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Bremen-Lüssum

Sanierungsmaßnahme

Zusammenfassung

Das Fallbeispiel Bremen-Lüssum zeigt, welche Chancen, aber auch welche Grenzen Sanierungsmaßnahmen haben. Positive Impulse für die Entwicklung des Quartiers wurden ausgelöst. Der Stadtteil hat in seiner baulichen Struktur an Qualität gewonnen und ist zu einem lebenswerten Ort geworden. Zu Beginn der Maßnahme war deutlich geworden, dass die tiefer greifenden sozioökonomischen Probleme der Bevölkerung von der baulichen Erneuerung vielfach unberührt bleiben würden. Ein integrierter Handlungsansatz mit dem Schwerpunkt auf soziale Maßnahmen wurde entwickelt, um eine dauerhafte soziale Stabilisierung zu erreichen.

Kontext

In den 1990er Jahren wandte sich Bremen verstärkt der Erneuerung von Großwohnsiedlungen zu. Durch das Amt für Soziale Dienste und das Amt für Wohnung und Städtebauförderung wurde das Programm "Nachbesserung von Großwohnsiedlungen" initiiert. Dieses Programm wurde 1999 durch das Programm "Wohnen in Nachbarschaften - WiN" mit ähnlicher Zielsetzung abgelöst. Die Sanierungsmaßnahme Bremen-Lüssum war Teil dieses Programms. Die Einbeziehung der beiden genannten Ämter macht deutlich, dass es sich dabei um einen integrierten Ansatz handelte, der sowohl auf die städtebauliche als auch auf die soziale Erneuerung abzielte. Finanziert wurde das Programm aus Mitteln der Städtebauförderung, Mitteln des Landes Bremen sowie Mitteln privater Akteure wie z. B. Wohnungsbauunternehmen. Ein wesentlicher Schwerpunkt lag auf der Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger, die z. T. erheblichen Einfluss auf die Umsetzung von investiven Maßnahmen nehmen konnten. Der Erneuerungsprozess in Lüssum ist bis heute nicht abgeschlossen, was sich auch in der Teilnahme an den Bund-Länder-Programmen "Soziale Stadt" und "Stadtumbau West" ausdrückt.

Projektbeschreibung

Das Sanierungsgebiet ist durch die Großwohnsiedlung "Neunkirchner Weg" geprägt, die im Eigentum verschiedener privater und öffentlicher Wohnungsbauunternehmen ist. Sie wurde in den 1960-70er Jahren erbaut und ist durch viergeschossige Gebäude mit unterschiedlichen Wohnungsgrundrissen geprägt. Ein 14-geschossiges Punkthochhaus stellt eine markante Dominante dar. Fünf achtgeschossige Punkthäuser sind mittlerweile abgerissen worden.

Das Sanierungserfordernis ergab sich aus strukturellen Defiziten des Stadtteils. Auch hatte die Belegungspolitik des Sozialen Wohnungsbaus in der Großwohnsiedlung zu einer Konzentration von sozioökonomischen Problemlagen geführt. Durch die Sanierung sollten die soziale Infrastruktur, die Bausubstanz der Wohngebäude sowie Straßen, Wege, Plätze und Freiflächen aufgewertet werden.

Im Zuge der Sanierung entstanden ein neuer Quartiersplatz, ein Jugendspielbereich und neue Wege für Fußgänger und Radfahrer. Die soziale Infrastruktur wurde (z. B. über den Neubau "Haus der Zukunft", eine Erweiterung des Spiel- und Gemeinschaftshaus und den Neubau des Horthauses Fillerkamp) aufgewertet. Die Nahversorgung konnte verbessert und das Wohnumfeld aufgewertet werden. Erhebliche Mittel, in großem Umfang bereit gestellt durch die Wohnungsbauunternehmen, sind in die Umgestaltung und Modernisierung der Wohngebäude geflossen.

Für die Sanierung waren das Amt für Wohnung und Städtebauförderung und das Bauamt Bremen-Nord zuständig. Sanierungsbeauftragter war das Architekturbüro ARCHIDEA. Im Stadtteil agierten die Projektgruppe Lüssum, Bewohnerplanungsgruppen sowie die Stadtteilgruppe Lüssum, die über Einzelmaßnahmen und Festlegung von Arbeitsschwerpunkten entschieden.

Handlungsfelder

Integrierte Erneuerung, Bewohnerbeteiligung, Aufwertung des Wohnumfeldes, Ausbau der sozialen Infrastruktur, Umgestaltung der Straßenräume und Schaffung von Wegeverbindungen, Stärkung der lokalen Infrastruktur, Verkehrsberuhigung, Qualifizierung von Freiräumen, Stabilisierung der Sozialstruktur

Einzelmaßnahmen

Haus der Zukunft, Quartiersplatz an der Lüssumer Heide, Horthaus Fillerkamp, Umgestaltung von Freiräumen und Hauseingangsbereichen (u. a. behindertengerechte Zugänge), Umbau Ladenzentrum an der Lüssumer Heide, Erweiterung des Spiel- und Gemeinschaftshauses, Schaffung von Mietergärten, Umgestaltung des Schulhofes der Tami-Oelfken-Schule

Finanzierung

Die Finanzierung der Sanierungskosten in einer Höhe von 4,15 Mio. DM geschah über Städtebaufördermittel des Bundes und der Gemeinde. Von privater Seite, also durch die Wohnungsbaugesellschaften, sind zusätzlich geschätzte Mittel in Höhe von 40,0 Mio. DM in die Sanierung investiert worden. Darüber hinaus sind ein Teil der Maßnahmen unter Einbeziehung von Beschäftigungsinitiativen durchgeführt worden, was die Kosten für die Stadt Bremen gesenkt hat. Da die Sanierung im vereinfachten Verfahren durchgeführt wurde, sind keine Ausgleichsbeiträge erhoben worden.

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1987-90Vorbereitende Untersuchungen
1989Maßnahmen zur Umgestaltung von Freiräumen und Eingangsbereichen im Wohnungsbestand der Beamten-Baugesellschaft Bremen
1990Förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes
1996Umbau des Ladenzentrums am Lüssumer Ring
1997Einweihung "Haus der Zukunft"
1998Auflegung des Bremer Programmes "Wohnen in Nachbarschaften"
1999Lüssum-Bockhorn wird Programmgebiet in der "Sozialen Stadt"
2001Aufhebung der Sanierungssatzung
2006Lüssum-Bockhorn wird Programmstadtteil im Programm "Stadtumbau West"

Besonderheiten

  1. Einen hohen Stellenwert im gesamten Prozess der Erneuerung hatte die Beteiligung der Bewohner und der zahlreichen Stadtteilinitiativen. Bereits 1988 wurden Bildungsseminare für die Bewohner zum Thema Nachbesserung durchgeführt. Die Bewohner wurden durch diese und weitere Maßnahmen in die Lage versetzt, qualifiziert über die Sanierungsmaßnahmen (z. B. Planung der Wohnhöfe und Hauseingangsbereiche) mit zu entscheiden und für einzelne Programme Budgetverantwortung zu übernehmen. Die Möglichkeit der aktiven Teilhabe hat zur Identifikation mit dem Wohnumfeld beigetragen, Nachbarschaften konnten stabilisiert und stellenweise die Fluktuation gemindert werden.
  2. Die Schaffung des "Hauses der Zukunft" und des Spiel- und Gemeinschaftshauses wurde mit großem Engagement gefördert. Sie leisten durch ihre bemerkenswerten Konzepte von zielgruppenspezifischen Qualifizierungs-, Beratungs- und Freizeitangeboten einen wichtigen Beitrag zur sozialen Stabilisierung des Stadtteils. Das "Haus der Zukunft" hat zudem aufgrund seiner architektonischen Qualitäten 1998 einen Preis des Bundes Deutscher Architekten erhalten.

Lernerfahrungen

  1. Die Sanierungsstrategie hat die Bedeutung integrierter Handlungsansätze gezeigt. In Bremen-Lüssum wurde von Beginn an die Sanierung in einen größeren stadtpolitischen Kontext gestellt und mit städtischen Programmen (Nachbesserung in Großwohnsiedlungen, Wohnen in Nachbarschaften) mit Mittelbündelung ergänzt, da eine rein bauliche Aufwertung zur nachhaltigen Stabilisierung des Stadtteils nicht ausreichte. Auch wenn die Sanierung im Sinne des Städtebauförderungsgesetzes zu Beginn der Maßnahme keinen Spielraum für die Konzeption und Finanzierung sozial-ökonomischer Maßnahmen bereit hielt, wurden Fördermittel gebündelt und gezielt Vorschläge zur Verbesserung der Wohn- und Alltagssituation der Bewohner gemacht. Dazu zählten bspw. die Veränderung der Belegungspolitik, Aus- und Weiterbildungsprojekte, Beratungsangebote für Ausländer sowie Selbsthilfe- und Beschäftigungsgruppen. Diese integrierte Vorgehensweise hat sich als ausgesprochen vorbildhaft im Umgang mit problematischen Stadtquartieren erwiesen.
  2. Die Maßnahme hat die möglichen Schwierigkeiten im Umgang mit Beständen von Immobilienfonds gezeigt. 866 Wohnungen wurden trotz erheblicher Bau- und Gestaltungsmängel durch die Fondsverwaltung nicht modernisiert. Dadurch verzögerte sich die allgemeine bauliche Aufwertung des nördlichen Teilbereiches. Gelöst werden konnte der Konflikt nur durch den Kauf der Wohnungen durch ein lokales Wohnungsbauunternehmen.
  3. Unterschätzt wurde die Problematik der hohen Fluktuation in Bezug auf die Pflege der im Rahmen der Sanierung geschaffenen Mietergärten. Sie sind z. T. in schlechtem Zustand und beinträchtigen das Erscheinungsbild der Wohnungsbestände.

Das Gebiet heute

Die Ziele, die mit den Sanierungsmaßnahmen angestrebt wurden, sind weitgehend erreicht worden. Insbesondere die Neuregelung des fließenden und ruhenden Verkehrs und die Aufwertung des Wohnumfeldes sind hier zu nennen. Der Gebäudebestand befindet sich nach den Aufwertungsmaßnahmen in einem vergleichsweise guten Zustand. Nach wie vor problematisch ist die einseitige Sozialstruktur im Stadtteil, die sich auch durch die langjährige Förderung im Zuge der Städtebauförderung nicht entscheidend verändert hat und dem Stadtteil heute immer noch ein schwieriges Image verleiht. Einzelne besonders problematische Hochhäuser sind im Rahmen des Programms "Stadtumbau West" inzwischen zurückgebaut worden, was den statistischen Leerstand im Quartier verringert hat. Die eingerichteten öffentlichen Plätze werden gut angenommen und dienen der ansässigen Wohnbevölkerung zur Kommunikation.

Zusatzinformationen

Bundesland

Bremen

Gemeinde

Hansestadt Bremen, Stadtteil Blumenthal

Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, vereinfachtes Verfahren

Projektbeginn

1990 (förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes)

Projektende

2001

Größe des Sanierungsgebietes

23,9 ha

Volumen der Städtebaufördermittel

ca. 4,15 Mio. DM

Gebietstypus

Großwohnsiedlung der 1960/70er Jahre in peripherer Lage

Kontaktdaten

Kommune:

Bauamt Bremen-Nord

Christof Steuer

Gerhard-Rohlfs-Str. 48A
28757 Bremen

Tel.: +49 421 3617334

E-Mail: christof.steuer@bauamtnord.bremen.de

Link / weitere Informationen

Haus der Zukunft

Stand

Januar 2010

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