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Hameln - Altstadt

Sanierungsmaßnahme

Zusammenfassung

Fußgängerzone Bäckerstraße - Blick nach Norden Fußgängerzone Bäckerstraße - Blick nach NordenFußgängerzone Bäckerstraße - Blick nach Norden Quelle: Plan und Praxis Berlin

Die Sanierung der Hamelner Altstadt ist ein Beispiel für eine gelungene Erneuerung eines historischen Stadtzentrums. Sie steht beispielhaft für den Wandel der allgemeinen Sanierungszielsetzung von der Flächensanierung hin zur erhaltenden Erneuerung. Zahlreiche Privateigentümer konnten erfolgreich zu Investitionen in den Altbaubestand animiert werden. Wichtige Baudenkmäler aus der Zeit der Weser-Renaissance sind gerettet worden, und die instand gesetzte historische Bausubstanz der Altstadt hat nicht nur die Identifikation der Hamelner Bürger mit ihrer Stadt gestärkt, sondern auch den überregionalen touristischen Wert und die Bedeutung als Versorgungszentrum erhöht.

Kontext

Sanierte Pfortmühle mit Busbahnhof Sanierte Pfortmühle mit BusbahnhofSanierte Pfortmühle mit Busbahnhof Quelle: Plan und Praxis Berlin

Die Altstadt Hameln gehört zu den ersten Sanierungsgebieten, die nach dem Inkrafttreten des Städtebauförderungsgesetzes festgelegt wurden. Nach dem die funktionale Erneuerung der Altstadt als Versorgungszentrum und Wohnstandort zu Beginn der Maßnahme zentrales Ziel war und Teile der Altstadt abgerissen wurden, stand seit Mitte der 1970er Jahre die Erhaltung des historischen Stadtbildes im Vordergrund, das durch kleinteilige Sandstein- und Fachwerkbauten aus dem 16.-18. Jahrhundert geprägt wird. Neben der Pflege des Stadtbildes waren insbesondere die Modernisierung der historischen Bauten, ergänzender Neubau, Schaffung von Freiflächen und Verkehrsberuhigungsmaßnahmen vorgesehen. Die Sanierungsmaßnahme sollte auch zur Stabilisierung der Sozialstruktur beitragen.


Projektbeschreibung

Stadtmuseum Hameln Stadtmuseum HamelnStadtmuseum Hameln Quelle: Plan und Praxis Berlin

Die direkt an der Weser liegende Altstadt blieb im 2. Weltkrieg nahezu unzerstört und ist ein stadthistorisches Denkmal von überregionalem Stellenwert. Die Sanierung der ca. 30 ha großen Altstadt war aufgrund der sehr kleinteiligen und dichten Bebauung ein komplexer Vorgang. Noch vor Verabschiedung des Städtebauförderungsgesetzes wurde über die Sanierung der Altstadt entschieden. Mit seinem Inkrafttreten 1971 wurden zwei Sanierungsgebiete mit einer Größe von insgesamt 25 ha und knapp 4.000 Einwohnern festgesetzt. Anlass für die Ausweisung der Sanierungsgebiete waren der mangelhafte Zustand der historischen Bausubstanz sowie verkehrliche Kapazitätsengpässe und die funktionellen Unzulänglichkeiten des Stadtkerns als Einzelhandels-, Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum.

Der Grunderwerb und der Abriss von Gebäuden begannen vier Jahre vor der förmlichen Festlegung der Sanierungsmaßnahme. 1974 wurde mit dem Bau der Fußgängerzone die erste konkrete Baumaßnahme begonnen. Insgesamt wurden 117 öffentlich geförderte Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. 265 Wohnungen, 53 Gewerbeeinheiten und fünf öffentliche Einrichtungen wurden saniert.

1970 wurde ein Sanierungsträgervertrag mit der Neuen Heimat Bremen abgeschlossen. In der Stadtverwaltung mündete die interdisziplinäre Zusammenarbeit 1975 in der Gründung der "Arbeitsgruppe Altstadtsanierung". Als Instrument der Bürgerbeteiligung gründete man 1972 einen Sanierungsbeirat.

Handlungsfelder

Stärkung der Wohn- und Versorgungsfunktion der Altstadt, Erhalt der historischen Bausubstanz ("Weser-Renaissance"), Erhöhung des Freiflächenanteils, Aufwertung des Weserufers, Neuordnung des ruhenden und fließenden Verkehrs, Schaffung von Gemeinbedarfseinrichtungen, Aktivierung von Eigentümern und Bewohnern

Einzelmaßnahmen

Gestaltung der Fußgängerzone, Sanierung und Umbau der historischen Pfortmühle zur Bibliothek, Sanierung des historisches Speichergebäudes "Kurie Jerusalem" und Umnutzung zum Kinder- und Jugendzentrum, Sanierung des Rattenfängerhauses, Umgestaltung der Osterstraße und des Pferdemarktes, Neubau eines Kaufhauses und der Hauptpost, Bau eines Kindergartens und zweier Turnhallen, Aufwertung der Weserinsel "Werder" zu Erholungs- und Freizeitzwecken, Bau von Tiefgaragen und Parkplätzen

Finanzierung

Insgesamt sind in den beiden Altstadt-Sanierungsgebieten in Hameln knapp 60 Mio. Euro an Städtebauförderungsmitteln investiert worden. Ein Großteil wurde für den Erwerb von Grundstücken und für Ordnungsmaßnahmen ausgegeben. Knapp 5 Mio. Euro konnten durch Ausgleichsbeträge eingenommen werden. Neubaumaßnahmen wurden nicht über Städtebaufördermittel finanziert. Durch Mittel aus weiteren Förderungsprogrammen, wie z. B. zum sozialen Wohnungsbau, zum Denkmalschutz und zur Stadtbildpflege, standen nochmals rund 51 Mio. Euro zur Verfügung. Berechnungen zufolge hat die öffentliche Förderung ein privates Investitionsvolumen von rund 256 Mio. Euro bewirkt.

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1964Altstadt wird Sanierungsgebiet nach Bundesbaugesetz
1966Anerkennung als Modellvorhaben im "Förderprogramm zur Erneuerung von Städten und Dörfern des Bundes und der Länder"
1967/681. Planungs- und Sanierungskonzept und erste Bürger-Infobroschüre; Gründung der Aktionsgemeinschaft Altstadtsanierung
1970Sanierungsträgervertrag mit "Neue Heimat Bremen"
1971Für beide Sanierungsgebiete tritt die Sanierungssatzung nach Städtebauförderungsgesetz in Kraft; Gründung des Sanierungsbeirates; Beginn großflächiger Abbrucharbeiten
1973/741. Fortschreibung des Sanierungskonzeptes mit Bekenntnis zur verstärkten erhaltenden Erneuerung nach Protesten gegen die Abrissmaßnahmen
1975/762. Fortschreibung des Sanierungskonzeptes; Fertigstellung des Stadtentwicklungskonzeptes, Eröffnung des Sanierungsbüros in der Altstadt
1978Modernisierungskonzept für die Altstadt; Beginn der Förderung privater Modernisierungs- und Instandsetzungsvorhaben
1985Fertigstellung des letzten Abschnittes der Fußgängerzone
1992Offizieller Abschluss der Maßnahme und Aufhebung der Sanierungssatzung

Besonderheiten

Am Verlauf der Sanierungsmaßnahme lässt sich die Entwicklung des sanierungsrechtlichen Instrumentariums ablesen und nachvollziehen. Denn schon im Jahr 1964 wurde die Altstadt zum Sanierungsgebiet gemäß Bundesbaugesetz erklärt, und es wurde eine Veränderungssperre erlassen. 1966 kam es zur Aufnahme der Hamelner Altstadt als Modellvorhaben in das "Förderprogramm zur Erneuerung von Städten und Dörfern des Bundes und der Länder". Dadurch war die Finanzierung der Altstadtsanierung bereits vor Inkrafttreten des Städtebauförderungsgesetzes (StBauFG) gesichert, und umfangreiches Voruntersuchungsmaterial lag im Jahr des Inkrafttretens des Städtebauförderungsgesetzes 1971 vor. So konnte die Hamelner Altstadt zeitnah zum offiziellen Sanierungsgebiet nach StBauFG erklärt und eine Sanierungsatzung erlassen werden. Die nachfolgenden Jahre der Sanierungstätigkeit zeigen beispielhaft die Relevanz von Partizipation im Sanierungsprozess sowie die Entwicklung von der Flächensanierung zur erhaltenden Erneuerung mit ihren Auswirkungen auf die Sanierungsstrategie.

Lernerfahrungen

  1. Von Beginn an stand die Stärkung der Wohnfunktion im Fokus der Sanierungstätigkeit. Viele Bewohner hatten den Wunsch, nach der Neuordnung in der Altstadt wohnen bleiben zu können. Die Minimierung der erforderlichen Umzüge war Teil der sozialplanerischen Zielsetzung. Außerdem sollte auch nach der Sanierung ein Angebot an preiswertem Wohnraum vorhanden sein, jedoch wurde parallel dazu angestrebt, neue Bewohner mit höherem sozialen Status durch entsprechende Angebote zu einem Umzug in die Altstadt zu bewegen und damit eine positive Aufwertung der Sozialstruktur zu erreichen. Dieses Ziel konnte jedoch nur sehr eingeschränkt erreicht werden. Auch konnte die Zahl der Wohnungen nicht erhöht werden, da Planungen für Neubauten aufgegeben wurden. Aber es ist durch die Modernisierungsmaßnahmen gelungen, die negative Entwicklung der Sozialstruktur zu stoppen.
  2. Es stellte sich bald nach Beginn der Maßnahme heraus, dass für eine reibungslose und koordinierte Umsetzung ein für alle Fragen der Altstadtsanierung zuständiger zentraler Ansprechpartner notwendig ist. Deshalb wurde bereits 1975 die "Arbeitsgruppe Altstadtsanierung" gegründet, die direkt dem Stadtbaurat unterstand (Fachaufsicht) und in die sechs Personen aus verschiedenen Ämtern delegiert wurden. Die Bildung der Arbeitsgruppe hat zu einer Effektivierung der die Sanierung betreffenden Verwaltungsprozesse und -abläufe geführt.
  3. Die Aktivierung der Eigeninitiative von Eigentümern gelang nach ersten städtebaulichen Aufwertungen des Umfeldes zunächst nur in den zentralen Geschäftslagen. Modernisierungen konnten in den Nebenstraßen mit überwiegender Wohnnutzung angestoßen werden. Daraufhin begann die Stadt ab 1974 Einzelobjekte und zwei zusammenhängende Straßenzeilen mit Hilfe von Förder-Sonderprogrammen zu sanieren, um beispielhaft Architekten und dem Bauhandwerk Techniken und Lösungen im Umgang mit alten Fachwerkbauten aufzeigen zu können. Es konnte im Anschluss durch aktive Beratung und umfassende Betreuung das Modernisierungskonzept mit zunehmendem Erfolg umgesetzt werden.

Das Gebiet heute

Obwohl bis zum offiziellen Abschluss der Sanierung nicht alle Gebäude in der Altstadt modernisiert werden konnten, hat sich das Erscheinungsbild der Altstadt in Folge der Sanierungsmaßnahmen entscheidend verbessert. Zahlreiche Gebäude konnten vor dem Verfall gerettet werden und das historische Stadtbild als Ganzes erhalten bleiben, auch wenn in einigen Gebieten (z. B. am Weserufer) weiterhin noch städtebaulicher Verbesserungsbedarf besteht. Durch das neue Verkehrskonzept (Herausnahme des Durchgangsverkehrs, Anlage von Fußgängerzonen) präsentiert sich der historische Stadtkern inzwischen als ein geschlossenes Ganzes mit hohem Aufenthaltswert. Allerdings sind insbesondere im Hinblick auf die Bewahrung der Attraktivität der Altstadt als Einkaufsstandort bereits erste Erneuerungsmaßnahmen notwendig, die im Rahmen der Sanierung durchgeführte Gestaltungs- und Baumaßnahmen betreffen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Niedersachsen

Gemeinde

Stadt Hameln

Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, umfassendes Verfahren

Projektbeginn

1964: Modellvorhaben im "Förderprogramm zur Erneuerung von Städten und Dörfern des Bundes und der Länder"
ab 1971 im Förderprogramm "Städtebauliche Sanierung und Entwicklung"

Projektende

1992

Größe des Sanierungsgebietes

25 ha (unterteilt in zwei Sanierungsgebiete)

Volumen der Städtebaufördermittel

knapp 60 Mio. Euro ab 1964, davon knapp 41 Mio. Euro ab 1971 im Bund-Länder-Programm "Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen"

Gebietstypus

Kleinteilige Altstadt mit hohem Bestand an Fachwerkhäusern

Kontaktdaten

Kommune:

Stadtplanungsamt Hameln

Rathausplatz 1

31785 Hameln

Herr Lentge

Tel.: +49 5151 2021482

E-Mail: lentge@hameln.de

Herr Piepenschneider

Tel.: +49 5151 2021297

E-Mail: piepenschneider@hameln.de

Link / weitere Informationen

Hamelner Altstadtsanierung

Die Sanierung der Altstadt von Hameln

Stand

Dezember 2009

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