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Bad Berleburg – Meine Heimat 2020

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge, Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Stadtentwicklungsprozesses "Bad Berleburg - Meine Heimat 2020" Stadtentwicklungsprozesses "Bad Berleburg - Meine Heimat 2020"Stadtentwicklungsprozesses "Bad Berleburg - Meine Heimat 2020" Quelle: Stadt Bad Berleburg

Die Stadt Bad Berleburg (circa 20.000 Einwohner) liegt im Südosten von Nordrhein-Westfalen im Kreis Siegen-Wittgenstein. Mit 23 Ortsteilen stellt sie eine der größten Flächenkommunen im Bundesland dar. Die defizitäre Finanzsituation und die demografische Entwicklung veranlassten Bad Berleburg im Jahr 2010, sich vorausschauend mit den aktuellen Rahmenbedingungen und den zukünftigen Anforderungen an die Daseinsvorsorge auseinander zu setzen. Mit der Bündelung von öffentlichen und privaten Infrastrukturen durch Konzentration und Kooperation unterschiedlicher Akteure soll ein lebenswerter und innovativer Wohn- und Wirtschaftssandort entstehen. Dabei sollen auch die Bedürfnisse junger und älter werdender Menschen gleichermaßen berücksichtigt werden.

Dazu wurde der gesamtstädtische Entwicklungsprozess "Bad Berleburg-Meine Heimat 2020" angestoßen. Das Modellprojekt der REGIONALE Südwestfalen verbindet verschiedene konzeptionelle Bausteine zu einer gesamtstädtischen Entwicklungsstrategie. Seit 2013 ist Bad Berleburg Programmkommune im Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden - überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke". Schlüsselmaßnahmen im Rahmen der Programmumsetzung sind die Schaffung gemeinwohlorientierter und multifunktionaler Gemeindehäuser in drei Ortsteilen der Kommune sowie die Errichtung eines überregionalen Jugendforums am Marktplatz in Bad Berleburg als regionales Kompetenzzentrum und Anlaufpunkt des Netzwerkes der Jugendarbeit und zur Gewinnung von Fachkräften für die regional ansässigen Unternehmen.

Kontext

Das Mittelzentrum Bad Berleburg und seine Ortsteile erstreckt sich auf einer Fläche von circa 275 km². Die Ortsteile haben einen dörflichen Charakter und sind durch eine eigenständige Identität geprägt. Zwischen 2000 und 2010 verlor Bad Berleburg 5,5 Prozent der Bevölkerung. Bis 2030 wird ein weiterer Rückgang der Bevölkerung um circa 15 Prozent prognostiziert. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der über 65-Jährigen und die Abwanderung junger Menschen zu sowie die Anzahl der unter 18-Jährigen ab.

Diese bisherige Gesamtentwicklung führte bereits zu strukturellen Problemen: Der Rückgang der Bevölkerung wird bei der fehlenden Auslastung von Einrichtungen spürbar, der Leerstand in den Ortsteilen nimmt zu und ortsansässige Unternehmen registrieren einen zunehmenden Fachkräftemangel. Zudem befindet sich die Kommune aufgrund der hohen Aufwendungen zum Erhalt der Einrichtungen der Daseinsvorsorge und der Infrastruktur in einer Nothaushaltslage. Die dünn besiedelte Flächenkommune ist daher langfristig in ihrer Leistungs- und Funktionsfähigkeit beeinträchtigt.

Zur Begegnung der demografischen Entwicklung und zum Erhalt der kommunalen Handlungsfähigkeit hat die Stadt Bad Berleburg daher im Jahr 2010 den breit angelegten, gesamtstädtischen Stadtentwicklungsprozess "Bad Berleburg-Meine Heimat 20202 initiiert. Das unter breiter Beteiligung entstandene Stadtentwicklungskonzept ist nachfrageorientiert und konzentriert sich auf den Rückbau sowie auf die Umnutzung städtischer Immobilien. Dabei wurde insbesondere das Infrastrukturangebot in der Kernstadt und den Ortsteilen in den Blick genommen.

Projektbeschreibung

Der integrierte Stadtentwicklungsprozess "Bad Berleburg – Meine Heimat 2020" setzt sich aus mehreren strategischen Bausteinen zusammen, die die Handlungsgrundlage für die zukünftige Entwicklung der Stadt bilden. Hierzu gehören:

  • das Leitbild "Meine Stadt Bad Berleburg 2020" als Orientierungsrahmen,
  • ein Konzept zur Haushaltskonsolidierung und zur Wiederherstellung der kommunalen Handlungsfähigkeit bis 2018,
  • eine "Gesamtstädtische Dorfentwicklungsplanung" für die Kernstadt und ihre Ortsteile sowie
  • ein Kooperationsprojekt zur Analyse der öffentlichen Infrastruktur und kommunalen Finanzsituation in der Kommune.

Bad Berleburg will bei der Programmumsetzung nachhaltige und nachfrageorientierte Lösungen finden, um die Attraktivität der Stadt für junge und alte Menschen sowie für Unternehmen und Familien zu steigern. Damit soll auch dem Fachkräftemangel begegnet werden. Ziel ist es, die Funktion der Stadt als Mittelzentrum zu erhalten und die Ortsteile unter Beachtung des demografischen Wandels weiter zu entwickeln. Sie sollen in ihrer Lebensfähigkeit gesichert sowie in ihrer Versorgungsfunktion gestärkt werden. Dies soll in erster Linie durch die Bündelung von Infrastrukturen zur Sicherung des Haushaltes und durch den Erhalt und den Ausbau der wirtschaftlichen Basis gewährleistet werden. Bad Berleburg aktiviert und nutzt dabei auch Potenziale von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund. Die Schaffung von Kooperationen und eine aktive Vernetzung von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Unternehmen und weiteren regionalen Akteuren sowie ein zielorientiertes, integriertes und gemeinsames Handeln werden zur Zielerreichung vorausgesetzt.

Im Rahmen des Prozesses wurden Modellgebiete abgeleitet, aus denen mehrere Leitprojekte resultierten. Diese wurden maßgeblich durch Bürgerinnen und Bürger, Verbände und Vereine in einem partizipativen Prozess entwickelt und werden mit Mitteln aus dem Städtebauförderprogramm umgesetzt. Sie sind nach räumlichen und Versorgungsschwerpunkten definiert und miteinander vernetzt. Die Umsetzung der Maßnahmen wird durch einen Controlling-Prozess begleitet.

Geplant ist die Einrichtung von multifunktionalen Gemeinschaftseinrichtungen in den Ortsteilen Elsoff, Schwarzenau und Arfeld, die als Generationentreffpunkte und Raum für Vereine und Veranstaltungen genutzt werden sollen. Weiterhin sollen sie gemeinwohlorientierte Dienstleistungsangebote zur sozialen Betreuung, Mobilität und zur ambulanten quartiersnahen Versorgung bereitstellen. Das Gemeindehaus in Elsoff wird als zentrale Anlaufstelle für die östlich gelegenen peripheren Ortsteile innerhalb des Leitprojektes "Grund- und Nahversorgungsoffensive in den Eder-Elsoff–Dörfern" als Begegnungsort um 177 ausgebaut und erweitert. Da die vorhandenen Kapazitäten nicht ausreichen, entsteht im Untergeschoss ein Mehrzweckraum und im Obergeschoss wird der Gemeindesaal vergrößert. Insgesamt werden sieben Räume zur Verfügung stehen. Die Eröffnung ist für Herbst 2016 vorgesehen.

Alte Schule in Schwarzenau vor dem Umbau Alte Schule in Schwarzenau vor dem UmbauAlte Schule in Schwarzenau vor dem Umbau Quelle: Stadt Bad Berleburg

Im Ortsteil Schwarzenau erfolgt der Umbau eines leerstehenden Schulgebäudes zu einer Wohn- und Begegnungsstätte. Entstehen sollen neun barrierefreie Eigentumswohnungen von 27 bis 65 für ältere Menschen, ein Dorfcafé mit einem Raum zur Tagespflege sowie ein Regionalbüro der Diakonie. Aufgrund fehlender Mittel zur Integration des Raumes für die Tagespflege wird derzeit geprüft, ersatzweise eine zehnte Wohnung auf den Flächen zu realisieren. Eine Umsetzung der Maßnahme hat noch nicht begonnen.

Ein weiteres überörtliches Gemeindehaus entsteht im Ortsteil Arfeld: Das "Ederzentrum Via Adrina" soll auf einer Industriebrache im Ortskern errichtet werden, die erheblich die Attraktivität und Funktionalität des Ortsteiles beeinträchtigte. Dazu wurde bereits die ehemalige Schuhleistenfabrik abgerissen. Dies erfolgte teilweise für die Nebengelasse in Eigenbeteiligung der Bevölkerung. Auf dem Gelände soll ein multifunktionaler Neubau errichtet werden, der neben einem Gemeinschaftsraum auch Platz für die Feuerwehr und des örtliche Schuhleistenmuseums vorhalten wird. Das Nutzungskonzept für das Zentrum wurde im Rahmen einer Ideenwerkstatt erarbeitet, die Architekten des Neubaus wurden im Rahmen eines Wettbewerbes unter ausgewählten Teilnehmern ermittelt. Sowohl bei der Konzeption, als auch bei der Bauplanung waren Nutzer und Anwohner in den Prozess eingebunden. Die Eröffnung des Ederzentrums ist für 2017 vorgesehen.

In der Kernstadt Bad Berleburg wird das zentral gelegene Bürgerhaus zum "Jugendforum am Markt" umgebaut. Es soll ein multifunktionales Veranstaltungs- und Kompetenzzentrum für alle Generationen mit regionaler Bedeutung entstehen. Ziele des Projektes sind die Förderung und Stärkung der Jugendarbeit in Bad Berleburg und der Region sowie die Vernetzung von Vereinen, der ansässigen Wirtschaft und der Ortsteile. Zudem sollen die Kommunikation und der Informationsaustausch gestärkt werden. Vorgesehen sind ein neues Foyer bis zum Flussufer der Odeborn und ein mehrgeschossiger Anbau ("Haus der Jugend") mit Räumlichkeiten für das bereits seit 1996 bestehende Jugendcafé sowie die energetische Sanierung des Gebäudes.

Im neuen Jugendforum soll zukünftig auch eine zentrale Anlaufstelle für das Standortpaten-Netzwerk zur Fachkräftegewinnung und Berufsqualifizierung entstehen, welches gemeinsam mit der Stadt, Unternehmen und Ausbildungseinrichtungen der Region initiiert wurde. Ziel ist es, die Kooperation von Jugendarbeit, Vereinen, der Wirtschaft und den einzelnen Ortsteilen anzuregen und zur Netzwerkbildung beizutragen. Damit soll der Abwanderung junger Menschen begegnet, jugendliche Fachkräfte für die heimische Wirtschaft gewonnen sowie Angebote für die berufliche Qualifizierung geschaffen werden.

Im Stadtentwicklungsprozess erfolgte eine kontinuierliche Einbindung und Zusammenarbeit von Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen, Hochschulen, der Politik sowie anderen regionalen Akteuren, die zum überörtlichen und gemeinsamen Austausch zusammen mit der Stadt das "Bad Berleburger Netzwerk" gründeten. Der Verfahrensablauf wurde zusätzlich von einer intensiven Bürgerbeteiligung in Form von insgesamt 35 öffentlichen Workshops und Veranstaltungen wie beispielsweise die Heimatdialoge und Ergebnisforen begleitet, wodurch Bürgerinnen und Bürger den Prozess aktiv mitgestalten konnten.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Innenentwicklung / Flächenmanagement
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Kultur / Freizeit
    • Pflege und Senioren
    • Jugend und Familien
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Wirtschaft / Tourismus
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Ausbau des Gemeindehaus Elsoff (2015- 2016)
  • Umbau der alten Schule in Schwarzenau zur Bereitstellung von Wohnungsangeboten und Schaffung eines Nachbarschaftstreffs (in Planung)
  • Revitalisierung der Industriebrache in Arfeld durch Neubau der Gemeinschaftseinrichtung "Ederzentrum Via Adrina Arfeld" (2014-2017)
  • Umbau des Bürgerhauses am Markt zum Jugendforum Bad Berleburg (Fertigstellung 2018)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2010/2011Leitbildentwicklung "Meine Stadt Bad Berleburg 2020"
2010/2011Gründung "Bad Berleburger Netzwerk"
2010/2013Dorfentwicklungsplanung "Meine Heimat 2020"
2013Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden"
2014Beginn Abrissarbeiten zur Revitalisierung der Industriebrache in Arfeld
2015Beginn Ausbau des Gemeindehauses Elsoff


Besonderheiten

Beispielhaft ist die intensive und frühzeitige Beteiligung regionaler Akteure. Bereits zu Beginn des Gesamtprozesses wurde das "Bad Berleburger Netzwerk" gegründet, wodurch Privatpersonen und eine Vielzahl an Trägern öffentlicher Belange zusammen mit der Verwaltung maßgeblichen Anteil an der Stadtentwicklung hatten. Im besonderen Maße wurden hierbei Bürgerinnen und Bürger, Verbände, Vereine und Unternehmen Bad Berleburgs einbezogen, da sie direkt von den Folgen und Veränderungen des demografischen Wandels betroffen sind. Die Bürgerinnen und Bürger partizipierten zudem aktiv an Projektwerkstätten, Heimatdialogen und Bürgerversammlungen für die Zukunftsgestaltung ihrer Ortsteile. Hieraus resultierten schließlich auch die Leitprojekte im Zuge der REGIONALE 2013, bei denen bürgerschaftliche Initiativen eng eingebunden sind.

Eine weitere Besonderheit ist ein umfangreiches Netzwerk von Unternehmen, Ausbildungseinrichtungen und dem Jugendförderverein der Stadt, das sich aus circa 60 Mitgliedsvereinen mit circa 17.000 Mitgliedern zusammensetzt und bereits seit 2005 besteht. Im Fokus stehen die Jugendarbeit, die Fachkräftesicherung und die Berufsqualifizierung der Jugend. Hauptaufgabe ist es, Kinder und Jugendliche an die Region zu binden und sie bei der Verwirklichung ihrer beruflichen Ziele und Wünsche zu unterstützen. Mit der Umsetzung des Leitprojektes "Jugendforum am Markt" sollen der Informationsaustausch und die Kooperation weiter gefördert und verstärkt werden.

Lernerfahrungen

Das Gesamtprojekt unterliegt einem ständigen Controlling-Prozess, der seit dem Jahr 2012 besteht und bis zum Jahr 2020 durchgeführt werden soll. Das Controlling wird durch ein Lenkungsgremium umgesetzt, das auch die Umsetzung der Fördermaßnahmen betreut. Es setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Bezirksregierung, des Landkreises, der Stadt und externen Fachbüros zusammen. Hierdurch soll die Überwachung, Regulierung und die Weiterentwicklung einzelner Maßnahmen umfassend gewährleistet werden.

Bad Berleburg geht damit aktiv und transparent mit dem Thema Schrumpfung um. Aufgrund negativer demografischer Entwicklungen und der Unterauslastung der Infrastrukturen gelangte die Stadt in eine defizitäre Haushaltssituation. Um Überschuldung zu vermeiden und die finanzielle Handlungsfähigkeit wieder zu erlangen, wird im Rahmen des kommunalen Entwicklungsprozesses eine Haushaltskonsolidierungs- und Entschuldungsplanung umgesetzt. Gemeinsam mit den Einwohnern wurde dazu ein tragfähiges Modell entwickelt, mit dem der Haushalt bis 2018 konsolidiert werden soll. Zum einen sind dabei der partizipative Ansatz und die breite Konsensbildung in Politik und Bevölkerung bemerkenswert. Zum anderen werden die Folgen der rückläufigen öffentlichen Infrastruktur, dazu gehören unter anderem die Schließungen von Einrichtungen wie Museen, Schulen oder Kitas, offen angesprochen und als zentrales Entwicklungsziel im Leitbild der Stadt festgehalten. Mit dem Einbezug der breiten Öffentlichkeit während des gesamten Prozesses und der damit verbundenen Konsensbildung in einer insgesamt schwierigen Thematik zeigt die Stadt Bad Berleburg einen beispielhaften und gut übertragbaren Ansatz zum Umgang mit diesem Thema auf.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen


Gemeinde

Bad Berleburg


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2013 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2015: 1.288.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Städtische Kreise


Kontaktdaten

Bernd Fuhrmann
Bürgermeister der Stadt Bad Berleburg
Poststraße 42
57319 Bad Berleburg
Tel.: 02751 923-100
Fax: 02751 923-17100
E-Mail: b.fuhrmann@bad-berleburg.de


Link / weitere Informationen

Internetauftritt der Gemeinde Bad Berleburg

Informationsportal zur REGIONALE Südwestfalen


Stand

Februar 2016

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