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Tönning - Historischer Stadtkern

Sanierungsmaßnahme

Zusammenfassung

Seit dem Beginn der 1970er Jahre hat sich die Stadt Tönning, nahe der Nordsee gelegen, um die städtebauliche Weiterentwicklung als zentraler Ort mit einer besonderen Ausrichtung auf den Fremdenverkehr bemüht. Ab den 1980er Jahren richtete die Stadt ihren Fokus zunehmend auf die städtebauliche Erneuerung der historischen Altstadt. Mit den zwischen 1987 und 2002 durchgeführten Sanierungsmaßnahmen im Rahmen des Bund-Länder-Programms konnten wichtige bauliche und funktionale Mängel beseitigt werden. Allerdings konnte dies auf Grund rückläufiger Städtebauförderungsmittel nach 1990 nicht vollständig abgeschlossen werden, was in der Konkurrenz zu anderen Nordseebädern als nachteilig anzusehen ist.

Kontext

Das Sanierungsgebiet umfasst den gesamten historischen Stadtkern. Die Größe des Gesamtgebietes beträgt ca. 40 ha. Im Sanierungsgebiet lebten zur Zeit der Sanierung ca. 1.900 Einwohner. Zahlreiche Kulturdenkmäler prägen den Baubestand. Charakterisiert wird die historische Altstadt durch ein reizvolles städtebauliches Gefüge, das durch den Barockturm der Stadtkirche dominiert wird. Attraktive Stadträume bilden der auf die Kirche ausgerichtete Marktplatz sowie der Hafenbereich.

Projektbeschreibung

Mit zunehmendem Tourismus stieg die Belastung der Altstadt durch den motorisierten Individualverkehr, der eine erhebliche Beeinträchtigung der Aufenthalts- und Wohnqualität verursachte. Die Verlagerung der Bundesstraße B 202 war eine Voraussetzung dafür, die Stadterneuerungsmaßnahmen in Tönning zu beginnen. Zwar wurden zu Beginn der Maßnahme wertvolle Wohn- und Geschäftshäuser aufgegeben, das Ziel der erhaltenden Erneuerung mit gestalterischer und funktionaler Aufwertung der historischen Altstadt stand jedoch im Mittelpunkt der Bemühungen und wurde durch denkmalpflegerische Gutachten begleitet. Zur Aufwertung des Altstadtkerns wurde durch die Neuordnung des fließenden und ruhenden Verkehrs, die Umgestaltung von Straßen und Plätzen, die Verbesserung des Wohnungsbestandes und des Wohnumfeldes sowie durch den Erhalt und durch die Erneuerung der kulturhistorisch wertvollen Gebäude erreicht.

Die Sanierung begann mit der Marktplatzumgestaltung, der Norderbootfahrt sowie Gebäudemodernisierungen. Wenige Ordnungsmaßnahmen wurden durchgeführt bzw. Grundstücke oder –teile erworben. Wichtige Gebäudemodernisierungen und die Errichtung von Ausweichparkplätzen am Rand der Altstadt konnten aufgrund von Kürzungen der Städtebauförderung nicht mehr umgesetzt werden.

Mit der Sanierung wurde die BIG Städtebau GmbH beauftragt, die für die inhaltliche und organisatorische Umsetzung der Sanierung zuständig war. Der städtebauliche Rahmenplan wurde durch Fachplaner erstellt. Die Sanierung in den Sanierungsbieten II und III wurde im vereinfachten Verfahren durchgeführt. Für das Sanierungsgebiet I wurde das umfassende Verfahren durchgeführt.

Handlungsfelder

Erhaltende Erneuerung, Neuordnung des fließenden und ruhenden Verkehrs, Umgestaltung von Straßen und Plätzen, Verbesserung des Wohnungsbestandes und des Wohnumfeldes, Erhalt und Stärkung der Funktionsmischung, Entwicklung kultureller, sozialer und touristischer Infrastruktur

Einzelmaßnahmen

Umgestaltung des Marktplatzes, Aufwertung des Hafenbereichs, Sanierung des Kanalpackhauses, Neubau des Feuerwehrgerätehauses, Bau eines Kindergartens

Finanzierung

Im Zeitraum der Programmjahre 1987 bis 1992 wurden der Stadt Tönning Städtebaufördermittel in Höhe von ca. 5,4 Mio. DM und Strukturhilfemittel in Höhe von 825.000 DM zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus konnten zusätzliche Einnahmen des Sanierungssondervermögens in Höhe von ca. 1,6 Mio. DM zum Einsatz gebracht werden. Dies waren u.a. weitere Eigenmittel der Stadt, Grundstückserlöse, Mieterträge und Kostenbeteiligungen Dritter. Insgesamt standen der Stadt Tönning damit ca. 7,86 Mio. DM Fördermittel zur Verfügung.

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
1985Erstellung eines Städtebaulichen Rahmenplans, der die inhaltlichen Grundzüge der Erneuerung festlegt;
Beschluss zur Ortsgestaltungssatzung
1986Durchführung Vorbereitender Untersuchungen
1987Aufnahme der Stadt in das in das Städtebauförderprogramm des Landes Schleswig-Holstein; Erstellung einer Erhaltungssatzung
1987Beauftragung der BIG-Städtebau als treuhänderischer Sanierungsträger
1988Beschluss zu den Sanierungsgebieten I, II und III
1988Marktplatzumgestaltung sowie Gebäudemodernisierungen in der Neuwegstraße, Am Hafen, der Radermacherstraße sowie der Johann-Adolf-Straße
1992Abschluss der Förderung der Stadt Tönning
2002Aufhebung der Sanierungssatzung

Besonderheiten

Auf die Erhebung von Ausgleichsbeiträgen im Sanierungsgebiet I wurde aufgrund der geringen Bodenwertsteigerung verzichtet. Es konnten aber im Rahmen der Sanierung zu den o.g. öffentlichen Mitteln Finanzierungs- und Fördermittel anderer Fachbereiche mobilisiert und gebündelt werden. Diese Mittel belaufen sich auf eine Höhe von knapp 1,7 Mio. DM und konnten u. a. vom Land Schleswig-Holstein, den Kirchengemeinden, der Arbeiterwohlfahrt und des Kreises Nordfriesland eingeworben werden.

Lernerfahrungen

  1. Private Initiativen haben einen wesentlichen Beitrag bei der Umsetzung der Maßnahme geleistet. Dies gilt insbesondere für die touristisch attraktiven Bereiche in Hafennähe und am Marktplatz. Die Sanierung bzw. die Städtebauförderung hat darüber hinaus einen Beschäftigungseffekt erzielt, der über nicht geförderte private Baumaßnahmen ausgelöst wurde.
  2. Es ist gelungen, die Anzahl der Wohnungen durch Gebäudemodernisierungen zu erhöhen, was die funktionale Mischung verstärkt. Wohnungen, die mit öffentlichen Mitteln gefördert wurden, unterliegen einer Belegungsbindung. Trotzdem hat die Bevölkerung bis heute leicht abgenommen, was sich auch in einigen Leerständen in der Altstadt ausdrückt. Auch im Rahmen der Modernisierung von Wohngebäuden hat die Privatwirtschaft einen erheblichen Beitrag geleistet, denn nach Schätzung konnten lediglich 5% der privaten Wohn- und Geschäftshäuser, die einer Modernisierung bedurften, durch die Sanierungsmittel gefördert werden.

Das Gebiet heute

Im Rahmen der Sanierung konnten einige wichtige Ziele zur Entwicklung der historischen Altstadt erreicht werden. Insbesondere die Neuorganisation des Verkehrs verbunden mit der Umgestaltung von Freiräumen hat zur Aufwertung des Zentrums und zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität beigetragen. Allerdings konnten die vorgesehenen Ausweichparkplätze zur Entlastung der Altstadt aufgrund der versiegenden Förderung nicht gebaut werden. Dies stellt eine erhebliche Beeinträchtigung insbesondere des Marktplatzes dar, weil dieser weiterhin als Parkplatz genutzt wird.

Zusatzinformationen

Bundesland

Schleswig-Holstein

Gemeinde

Stadt Tönning

Programmbereich

Sanierungsmaßnahme, umfassendes Verfahren (Sanierungsgebiet I), einfaches Verfahren (Sanierungsgebiete II und III)

Projektbeginn

1987

Projektende

2002

Größe des Sanierungsgebietes

ca. 40 ha

Volumen der Städtebaufördermittel

Ca. 5,4 Mio. DM

Gebietstypus

Historischer Altstadtkern eines Badeortes nahe der Nordseeküste

Kontaktdaten

Kommune:

Stadt Tönning

Herr Pieper

Am Markt

25832 Tönning

Tel.: +49 4861 614-0

 

Sanierungsträger:

BIG Städtebau

Herr H. Sonderfeld

Eckernförder Straße 212

24119 Kronshagen

Tel.: +49 431 5468179

E-Mail: h.sonderfeld@big-bau.de


Stand

Dezember 2009

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