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Kaemmererplatz, Sanierungsgebiet Ritzebüttel

Themenschwerpunkt: Baukultur und Denkmalschutz

Zusammenfassung

Viele private Häuser wurden im Zuge der Neugestaltung des Gebietes saniert. Hier: Große Hardewiek 35 (vorderer Gebäudeteil), umfassende Modernisierung nach historischem Erscheinungsbild Viele private Häuser wurden im Zuge der Neugestaltung des Gebietes saniert. Hier: Große Hardewiek 35 (vorderer Gebäudeteil), umfassende Modernisierung nach historischem ErscheinungsbildViele private Häuser wurden im Zuge der Neugestaltung des Gebietes saniert. Hier: Große Hardewiek 35 (vorderer Gebäudeteil), umfassende Modernisierung nach historischem Erscheinungsbild Quelle: Stadt Cuxhaven

Mit der Sanierung der Innenstadt sollte ab 1975 die Entwicklung Cuxhavens als funktionsfähiges Versorgungszentrum eingeleitet und zur Beseitigung städtebaulichen Defizite beigetragen werden. Hauptziel war, ein leistungsfähiges Zentrum mit einer verbesserten Verkehrsführung, nutzbaren Grünanlagen und die Verkehrsberuhigung der Wohnbereiche zu schaffen. 1985 begann der Ausbau des innerstädtischen Verkehrsrings, die Verkehrsberuhigung und Umgestaltung des zentralen Kaemmererplatzes als Platz für städtische Kommunikation, Veranstaltungen und mit Grünzonen.

Kontext

Die besonderen städtebaulichen Probleme Cuxhavens ergaben sich wesentlich aus dem historischen Umstand, dass Cuxhaven aus zwei getrennten Siedlungen (Alt-Cuxhaven im Norden und Ritzebüttel im Süden) entstanden war. Die historischen Straßen zwischen beiden Gebieten sind bis heute erhalten. Über Jahrzehnte haben sich Handel und Gewerbe über das gesamte Stadtgebiet verbreitet, ohne ein eigentliches Zentrum zu haben. Das Straßennetz war dem wachsenden Verkehr nicht gewachsen, die Wohnquartiere wiesen erhebliche bauliche und funktionelle Mängel auf und es fehlten Parkraum und Freiflächen in der Innenstadt. Die Versorgungs- und Dienstleistungsfunktion Cuxhavens war nicht mehr gegeben. Der Mittelpunkt Cuxhavens, der Kaemmererplatz, wies die höchste Verkehrsbelastung auf.

Projektbeschreibung

Die Verkehrssituation vor (links) und nach der Sanierung (rechts) des Gebietes. Die Verkehrssituation vor (links) und nach der Sanierung (rechts) des Gebietes.Die Verkehrssituation vor (links) und nach der Sanierung (rechts) des Gebietes. Quelle: Stadt Cuxhaven

Der Kaemmererplatz war der Endpunkt der Bundesstraßen 6 und 73. Die auf den Platz führenden Straßen (Bahnhof-, Rohde-, Post- und Deichstraße) zählten zu den Hauptverkehrsstraßen der Stadt. Erst die konsequente Aufnahme der innerstädtischen Ringerschließung entlastete den Kaemmererplatz entscheidend vom Durchgangsverkehr. Zudem sollte der historische Lösch- und Warenumschlagplatz zum attraktiven Zentrum weiterentwickelt werden.

1985 wurde ein Ideenwettbewerb zur Gestaltung des Kaemmererplatzes durchgeführt. Die geplante Verkehrsberuhigung führte zu einer kontroversen Diskussion. Weitere öffentlichkeitswirksame Aktivitäten mit der Vorstellung von drei möglichen Ausbauszenarien ergaben schließlich ein eindeutiges Votum für die Verkehrsberuhigung mit der völligen Herausnahme des Individualverkehrs. In dem politischen Beschluss zur Platzumgestaltung wurde eine provisorische Überfahrt zugelassen, die dann auch baulich umgesetzt wurde und nach wie vor Bestand hat.

Handlungsfelder

Erweiterung der Fußgängerzone, Ausbau von Straßen und Plätzen; Umsetzung eines weitgreifenden Verkehrskonzeptes mit umfangreichen Umlegungsverfahren, Verkehrsberuhigung, Einrichtung von Parkplätzen; Neugestaltung von Grünanlagen

Einzelmaßnahmen

Tabelle: Einzelmaßnahmen
JahrUmsetzungsschritt
1985

Ausbau der Ringerschließung und Verlegung der B 73
1990

Cux-Bau: Bürgerbefragung und Vorstellung dreier Varianten zum Ausbau

1990 – 1992Umsetzen des Elbschoners "Hermine"

1993 – 2004 

Umsetzung der Entwurfsplanung zur Platzgestaltung einschließlich der angrenzenden Bereiche (Deich-, Rohde-,Post-, Bahnhof-, Holstenstraße / Am Wehl)
2001

Errichtung des Gezeitenbrunnens vom Bildhauer Diether Heisig

Finanzierung

  • Kosten der Sanierung (1975 – 2007):18,33 Mio. Euro
  • Städtebauförderungsmittel des Landes und des Bundes: 8,53 Mio. Euro
  • Eigenmittel der Stadt Cuxhaven: 4,27 Mio. Euro

Projektumsetzung

Grünanlagen mit Schoner "Hermine" Grünanlagen mit Schoner "Hermine"Grünanlagen mit Schoner "Hermine" Quelle: Stadt Cuxhaven

Der Kaemmererplatz und die Pflasterung geben die Form und Struktur eines Buttes (Plattfisch) wieder. An dem nördlichen und östlichen Grünbereich stellen verbliebene Wasserflächen mit dem Schoner "Hermine" einen historischen Bezug zu dem einstigen Hafengelände her. Bänke, Beleuchtung und Baumpflanzungen sowie ein zentraler Gezeitenbrunnen steigern die Aufenthaltsqualität des Platzes. Weitere Planungen ergänzen die benachbarten Grünflächen und einmündende Straßen. Die zum Grünzug parallel liegende Deichstraße wurde zurückgebaut und in die grüne Gestaltung einbezogen. Am Rande entstanden Parkplätze. Im Osten bildet der Abschnitt Bahnhofstraße den Abschluss der innerstädtischen Parkanlage. Er wurde als attraktive Fußgängerzone mit einer Allee aus Platanen und mit gastronomischen Angeboten (Imbiss-Pavillon) gestaltet.

Besonderheiten

Während des Sanierungsverfahrens führte die öffentliche Beteiligung auf Veranstaltungen oder über die örtliche Presse zu vielen Diskussionen, die nicht immer ein für alle zufriedenstellendes Ergebnis brachten. Der jetzige Platz wird mittlerweile als Veranstaltungsfläche vielseitig genutzt (so wird 2011 zum zehnten Mal das "BUTT-Fest" gefeiert) und somit gut angenommen. Nach einhelliger Meinung war die Sanierung erfolgreich.

Lernerfahrungen

Die städtebauliche Entwicklung des Zentrums brachte Synergieeffekte mit sich. Zahlreiche Neubauten sind im Sanierungsgebiet und am Rande ohne Fördermittel durch private Investoren entstanden. Wesentlich waren die Einrichtung der Fußgängerzone als Einkaufszentrum und die geänderte Verkehrslenkung, die übersichtliche Verkehrsführung und der Rückbau von Wohnstraßen zu verkehrsberuhigten Zonen.

Das Gebiet heute

Der in Gestalt eines Buttes gepflasterte Kaemmererplatz Der in Gestalt eines Buttes gepflasterte KaemmererplatzDer in Gestalt eines Buttes gepflasterte Kaemmererplatz Quelle: Stadt Cuxhaven

Es ist gelungen, durch die neu geschaffene Zentrumsbildung die Stadt Cuxhaven attraktiv und bürgerfreundlich mit einem Mittelpunkt der Versorgung, des Wohnens und des kulturellen Angebotes nachhaltig zu entwickeln. Viele private Modernisierungsmaßnahmen bereichern das historische Erscheinungsbild der Stadt. Die denkmalgerechte Sanierung wichtiger städtischer Einzelgebäude wie die Alte Wache, das ehemalige Katasteramt und insbesondere das Schloss Ritzebüttel haben wesentlich dazu beigetragen.

Zusatzinformationen

Projektname

Kaemmererplatz, Sanierungsgebiet Ritzebüttel

Bundesland

Niedersachsen 


Gemeinde

Cuxhaven


Programmbereich

Baukultur und Denkmalschutz


Projektbeginn

1975

1985/1988 (2. Gebietserweiterung, Kaemmererplatz)


Projektende

2007


Größe des Sanierungsgebietes

32,7 ha

Kosten der Sanierung

18,33 Mio. Euro (gesamt, 1975 – 2007)


Volumen der Städtebaufördermittel

8,53 Mio. Euro

Gebietstypus

Innenstadtgebiet, Verkehrs- und Grünflächen

Kontaktdaten

Kommune:

Stadt Cuxhaven
Bauleitplanung und Stadtentwicklung
Rathausplatz 1
27472 Cuxhaven

Holger Monsees
Tel.: +49 4721 700405
Holger.Monsees@cuxhaven.de


Sanierungsträger:

FPB – Freie Planungsgruppe Berlin (1976-1989)

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