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Seebad Bansin

Sanierungsmaßnahme

Zusammenfassung

Bansin Straßenraum Bansin StraßenraumStraßenraum

Die Ziele der Sanierung ergaben sich vornehmlich aus Überlegungen zur Entwicklung des Seebades zu einem nach der deutschen Wiedervereinigung konkurrenzfähigen Fremdenverkehrsort: touristische Reaktivierung der historischen Bebauung in Strandnähe, Beseitigung von Mängeln im öffentlichen und privaten Raum sowie Behebung von Defiziten in der Verkehrsinfrastruktur. Umsiedlungs- und Aufwertungsmaßnahmen wurden durchgeführt, da die für die Entwicklung des Fremdenverkehrs wichtigen kaiserzeitlichen Villen, Hotels und Pensionen zu großen Teilen von der lokalen Bevölkerung bewohnt und in sehr schlechtem Zustand waren.

Kontext

Seepromenade Bansin SeepromenadeSeepromenade

In der strukturschwachen Region stellt der Fremdenverkehr einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar – das gilt in besonderem Maße für die Insel Usedom. Die Stärkung und Aufwertung der touristischen Infrastruktur ist ein wichtiges wirtschafts- und strukturpolitisches Anliegen innerhalb der Sanierungsstrategie.

Die beiden Sanierungsgebiete "Ortskern" und "Ortskern-Erweiterung" umfassen ca. 20 ha. Bei der Sanierung spielte die Zielsetzung einer Wiederbelebung der Tradition des Kaiserbades als hochwertige Urlaubs- und Erholungsdestination eine entscheidende Rolle.

Projektbeschreibung

Um das Tourismuspotenzial des Seebades besser ausschöpfen zu können, wurden eine dem Seebad-Konzept entsprechende Wiederherrichtung der Grundstücke und Gebäude im Bereich der Strandpromenade, aber auch im Geschäftsbereich an der Seestraße als Gastronomie- und Beherbergungseinrichtungen für notwendig erachtet. Existierende Baulücken wurden fast alle geschlossen. Zudem wurden die Straßen sowie die Strandpromenade neu gestaltet sowie eine Seebrücke gebaut.

Eine Ordnungsmaßnahme stellte die Umsiedlung der Bewohner aus den historischen Gebäuden in Strandnähe in insgesamt 108 von einem privaten Investor mit Mitteln des sozialen Wohnungsbaus errichtete Ersatzwohnungen dar. Diese Maßnahme konnte ohne größere Eingriffe des Sanierungsträgers verwirklicht werden. Die Bansiner Bevölkerung profitierte wirtschaftlich vom touristischen Aufschwung sowie von den im Rahmen der Sanierung entstandenen Gemeinbedarfseinrichtungen (Neubau Jugendzentrum, Schulumbau, Umbau der Feuerwache zur Bibliothek).

Die Durchführung der Sanierung übertrug die Gemeinde treuhänderisch dem Sanierungsträger EGS Entwicklungsgesellschaft mbH.

Die Bürgerbeteiligung setzte auf Informationsgespräche, wobei frühzeitig bei den Mietern eine hohe Akzeptanz der Umsiedlung und diesbezüglich eine gute Zusammenarbeit mit einem privaten Investor erreicht werden konnte.

Handlungsfelder

Wirtschaftliche, insbesondere touristische Entwicklung, Umsiedlung von Mietern und Gewerbebetrieben, Aufwertung öffentlicher und privater Freiräume, Behebung infrastruktureller Defizite, Schaffung von Stellplätzen, Erhalt historischer Bäderarchitektur

Einzelmaßnahmen

Neugestaltung Seestraße, Abriss der Kaufhalle, Umgestaltung Seepromenade, Erhalt historischer Bäderarchitektur, z. B. Hotel Kaiser Wilhelm an der Strandpromenade, Neubau von Ersatzwohnraum, Neubau Seebrücke, Errichtung Haus des Gastes, Neubau Jugendzentrum, Schulumbau, Umbau der Feuerwache zur Bibliothek

Finanzierung

Die Sanierung ist noch nicht endgültig abgerechnet. Ausgegangen wird von ca. 15 Mio Euro investierten Städtebaufördermitteln. In den ersten Jahren wurde der Eigenanteil der Finanzierung durch eine Sonderregelung des Landes auf 20% reduziert. Seit 2002 werden Sanierungsprojekte ausschließlich über Rückflüsse aus der Sanierung - insbesondere in Form von Ausgleichsbeträgen – finanziert. Neben den Städtebauförderungsmitteln wurde die Sanierung u. a. durch Mittel der Wirtschaftsförderung und des sozialen Wohnungsbaus unterstützt.

Projektumsetzung

JahrUmsetzungsschritt
1991Aufnahme des Seebades Bansin in das Städtebauförderungsprogramm; Beginn der vorbereitenden Untersuchungen
1992Verabschiedung einer Erhaltungssatzung
1993Förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes "Ortskern"
1997Verabschiedung einer Gestaltungssatzung
1998Vorbereitende Untersuchung zur Erweiterung des Sanierungsgebietes
2000Förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes "Ortskern–Erweiterung"
2002Ende des Förderzeitraumes. Es fließen keine Landesgelder mehr.
2004Teilaufhebung der Sanierungssatzung "Ortskern" im Gebiet zwischen Promenade und Bergstraße; Abschlussbericht zur städtebaulichen Sanierung im Gebiet der Satzungsaufhebung
2008Der Bereich "Ortskern" sowie das Ortserweiterungsgebiet am Schloonsee sind weiterhin Sanierungsgebiet. Hier sollen noch vereinzelte Maßnahmen durchgeführt werden.

Besonderheiten

  1. Eine Besonderheit ist die stark auf die wirtschaftliche Entwicklung ausgerichtete Zielsetzung. Der Ausbau des Tourismus wurde als Möglichkeit gesehen, dringend benötigte Arbeitsplätze zu schaffen und Abwanderungstendenzen aus der Region zu stoppen. Ein großer Teil der Sanierungsförderung wurde deshalb in Bansin und in den beiden benachbarten Seebädern Heringsdorf und Ahlbeck zur Wiederbelebung der "Tradition der Kaiserbäder" verwendet.
  2. Auffällig ist der mit knapp 7,5 Mio. Euro sehr große, fast 50%-ige Anteil der Ausgaben für Erschließungsanlagen (u.a. Neugestaltung der Seestraße, Neubau des Regenwassernetzes) an den Gesamtkosten. Hinzu kommen Ausgaben für den Bau der mit Landesmitteln für Wirtschaftsförderung finanzierten Strandpromenade.
  3. Bei den Einnahmen fällt der hohe Anteil der Grundstückserlöse und Ausgleichsbeträge an den Gesamteinnahmen auf. Dies verdeutlicht den hohen Wert des Areals für Investoren, der sich in den sanierungsbedingt gestiegenen Bodenpreisen zeigt. Die Ausgleichsbeträge betrugen in den Top-Lagen in Strandnähe bis zu 20-25 Euro pro m².

 Lernerfahrungen

  1. Die relativ zügige Aufstellung von Erhaltungs- und Gestaltungssatzung konnte die hohe Investitionsbereitschaft von Hauseigentümern und Investoren steuern, so dass der besondere Charakter des Kaiserbades erhalten blieb und durch passende Neubauten ergänzt werden konnte. Durch die positive wirtschaftliche Entwicklung und die Verbesserung der örtlichen Infrastruktur hat ein Großteil der Bevölkerung trotz Verdrängung in andere Ortsteile von der Sanierung profitieren können.
  2. Die Ergänzung der Städtebaufördermittel durch weitere Programme, v. a. Landesgelder zur Wirtschaftsförderung (insbes. Tourismusförderung), ermöglichte die Umsetzung wichtiger Maßnahmen (hochwertige Gestaltung der Seestraße auch außerhalb des Sanierungsgebietes, Bau der Strandpromenade und der Seebrücke).
  3. Bei positiver wirtschaftlicher Entwicklung ist auch nach Beendigung der Bundes- und Landesförderung aufgrund hoher Grundstückserlöse und Ausgleichsbeträge die Durchführung weiterer größerer Sanierungsmaßnahmen möglich.

Das Gebiet heute

Die Sanierungsgebiete sind noch nicht vollständig aufgehoben (Stand Mai 2009). Eine Teilaufhebung der Sanierungssatzung "Ortskern" wurde 2004 vorgenommen. Weitere Maßnahmen sollen noch umgesetzt werden. Die Bansiner Bevölkerung profitierte vor allem vom wirtschaftlichen Aufschwung. Insgesamt verlief die Sanierung äußerst reibungslos und erfolgreich, obwohl zu Beginn der Sanierung weder die in westdeutschen Kommunen üblichen Planwerke noch die Erfahrungen mit den Instrumenten der Städtebauförderung vorhanden waren.

Zusatzinformationen

Bundesland

Mecklenburg-Vorpommern

Gemeinde

Heringsdorf

Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, umfassendes Verfahren

Projektbeginn

1993

Projektende

noch nicht vollständig entlassen

Größe des Sanierungsgebietes

Sanierungsgebiet "Ortskern" (1993): 15 ha

Sanierungsgebiet "Ortskern-Erweiterung" (2000): 5 ha

Volumen der Städtebaufördermittel

15 Mio. Euro (Sanierungsgebiet "Ortskern")


Gebietstypus

Fremdenverkehrsort mit historischer Substanz


Kontaktdaten

Kommune:

Amt Usedom-Süd

Frau Pfitzmann

Bauleitplanung

Markt 7

17406 Usedom

+49 38372 75062

 

Sanierungsträger:

EGS Entwicklungsgesellschaft mbH

Frau Gerds

Biestower Damm 10a

18059 Rostock

Telefon: +49 381 49143-16
E-Mail: ariane.gerds@egs-mv.de

Link / weitere Informationen

EGS Entwicklungsgesellschaft mbH

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