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IEK Eilsen / Obernkirchen

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Infrastruktur / Daseinsvorsorge, Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Die Samtgemeinde Eilsen und die Stadt Obernkirchen im niedersächsischen Landkreis Schaumburg bilden seit 2011 einen gemeinsamen Kooperationsraum mit 16.000 Einwohnern. Die Zusammenarbeit entstand bereits im Rahmen der LEADER-Region Schaumberger Land und der regionalen Entwicklungskooperation "Weserbergland plus". Mit Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke" im Jahr 2012 wurde die Kooperation intensiviert und ausgeweitet.

Die Kommunen sind mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert, die sie durch ihre Zusammenarbeit effizienter und effektiver bewältigen möchten: Die Bevölkerungsentwicklung ist in beiden Kommunen negativ, wobei der Schrumpfungsprozess in der Stadt Obernkirchen schneller verläuft. Im Rahmen der Kooperation wurde daher ein integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept erarbeitet, das die Ausgangslage des Kooperationsraums beschreibt und die Ziele und Maßnahmen der Kommunen darstellt. Zentraler Handlungsansatz ist die Stärkung der Innenstadt von Obernkirchen und des Ortskerns Bad Eilsen in ihren grundzentralen Funktionen. Eine Schlüsselmaßnahme der Programmumsetzung ist der Erhalt und die Weiterentwicklung des Kursaals und -theaters in Bad Eilsen. Durch die gemeinsame Konzepterarbeitung und breite Akteursbeteiligung ist es gelungen, die Entwicklung der beteiligten Kommunen abgestimmt und nachhaltig voranzutreiben.

Kontext

Der historisch gewachsene Ortskern des Kurortes Bad Eilsen als Verwaltungssitz der Samtgemeinde Eilsen und die Innenstadt von Obernkirchen übernehmen für das durch dörfliche Strukturen geprägte Kooperationsgebiet grundzentrale Versorgungsfunktionen. Herausforderungen für den Kooperationsraum bestehen in Bevölkerungsrückgängen und einer alternden Bevölkerung. Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind insbesondere in den Ortskernen spürbar: Die Stadt Obernkirchen ist bereits von zunehmendem Leerstand betroffen, das Zentrum von Bad Eilsen weist ebenfalls städtebauliche Missstände auf. Mehrere historisch bedeutsame und stadtbildprägende Gebäude sind in einem schlechten baulichen Zustand und vom Verfall bedroht.

Erste Entwicklungsimpulse für den Kooperationsraum gingen vom Beschluss zur Ansiedlung des Gesamtklinikums Schaumburg in Obernkirchen aus. Mit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" im Jahr 2012 verstärkten die Stadt Obernkirchen und die Samtgemeinde Eilsen ihre Kooperation. Im Fokus stand zunächst die Erstellung einer gemeinsamen konzeptionellen Grundlage für die Sicherung und Stärkung der Ortskerne in ihrer grundzentralen Funktion.

Projektbeschreibung

Sanierter Veranstaltungssaal im "Palais am Park" Sanierter Veranstaltungssaal im "Palais am Park"Sanierter Veranstaltungssaal im "Palais am Park" Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Unter Beteiligung von Akteuren aus Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit wurde von 2013 bis 2015 ein integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept für die nachhaltige und bedarfsgerechte Entwicklung der Kommunen erstellt. Hierbei konnte auf mehrere teilräumliche und sektorale Konzepte (unter anderem Masterplan Bad Eilsen, Denkmalschutzkonzept Obernkirchen) aufgebaut werden, die bereits vor der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm entstanden. Eine interkommunale Lenkungsgruppe begleitete den Prozess der Konzepterstellung.

Das Konzept basiert auf einer Raumanalyse, die den gesamten Kooperationsraum untersucht. Die Ausgangslagen in allen beteiligten Kommunen wurden beschrieben und bewertet. Daraus konnten Szenarien entwickelt, Handlungsfelder abgeleitet (unter anderem Städtebau und Wohnen, Medizinische Versorgung, Kultur, Freizeit und Tourismus), Entwicklungsziele formuliert, Querschnittsaufgaben (unter anderem Inklusion, Entwicklung von Identität und Image, Aktivierung privater Investitionen) benannt und Einzelmaßnahmen entwickelt werden. Der Maßnahmenkatalog umfasst mehrere Maßnahmen, die vorrangig umgesetzt werden sollen. Ziel ist es, die Ortschaften als Lebens- und Arbeitsorte zu stärken, die Bevölkerungsentwicklung zu stabilisieren, die Daseinsvorsorge zu sichern und eine zweckmäßige Aufgabenteilung und Vernetzung zwischen den Kommunen zu gewährleisten. Die Schlüsselmaßnahmen des Konzeptes sind in den Ortskernen von Obernkirchen und Bad Eilsen konzentriert. Sie sollen einen positiven Effekt auch für die Mitgliedsgemeinden und Ortsteile entfalten.

Um vorhandene Einrichtungen zu erhalten und zukunftsfest zu gestalten, verfolgt der Kooperationsraum die Strategie, mehrere Nutzungen an einem Ort zu bündeln. Schlüsselmaßnahme ist der Erhalt und die Weiterentwicklung des Kursaals und -theaters in Bad Eilsen, die als vorgezogene Maßnahme bereits 2012 bewilligt wurde. Die im Zentrum gelegene, zu einem historischen Ensemble gehörende Einrichtung ist von hoher Bedeutung für die regionale Identität und wird durch die Städte und Gemeinden der Region genutzt. Die Gebäude waren in einem schlechten baulichen Zustand, wodurch eine Weiternutzung und das baukulturelle Erbe der Stadt bedroht waren. Aus diesem Grund hat die Samtgemeinde sich entschlossen, das Gebäudeensemble zu erwerben und zu sanieren. Die Sanierungsarbeiten wurden im September 2015 abgeschlossen und der Kursaal sowie das Kurtheater mit dem Namen "Palais im Park" eingeweiht. Entstanden ist ein barrierefreies Kultur- und Veranstaltungszentrum mit neugestalten Außenanlagen, das Raum für bis zu 500 Personen bietet.

Trafohaus in Obernkirchen vor der Sanierung Trafohaus in Obernkirchen vor der SanierungTrafohaus in Obernkirchen vor der Sanierung Quelle: Plan und Praxis, Berlin

In Obernkirchen sollen mehrere Einzelmaßnahmen umgesetzt werden. Im Rahmen der Städtebauförderung steht die Sanierung und Erweiterung eines ehemaligen Trafohauses im Vordergrund. Das bereits für Veranstaltungen und Ausstellungen genutzte Baudenkmal ist ein identitätstragender Anlaufpunkt der Stadt, der allerdings durch bauliche und technische Defizite in seiner Nutzung gefährdet war. Um die kulturelle Nutzung zu erhalten, werden unter anderem die Fassade aufgearbeitet, barrierefreie Zugänge geschaffen und neue Heiztechnik eingebaut sowie Lagerkapazitäten durch einen Anbau erweitert. Die Umsetzung der Maßnahme erfolgt 2017.

Zur nachhaltigen Flächennutzung, Vermeidung von Leerständen und Bündelung von Funktionen in den Ortskernen befinden sich weitere Maßnahmen in der Umsetzung, die im Rahmen der Konzepterstellung als prioritär für die Entwicklung des Kooperationsraums eingestuft wurden. Hierzu gehören beispielsweise der Umbau eines ehemaligen Discounters zu einem multifunktionalen Zentrum mit sportlichen, kulturellen, sozialen und öffentlichen Nutzungen, die Umnutzung eines leerstehenden ehemaligen Verwaltungsgebäudes zu einer Polizeistation und Nachhilfeeinrichtung für Kinder sowie die Sanierung einer ehemaligen Schule für Mehrzwecknutzungen für die Kinder- und Jugendarbeit und weitere soziale und kulturelle Zwecke. Die Finanzierung der Maßnahmen erfolgt mit Hilfe ergänzender Förderprogramme. Um eine bedarfsgerechte Entwicklung des Wohnungsbestandes zu gewährleisten, sind zudem der Rückbau langfristig nicht mehr erhaltenswerter Gebäude oder die Wiedernutzung von leerstehenden Gebäuden vorgesehen. Zukünftige Angebote sollen zielgruppenorientiert gestaltet werden (barrierefreie Strukturen, Mehrgenerationenwohnen, betreutes Wohnen).

Die Zusammenarbeit der Stadt und der Samtgemeinde erfolgt auf informeller Basis durch Einrichtung eines gemeindeübergreifenden Gremiums. Die Vertreterinnen und Vertreter der Samtgemeinde und deren Mitgliedsgemeinden sowie der Stadt Obernkirchen treffen sich regelmäßig im Rahmen einer Lenkungsgruppe, die den Entwicklungsprozess des Kooperationsraumes leitet und die einzelnen Aktivitäten innerhalb der Kooperation koordiniert.

Darüber hinaus wird regelmäßig die Öffentlichkeit an der Konzeption und Umsetzung von Maßnahmen beteiligt und über den aktuellen Umsetzungsstand der Gesamtmaßnahme informiert: Verschiedene Akteure wurden zusammen mit der Öffentlichkeit über Meinungen und Erfahrungen zur künftigen Entwicklung des Kooperationsraums befragt und im Rahmen von "Multiplikatorentreffen" einbezogen. Auf der Internetseite der Stadt Obernkirchen wird die Öffentlichkeit über den Stand der Programmumsetzung, die Treffen der Lenkungsgruppe und weitere Ergebnisse und Beschlüsse informiert.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Innenentwicklung / Flächenmanagement
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Kultur / Freizeit
    • Nahversorgung
    • Pflege und Senioren
    • Jugend und Familien
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Erhalt und Weiterentwicklung des Kursaals und -theaters in Bad Eilsen (2012 - 2015)
  • Erweiterung und Sanierung des Trafohauses in Obernkirchen (2017)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • LEADER-Region Schaumburger Land

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2011Beginn der Kooperation / Erarbeitung einer gemeinsamen interkommunalen Entwicklungsstrategie zu Infrastruktur und Daseinsvorsorge
2012Aufnahme in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" / Beginn der vorgezogenen Maßnahme "Erhalt und Weiterentwicklung des Kursaals und -theaters in Bad Eilsen"
2013Beginn der Erstellung des integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes
2015Beschluss des integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes / Fertigstellung des Kursaals und -theaters in Bad Eilsen


Besonderheiten

Der Bau eines gemeinsamen Krankenhauses für den gesamten Landkreis im Kooperationsraum wird als Anlass genommen, die Entwicklung der beteiligten Kommunen insbesondere im Bereich der Daseinsvorsorge und beim Umgang mit vorhandenen Gebäuden abgestimmt und nachhaltig voranzutreiben. Grundlage der Zusammenarbeit in der Kooperation bildete die gemeinsame Konzepterarbeitung mit umfangreicher Akteursbeteiligung, die sich mit den Gegebenheiten vor Ort ausführlich auseinander setzt und gemeinsame Ziele und Chancen erarbeitet.

Während der Erstellung des integrierten Entwicklungskonzeptes fanden im Rahmen der Akteursbeteiligung sogenannte Multiplikatorentreffen statt. Es trafen sich im Kooperationsraum ansässige Akteure, die zu verschiedenen, für den Kooperationsraum relevanten Themen wie Gesundheit, Bildung und Soziales, Wirtschaft, Verkehr und Tourismus diskutierten. Zu den Akteuren gehörten unter anderem Vertreter der Samtgemeinde Eilsen und der Stadt Obernkirchen, des Gesamtklinikums Schaumburger Land, der Kindertagesstätten, Schulen, Pflegeeinrichtungen, der Wohnungswirtschaft sowie heimischer Gewerbebetriebe. Im Nachgang zu den Treffen wurde die Öffentlichkeit durch Fragebögen über ihre Meinung und Erfahrung zu der Entwicklung des Kooperationsraums befragt.

Lernerfahrungen

Die Gesamtmaßnahme IEK Eilsen/Obernkirchen zeichnet sich durch ihre gemeinschaftlich abgestimmte Vorgehensweise bei der Umsetzung von Maßnahmen aus. Besonders hervorzuheben ist das zunächst umgesetzte Leuchtturmprojekt, die Sanierung und Weiterentwicklung des Kursaals und -theaters in Bad Eilsen. Die Schaffung eines Ortes für Veranstaltungen und Festivitäten strahlt auf den gesamten Kooperationsraum aus und setzt damit einen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Ankerpunkt in der Region.

Während der Umsetzungsphase der Maßnahme konnte die interkommunale Kooperation durch die enge Zusammenarbeit in der Lenkungsgruppe gestärkt und ausgebaut werden. Dadurch wurde ein wichtiger Schritt gemacht, um eine erfolgreiche Umsetzung der nun folgenden Maßnahmen mit einem lokalen Bezug auf die Ortskerne zu gewährleisten. Die Mitgliedskommunen stellen sich gemeinsam Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und nutzen die Potenziale des neuen Klinikums für die Gemeinden. Dieses Bewusstsein ist wichtig, um die Lebensqualität im Kooperationsräum nachhaltig zu sichern.

Zusatzinformationen

Bundesland

Niedersachsen


Gemeinden

Samtgemeinde Eilsen, Stadt Obernkirchen


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2012 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2016: circa 2 Mio. Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Städtische Kreise


Kontaktdaten

Samtgemeinde Eilsen
Svenja Edler
Bückeburger Str. 4
31707 Bad Eilsen
Tel.: +49 5722 86620
E-Mail: edler@sg-eilsen.de


Planungsbüro REINOLD
Matthias Reinold
Seetorstr. 1 a
31737 Rinteln
Tel.: +49 5751 9646744
E-Mail: buero.reinold.rinteln@gmx.de


Link / weitere Informationen

Informationen der Samtgemeinde Eilsen

Informationen der Stadt Obernkirchen


Stand

Januar 2017

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