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Bonn-Hardtberg

Entwicklungsmaßnahme

Zusammenfassung

Die Ausweisung des Entwicklungsgebietes "Bonn-Hardtberg" erfolgte 1972 als Reaktion auf den stark steigenden Bedarf an Wohnraum, nachdem Bonn zur Hauptstadt Deutschlands geworden war. Das Gebiet befindet sich am südwestlichen Stadtrand. Im Rahmen der 35 Jahre laufendenden Entwicklungsmaßnahme entstanden in mehreren Teilgebieten ca. 4.200 Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau und ca. 1200 Einfamilienhäuser für insgesamt ca. 19.500 Einwohner. Ein besonderer Schwerpunkt wurde auf den Einbezug bestehender Ortskerne, eine funktionale Mischung sowie eine hohe städtebauliche Qualität und Vielfalt gelegt.

Kontext

Bonn-Hardtberg ist mit ca. 710 ha eine der größten und aufwendigsten Entwicklungsmaßnahmen Deutschlands. Durch die lange Laufzeit der Maßnahme lässt sich der Wandel planerischer Leitbilder ablesen: Zunächst vorgesehener Großwohnsiedlungsbau ("Urbanität durch Dichte") wurde ersetzt durch kleinteiligere Bauformen, eine stärkere Vielfalt in der Architektur und eine höhere Nutzungsmischung.

Projektbeschreibung

Der enorme Bevölkerungszuwachs in Bonn veranlasste die Stadt bereits 1965 Voruntersuchungen im Bereich des zukünftigen Gebiets Bonn-Hardtberg durchzuführen. Bis 1968 entstand ein Gesamtplan der städtebaulichen Entwicklung. Dieser sah den Bau von Wohneinheiten für 20.000 Einwohner vor. Städtebauliche Idee war die Bildung von mehreren Entwicklungskernen unterschiedlicher Größe, die sich zum Teil an bestehende Dorfkerne angliederten. Sie wurden zu Nahversorgungszentren um- und ausgebaut, mit Bildungs-, Erholungs- und Sportstätten versehen und bilden wichtige Kristallisationspunkte in der städtebaulichen Struktur.

Zwischenzeitliche Planungen von bis zu siebzehngeschossigen Bauten und der Schaffung von Wohneinheiten von bis zu 30.000 Menschen wurden zu Gunsten kleinteiliger Bauformen aufgegeben. Neben maximal siebengeschossigen Wohnbauten ist ein hoher Anteil an Reihen- und Einfamilienhäusern geschaffen worden.

Das Neubaugebiet "Brüser Berg" ist mit ca. 10.000 Wohneinheiten innerhalb der Gesamtmaßnahme ein bedeutendes Vorhaben. Anfang der 70er Jahre wurde mit der Realisierung des in sich geschlossenen Stadtteils begonnen. Hier wurden die höchsten Dichten des Entwicklungsbereichs realisiert und besonderes Augenmerk auf die Vielfalt in der Architektur gelegt. Beispiele wie das Gestaltungskonzept für den öffentlichen Raum im Bereich der Fußgängerzone, das Stadtteilzentrum "Brüser Berg" und die Teilnahme an der EuroBau-Ausstellung 1978 zeigen den hohen Anspruch, der bei der Gestaltung verfolgt wurde.

Als Entwicklungsträger wurde 1972 Deutsche Bau- und Grundstücks AG – BauGrund - eingesetzt und mit dem Projektmanagement beauftragt. Die städtebauliche Planung, die Ausarbeitung der Bauleitplanung und die baupflegerische Oberleitung der Hochbaumaßnahmen übernahm mit Beginn der Maßnahme das Planungsbüro "gruppe hardtberg", im Jahr 2004 übernahm das Büro "Stadtplanung Pütz" diese Aufgaben.

Handlungsfelder

Bodenordnung, Wohnungsbau, Errichtung verkehrlicher und sozialer Infrastruktur, Verknüpfung und Ergänzung der ehemaligen Dorflagen, Schaffung von Nahversorgungszentren, Gewerbeansiedlung, Qualifizierung und Anbindung von Naherholungsbereichen

Einzelmaßnahmen

Errichtung des Stadtteils "Brüser Berg" für ca. 10.000 Einwohner mit Umsetzung eines Gestaltungskonzeptes für den Bereich der Fußgängerzone, Umstrukturierung Alt-Duisdorf mit Schaffung einer Fußgängerzone, Stadtteilzentrum Brüser Berg, Bau des Konrad-Adenauer-Damms, Sanierung und Umnutzung des Brünkerhofs in Duisdorf, Errichtung des Waldfriedhofs "Kottenforst"

Finanzierung

Die Finanzmittel wurden, neben der Investition in den Wohnungsbau, schwerpunktmäßig verausgabt für die Errichtung von sozialer Infrastruktur und Erschließungsmaßnahmen, insbesondere um das Areal für den motorisierten Individualverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr an das Stadtgebiet Bonns anzubinden. Das Gesamtinvestitionsvolumen der Maßnahme "Bonn-Hardtberg" beträgt ca. 1,28 Mrd. Mio. Euro, davon knapp 250 Mio. Euro aus der öffentlichen Hand.

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1965Beginn der Voruntersuchungen, Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen
1967Beginn der ersten größeren Baumaßnahme im Teilgebiet Medinghoven
1971Beginn der Förderung im Rahmen der Städtebauförderung nach §72 Städtebauförderungsgesetz (StBauFG)
1972Förmliche Festlegung des Entwicklungsbereichs
1977Abschluss der Arbeiten im Stadtteil Medinghoven (Wohnraum für ca. 5.000 Einwohner)
1983/84Abschluss umfassender Umstrukturierungsarbeiten in Alt-Duisdorf mit Eröffnung der Fußgängerzone im Bereich Marktplatz/Rochusstraße
1987Architekturwettbewerb für das Stadtteilzentrum auf dem Brüser Berg
1991Auslaufen der Förderung durch das Bund-Land-Programm "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen", anschließend beginnen die Vorbereitungen für Teilentlassungen aus der Gesamtmaßnahme
1993Eröffnung des Stadtteilzentrums Brüser Berg (evangelisches und ein katholisches Gemeindezentrum mit Kirche, eine städtische Altenbegegnungsstätte sowie Kindergarten, Jugendzentrum und Bücherei)
2008Fertigstellung einer Basketball-Sporthalle mit 6.000 Sitzplätzen / Errichtung eines Ausbildungszentrums

Lernerfahrungen

Die Entscheidung mehrere Stadtteile mit einem jeweils zugeordneten Versorgungszentrum, die von Beginn an geschaffene Anbindung nach Bonn und die Einbindung des Gebiets in den Naturraum haben zum Erfolg der Maßnahme beigetragen. Auch haben der Erhalt und die Einbindung der bestehenden Dorfkerne in das Gesamtkonzept zur Schaffung identitätsstiftender Orte beigetragen.

Das Gebiet heute

Heute leben ca. 19.000 Menschen im Bereich der Entwicklungsmaßnahme Bonn-Hardtberg. Trotz aller Erfolge bleibt es eine Herausforderung, die gebauten Stadtteile zu einer städtebaulichen Einheit zu entwickeln, die sich funktionell und ästhetisch in die Gesamtstadt einfügt. Untersuchungen zeigen aber, dass die Bewohner einen hohen Grad an Identifikation mit ihrem Stadtteil aufweisen. Damit unterscheidet sich das Gebiet von ähnlichen Siedlungsvorhaben in Deutschland.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Gemeinde

Stadt Bonn

Programmbereich

Entwicklungsmaßnahme

Projektbeginn

1965: Beginn der Vorbereitenden Untersuchungen
1972: förmliche Festlegung des Entwicklungsbereichs

Projektende

1991: Auslaufen der Förderung durch den Bund
2011: Abschluss der Maßnahme nach Entlassung aller Teilgebiete

Größe des Sanierungsgebietes

710 ha

Volumen der Städtebaufördermittel

143 Mio. Euro, davon 25 Mio. Euro Bundesanteil im Programm "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen"

Gebietstypus

Errichtung neuer funktionsgemischter Stadtteile am Stadtrand von Bonn unter Einbezug bestehender Ortslagen

Kontaktdaten

Kommune:

Stadt Bonn
Stadtplanungsamt


Herr Manfred Maaß (Sachgebietsleiter)
Tel.: +49 228 773662
Fax: +49 228 775836

E-Mail: manfred.maass@bonn.de


Link / weitere Informationen

Informationsportal der Stadt Bonn

Architektur des Stadtteilzentrums Brüser Berg


Stand

Januar 2010

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