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Neumarkt i. d. Oberpfalz - Altstadt

Sanierungsmaßnahme

Zusammenfassung

Neubau Konzerthalle Reitstadel mit verglastem Erweiterungsbau Neubau Konzerthalle Reitstadel mit verglastem ErweiterungsbauNeubau Konzerthalle Reitstadel mit verglastem Erweiterungsbau Quelle: Plan und Praxis Berlin

Die Sanierung der Altstadt von Neumarkt kann als notwendige Maßnahme angesehen werden, die einen wichtigen Beitrag zur Anpassung der Stadtstruktur an zeitgemäße Bedürfnisse geleistet hat. Verschiedene Gründe haben dazu beigetragen, dass diese trotz langer Laufzeit noch weit von ihrem Abschluss entfernt ist. Einige davon haben ihren Ursprung in Durchführungsschwierigkeiten, andere in der Struktur der Nachkriegssubstanz aus der Wiederaufbauperiode und wieder andere in Entwicklungen, die die Kerne von Mittelstädten generell betreffen.

Kontext

Oberer Markt Oberer MarktOberer Markt Quelle: Plan und Praxis Berlin

Die Mitte des 12. Jahrhundert gegründete Altstadt erlitt erhebliche Kriegszerstörungen. Der Wiederaufbau erfolgte oft auf historischen Parzellen. Das alte Stadtbild wurde mit teilweiser Vereinfachung der architektonischen Formen wiederhergestellt. Einzelne Gebäude blieben als Ruinen erhalten. Die die Altstadt durchziehende Marktstraße war einer hohen Verkehrsbelastung ausgesetzt. Zurückgehende Bevölkerungszahlen, Funktionsverluste und Mängel in der Bausubstanz waren für die Stadt Mitte der 1970er Jahre der Anlass für die erste Sanierungsgebietsausweisung, drei weitere folgten bis 2001.

Projektbeschreibung

Wohnpark Johannisviertel Wohnpark JohannisviertelWohnpark Johannisviertel Quelle: Plan und Praxis Berlin

Im Rahmen der Sanierung sollten das Stadtbild in seiner historischen Abgrenzung bewahrt und die Innenstadt als Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum weiterentwickelt werden. In den Obergeschossen des Zentrums und den Randlagen war Wohnen vorgesehen. Hierfür waren die Steigerung der Lebensqualität durch Modernisierung und Instandsetzung, die Anlage von Hausgärten, Verkehrsberuhigung und Begrünung von Plätzen und Straßen erforderlich.

Obwohl die Altstadt weitgehend wieder aufgebaut worden war, wies sie in ihren teilweise hoch verdichteten Quartieren sehr unterschiedliche Bebauungszustände und einzelne Ruinen auf. Daraus leitete die Stadt Mitte der 1970er Jahre ihr Sanierungserfordernis ab, das ursprünglich von dem noch in sehr schlechtem Zustand erhaltenen nordöstlichen Teil der Altstadt ausging, aber schließlich in mehreren Schritten die gesamte Altstadt umfasste und inzwischen teilweise mit der Erneuerung der Bausubstanz aus der Nachkriegszeit befasst ist.

Ordnungsmaßnahmen bildeten über einen langen Zeitraum hinweg einen Schwerpunkt der Sanierungstätigkeiten. Straßen und Plätzen wurden aufgewertet und Stellplatzanlagen zur Entschärfung der Verkehrsprobleme gebaut. Die Marktstraße wurde für Pkw gesperrt. Wichtige Baumaßnahmen waren die Sanierung ortsbildprägender Gebäude, darunter das als Ruine erhaltene Reitstadel sowie das Untere Tor, die Grundschule, das "Burgerhäusl" und die beiden innerstädtischen Rathausgebäude. Der Sanierung von Wohngebäuden wandte man sich in zwei Phasen ab Mitte der 1980er mit der Sanierung von Kasernen und verstärkt erst ab Mitte der 1990er mit verschiedenen Modernisierungs- und Neubauprojekten zu.

Bei der Sanierung wurden private Planungs- und Sozialplanungsbüros zur Erarbeitung verschiedener Planungen beauftragt. Sanierungsträger war die Stadtbau Amberg GmbH. Am Anfang zielte die Sanierung auf Interessen der innerstädtischen Einzelhändler ab. Später spielten die Weiterentwicklung von Wohnen und die Bewohnerinteressen eine stärkere Rolle. Die Aufnahme in das Programm Soziale Stadt 2002 veränderte den Schwerpunkt der Sanierung.

Handlungsfelder

Bewahrung des charakteristischen Stadtbilds, Qualifizierung der Innenstadt als Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum sowie des Wohnstandorts, Anlage von Hausgärten, Verkehrsberuhigung und Begrünung von Plätzen und Straßen, Schaffung kultureller Infrastruktur, Umsetzung von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, Errichtung von Neubauten in ortsüblicher Bauweise

Einzelmaßnahmen

Umgestaltung der Marktstraße zur Fußgängerzone, Wiederaufbau des "Unteren Tors", Sanierung der Grundschule in der Bräugasse und des "Burgerhäusls", Sanierung und Ausbau der beiden innerstädtischen Rathausgebäude, Schaffung eines Kulturzentrums rund um das Schloss, Umgestaltung des Kirchplatz St. Johannes, Umgestaltung des Viehmarktes, Wiederaufbau und Umgestaltung des "Reitstadels" zur Konzerthalle, städtischer Wohnungsbau, u. a "Fasshalle" und "Schwesternhaus"

Finanzierung

Im Zeitraum von 1975 bis 2000 wurden 69,24 Mio. DM abgerechnet. Die Stadt erhielt im Rahmen der Förderung 26,79 Mio. DM Finanzhilfen von Bund und Land sowie 1,78 Mio. DM sonstige Förderung. Von den im Bund-Länder-Programm bis 1992 abgerechneten Gesamtkosten von 59,59 Mio. DM entfielen 41,98 Mio. DM auf Ordnungsmaßnahmen, ca. 25 Mio. DM allein auf Parkierungseinrichtungen, über 13 Mio. DM auf Straßen- und Gassengestaltungsmaßnahmen und 3,5 Mio. DM auf Platzgestaltungen.

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1975Aufnahme in das Bund-Länder-Programm; Auftrag zur Erarbeitung von Vorbereitenden Untersuchungen
1976Förmliche Festlegung des "Sanierungsgebietes I"
1987-1991Sanierung von wohngenutzten Kasernenbauten im städtischen Eigentum sowie Neupflasterung/Begrünung/Baumpflanzung von Hallertorstraße, Zißler-und Kirchengasse, Viehmarkt und eines Teils der Pulverturmgasse
1989/90Eröffnung des Parkhauses Rosengasse mit arrondierender Neubebauung; Abschluss der Marktstraßenumgestaltung, Neubau des Unteren Tors
1991/92Förmliche Festlegung der Sanierungsgebiete "II" und "Johannesviertel"
1993Wechsel in das Bayerische Städtebauförderungsprogramm; Sperrung eines Teils der Marktstraße für den Verkehr
1995/96Sanierung der Bräugassenschule mit Bau einer Quartiersgarage
1996-2002Sanierung von Wohngebäuden in der Altstadt
1997-99Umbau und Generalsanierung des "Rathauses II" und des historischen Rathauses
1997Aufstellung eines Höhenzonierungsrahmenplans
1998Aufhebung des "Sanierungsgebiets Johannisviertel" wegen Undurchführbarkeit
2001Förmliche Festlegung des "Sanierungsgebietes III" (Westliche Altstadt) im vereinfachten Verfahren
2002Aufnahme von Neumarkt in das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt
2007Integriertes Handlungskonzept Soziale Stadt

Besonderheiten

  1. Erst spät wandte sich die Stadt der Sanierung von städtischen Wohngebäuden zu. Vor allem durch die ab Mitte der 1990er Jahre umgesetzten Sanierungsmaßnahmen ("Schwesterhaus", "Fasshalle" und von Wohngebäuden in der Pulverturmgasse am Altstadtrand) konnte für die Herstellung attraktiven Wohnraums mit Balkon oder Garten gesorgt werden. Die zuvor gesunkene Einwohnerzahl in der Innenstadt begann durch die unterschiedlichen Sanierungsmaßnahmen wieder zu steigen.
  2. Die Stadt ist es gelungen, über die Jahre einen hohen Anteil an der Förderung durch Bund und Land aufrecht zu erhalten. Allerdings stellt einen deutlichen Einschnitt im Sanierungsprozess der Übergang in das Bayerische Landessanierungsprogramm dar, wodurch sich die Fördermittel reduzierten. Neue Mittel konnten durch die Aufnahme in das Bund-Länder-Programm Soziale Stadt im Jahr 2002 akquiriert werden.

"Lernerfahrungen"

  1. Die Sanierung der Altstadt von Neumarkt veranschaulicht die Bedeutung der Mitwirkung von Betroffenen und die Erforderlichkeit einer breiten Akzeptanz der Bewohner zum Gelingen einer Sanierungsmaßnahme. So sind die Mobilisierungseffekte in Neumarkt vermutlich geringer als anderswo, da die private Sanierungstätigkeit lange Zeit nur eine geringe Rolle spielte. Einige Sanierungsziele konnten deshalb auch wegen der spät entwickelten Beteiligungs- und Kommunikationskultur nicht erreicht werden. Dazu zählt das Sanierungsgebiet "Johannesviertel", das 1998 wegen Undurchführbarkeit vorzeitig aufgehoben werden musste. Danach ist ein deutlicher Schwenk zu einer bürgerorientierteren Stadtentwicklung erkennbar. Flexible Rahmenpläne lösten Bebauungspläne als Instrument ab.
  2. Wegen fehlender breiter Legitimation verzichtet die Stadt trotz zersplitterten Bodeneigentums auf eine Anwendung des rechtlichen Instrumentariums zu dessen Behebung. Bis heute konnten deshalb größere Stadtreparaturprojekte nur allmählich umgesetzt werden. Die Grundstückspolitik der Stadt erlaubt es aber, mit langem Atem umfassende Aufwertungsprojekte in einzelnen Blöcken durchzuführen.
  3. Durch die erst späte Schwerpunktsetzung auf die Modernisierung von Wohnraum ist es der Stadt lange Zeit nicht gelungen, die Bevölkerungsstruktur hinreichend zu stabilisieren, wie die Aufnahme in das Programm Soziale Stadt im Jahr 2002 belegt.

Das Gebiet heute

Im Rahmen der Sanierung wurde die Altstadt aufgewertet. Dies ist auf die Straßen- und Platzgestaltungsmaßnahmen und die Sanierung der öffentlichen Gebäude zurückzuführen. Die Ausstattung mit zeitgemäßen Verwaltungseinrichtungen und überregional bedeutsamen Kultur- und Veranstaltungsorten kann als Erfolg angesehen werden. Um zeitgemäßen Anforderungen zu entsprechen, wurden die Verkehrsprobleme durch die Schaffung von Stellplatzanlagen und die Verkehrsberuhigung im zentralen Marktbereich behoben. Die nicht umgesetzte Verlagerung der Brauereien hat nach deren Neuprofilierung letztendlich zu einer zusätzlichen Attraktivitätssteigerung geführt. Der Bau von Quartiersgaragen und die Entkernung von einzelnen Hofbereichen stehen zum Teil vor der Umsetzung.

Zusatzinformationen

Bundesland

Bayern

Gemeinde

Stadt Neumarkt i. d. OPf.

Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, umfassendes Verfahren (Sanierungsgebiete I, II und Johannesviertel),
einfaches Verfahren (Sanierungsgebiet III – Westliche Altstadt)

Projektbeginn

1976 (Festlegung des ersten Sanierungsgebietes)

Projektende

1993, danach Wechsel in das Bayerische Landessanierungsprogramm, weiterhin laufend

Größe des Sanierungsgebietes

Ca. 39,5 ha (maximale Fläche der festgesetzten Sanierungsgebiete)

Volumen der Städtebaufördermittel

Gesamtkosten ca. 60 Mio. DM (nur Bund-Länder-Programm Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen bis 1992);
Finanzhilfen Bund und Land ca. 23 Mio. DM (bis 1992)

Gebietstypus

Historischer Altstadtkern (nach weitgehender Kriegszerstörung wiederaufgebaut)

Kontaktdaten

Stadt Neumarkt

Stadtplanungsverwaltung/Städtebauförderung

Herr Stefan Weithas

Rathausplatz 1

92318 Neumarkt/Oberpfalz

Telefon: +49 9181 255153
Telefax: +49 9181 255201

E-Mail: stefan.weithas@neumarkt.de

Link / weitere Informationen

Stadt Neumarkt i.d.OPf. - Chronologie zur Altstadtsanierung

Stand

Dezember 2009

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