Navigation und Service

IEK Barnstorf / Goldenstedt

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge, Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Die Samtgemeinde Barnstorf mit dem Flecken Barnstorf und den drei weiteren Mitgliedsgemeinden Drebber, Drentwede sowie Eydelstedt (circa 12.000 Einwohner, Landkreis Diepholz) und die im Westen angrenzende Gemeinde Goldenstedt (circa 10.000 Einwohner, Landkreis Vechta) bilden den Kooperationsraum IEK Barnstorf / Goldenstedt. Eine ländlich geprägte räumliche Struktur und gleich gelagerte Problemstellungen bei der infrastrukturellen Versorgung haben die Kommunen zu der Entscheidung gebracht, sich gemeinsam mit ihrer künftigen Entwicklung auseinander zu setzen.

Mit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städten und Gemeinden" im Jahr 2013 wurde dieses begonnen. Um eine strategische Grundlage zu schaffen, wurde zunächst gemeinsam ein interkommunales integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) erstellet. Der zentrale Handlungsansatz des Kooperationsraums liegt in der Stärkung und Sicherung der Infrastrukturen der Daseinsvorsorge in den Gemeinden. Dazu sollen insbesondere generationenübergreifende und nachhaltige Angebote geschaffen und die Innenbereiche der Gemeinden gestärkt werden. Eine Schlüsselmaßnahme ist der Umbau des Harmann-Wessel-Hauses in Goldenstedt, das zum Familienzentrum ausgebaut wird.

Kontext

Die Samtgemeinde Barnstorf und die Gemeinde Goldenstedt sind Teil des Naturparks Wildeshauser Geest. Die naturräumliche Verbindung, das Hochmoorgebiet "Großes Moor", ist landschaftsprägend und hat darüber hinaus eine wichtige Funktion für die Naherholung und den Fremdenverkehr in den Gemeinden. Die beiden Gemeinden übernehmen grundzentrale Versorgungsfunktionen für den Nahbereich.

Die Gemeinden sehen sich in den nächsten Jahren mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen konfrontiert. Die seit den 1990er Jahren in Goldenstedt positiv und in Barnsdorf stabil verlaufende Bevölkerungsentwicklung wird sich zukünftig negativ entwickeln. Bis 2030 ist für den Kooperationsraum ein Bevölkerungsverlust von etwa 8 Prozent prognostiziert. Diese Entwicklung erfolgt allerdings nicht gleichermaßen in allen Altersgruppen. Während der Anteil der 65 bis 84-Jährigen zu nimmt, ist der Anteil der unter 24-Jährigen rückläufig. Für Goldenstedt ist jedoch zunächst ein Anstieg der Anzahl an Kindern bis 2 Jahren bis 2020 zu erwarten und erst danach eine rückläufige Entwicklung. Diese vielschichtigen Entwicklungen erfordern von den Gemeinden bedarfsgerecht zu handeln und den daraus resultierenden erhöhten Anpassungsdruck bei den Infrastrukturen der Daseinsvorsorge zu bewältigen.

Aus diesem gemeinsamen Handlungserfordernis heraus entschlossen sich die Kommunen im Zuge der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" im Jahr 2013, ein interkommunales integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) zu erarbeiten. Mit Hilfe des Konzeptes begegnen die Gemeinden den bestehenden Herausforderungen und können zukunftsfähige Strukturen schaffen.

Projektbeschreibung

Im Jahr 2014 wurde das gemeinsame integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept der Kommunen mit Mitteln des Städtebauförderprogramms "Kleinere Städte und Gemeinden" fertiggestellt. Die Gemeinden verfolgen das Ziel, durch die überörtliche Kooperation Doppelstrukturen zu vermieden und gleichzeitig städtebauliche Missstände zu beheben und die Lebensqualität zu verbessern. Es wurden unterschiedliche investive Maßnahmen in den Handlungsfeldern bürgerschaftliches Engagement, medizinische Versorgung und Pflege, Kinderbetreuung und Schulentwicklung sowie Siedlungs- und Innenentwicklung abgeleitet. Der Bereich Mobilität wurde als Querschnittsthema identifiziert und in die benannten Handlungsfelder integriert. Bei der Umsetzung ist den Gemeinden wichtig, die Innentwicklung zu stärken und vorhandene Bausubstanz an aktuelle Bedarfe anzupassen.

Aula des Harmann-Wessel-Hauses vor der Sanierung Aula des Harmann-Wessel-Hauses vor der SanierungAula des Harmann-Wessel-Hauses vor der Sanierung Quelle: Gemeinde Goldenstedt

In Goldenstedt wird das 1953 als Schule errichtete Harmann-Wessel-Haus zu einem barrierefreien integrierten Familienzentrum mit Kindertagesstätte baulich und funktional weiterentwickelt. Das Gebäude wird energetisch saniert und eine anliegende ehemalige Lehrerwohnung zurückgebaut, um dort einen Neubau für den Kindergarten zu errichten. Das neue Familienzentrum verknüpft Kindergarten, Jugendfreizeitstätte, Beratungs- und Bildungsangebote für Familien und Erwachsene. Es nimmt die ganze Familie in den Blick und vernetzt beispielsweise durch Sprach- und Integrationskurse die Bewohner der Gemeinde. Vereinen sollen die neuen Räumlichkeiten ebenfalls zur Verfügung stehen. Der Kindergarten wurde im Januar 2017 fertiggestellt. In diesem Zeitraum konnte auch mit der Sanierung des Harmann-Wessel-Hauses zum Familienzentrum begonnen werden. Die Maßnahme soll im Frühjahr 2018 abgeschlossen werden. Während die Sanierung und Ertüchtigung des Harmann-Wessel-Hauses aus Mitteln des Städtebauförderprogramms finanziert wird, erfolgte die Errichtung des Kindergartens aus Haushaltsmitteln der Gemeinde Goldenstedt.

Ein ähnlicher Ansatz wird in Eydelstedt verfolgt. Dort ist die Errichtung eines multifunktional nutzbaren Familien-und Bildungszentrums geplant, in dem Jung und Alt gemeinsame Aktivitäten durchführen und voneinander lernen können. Geplant sind unter anderem eine Mensa sowie vereins- und generationenübergreifende Gemeinschaftsräume. Hierdurch sollen ehrenamtliches Engagement und das Zusammenleben gestärkt werden. Die örtliche Grundschule und die Kita sollen zusammengelegt werden, um die hierfür benötigten Räumlichkeiten zu schaffen. Dazu muss das historische Schulgebäude barrierefrei saniert und durch einen Neubau auf einem anliegenden, ungenutzten Grundstück erweitert werden.

Darüber hinaus sind sozial-integrative Maßnahmen, wie eine Seniorenberatungsstelle und ein Seniorenservicebüro in Goldenstedt sowie ein Kompetenzzentrum für barrierefreies Wohnen in der Samtgemeinde Barnstorf geplant. Ziel ist es, Hilfestellungen zu verschiedenen Themen, Weiterbildungsangebote und Beratungen für ältere, pflegebedürftige und eingeschränkter Personen gemeindeübergreifend zu bündeln und auszubauen.

Zur Begleitung der Maßnahme wurde eine Steuerungsgruppe bestehend aus politischen Vertretern und Verwaltungsmitarbeitern der Kommunen gebildet. Daneben nahmen die unterschiedlichen Akteure im Verlauf der Konzepterarbeitung an Expertenrunden, Klausurtagungen und Sitzungen teil.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Bildung
    • Pflege und Senioren
    • Jugend und Familie
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben

Einzelmaßnahmen

  • Erweiterung und Sanierung des Harmann-Wessel-Hauses zu einem Familienzentrum mit Kindergarten, Goldenstedt (2016-2018)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2013Aufnahme in das Programm Kleinere Städte und Gemeinden
2014Erarbeitung des "Interkommunalen Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes Zukunft gestalten: Zwischen Hunte und Moor!"
2017Beginn der Sanierung des Harmann-Wessel-Hauses in Goldenstedt


Besonderheiten

Der Kooperationsraum IEK Barnstorf / Goldenstedt hat einen modularen, Erarbeitungsprozess für das integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept durchlaufen. Eine stufenweise Erarbeitung des Konzeptes ermöglichte eine auf die Gemeinden passgenau abgestimmte Prozesssteuerung. Dabei stand die Einbindung lokaler Akteure wie Bürgerinnen und Bürger, Vereine, ansässige Geschäftsleute sowie Kitas und Schulen während des gesamten Erarbeitungsprozesses im Mittelpunkt. Im Rahmen des ersten Moduls "Orientierung und Aktivierung" wurden die beteiligten lokalen Akteure sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung für die Herausforderungen des Kooperationsraums und vorhandene Handlungsmöglichkeiten sensibilisiert. Damit wurde eine engagierte Mitarbeit und Unterstützung bei der Konzepterstellung sichergestellt. Gleichzeitig wurden Zukunftsszenarien zur demografischen Entwicklung beider Kommunen erarbeitet. Eine räumliche und inhaltliche Rahmensetzung konnte den nächsten Arbeitsschritt vorbereiten. Im zweiten Modul "Kommunalinventarisierung und Nachhaltigkeitscheck" wurden die vorhandenen Infrastruktureinrichtungen der Daseinsvorsorge im Kooperationsraum erfasst. Aufbauend auf den Ergebnissen des ersten Moduls wurden zudem Aussagen zu den aktuellen Auslastungen der Einrichtungen getroffen. Das Modul "Ziele und Kommunikation" diente abschließend der Herausarbeitung von vier Handlungsfeldern und der Ableitung von Zielen.

Die bereits begonnenen und geplanten Maßnahmen belegen die im Konzept angelegte Ausrichtung der Kooperation auf das Thema Daseinsvorsorge. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf generationenübergreifende Angebote gelegt. Mit der Schaffung dringend benötigter Räumlichkeiten soll die vielfältige Vereinskultur in den Gemeinden unterstützt und für die Zukunft gesichert werden.

Lernerfahrungen

Im Rahmen der Konzepterstellung wurden zwei Klausurtagungen mit den Räten und Verwaltungen der Gemeinden abgehalten, um die inhaltlichen Ausrichtung abzustimmen und gemeinsam Themen für die zukünftige Gestaltung des Kooperationsraums festzulegen. Mit Hilfe eines computergestützen Kommunikationssystems konnten die Teilnehmer der Klausurtagung anonym und offen Themen und Vorschläge für das Entwicklungskonzept diskutieren. Damit konnte eine Gleichbehandlung aller Teilnehmenden erreicht werden, ohne politisch oder kommunal beeinflusste Sichtweise.

Die Klausurtagung stellte einen Auftakt für die weitere Zusammenarbeit dar und hat Strukturen etabliert, von denen die Kooperation langfristig profitiert.

Zusatzinformationen

Bundesland

Niedersachsen


Gemeinde

Samtgemeinde Barnstorf, Gemeinde Goldenstedt


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2013 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2016: 500.500 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen


Kontaktdaten

Samtgemeinde Barnstorf
Herr Bürgermeister Jürgen Lübbers
Am Markt 4
49406 Barnstorf
Tel.: +49 5442 809 40
E-Mail: Juergen.luebbers@barnstorf.de


Gemeinde Goldenstedt
Herr Bürgermeister Willibald Meyer
Hauptstraße 39
49424 Goldenstedt
Tel.: +49 4444 2009 0
E-Mail: buergermeister@goldenstedt.de

Weiterführende Informationen (Links)

Internetauftritt der Samtgemeinde Barnstorf

Internetauftritt der Gemeinde Goldenstedt


Stand

Mai 2017

Diese Seite