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Industriestraße Leipzig-Plagwitz

Themenschwerpunkt: Minderung der Flächeninanspruchnahme (Baulückenschließung)

Zusammenfassung

Stadtteilpark Plagwitz 2008 Stadtteilpark Plagwitz 2008Stadtteilpark Plagwitz 2008 Quelle: Stadt Lepizig

Die Industriestraße im Sanierungsgebiet Leipzig-Plagwitz ist ein besonderes Beispiel für eine Flächenreduktion in einem ehemaligen gründerzeitlichen Industrieareal. Dazu zählen folgende Maßnahmen:

  • die Bebauung einer Brache mit Stadthäuser,
  • die Umnutzung vorhandener ehemals industrieller Bausubstanz und
  • die Umnutzung einer Brache zu einem Stadtteilpark.

Kontext

Die Industriestraße bildet gemeinsam mit der Kanalzone die Grenze und Übergang von den nördlich gelegenen Wohnquartieren des Stadtteiles zu den industriellen genutzten Kernbereichen im südlichen Plagwitz. Prägend für diesen Bereich war eine kleinteilige Mischung von industrieller Bausubstanz und Wohnbebauung. Die Brachflächen und Mindernutzungen im Bereich Industriestraße, die nach dem industriellen Zusammenbruch nach der Wende entstanden waren, bildeten von Beginn der Sanierung den Schwerpunkt der konzeptionellen Aktivitäten im Rahmen der Plagwitzer Stadterneuerung.

Projektbeschreibung

Das Sanierungsgebiet Leipzig-Plagwitz war vor Beginn der Sanierung ein Stadtteil mit vielen Problemen: Eine Unternehmensschließung brachte nicht nur den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze mit sich, es fielen auch 100 ha innerstädtische Fläche brach. Auf der einen Seite konzentrierten sich die Defizite in Form von mindergenutzten Flächen und Gebäuden mit schlechten bis sehr schlechten Zustand. Auf der anderen Seite ließen sich die vorhandenen Brachflächen an der Schnittstelle zwischen den großen industriell geprägten Baustrukturen südlich und entlang des Karl-Heine-Kanals und den ehemaligen Wohnquartieren in Lindenau als bedeutendes Stadtentwicklungspotenzial interpretieren. Im bisherigen Verlauf der Sanierungsmaßnahme konnten zwei Drittel der gefährdeten Bausubstanz mit zahlreichen Industriedenkmälern saniert werden. Zu den Schwerpunkten zählten:

  • umfangreiche Revitalisierung der Bausubstanz
  • verstärkte Sanierungstätigkeit privater Eigentümer in den letzten Jahren
  • Entkernung und grüne Blockinnensanierung
  • Schaffung von drei großen öffentlichen Freizeit- und Parkanlagen (Stadtteilpark Plagwitz, Karl-Heine-Platz, Henriettenpark)
  • Stärkung der Zentrenentwicklung in zwei Hauptstraßen
  • Verbesserung und Erweiterung des Rad- und Fußwegenetzes (Grüne Gleise)
  • Beförderung eines neuen innerstädtischen individuellen Wohnens (Stadthäuser am Karl-Heine-Kanal in der Industrie- und Naumburger Straße)
  • Sanierung, Um- und Ausbau mehrerer Kunst- und Kulturzentren im Quartier
  • Neugestaltung des Bahnhofs Plagwitz und von dessen Umfeld

Handlungsfelder

Bauhistorische, denkmalpflegerische Untersuchungen; denkmalgerechte erhaltende Sanierung; Modernisierung und Instandsetzung denkmalgeschützter Bausubstanz; Abbruchmaßnahmen; Altlastensanierung; Erneuerung und Umgestaltung des Straßenraums; Neubau; Bau von Infrastruktureinrichtungen; flankierende Maßnahmen zur Aufwertung der öffentlichen Räume.

Einzelmaßnahmen

  • Bebauung von innerstädtischen Freiflächen (nach Abbruchmaßnahmen) mit Stadthäusern (Besonderheit: Stadthäuser als neuer Gebäudetypus für den Standort)
  • Umbau eines gründerzeitlichen Produktionsgebäudes zu einem Wohnhaus mit Lofts
  • Umbau und Sanierung ehemaliger Eisenbahnerhäuser aus der Vorgründerzeit mit nicht marktgängigen Grundrissen zu Einfamilienhäusern

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1998/1999Blockkonzept mit Umsetzungsbezug
1998Durchführung eines Planungswettbewerbs
1999Abbruch von desolater nicht mehr nutzbarer ehemals gewerblich genutzter Bausubstanz
1999Erneuerung und Umgestaltung des Straßenraums
1997-2000Flächenerwerb und Umgestaltung einer Verkehrsbrache zu einem Stadtteilpark
2000-2001Flächenerwerb und Umgestaltung der rückwärtigen Gleistraße zu einer Wegeverbindung
ab 2001Einbindung der Fläche in eine Vermarktungsstrategie zur Gewinnung von Selbstnutzern - ohne Förderung der Baumaßnahmen
1999-2003Förderung der Instandsetzung der angrenzenden gewerblich genutzten Bausubstanz (Konsumgebäude Industriestraße 85-95, bedeutendes Baudenkmal der 1920er Jahre, ca. 700.000 Euro Landessanierungsprogramm)
private Maßnahmen:
seit 2002verstärkte Förderung privater Maßnahmen aufgrund steigender Nachfrage
ab 2005Realisierung eines Loftkonzepts
ab 2005Ausbau mit Stadthäusern im östlichen Teil des Blocks zur Ergänzung der vorhandenen Bebauung

Finanzierung

(Investitionen in der klassischen Städtebauförderung)

Tabelle: Finanzierung
Grunderwerb (für Stadtteilpark)200.000 Euro
Ordnungsmaßnahmen:
Abbruchmaßnahmen150.000 Euro

Erschließung - Straßenraumgestaltung

Industriestraße

456.000 Euro

Erschließung Gleistrasse Ost-

Fußradweg Zschochersche / Gießerstraße

412.500 Euro

Stadtteilpark Plagwitz875.000 Euro
Fußgängerbrücke Karl-Heine-Kanal448.000 Euro
Baumaßnahmen:

Baumaßnahmen - Modellachse

Sanierung Konsumzentrale Industriestraße

216.500 Euro

(Differenz zu 700.000 Landessanierungsprogramm)


Besonderheiten

Das Konzept zur Wiedernutzung des Standortes scheiterte 1998 und 1999. Es wurde erst ab 2005 mit wenigen Änderungen umgesetzt; wichtige Rahmenbedingungen hatten sich grundlegend geändert: Investitionen in die Umgebung waren seit mehreren Jahren abgeschlossen, so dass sich eine neue Adresse und ein neues Image für den Standort entwickeln konnten. Unabhängig davon wurde der Standort längere Zeit intensiv beworben.

Lernerfahrungen

Umnutzungen auf Brachflächen können realisiert werden, wenn es gelingt, das Umfeld aufzuwerten, eine Gesamtstrategie umzusetzen und ausreichend Zeit besteht, dass sich eine neue Adresse und ein neues Image herausbilden. Investitionen in Plagwitz haben wie ein nachhaltiges Initial gewirkt. Die intensive städtebauliche Sanierung erbrachte große Entwicklungsfortschritte. Auf die denkmalgerechte Sanierung der Konsumzentrale folgten der neue Stadtteilpark und der Umbau des Stelzenhauses am Kanal. Das war das Startsignal für den Bau von Stadthäusern und Lofts entlang der historischen Industriestraße.

Das Gebiet heute

Die Sanierungsziele im Teilgebiet Industriestraße sind weitestgehend erreicht, die Entwicklung ist positiv. Wegen der langjährigen und fortgeschrittenen Sanierungstätigkeit erscheint die Entlassung dieses Gebietes aus der Sanierung möglich. Die Sanierung kann als Meilenstein in der langjährigen Transformation und im Strukturwandel des ehemaligen Industriegebietes bezeichnet werden. Nur einige wenige gründerzeitliche Wohnhäuser sind bislang unsaniert, die aber im Rahmen des Programms Stadtumbau Ost / Aufwertung gefördert werden können.

Seit 2005 ist in Leipzig insgesamt ein generell anziehender Wohnungsmarkt mit verstärktem Kaufinteresse für unsanierte Immobilien zu verzeichnen. Plagwitz selbst hat in den letzten Jahren einen deutlichen Imagewandel vollzogen. Ausgelöst wurde er durch große öffentliche Investitionen, insbesondere entlang des Karl-Heine-Kanals und der beiden Hauptgeschäftsstraßen (Zschochersche und Karl-Heine-Straßen), die Etablierung bestimmter künstlerischer, kultureller und gewerblicher Nutzungen (z.B. Baumwollspinnerei, Westwerk) und durch neue Arbeitsplätze.

Zusatzinformationen

Projektname

Industriestraße Leipzig-Plagwitz (Teilraum 6 des SG Leipzig-Plagwitz)

Bundesland

Sachsen


Gemeinde

Stadt Leipzig


Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, umfassendes Verfahren


Projektbeginn

1998


Projektende

voraussichtlich 2012/2013 (Teilraum 6)


Größe des Sanierungsgebietes

86 ha (Plagwitz) / 12,6 ha (Teilraum 6)


Volumen der Städtebaufördermittel

Aus dem S + E Programm: 2,76 Mio. Euro (Teilraum 6)

Gebietstypus

Innerstädtische Wohnquartiere mit Industrieansiedlung

Kontaktdaten

Kommune:
Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung
Prager Straße 26 D
04103 Leipzig
Frau Birgit Seeberger
Tel.: +49 341 12354
Fax: +49 341 1235424


Sanierungsträger:
LESG (Gesellschaft der Stadt Leipzig zur Erschließung, Entwicklung und Sanierung
von Baugebieten mbH)
Salomonstraße 21
04103 Leipzig
Tel: +49 341 9927766
Fax: +49 341 1235452

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