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Soziokulturelles Zentrum Kulturfabrik Fürstenwalde / Spree

Themenschwerpunkt: Baukultur und Denkmalschutz

Zusammenfassung

Die im 19. Jahrhundert umgebauten Überreste der Bischofsburg aus dem 14. Jahrhundert und die um 1850 errichtete Brauerei, Mälzerei und Margarinefabrik wurden teilweise im Krieg zerstört. Zunächst nutzte man diese Gebäude als Kaufhaus, von 1947 bis 1990 schließlich als Lager- und Verwaltungsräume des Staatlichen Großhandels der DDR. Lokale Akteure, Künstler, Sozial- und Kulturvereine trugen die Idee der Nutzung als zukünftiges Kulturzentrum in die Öffentlichkeit. Das Vorhaben wurde im Rahmen der Sanierung des Domumfeldes durchgeführt.

Kontext

Das weitere Umfeld in unmittelbarer Nähe zum Fürstenwalder Dom lag seit dem Zweiten Weltkrieg brach. Eine Wiedernutzbarmachung des riesigen Fabrikgebäudes und seiner verwahrlosten Umgebung war damals kaum realisierbar. Erst nach dem Zusammenschluss lokaler Sozial- und Kulturvereine und der öffentlichen Hand wurde ein Nutzungskonzept entwickelt und es wurden neue Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten aufgetan. Nach anfänglicher Nutzung von nur wenigen Räumen durch den Fürstenwalder Kulturverein gründeten vier sozial und kulturell tätige Vereine mit Unterstützung der Stadt eine gemeinnützige GmbH.

Projektbeschreibung

Im Rahmen des Projektes wurde die ehemalige Brauerei / Margarinefabrik zu einem soziokulturellen Zentrum umgebaut. Zu den Maßnahmen, die dazu nötig waren, gehörten: die komplette Sanierung und der Umbau des unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Fabrik- und Verwaltungsgebäudes einschließlich des Abbruchs von Nebengebäuden, die Gestaltung der Außenanlagen und die Etablierung aller soziokulturellen Nutzungen.

Handlungsfelder

Denkmalgerechte Sanierung und Umnutzung eines historischen, ehemaligen Fabrik- und Verwaltungsgebäudes; Abbruch von Nebengebäuden; Wiederbebauung brachliegender Flächen; Neuordnung, Gestaltung und Aufwertung öffentlicher Räume; Innenausbau für soziokulturelle Nutzungen; Erlebbarmachung der Innenstadt; Etablierung attraktiver kultureller Einrichtungen und Veranstaltungen.

Einzelmaßnahmen

Modernisierung / Instandsetzung Hauptgebäude und Verwaltungsanbau:

  • Sanierung der Außenhülle der Kulturfabrik und des Verwaltungsgebäudes
  • Neugestaltung und Verlagerung des Haupteinganges zum Dom hin
  • Umgestaltung der Terrasse mit Freitreppe
  • Abbruch des Zwischenbaus zwischen Verwaltungsgebäude und der Domschule
  • Innenausbau und Innensanierung inklusive Umbau der Kulturfabrik und des Verwaltungsgebäudes

Gestaltung der Außenanlagen:

  • Außenanlagen der Kulturfabrik mit behindertengerechtem Zugang zum Fabrikgebäude

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1992 Schenkung einer Fläche von ca. 3.000 m² mit dem Gebäude der ehemaligen Brauerei/ Margarinefabrik durch einen privaten Eigentümer an die Stadt Fürstenwalde, Verpachtung zur soziokulturellen Nutzung an den Fürstenwalder Kulturverein e.V.
1993Provisorische Nutzbarmachung von einigen Räumen im heutigen Verwaltungsgebäude; Eröffnung des Frauenladens, Kursangebote, Veranstaltungen
1993-2002Etappenweise Innensanierung von Haupt- und Verwaltungsgebäude
1999Eröffnung der Dachetage der Kulturfabrik, Nutzung als Multifunktionssaal für Ausstellungen und Veranstaltungen aller Art
2000-2001Sanierung der Außenhaut des Hauptgebäudes, Rückbau des Aufzugschachtes
2001Einzug der Kinder- und Erwachsenenbibliothek in zwei sanierte Etagen der Kulturfabrik; Durchführung von Führungen, Lesungen, Spiel- und Malnachmittagen, Internetangebot
2001-2002Abbruch des Zwischenbaus zur Domschule, Eröffnung der Kelleretagen mit Musikkeller, Bühne, Probenräumen für Bands
2002Sanierung der Außenhaut des Verwaltungsanbaus und Einweihung des Hauptgebäudes der Kulturfabrik durch die Kulturministerin, Frau Prof. Dr. Wanka
2004Gestaltung der zugehörigen Außenanlagen der Kulturfabrik sowie Einrichtung eines behindertengerechten Zugangs zum neuen Haupteingang des Gebäudes; Abbruch des Gebäudes der Reichshallen, einer früheren Tanz- und Vergnügungsstätte, sowie Errichtung einer Bastion, die den Geländesprung zum Stadtgraben verdeutlicht

Finanzierung

  • Städtebauförderung: Über das Städtebauförderprogramm Städtebauliche Sanierungsmaßnahme wurde die Modernisierung / Instandsetzung des Hauptgebäudes und des Verwaltungsanbaus gefördert (s. Einzelmaßnahmen, 1.).
  • Kulturförderung: Über das Aufbauprogramm "Kultur in den neuen Ländern" wurden der Innenausbau und die Innensanierung inklusive Umbau der Kulturfabrik und des Verwaltungsgebäudes finanziert.
  • Zukunft im Stadtteil (ZiS): Förderung für Außenanlagen der Kulturfabrik mit behindertengerechtem Zugang zum Fabrikgebäude in Kombination mit Städtebaufördermitteln
  • Kommunaler Haushalt: Mitleistung der Stadt Fürstenwalde und des Landkreises Oder-Spree

Besonderheiten

Aus der zentralen, verwahrlosten Brachfläche im Zentrum Fürstenwaldes in direkter Umgebung des Doms ist das kulturelle Zentrum der Stadt für Anwohner und Besucher entstanden. Mit der Sanierung des Gebäudes sowie der Gestaltung und Einbindung der Außenflächen wurde die Attraktivität des Standortes deutlich erhöht. Es entstand eine grüne Oase bestehend aus Dom, Kulturfabrik, einer wiederhergestellten Bauzeile der Kirchenumbauung, dem preußischen Funktionalbau Domschule sowie den Außenmauern des ehemaligen Bischofsschlosses. In diesem Ensemble lässt sich Historie wie auch Stadtentwicklung nachvollziehen. Es wird ein "Erlebnisraum Geschichtswerkstatt" geschaffen, der den Nutzern entsprechend inhaltlich ausgeführt wird.

Lernerfahrungen

Das soziokulturelle Zentrum Kulturfabrik wurde nicht als fertig sanierter Gebäudekomplex übergeben, um dann die Nutzungen hineinzubringen, sondern umgekehrt. Zuerst begann der Fürstenwalder Kulturverein e.V. mit viel individuellem Engagement in provisorisch nutzbar gemachten Räumen mit Kulturangeboten, ehe die Gebäude Schritt für Schritt instandgesetzt, umgebaut und modernisiert wurden. Zuerst innen, dann außen.

Das Gebiet heute

Das denkmalgerecht sanierte Gebäude ist der soziokulturelle Veranstaltungsort der Stadt mit breitem kulturellem Angebot für alle Altersgruppen: Veranstaltungen, Ausstellungen und Kurse; Beherbergung des Frauen- und Kinderladens und künstlerischer Werkstätten sowie der Stadtbibliothek. Räume unterschiedlicher Größe können für Veranstaltungen, Tagungen und Seminare gemietet werden.

Die Kulturfabrik wird von einer gemeinnützigen GmbH geführt, die aus vier Vereinen entstand und in der die Stadt nur im Aufsichtsrat vertreten ist.

Durch die Besucher der Kulturfabrik wird die Innenstadt spürbar belebt, umliegende Einzelhandelsgeschäfte profitieren. Mehr Besucher, welche die kulturellen Angebote wie Konzerte, Theateeraufführungen und Ausstellungen nutzen, bedeuten auch für die Gastronomie Gewinn. Ferner zieht die baulich-räumliche Wirkung der Innenstadt mit dem historischen Dom und seinem Umfeld viele Touristen an.

Zusatzinformationen

Projektname

Soziokulturelles Zentrum Kulturfabrik

Bundesland

Brandenburg


Gemeinde

Fürstenwalde / Spree


Programmbereich

Städtebauliche Sanierungsmaßnahme


Projektbeginn

1993


Projektende

2004


Größe des Sanierungsgebietes

5,5 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

450.000 Euro

Gebietstypus

Innenstadt

Kontaktdaten

Kommune:
Stadt Fürstenwalde / Spree
Am Markt 4-6
15517 Fürstenwalde / Spree
Irina Retzlaff
Tel.: +49 3361 557210


Sanierungsträger:
DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG
Regionalbüro Berlin-Brandenburg
Axel-Springer-Str. 54 B
10117 Berlin
Nils Scheffler
Tel.: +49 30 311697437

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