Navigation und Service

Wittlich - Stadtzentrum

Schwerpunkte: Konzepte / Handel, Handwerk, Dienstleistungen / Wohnen und öffentliche Einrichtungen / Stadtgestalt und Baukultur / Mitwirkung und Kooperation

Zusammenfassung

Im Fokus des Innenstadtentwicklungskonzeptes der Stadt Wittlich liegt die historische Altstadt, deren Bausubstanz erheblichen Erneuerungsbedarf aufweist. Es ist ein zunehmender Leerstand bei Gewerbe- und Wohnflächen zu verzeichnen. Zur Erarbeitung eines integrierten Entwicklungskonzepts für die Innenstadt wurde ein umfangreicher Prozess angestoßen. In Abstimmung mit verschiedenen Akteuren der Innenstadt erarbeitete die Stadtverwaltung Wittlich themenübergreifend Ziele und Maßnahmen, die im Rahmen des Zentrenprogramms realisiert werden sollen. Der Schwerpunkt liegt auf Erhalt und Ausbau des innerstädtischen Wohnens und auf der Stärkung des Einzelhandels.

Kontext

Die Stadt Wittlich in der Südeifel ist mit circa 19.000 Einwohnern die größte Stadt zwischen Trier und Koblenz. Das Stadtzentrum ist charakterisiert durch eine historisch gewachsene städtebauliche Struktur mit markanten Plätzen und Stadträumen sowie durch kleinteilige Bauten mit hauptsächlich zwei- bis drei Stockwerken, die überwiegend aus dem 19. Jahrhundert stammen.

Die Innenstadt hat in den vergangenen Jahren ihre Anziehungskraft und Funktionsfähigkeit teilweise eingebüßt, ausgelöst durch einen hohen Investitionsstau und nicht mehr adäquat nutzbare Wohn- und Gewerbeflächen. Vor allem alteingesessene Einzelhändler haben ihr Geschäft in der Fußgängerzone aufgegeben. Auch eine Vielzahl der über den Gewerbeflächen liegenden Wohnungen ist sanierungsbedürftig, so dass das Wohnen in der Innenstadt immer mehr an Bedeutung verliert. Die Maßnahmen im Zentrenprogramm knüpfen an umfassende, Mitte der 1970er Jahre begonnene Sanierungsmaßnahmen an, deren Schwerpunkt in der Verbesserung der technischen und sozialen Infrastruktur sowie des öffentlichen Raumes lag. Mit dem Zentrenprogramm wird der Schwerpunkt auf die Förderung privater Maßnahmen, insbesondere im Bereich der Sanierung von Wohn- und Geschäftsflächen, sowie auf die Neuschaffung von Wohnraum gelegt.

Projektbeschreibung

Die Umsetzung der Maßnahmen orientiert sich am Innenstadtentwicklungskonzept, das die verschiedenen Handlungsfelder in Zusammenhang bringt. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Integration aller Akteure der Innenstadt. Dabei wird großer Wert gelegt auf eine gezielte Berücksichtigung der Interessen von Bewohnern, Eigentümern und Gewerbetreibenden. Auf der investiven Ebene kommt den Maßnahmen zur Stärkung der Wohnfunktion eine zentrale Bedeutung zu, die sowohl Sicherung und Sanierung als auch Abriss und Neubau umfassen. Vorrang hat die Sanierung des Gebäudebestands unter Berücksichtigung der aktuellen energetischen Standards. Ergänzend dazu soll die Aufenthaltsqualität für Anwohner, Kunden und Besucher der Innenstadt durch gezielte Aufwertungsmaßnahmen im öffentlichen Raum gesteigert werden. Die Kleinteiligkeit der historischen Stadtstruktur soll erhalten und die verschiedenen sozialen und kulturellen Infrastruktureinrichtungen sollen besser miteinander vernetzt werden.

Die Erstellung des Innenstadtentwicklungskonzeptes wurde von einer breiten Bürgerbeteiligung begleitet, die sowohl Einwohnerversammlungen und Stadtspaziergänge als auch eine umfangreiche schriftliche Befragung und gezielte Eigentümergespräche umfasste.

"Altstadt, die Neue" "Altstadt, die Neue""Altstadt, die Neue" Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Es konnten bereits konkrete bauliche Maßnahmen umgesetzt werden, z. B. das Projekt "Altstadt, die Neue". Hier wurde im städtebaulichen Kontext der Altstadt ein neues, kleinteiliges Quartier mit Funktionsmischung realisiert. Sechs unbewohnte Gebäude in desolatem Zustand wurden dazu abgerissen und durch zwei moderne und barrierefreie Gebäude mit 16 Wohnungen und einer Tiefgarage ersetzt. Durch die Baumaßnahme entstanden ein neuer innerstädtischer Platzbereich und eine Fußgängerpassage. Auf einer ehemaligen gewerblichen Brache im Fördergebiet entstand das "Lieser-Domizil", eine moderne barrierefreie Wohnanlage mit 29 Wohneinheiten und Tiefgarage am Ufer der Lieser. Ein weiteres Großprojekt, die Sanierung der "Posthalterei" direkt am Marktplatz mit einem Investitionsvolumen von 10 Mio. Euro, wird derzeit umgesetzt. Das denkmalgeschützte Gebäude wird umfassend saniert, barrierefrei umgebaut und das historische Erscheinungsbild wieder hergestellt. Im Erdgeschoss entsteht ein Restaurant, in den Obergeschossen werden repräsentative Räume geschaffen, die die Stadt für kulturelle Veranstaltungen, Empfänge und Trauungen nutzt. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2015 geplant.

Mit zwischenzeitlich 36 geförderten privaten Einzelmaßnahmen konnte bislang ein Investitionsvolumen von ca. 24 Mio. Euro in der Innenstadt generiert werden.

Handlungsfelder 

  • Stadtbild / Stadtgestalt / Baustruktur
  • Wohnen
  • Einzelhandel
  • Soziale Infrastruktur
  • Verkehrsinfrastruktur
  • Grün- und Freiraumstruktur
  • Klimaschutz / Umwelt
  • Tourismus / Freizeit

Einzelmaßnahmen

  • Erstellung des integrierten Handlungskonzeptes für die Altstadt
  • Sanierung, Modernisierung und Neubau von Wohn- und Geschäftsräumen, z. B. Projekt "Altstadt, die Neue", "Lieser-Domizil" und "Alte Posthalterei"
  • Konzeption und Neugestaltung öffentlicher Plätze und Räume
  • Entwicklung von Brachen und nicht- bzw. mindergenutzten Flächen
  • Rückbau von Nebengebäuden sowie Entsiegelung von Höfen zur Steigerung der Wohnqualität
  • Analytische Vorbereitung und Erstellung eines Verkehrs- und Parkraumkonzepts
  • Ausgabe von Beratungsgutscheinen an Eigentümer
  • Stärkung der Zusammenarbeit von Einzelhändlern

Finanzierung

Bund-Länder-Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2009Einrichtung eines Runden Tisches / Aufnahme in das Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" / Beschluss über die Festlegung des vorläufigen Untersuchungsgebietes
2010Einwohnerversammlung mit Information über das Förderprogramm / Beteiligung der Eigentümer und Einzelhändler durch Versendung von Fragebögen / Beginn erster Sanierungs- und Neubaumaßnahmen
2011Ausgabe von Beratungsgutscheinen für investitionswillige Eigentümer / Fertigstellung des Innenstadtentwicklungskonzepts
2012Öffentlicher Workshop (Werkstatt Innenstadt) in Form eines World-Cafes / Abschluss erster Sanierungs- und Neubaumaßnahmen
2013Fertigstellung Neubauvorhaben "Altstadt, die Neue" und Lieser Domizil
2014Beginn Umbau Alte Posthalterei


Besonderheiten

Die Erarbeitung des Innenstadtentwicklungskonzepts erfolgte ohne Beteiligung eines externen Fachbüros durch die Stadtverwaltung Wittlich. Die Verwaltung arbeitet kooperativ mit dem Runden Tisch zusammen, bei dem jeweils ein Vertreter der Stadtratsfraktionen sowie Vertreter des Vereins Stadtmarketing Wittlich e.V. mitwirken. Aufgerufen waren auch explizit Jugendliche, sich an der Erstellung des Innenstadtentwicklungskonzeptes zu beteiligen. Die Ansprache erfolgte über das Jugendparlament in Wittlich sowie das Haus der Jugend. Der Aufruf zur Beteiligung wurde auch über Internetmedien (facebook, twitter, etc.) und auf der Homepage der Stadt Wittlich verbreitet.

Als besonders erfolgreiche Idee kann die Ausgabe von Beratungsgutscheinen angesehen werden, die zu einer kostenlosen Architektenberatung der Hauseigentümer im Fördergebiet  berechtigen. Die Beratung umfasst den notwendigen Sanierungsumfang, energetische und städtebauliche Anforderungen an die Sanierung, Maßnahmenpriorisierung und voraussichtliche Kosten. Ziel dieses Angebotes ist es, potenzielle Hemmschwellen der Eigentümer bei anstehender Sanierung oder Modernisierung abzubauen und den ersten Schritt zur Investition zu erleichtern. Hierzu steht den Hauseigentümern ein eigens hierfür gebildeter Architektenpool zur Verfügung. Finanziert wird der Beratungsgutschein im Wert von 250 Euro durch die regionalen Banken. Bis Herbst 2014 wurden über 100 Beratungsgutscheine in Anspruch genommen und zahlreiche Gebäude in der Altstadt modernisiert.

Zusätzlich unterstützt die Stadt Wittlich die Arbeit des Vereins Stadtmarketing Wittlich e.V. mit jährlich 50.000 Euro bei der Umsetzung innenstadtrelevanter Maßnahmen wie zum Beispiel Märkte oder Veranstaltungen in der Altstadt.

Lernerfahrungen

Als besonders hilfreich stellte sich die Kontaktaufnahme zu allen Akteuren des Untersuchungsgebietes heraus. Die Gespräche mit den Eigentümern der Immobilien und den Einzelhändlern haben großen Aufschluss über die vielschichtigen Interessen sowie die aus deren Sicht bestehenden Probleme der Innenstadt gegeben. Von insgesamt 256 Fragebögen an Eigentümer konnte ein Rücklauf von circa 65% erzielt werden. Zusätzlich führte die Stadtverwaltung circa 50 persönliche Gespräche mit Eigentümern und über 80 persönliche Gespräche mit Einzelhändlern. Hieraus sind zahlreiche Ideen und Anregungen hervorgegangen.

Erfolge in der Umsetzung des Zentrenprogramms sind durch die Reduzierung des Leerstands sichtbar geworden, besonders bei ungenutztem Wohnraum im Altbaubestand der Altstadt.

Zusatzinformationen

Bundesland

Rheinland-Pfalz


Gemeinde

Stadt Wittlich


Programmbereich

Aktive Stadt- und Ortsteilzentren


Projektbeginn

Aufnahme in das Programm Aktive Stadt- und Ortsteilzentren: 2009


Projektende

voraussichtlich 2021


Größe des Gebietes

8,7 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesfinanzhilfen bis einschließlich 2013: ca. 1,125 Mio. Euro


Gebietstypus

Stadtzentrum


Kontaktdaten

Stadtverwaltung Wittlich
Schloßstr. 11
54516 Wittlich


Wirtschaftsförderung
Herr Rainer Wener
Tel.: +49 6571 171301
E-Mail: rainer.wener@stadt.wittlich.de


Stadtmarketing/Tourismus
Frau Esther Wisniewski
Tel: +49 6571 171310
E-Mail: esther.wisniewski@stadt.wittlich.de


Stadtplanung
Herr Thomas Eldagsen
Tel.: +49 6571 171201
E-Mail: thomas.eldagsen@stadt.wittlich.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Stadt Wittlich zur Innenstadtentwicklung


Stand

Januar 2015

Diese Seite