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Hannover Linden-Nord

Sanierungsmaßnahme

Zusammenfassung

Anders als die meisten anderen hannoverschen Quartiere wurde Linden im 2. Weltkrieg kaum zerstört, so dass eine stark verdichtete gründerzeitliche Blockrandbebauung vorherrscht. Das zentrale Ziel der Sanierung bestand darin, Linden-Nord in seiner Funktion als innerstädtischen Wohnstandort zu sichern und zukunftsfähig zu machen. Dies sollte durch die Modernisierung des Wohnungsbestandes, die Schaffung zusätzlicher Gemeinbedarfseinrichtungen und eine Stärkung der Versorgungsfunktion der Limmerstraße erfolgen.

Kontext

Seit Einführung des Städtebauförderungsgesetzes 1971 wurden insbesondere in innenstadtnahen Altbauquartieren Hannovers Stadterneuerungsmaßnahmen durchgeführt, die funktional und baulich erneuert werden sollten. Umfangreiche Flächensanierungen wurden anfangs geplant und zum Teil auch durchgeführt. Mitte der siebziger Jahre ging man zum Konzept der erhaltenden Sanierung über, so auch im Sanierungsgebiet Linden-Nord. Dort ist die Sanierungsmaßnahme seit 2003 abgeschlossen.


Projektbeschreibung

Der Stadtteil Linden liegt südwestlich der Innenstadt und entstand Anfang des 19. Jahrhunderts durch den Bau von Wohnquartieren für Arbeiter der Lindener Industriebetriebe. Im Vorfeld der Sanierung kam es zu einer rasanten Veränderung der Sozialstruktur im Stadtteil, und kleinräumige Flächensanierungen wurden vorgenommen.

Das Sanierungsgebiet hat eine Größe von 67 ha mit ca. 20.500 Einwohnern bei Beginn der Sanierung, heute sind es ca. 16.500. Es wurden 453 Wohneinheiten in 93 Wohngebäuden und 307 Gewerbe- und Lagergebäude sowie Schuppen abgerissen. Modernisierungen und Instandhaltungsmaßnahmen wurden in rund 800 Wohnungen durchgeführt. Trotz Entkernung vieler Blockinnenbereiche konnte die Gesamtzahl der Wohnungen durch Neubauprojekte erhöht werden.

Rund 840 neue Wohnungen wurden errichtet, überwiegend im öffentlich geförderten Wohnungsbau. Zahlreiche neue Gemeinbedarfseinrichtungen (Kindertagesstätten, Jugend- und Alteneinrichtungen, Kulturzentrum etc.) sowie Spielplätze und Grünflächen wurden realisiert. Auch konnte die Verkehrssituation verbessert und insbesondere das Nahversorgungszentrum Limmerstraße gestärkt werden.

Die Sanierung wurde von der interdisziplinären Abteilung für Sanierungen durchgeführt. Bürgerinitiativen beteiligten sich von Anfang an intensiv. Die Einrichtung einer Sanierungskommission, eines Stadtteilforums und das Konzept der Anwaltsplanung sorgten für eine starke Einbeziehung der Bürgerinteressen. Ein wichtiger Partner war auch die Gemeinnützige Baugesellschaft Hannover (GBH).

Handlungsfelder

Sozialplanung, Anwaltsplanung, Schaffung öffentlicher Spiel- und Freiflächen, Schaffung sozialer Infrastruktur, Partizipation, Aufwertung Bausubstanz

Einzelmaßnahmen

Aufwertung und Umgestaltung der Einkaufsstraße Limmerstraße, Bau einer Fußgängerbrücke über den Fluss Ihme, Entkernung von Blockinnenbereichen, Umnutzung eines Bunkers an der Ottenstraße, Gewerbehof / Kulturzentrum Faust

Finanzierung

Der größte Teil der Städtebauförderungsmittel in Höhe von 71 Mio. Euro floss von 1978 bis 1986, ab 1997 wurden keine Fördermittel mehr gezahlt. Neubaumaßnahmen wurden vor allem durch Mittel des Sozialen Wohnungsbaus (ca. 32 Mio. Euro) finanziert. Durch Bundesmittel des Zukunftsinvestitionsprogramms (ZIP) konnte z.B. der Ausbau der Fußgängerzone Limmerstraße finanziert werden. Je ein Viertel der Einnahmen kam durch Erträge aus Grundstücksveräußerungen und durch Eigenmittel der Stadt zustande; die andere Hälfte durch Städtebauförderungsmittel von Bund und Land.

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1973Flächensanierungsmaßnahmen in Linden-Nord
1974Durchführung der vorbereitenden Untersuchungen in Linden-Nord
1976Förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes Linden-Nord; Veröffentlichung der Studie "Sozialplanerische Erhebungen"; Veröffentlichung der Bürgerinformation "Zur Diskussion - Sanierung Hannover Linden-Nord"
1978Gründung der Sanierungskommission und des Stadtteilforums
1990Erweiterung des Sanierungsgebietes im Bereich "Pfarrlandstraße"
1994Erweiterung des Sanierungsgebietes im Bereich "Fössebad"
1996Erhaltungssatzung wird rechtskräftig; Sanierungsabschluss 1. Teilbereich
1998Sanierungsabschluss 2. Teilbereich
2000Sanierungsabschluss 3. Teilbereich
2003Die Sanierungssatzung wird förmlich aufgehoben

Besonderheiten

  1. Im Prozess der Bürgerbeteiligung wurde das Verfahren der Anwaltsplanung (advocacy planning) angewendet, ein besonderes, ursprünglich in den USA entwickeltes Instrument. Die Stadt finanzierte hierbei einen Anwalt, der explizit die Interessen der Lindener Bürger und Bürgerinitiativen gegenüber der städtischen Planungsabteilung vertreten sollte. Der Anwaltsplaner sowie die ihn unterstützenden Fachleute erhielten für ihre Arbeit von der Stadt ein Budget, mit dem 720 Arbeitsstunden pro Jahr finanziert werden konnten. Die Bürger beurteilten die Arbeit des Anwaltsplaners nach Abschluss der Sanierung als positiv, weshalb das Konzept anschließend auf andere Stadtteile, später sogar auf die Gesamtstadt übertragen wurde.
  2. Einige der Neubauprojekte zeichneten sich durch innovative Bau- und Betreibermodelle aus (Nutzung von Erbpacht, Selbsthilfe, Baugenossenschaften). Eine Vielzahl von Projekten konnte durch neu gegründete oder bestehende stadtteilbezogene Trägervereine und Institutionen oder Genossenschaften sowie durch das Engagement von Kirchengemeinden realisiert werden.
  3. In Hannover wurde die Sanierung nicht von einem Sanierungsträger durchgeführt oder unterstützt, sondern von der Verwaltung eigenständig organisiert. Hierfür wurde innerhalb des Stadtplanungsamtes die Abteilung für Sanierungen eingerichtet, die sich mit Organisation und Durchführung der hannoverschen Stadtumbaugebiete beschäftigte. Ein weiterer wichtiger Partner im Sanierungsprozess war die Gemeinnützige Baugesellschaft Hannover (GBH). Die Stadt nutzte die GBH, um im Rahmen der Sanierung aufgekaufte Grundstücke ihren Vorstellungen entsprechend weiterzuentwickeln – vor allem durch den Neubau von Sozialwohnungen.Lernerfahrungen.

Lernerfahrungen

  1. Konflikte entstanden vor allem durch (anfängliche) Differenzen bei den Zielvorstellungen zwischen Planern und Bürgern. Die anfangs diskutierten Flächensanierungsplanungen bewirkten eine Mobilisierung der Bürger, die zu einer starken aktiven Beteiligung führte. Durch die Bürgerproteste im zuerst begonnenen Sanierungsgebiet Linden-Süd (vier Jahre Vorsprung) hatten die Verantwortlichen jedoch hinzugelernt und vorbildliche Bürgerbeteiligungsstrukturen organisiert, die auch außerhalb des Sanierungsgebietes Anerkennung gefunden haben. Die verschiedenen Meinungen – auch die Bürgerinitiativen hatten teilweise sehr unterschiedliche Positionen – führten zu Kompromissen, die nicht von allen Akteuren befürwortet wurden, sich im Nachhinein oft aber als gute Lösungen erwiesen haben.
  2. Das Ziel, die Bewohnerstruktur des Quartiers zu erhalten, konnte vor allem durch Projekte des sozialen Wohnungsbaus und die Aufstellung einer Erhaltungssatzung erfüllt werden. So liegt z.B. das Mietniveau trotz der Modernisierungsmaßnahmen unter dem hannoverschen Durchschnitt. So ist Linden-Nord auch nach der Sanierung ein Quartier mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an einkommensschwachen Haushalten sowie an Rand- und Problemgruppen. Die für die ganze Stadt wichtige Integrationskraft des Stadtteils konnte aber durch den Ausbau der sozialen Infrastruktur gesteigert werden.

Das Gebiet heute

Die wesentlichen Ziele der Sanierung wurden erreicht, und 2003 konnte die Sanierungssatzung aufgehoben werden. Die Bürger identifizieren sich stark mit dem Stadtteil. Im Laufe der Sanierung hat sich eine Szene aus aktiven Bürgern, Architekten und Planern entwickelt, die noch immer besteht und das Quartier prägt. Es ist ein relativ harmonisches Mit- oder Nebeneinander sozialer Milieus festzustellen, wobei das Quartier aufgrund der verhältnismäßig preiswerten Mieten auch für kreative und innovative Milieus attraktiv ist.

Zusatzinformationen

Bundesland

Niedersachsen

Gemeinde

Hannover

Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, umfassendes Verfahren

Projektbeginn

1976 (bereits 1973 Flächensanierung in Teilbereichen)

Projektende

2003

Größe des Sanierungsgebietes

67 ha

Volumen der Städtebaufördermittel

Ca. 71 Mio. Euro

Gebietstypus

Innenstadtnahes Gründerzeitquartier

Kontaktdaten

Kommune:

Stadtplanungsamt Hannover

Michael Römer

Rudolf-Hillebrecht-Platz  1

30159  Hannover

Tel.: +49 511 16845451

E-Mail: Michael.Roemer.61@hannover-stadt.de


Stand

Dezember 2009

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