die Siegplatte abgerissen, neue Aufenthaltsbereiche am Ufer gestaltet und angrenzender Straßen (unter anderem die Sandstraße) stadtverträglich umgestaltet wurden. Auch die Fußgängerzone und zentrale Platzräume werden aufgewertet und damit die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt verbessert. Grundlage für die Umgestaltungsmaßnahmen ist ein freiraumplanerischer Wettbewerb.

Handlungsfelder 

  • Nutzungsanreicherung (Wohnen, Bildung, Kultur)
  • Öffentliche Einrichtungen
  • Öffentlicher Raum
  • Verkehr
  • Stadtgestalt und Baukultur
  • Öffentlichkeitsarbeit

Einzelmaßnahmen

Baustellenmarketing in der Fußgängerzone Baustellenmarketing in der FußgängerzoneBaustellenmarketing in der Fußgängerzone Quelle: Uwe Altrock

  • Erstellung eines integrierten Handlungskonzeptes Innenstadt als Teil eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes
  • Anpassung des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes an aktuelle und zukünftige Entwicklungen in den zentralen Bereichen
  • Erstellung eines Handlungskonzeptes Wohnen
  • Umnutzung des Unteren Schlosses zum "Campus Unteres Schloss" als Teil der Universität Siegen
  • Durchführung eines europaweiten freiraumplanerischen Wettbewerbes zur Neugestaltung der zentralen Innenstadtbereiche
  • Freilegung der Sieg und Beseitigung der Siegplatte, Umgestaltung der Uferbereiche
  • Umgestaltung Sandstraße (Reduzierung von Fahrspuren, Verbreiterung von Gehwegen, Schaffung von Aufenthaltsflächen)
  • Öffentlichkeitsarbeit (Internetseite, Flyer, Aktionen, wie Abrissparty Siegplatte, Baustellenführung mit dem Bürgermeister, Architekturabende der Universität)
  • Baustellenmanagement als interaktive Form der Kooperation und Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern
  • Sanierung Stadtmauer

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Aufnahme in das Zentrenprogramm
2009Durchführung des freiraumplanerischen Wettbewerbs zur Freilegung der Sieg und Gestaltung des öffentlichen Raum in der Innenstadt
2010Integriertes Handlungskonzept Innenstadt "Siegen – Zu neuen Ufern"
2012Freilegung der Sieg und Beseitigung der Siegplatte, Beginn der Uferumgestaltung
2013Abschluss der Umgestaltung der Sandstraße / Sanierung Stadtmauer / Grundsteinlegung für den Umbau des Unteren Schlosses zum "Campus Unteres Schloss"
2014Beginn der Umgestaltung der Einkaufs- und Fußgängerzone in der Kölner Straße
2015Fertigstellung der umgestalteten Bahnhofstraße (Fußgängerzone)
2016Eröffnung des umgestalteten Ufers der Sieg
2017Abschluss der Umgestaltung der Kölner Straße (geplant)


Besonderheiten

Eine Besonderheit der Maßnahme ist die Einbindung des Projektes in die REGIONALE. Bei den REGIONALEN handelt es sich um zeitlich befristete Strukturprogramme in unterschiedlichen Regionen des Landes Nordrhein-Westfalen. Die REGIONALE bietet im Turnus von drei Jahren einer ausgewählten Region die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Das Strukturprogramm versteht sich gleichermaßen als Leistungsschau der Region und als regionaler Lernprozess. In diesem Rahmen werden Projekte mit hohem Qualitäts- und Modellanspruch in einem Qualifizierungsprozess organisiert. Die zertifizierten Projekte werden aus den bestehenden Förderprogrammen, in Siegen aus dem Zentrenprogramm, prioritär gefördert.

Aufgrund des Qualifizierungsschubs der REGIONALE und der konsequent verfolgten Mittelkonzentration konnten in einem kurzen Zeitraum ausgewählte Schlüsselmaßnahmen finanziert werden. Mit ihrer Umsetzung wurden entscheidende Entwicklungsimpulse ausgelöst. Eine substanzielle Aufwertung wurde erreicht und damit eine gute Grundlage geschaffen, die Innenstadtaufwertung auch nach Ende der REGIONALE mit Unterstützung aus dem Zentrenprogramm zukünftig in der Breite weiter umzusetzen.

Im Rahmen der der Umgestaltungsmaßnahmen wurde ein umfassender Anspruch an Bau- und Prozesskultur etabliert. Städtebauliche Wettbewerbe sind die Grundlage für alle wichtigen Entscheidungen der Innenstadtentwicklung und sichern eine hohe Gestaltqualität. Ergänzend dazu wurden die Baumaßnahmen durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit, ein Baustellenmarketing und umfassende Informationsangebote zum Umgestaltungsprozess begleitet. Seit 2011 gibt es zudem die "Stadtbild Offensive Siegen – gemeinsam aktiv für eine schöne Stadt". Der "Werkzeugkasten" der Stadtbildoffensive umfasst Bauberatungen zur Fassadengestaltung, einen Gestaltungskompass als Orientierungshilfe für Neubau-, Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, eine Gestaltungs- und Werbeanlagensatzung, einen Leitfaden für Sondernutzungen im öffentlichen Raum sowie ein Kommunales Fassadenprogramm. Aktionen für Sauberkeit und Initiativen wie "Kunst gegen Graffiti" und ein Stadtbildpreis sind öffentlichkeitswirksame Maßnahmen, um auf Missstände und Qualitäten hinzuweisen.

Lernerfahrungen

Die aktiv durch die Stadt verfolgte Nutzungsanreicherung in der Oberstadt ist hervorzuheben. In Siegen konzentrierten sich frühere Entwicklungsansätze auf Einzelhandel und die Behebung von Leerständen in Ladenlokalen. Jetzt steht im Vordergrund, neue Nutzungen in der Innenstadt zu etablieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Bereich Bildung und Wohnen. Durch die Ansiedlung der Universität in der Oberstadt wird nicht nur großflächiger Leerstand reaktiviert, sondern das Image der Innenstadt langfristig positiv beeinflusst.

Mit zum Gelingen der Gesamtmaßnahme mit ihren ambitionierten Projekten wie dem "Campus Unteres Schloss" trägt ein konsequent integrierter Handlungsansatz bei. Dieser umfasst sowohl inhaltliche, zeitliche und räumliche Aspekte. Die Öffentlichkeit wird intensiv einbezogen und unterschiedliche Ressorts arbeiten eng zusammen. Der integrierte Handlungsansatz ermöglicht es, Chancen, die sich durch die REGIONALE, eine boomende Universität, die Sanierungsbedürftigkeit der Siegplatte und den Leerstand des Schlosses ergaben, strategisch für eine Neuausrichtung der Innenstadt zu nutzen und die Entwicklungen aktiv zu steuern.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen


Gemeinde

Siegen


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

2011


Projektende

Voraussichtlich 2017


Größe des Gebietes

178 Hektar


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2015: 6,75 Millionen Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadt Siegen
Herr Eckhardt Weidt
Rathaus Weidenau
Weidenauer Straße 211-213
57076 Siegen
Tel. +49 271 404 3279
E-Mail: e.weidt@siegen.de


Link / weitere Informationen

Webseite zum Projekt Siegen zu neuen Ufern

Projektsteckbrief auf der Webseite der Regionale 2013


Stand

Februar 2017

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