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An der Obertrave

Themenschwerpunkt: Barrierefreiheit/Stadtgestaltung

Zusammenfassung

Die Uferpromenade An der Obertrave Die Uferpromenade An der ObertraveDie Uferpromenade An der Obertrave Quelle: Stephan Baumann bild_raum, Karlsruhe

Die Straße "An der Obertrave" ist der erste Bauabschnitt zur Umgestaltung des westlichen Altstadtrandes der Hansestadt Lübeck. Ziel der Maßnahme ist, den Straßenzug in der Lübecker Altstadt gestalterisch und funktional aufzuwerten und neue Nutzungsperspektiven für die ansässigen Handels-, Büro- und Dienstleistungsunternehmen sowie für die Lübecker Bürgerinnen und Bürger zu erlangen. Zugleich sollen bessere Möglichkeiten für den Tourismus insbesondere unter dem Aspekt einer barrierefreien Erschließung geschaffen werden.

Kontext

Mit Ausnahme einer kleinen Teilfläche liegt die Straße in förmlich festgelegten Sanierungsgebieten der historischen Altstadt Lübecks als UNESCO Weltkulturgut. Das Projekt war Gegenstand eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs zur Entwicklung eines städtebaulichen Gesamtkonzepts für die geplante Umgestaltung und Attraktivitätssteigerung der Straßen- und Hafenräume des westlichen Altstadtrandes Obertrave und Untertrave. Daraus sollten konkrete Gestaltungsentwürfe für Teilräume und diverse Stadtmöblierungselemente abgeleitet werden.

Projektbeschreibung

Die hochwertig gestaltete, durchgängige und barrierefrei konzipierte Uferpromenade am Wasser und Hafen in historischer Umgebung soll Anreiz und Raum für städtisches Leben und Treiben bieten. Aufgrund der geografischen Lage gilt es, Aufenthaltsqualitäten zu schaffen, die zu jeder Jahreszeit Anziehungs- und Ausstrahlungskraft für alle Altersgruppen besitzen und zum Flanieren und Verweilen einladen. Die Sanierungsziele für den Bereich "An der Obertrave" sind:

  • Erhalt und Sanierung des westlichen Altstadtrandes und Aufwertung der wasserseitigen Stadtkante
  • Verbesserung der städtebaulichen Infrastruktur durch Umgestaltung des historischen Hafenrands und der Anbindung beider Uferzone durch einen neuen zusätzlichen Brückenbau
  • Schaffung neuer Aufenthaltsräume mit qualitätsvollem Angebot an Spiel- und Aktivitätsbereichen für Kinder und Jugendliche
  • Anpassung des öffentlichen Raums an die besonderen und individuellen Bedürfnisse von Menschen mit Handicap
  • Schaffung einer Kulturmeile an der Obertrave
  • Stabilisierung und Stärkung von Wohnen, Handel, Dienstleistungen, Gastronomie, Tourismus, Kultur und Hafen am westlichen Altstadtrand
  • Verkehrsberuhigung, Lösung des Stellplatzproblems für alle Nutzergruppen und Optimierung des Angebots für Fußgänger und Radfahrer

Handlungsfelder

Lageplan An der Obertrave Lageplan An der ObertraveLageplan An der Obertrave Quelle: TGP Landschaftsarchitekten, Lübeck

Denkmalgerechte, erhaltende Sanierung der Freiräume; Erweiterung der Aufenthaltsflächen (Terrassen, verkehrsfreie Flächen für multifunktionale Nutzungen); Modernisierung und Instandsetzung der Verkehrsflächen; Bau von Infrastruktureinrichtungen (Fußgängerbrücke über die Trave; Service-Technikstation); flankierende Maßnahmen zur Aufwertung der öffentlichen Räume

Einzelmaßnahmen und Finanzierung

  • Bürgerbeteiligung: 1. öffentliche Bürgerversammlung (Juni 1999); 1. Workshop (September 1999); 2. Workshop (Dezember 1999); 2. öffentliche Bürgerversammlung (Mai 2004)
  • städtebaulicher Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des westlichen Altstadtrandes 2003 (Prämierung des Entwurfs der Arbeitsgemeinschaft Trüper Gondesen Partner Landschaftsarchitekten, Petersen Pörksen Partner Architekten + Stadtplaner, Heske Hochgürtel Lohse Architekten und Ingenieure (alle Lübeck)
  • Überarbeitung Wettbewerbsentwurf (Planungsabschnitt "An der Obertrave") 2004
  • differenzierte Oberflächengestaltung von Fahrbahn, Gehwegen und Promenaden mit rötlichgrauem Granit
  • Gestaltung und Einbau von Möblierungselementen (Leuchten, Bänke, Fahrradbügel, Spielgeräte, Brunnenfeld mit Wasserspielen) sowie Granitplattenfelder für Freizeitaktivitäten
  • Neugestaltung der "Holstenterrasse" unmittelbar am Wasser zur Nutzung für Außengastronomie und Fahrgastschifffahrt (neue, verlängerte Kaimauer mit Granitsteinabdeckung, Treppenanlage und barrierefreier Rampe)
  • Einrichtung von Service-Stationen (Gastronomie) an mehreren Standorten
  • Gestaltung und Bau einer Fußgängerbrücke über die Obertrave als Rampenbrücke mit behindertengerechter Steigung, die gleichzeitig hinsichtlich ihrer Lage, Durchfahrtshöhe und -breite sowie der technischen Anforderungen allen Belangen der Schifffahrt auf der Obertrave (Bundeswasserstraße) Rechnung trägt
  • Gestaltung und Bau eines kompakten Bauwerks als multifunktionelle, zentrale Service- und Technikstation (rollstuhlgerechte, vandalismussichere WC-Anlage; Lager für die Personenschifffahrt; Kiosk und Technikzentrale für die Steuerung von Beleuchtung und Wasserspielen)

Gesamtkosten: 5,35 Mio. Euro (ohne Service-/Technikstation); darin enthalten Brücke: 1,00 Mio. Euro / Spielgeräte und Wasserspiel: 160.000,00 Euro

Finanzierung mit Städtebauförderungsmittel (Bund / Stadt / Land): 4,20 Mio. Euro

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1999 - 2004 Bürgerbeteiligung / Öffentlichkeitsarbeit / Workshop
2003Städtebaulicher Ideenwettbewerb "Umgestaltung westlicher Altstadtrand"
2004Überarbeitung Wettbewerbsentwurf
2004Öffentliche Präsentation der Planung Teilbereich "An der Obertrave"
2005Baubeginn
2006Fortführung Baumaßnahmen (Oberflächengestaltung; Holstenterrasse; Spiel- und Freizeiteinrichtungen; Service- / Technikstation)
2007Fertigstellung Service- / Technikstation; Brückenbau

Weitere geplante Maßnahmen: Fortführung der Umgestaltung westlicher Altstadtrand (Teilbereich "An der Untertrave") mit höchster Priorität

Besonderheiten

Die Gestaltung der Fußgängerbrücke zur barrierefreien Rampenbrücke unterlag bestimmten Begrenzungen hinsichtlich ihrer stadtseitigen Länge. Gleichzeitig durfte die lichte Durchfahrtshöhe auf einer vorgegebenen Breite im Fahrrinnenbereich der Bundeswasserstraße nicht unterschritten werden. Der Kompromiss bestand in der besonderen Konstruktion der Gehfläche in der Bauwerksmitte, die eine Überschreitung der vorgeschriebenen Steigung von 6% verhinderte und in der besonderen Rampen-Bogen-Linienführung der Brücke. Spezielle Handläufe unterstützen durch ihre besondere Ausformung ihre Funktion als Schutz und das Festhalten insbesondere für Ältere und Menschen mit Handicap.

Lernerfahrungen

Die Umgestaltung der Straße und Uferpromenade "An der Obertrave" lag mit höchster Priorität im öffentlichen Interesse und fand engagiertes und kritisches Mitwirken von Seiten der Anwohner, Nutzer und beteiligten Interessenverbänden. Aufgrund des lang anhaltenden strengen Winters 2005/2006 verzögerten sich die Bauarbeiten erheblich. Die damit einhergehenden Behinderungen stellten Anwohner, Geschäftsleute und Gastronomen auf eine harte Belastungsprobe.

Umso erfreulicher gestaltete sich die private, spontane Improvisations- und Kooperationsbereitschaft aller Betroffenen und das daraus folgende Engagement und die Motivation aller Akteure.

Die stete Kooperation insbesondere mit den lokalen Behindertenverbänden erwies sich als sehr effektiv und kompromissbereit bei der Lösung einzelner Probleme.

Das Gebiet heute

Die hohe lokale und überregionale Akzeptanz der neu gestalteten Uferpromenade und Straße "An der Obertrave" mit einer hohen ganzjährigen Frequentierung bezeugen die Qualität und Attraktivität der großzügigen Freiflächen als Aufenthaltsraum für alle Bevölkerungsgruppen.

Die Zielsetzungen für die Hansestadt Lübeck lauten: die Umsetzung der Umgestaltungsplanung im angrenzenden Bereich "An der Untertrave" mit Aufwertung des wasserseitigen, westlichen Altstadtrandes trotz angespannter Haushaltslage zu realisieren; die Schaffung einer verträglichen Nutzungsmischung aus Wohnen, Kultur, Gewerbe, Hafen und Tourismus zu erreichen.

Zusatzinformationen

Projektname

An der Obertrave

Bundesland

Schleswig-Holstein

Gemeinde

Hansestadt Lübeck

Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, umfassendes Verfahren

Projektbeginn

2005

Projektende

2007

Gesamtfläche des Projektes

1,1 ha

Volumen der Städtebaufördermittel

4,20 Mio. Euro

Gebietstypus

Historische Altstadt eines Oberzentrums

Kontaktdaten

Kommune:
Hansestadt Lübeck, Fachbereich Planen und Bauen
23552 Lübeck
Marion Grönhagen
Tel. +49 451 1226120


Sanierungsträger:
Grundstücks-Gesellschaft Trave mbH
Falkenstraße 11
23564 Lübeck
Tel.: +49 451 799660

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