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Imaginata - Ein Experimentarium für die Sinne

Themenschwerpunkt: Baukultur und Denkmalschutz

Zusammenfassung

Imaginata Jena Imaginata JenaImaginata Jena Quelle: Michael Miltzow, Weimar

Ein technisches Denkmal wird erhalten und restauriert, neu genutzt und wiederbelebt. Es wird zu einer ständigen, touristisch attraktiven Einrichtung und ist somit Motor für die Entwicklung des Gewerbe- und Sanierungsgebietes "Unteraue" in Jena.

Im Jahr 1997 erwarb der Imaginata e.V. das in den 1920er Jahren errichtete Umspannwerk Jena-Nord. Der Verein hat sich das anspruchsvolle Ziel gesetzt, das Gebäudeensemble in ein "Experimentarium für die Sinne" zu verwandeln und sieht das ehemalige Umspannwerk als "Lernort, Fortbildungs-Labor, Denkmal, Science-Center, Konzertsaal und Galerie zugleich. Hier wird der Vorstellungskraft, unserer wichtigsten geistigen Quelle für Innovationen, Zukunftsfähigkeit und Erfindergeist, Raum zum Wachsen und Wirken gegeben" (www.imaginata.de).

Kontext

Mit dem Beschluss der Sanierungssatzung im Jahr 1992 setzte sich die Stadt Jena das Ziel, das innerstädtische Gewerbegebiet "Unteraue" zu entwickeln. Das von erheblichen Mängeln geprägte Gebiet sollte gezielt als beispielgebende Alternative zu neuen, nicht integrierten Gewerbestandorten in Stadtrandlage entwickelt werden. Besondere Schwerpunkte bildeten dabei u. a. die Neuordnung der Grundstücke des ehemaligen Gas- bzw. Heizkraftwerkes sowie die Sanierung und Nachnutzung des unter Denkmalschutz stehenden Umspannwerkes. Dieses wurde 1926 durch die Thüringer Landeselektrizitätsversorgungs-AG nach einem Entwurf von Bruno Röhr in einer klaren, übersichtlichen Gestaltung früher Sachlichkeit entwickelt. 1933/34 folgten die Erweiterung des Umspannwerkes und die Entwicklung zum Knotenpunkt der regionalen Stromversorgung im Zuge der Inbetriebnahme der Bleilochtalsperre. Bis 1989 fanden unterschiedliche Umbauten und Erweiterungen der Räume statt. 1992 wurde das Umspannwerk stillgelegt. 1993 wurde es als Kulturdenkmal ausgewiesen.

Projektbeschreibung

Das ehemalige Umspannwerk Das ehemalige UmspannwerkDas ehemalige Umspannwerk Quelle: Michael Miltzow, Weimar

Auf Grundlage des Nutzungs- und Finanzierungskonzeptes der bereits im Jahr 1998 vorgelegten Machbarkeitsstudie wird die 50 kV-Halle zu der Zeit bereits im 14. Bauabschnitt saniert. Im Gebäude sind die Installationen erhalten. Sie prägen das technische Denkmal, indem sie, der Bauhaus-Philosophie folgend, Form und Funktion in ästhetischer Klarheit und Übersichtlichkeit verbinden. Isolatoren, Schaltfelder, die imposante Instrumentenwand in der Messwarte, Leuchten, Beschriftungen und weitere Details sind erhalten. Neben den denkmalpflegerischen Aspekten berücksichtigen die Planer die innovativen Ideen der Bauherren für die Neunutzung. Im Gebäude werden die Förderprogramme "Demokratisch Handeln" und das Entwicklungsprogramms für Unterricht und Lernqualität (E.U.L.E.) umgesetzt. Unter anderem finden dort Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer statt.

Handlungsfelder

Sicherung und Neunutzung eines technischen Denkmals; Reaktivierung von Brachflächen; Schaffung neuer Angebote für Bildungs- und Kulturinfrastruktur im Bestand; Revitalisierung eines integrierten Gewerbealtstandortes; Sicherungsmaßnahmen, Altlastensanierung, denkmalgerechte erhaltende Sanierung; nutzungsorientierter Innenausbau; Bau von Infrastruktureinrichtungen

Einzelmaßnahmen

Der Entwurf ist von der Idee geprägt, die Nutzungsgeschichte des Gebäudes und seine besondere Ästhetik in ihrer Vielfalt und Unvollkommenheit erlebbar zu machen. Neue Bauteile sollen sichtbar sein, Kontraste zwischen Alt und Neu, zwischen Technik und Architektur gestaltet werden. Der Brandschutz und der behindertengerechte Ausbau werden gesichert.

In bisher 14 Bauabschnitten fanden u. a. statt:

  • Sicherungsarbeiten an Dächern und Beseitigung von Altlasten
  • Umbau der 50 kV-Halle, Einbau von Zwischendecken in die ehemals acht Meter hohen Trafoboxen, Einbau von Stahl-Glas-Fassadenelementen in die ehemaligen Tore und Umbau der Erdgeschosse in Mehrzweckräume
  • Wiederherstellung der Raumsituation der Schalthalle, Einbau einer offenen "Galerie" mit Treppenanlage, Verbindungssteg zum Bürotrakt und Aufzug für die Erschließung der "Metaboxen", der neuen Mehrzweckräume im Obergeschoss

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1993-1995 Vorbereitende Planungen, Sicherungen, Grundstücksneuordnungen und erste Sanierungen
1996Erarbeitung und Beschluss des Rahmenplanes
1997Erwerb des 30- und 50-kV-Gebäudes durch den Imaginata e.V.
1998Erarbeitung der Machbarkeitsstudie, Ankauf der 110 kV-Halle
1999Abschluss der ersten Sanierungsphase mit Sicherungsmaßnahmen und Sanierungsarbeiten - Einzug des Imaginata e.V.
2000-2001Bauantrag als Gesamtkonzeption für 50 kV-Halle, Umbau der Erdgeschosse der ehemaligen Trafoboxen in Mehrzweckräumen, u.a. durch Einziehen von Zwischendecken und Einbau von Stahl-Glas-Fassadenelementen
2002-20032Wiederherstellung der ursprünglichen Raumsituation der Schalthalle
2004-2006Einbau einer Galerie im 1. Obergeschoss der Schalthalle mit Übergang ("Brücke") zum Verwaltungsbereich und zur Treppenanlage, Fertigstellung der Mehrzweckräume und der Sanitärräume im Obergeschoss der ehemaligen Trafoboxen, Erwerb des nördlich angrenzenden Grundstückes
2007-2008Sanierung der "Rampe" außen vor den Trafoboxen, Einbau einer Aufzugsanlage, Fenstersanierung sowie Putz- und Malerarbeiten in der Schalthalle, Fassadensanierung und Blitzschutz
2009-2010Schaffung des behindertengerechten Zugangs und entsprechender Sanitärbereiche im Untergeschoss mit Anbindung an den neu gestalteten Erschließungsflur/Aufzug

Finanzierung

Neue Spielhalle in der ehemaligen Schalthalle Neue Spielhalle in der ehemaligen SchalthalleNeue Spielhalle in der ehemaligen Schalthalle Quelle: KEM, Jena

1998 - 2010: ca. 2,8 Mio. Euro Fördermittel in bislang 14 Bauabschnitten eingesetzt, davon ca. 2,7 Mio. Euro Städtebauförderungsmittel aus dem Programm "Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen" mit Unterstützung aus dem Thüringer Landesprogramm für strukturwirksame städtebauliche Maßnahmen; 32.000 Euro aus der Arbeitsförderung; 7.500 Euro aus der Denkmalförderung

Besonderheiten

65 Jahre lang kamen im Umspannwerk Jena-Nord hohe elektrische Spannungen und gefahrenträchtige Energieströme zusammen. "Heute geht es mehr um Hirnströme, um geistige Energie, um die Spannung des Neuen, Unerwarteten, um die Transformationen der Welt durch die Einbildungskraft, die Phantasie, die Imagination" (Prof. Dr. Peter Fauser, Vereinsvorsitzender Imaginata e.V. bei der Einweihungsfeier am 12. Juni 1999). Aber es geht auch um die Revitalisierung und innovative Neunutzung einer besonderen Industriebrache und um die Vermittlung des behutsamen, jedoch zeitgemäßen Umgangs mit baukulturellem Erbe.

Lernerfahrungen

Durch das aktive bürgerschaftliche Engagement eines Vereins ist es mit Unterstützung durch öffentliche Finanzmittel und entsprechender Steuerung auch langfristig möglich, ein komplexes und kompliziertes Sanierungsvorhaben zu realisieren.

Eine Bildungs- und Kultureinrichtung kann bei entsprechender Abstimmung mit Nachbarn und Behörden auch inmitten eines innerstädtischen Gewerbegebietes nicht nur funktionieren, sondern auch Strahlkraft für den Mikrostandort bzw. die Stadt entwickeln.

Nicht nur für die jugendlichen Besucher bietet die neue Nutzung der vielgestaltigen Bau- und Raumstrukturen - mit ihren erhaltenen technischen Einbauten, aber auch zeitgemäßen "Zutaten" - hervorragende Voraussetzungen für intensive Bildungs-, Kultur- und Baukulturerlebnisse.

Das Gebiet heute

In den vergangenen Jahren konnten auch erste Arbeiten im Außenbereich erfolgreich abgeschlossen werden. Insbesondere wurde die "Rampe" westlich der 50 kV-Halle neu gestaltet. Weitere Schwerpunkte bildeten die behutsame Sanierung der Fassaden und der Flachdächer, inklusive Blitzschutz und "Imaginata-Kugel", sowie der Einbau der erforderlichen Haustechnik, wie z. B. neue Elektroinstallationen, Heizungszentrale und -technik sowie Lüftungsanlage.

Mit der Schaffung des behindertengerechten Zugangs und der entsprechenden Sanitärbereiche im Souterrain wurde im Jahr 2010 ein weiteres Zwischenziel erreicht. Doch auch wenn mit den restlichen Arbeiten des 14. Bauabschnittes im Jahr 2011 die Sanierung der 50 kV-Halle größtenteils abgeschlossen sein wird, bedeutet dies nicht, dass (Bau)-Ruhe einkehrt im Umspannwerk. Um das Gebäudeensemble wie geplant nutzen zu können, steht nicht nur die Fertigstellung der Außenanlagen mit den Stellplätzen und die Umgestaltung des nördlichen Grundstücksteils an, sondern auch die unbedingt notwendigen Arbeiten an den weiteren Gebäuden, die Sanierung der 110 kV-Halle und die Neunutzung der "Reithalle".

Nicht nur deshalb wird das Denkmal sich auch im nächsten Jahrzehnt weiter wandeln. Es wird in vielfacher Hinsicht lebendig und damit ein bedeutender Anziehungspunkt in der Stadt der Wissenschaft bleiben.

Zusatzinformationen

Projektname

Imaginata - Ein Experimentarium für die Sinne

Bundesland

Thüringen


Gemeinde

Jena


Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, umfassendes Verfahren


Projektbeginn

1998


Projektende

voraussichtlich 2021


Größe des Sanierungsgebietes

54 ha


Volumen der Städtebaufördermittel

2,8 Mio. Euro

Gebietstypus

Gewerbegebiet

Kontaktdaten

Kommune:
Sanierungsgebiet Unteraue:
Stadt Jena
Team Stadtumbau,
Anger 26
07743 Jena
Monika Titze
Tel.: +49 3641 495116


Sanierungsträger:
Projektsteuerer Imaginata: KEM Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH
Unterlauengasse 9
07743 Jena
Jörg Casper
Tel.: +49 3641 592513

Weitere Informationen

Imaginata e.V.

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