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Barntrup-Dörentrup, Region Nordlippe

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge

Zusammenfassung

Die Stadt Barntrup (ca. 8.900 Einwohner) und die Gemeinde Dörentrup (ca. 8.200 Einwohner) liegen im Nordosten von Nordrhein-Westfalen. Der demografische Wandel und die damit verbundenen städtebaulichen Herausforderungen veranlassten die beiden Kommunen gemeindeübergreifend zusammenzuarbeiten. Um die Wohn-, Arbeits- und Lebensverhältnisse in der Region dauerhaft zu verbessern, sollen die Ortskerne attraktiv und zukunftsfähig entwickelt werden. 2012 wurde ein gemeinsames integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept beschlossen, dessen Erarbeitung mit Mitteln des Städtebauförderprogramms Kleinere Städte und Gemeinden unterstützt wurde. Erste Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und zur Anpassung der kommunalen Infrastruktur wurden bereits umgesetzt. Besonderheiten sind die Schaffung multifunktionaler Einrichtungen in den Ortskernen, die Unterstützung privater Modernisierungsmaßnahmen im Gebäudebestand sowie die Einrichtung eines Verfügungsfonds (Innenstadt-Initiative).

Kontext

Die Stadt Barntrup ist Mittelzentrum, Dörentrup Unterzentrum. Beide Kommunen stehen vor den städtebaulichen und sozialen Herausforderungen, die aus geänderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und den Auswirkungen des demografischen Wandels resultieren. Sie sind stärker vom demografischen Wandel betroffen als die restlichen Kommunen im Landkreis Lippe. Zwischen 2001 und 2010 verlor Barntrup 8 % und Dörentrup 7 % der Bevölkerung, bis zum Jahr 2025 wird eine Bevölkerungsabnahme um ca. 13 % in Barntrup und 4,5 % in Dörentrup prognostiziert. Gleichzeitig nimmt die Anzahl der über 60-Jährigen zu und die Anzahl der unter 18-Jährigen ab.

Die Kooperationsgemeinden können auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit auch mit weiteren Kommunen in der LEADER-Region Nordlippe aufbauen. Ziel ist es, den Herausforderungen des demografischen Wandels zu begegnen und eine zukunftsfähige Entwicklung anzustoßen. Das in den Jahren 2011/2012 erarbeitete integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept bildet die gemeinsame Handlungsgrundlage für die Programmumsetzung.

Projektbeschreibung

Im Rahmen der Programmumsetzung wollen die Kommunen die Wohn- und Versorgungsfunktion ihrer Ortszentren stärken, die Daseinsvorsorge durch interkommunale Zusammenarbeit sichern, die Gebäudesubstanz an Marktanforderungen anpassen und die Ortskerne attraktiver gestalten. Abgeleitet aus den Erkenntnissen des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes wurden die vier Sanierungsgebiete Dörentrup-Zentrum, Dörentrup-Bega, Barntrup-Zentrum und Barntrup-Sonneborn festgelegt.

Im integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept werden sowohl überörtliche als auch lokale Maßnahmen benannt. Die Programmbegleitung durch einen externen Beauftragten und die Öffentlichkeitsarbeit erfolgen überörtlich für den Kooperationsraum. Zu den überörtlichen Maßnahmen zählt auch ein "regionaler" Verfügungsfonds (siehe Besonderheiten).

Neben der Aufwertung und Anpassung von Infrastruktureinrichtungen sowie einer Neugestaltung öffentlicher Frei- und Grünräume wird der Aktivierung privater Investitionen in den Gebäudebestand eine große Bedeutung beigemessen. In allen Sanierungsgebieten sollen kommunale und private Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen gefördert werden. Private Eigentümer werden gezielt angesprochen und durch Informationsmaterial zu Fördermöglichkeiten sowie durch kommunale Anreizprogramme unterstützt. Zuwendungsfähig sind unter anderem Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen wie die Verbesserung der Gebäudefassaden, die Erneuerung von Dachflächen inklusive ökologisch wertvoller Begrünung, die Gestaltung von Hofflächen sowie die Entsiegelung befestigter Flächen zur Schaffung von nicht-öffentlichen Grün- und Gartenflächen.

Um die Wohn- und Lebensqualität in Dörentrups Zentrum zu stärken, wurde eine Grünfläche im Ortskern zu einem Mehrgenerationenpark umgestaltet. Darüber hinaus wurde das leerstehende Gebäude des ehemaligen Rathauses rückgebaut, um ein neues multifunktionales Bürgerhaus zu errichten. Nachdem die Verwaltung in ein neues Gebäude umgezogen war, stand der Gebäudekomplex mit rund 2.500 m² Grundstücksfläche leer. Trotz der zentralen Lage fehlte aufgrund der Bausubstanz ein Nachnutzungsinteresse, so dass das Gebäude zusehends verfiel. Mithilfe von Fördermitteln des Programms "Kleinere Städte und Gemeinden" erfolgte der Abriss, um Raum für den Neubau des multifunktionalen Bürgerhauses zu schaffen. Das Bürgerhaus wurde barrierefrei und energieeffizient konzipiert. Der Neubau beherbergt einen Veranstaltungssaal und Räumlichkeiten für mehrere Vereine. Eine Feuer- und Rettungswache wurden in das Gebäude integriert, jedoch ohne Förderung durch das Städtebauförderprogramm. Entstanden ist eine multifunktionale Einrichtung zur Sicherung der Daseinsvorsorge und zur Förderung der sozialen Aktivitäten in der Gemeinde. Das Bürgerhaus wurde im Jahr 2015 eröffnet. Weitere Vorhaben in Dörentrup-Zentrum sind die Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes für den Ortskern, die energetische Erneuerung und barrierefreie Umgestaltung des Freibads sowie die Neugestaltung der Mühlenstraße zur Steigerung der Aufenthaltsqualität im Ortskern.

Auch in den anderen Sanierungsgebieten wurden bereits erste Maßnahmen umgesetzt. In Dörentrup-Bega wurde eine Turnhalle zu einer Mehrzweckhalle umgebaut und im Frühjahr 2015 eröffnet. Zudem soll der Ortskern aufgewertet werden, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern und die Identifikationskraft zu stärken.

Wichtigste Maßnahme im Zentrum der Stadt Barntrup ist die Umnutzung der nicht mehr benötigten Hauptschule zu einem Bürger- und Schulforum. Auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie, von Erkenntnissen aus Beteiligungsveranstaltungen und eines Architekturwettbewerbs wird das Gebäude aus den 1970er Jahren energetisch saniert und umgebaut; einzelne Gebäudetrakte werden abgerissen. Das Nutzungskonzept sieht vor, das Gebäude zukünftig als Sekundarschule und als Ort für öffentliche Veranstaltungen sowie für Vereine und Initiativen zu nutzen. Einzelne Bereiche werden zudem von einem benachbarten Gymnasium mitgenutzt. Im Zentrum von Barntrup werden weiterhin der Stadtpark und die Wilhelmsstraße umgestaltet, um neue Aufenthaltsqualitäten zu schaffen und den Wohnwert im Zentrum zu steigern.

In Barntrup-Sonneborn ist die Umgestaltung der Hauptstraße geplant, um einen zentralen Dorfplatz zu schaffen. Begonnen hat bereits die Aufwertung der Grünfläche "Oberer Teich". Aufgrund seiner zentralen Lage bietet die Fläche eine wichtige Erholungsfunktion für Familien und ältere Menschen. Daher soll die Fläche gestalterisch aufgewertet, in ihrer Zugänglichkeit verbessert und stärker in das Ortsbild eingebettet werden. Entstehen soll ein "Sinnesgarten" mit Angeboten für Jung und Alt. Hierzu zählen Duft- und Nutzpflanzen, Klangobjekte und Fühltafeln.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Kultur / Freizeit
    • Pflege und Senioren
    • Jugend und Familien
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

Umfeld des "Oberen Teichs" in Barntrup-Sonneborn vor der Umgestaltung Umfeld des "Oberen Teichs" in Barntrup-Sonneborn vor der UmgestaltungUmfeld des "Oberen Teichs" in Barntrup-Sonneborn vor der Umgestaltung Quelle: Stadt Barntrup

  • Gemeinsames integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept
  • Mehrgenerationenpark Dörentrup-Zentrum
  • Errichtung des multifunktionalen Bürgerhauses Dörentrup-Zentrum auf dem Grundstück des ehemaligen Rathauses
  • Umbau der Turnhalle in Dörentrup-Bega zur Mehrzweckhalle
  • Aufwertung der Grünanlage "Oberer Teich" und des Dorfplatzes Barntrup-Sonneborn
  • Umnutzung der Hauptschule Barntrup in ein Bürger- und Schulforum (Baumaßnahme in Vorbereitung)
  • Verfügungsfonds

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • LEADER

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2011Aufnahme von Dörentrup und Barntrup ins Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
2012Beschluss des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts / Festlegung der Sanierungsgebiete / Einrichtung eines Verfügungsfonds
2013Rückbau des alten Rathauses in Dörentrup und Baubeginn für das multifunktionale Bürgerhaus / Fertigstellung Mehrgenerationenpark Dörentrup / Machbarkeitsstudie Umnutzung Hauptschule Barntrup
2014Aufwertung Grünanlage "Oberer Teich" in Barntrup-Sonneborn
2015Fertigstellung des multifunktionalen Bürgerhauses in Dörentrup / Abschluss Umbau Turnhalle in Dörentrup-Bega zur Mehrzweckhalle / Baubeginn Umnutzung Hauptschule Barntrup (geplant)


Besonderheiten

Barntrup und Dörentrup haben als zwei der ersten Programmkommunen im Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" einen Verfügungsfonds eingerichtet und die entsprechende Vergaberichtlinie beschlossen. Ziel ist es, öffentlichkeitswirksame Maßnahmen mit dem Verfügungsfonds zu unterstützen. Antragsberechtigt sind Einzelpersonen, Unternehmen, Vereine und Bürgerinitiativen, gemeinnützige Träger sowie private Bildungs- und Betreuungseinrichtungen. Der Zuschuss darf einen Betrag von 10.000 Euro pro Maßnahme nicht übersteigen. Im Einsatz sind zwei Verfügungsfonds für die Sanierungsgebiete in den Zentren von Barntrup und Dörentrup. Darüber hinaus ist geplant einen überörtlichen Verfügungsfonds einzurichten, mit dem regionale Aktionen der Standortentwicklung unterstützt werden sollen.

Eine weitere Besonderheit sind die umfassenden übergeordneten Konzepte und Aktivitäten. Hierzu zählen das integrierte ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) für die LEADER-Region Nordlippe, ein regionales Leerstandsmanagement sowie ein kommunales Förderprogramm "Jung kauft Alt" und ein Zukunftsentwicklungskonzept aus dem Jahr 2010 in Barntrup. Derzeit wird zudem auf Kreisebene ein integriertes Entwicklungskonzept für den ländlichen Raum im Kreis Lippe erarbeitet. Es sind somit vielfältige, raumübergreifende Handlungsansätze gegeben, die im Rahmen überörtlicher Konzepte abgestimmt und mit Hilfe externer Prozessbegleitung koordiniert werden.

Lernerfahrungen

Die Kooperation der Stadt Barntrup und der Gemeinde Dörentrup zeigt, wie es gelingen kann, bestehende Planungen und Konzepte für die Programmumsetzung zu nutzen und zielgerichtet weiterzuentwickeln. Den Akteuren ist es gelungen, tragfähige Lösungen für multifunktionale Infrastruktureinrichtungen zu erarbeiten und dabei geschickt unterschiedliche Nutzungen zu kombinieren. Damit werden sowohl im Bestand als auch im Neubau Orte geschaffen, die nicht nur die Daseinsvorsorge sichern und Angebote für unterschiedliche Zielgruppen bereit halten, sondern auch einen wichtigen Impuls für die Belebung der Ortskerne auslösen. Sie stärken die Gemeinschaft, da Räume für Kommunikation und Austausch, für Vereine, Initiativen und öffentliche Veranstaltungen geschaffen werden. Weitere Lerneffekte lassen sich zukünftig aus der Anwendung des Verfügungsfonds erwarten.

Zusatzinformationen

Bundesland

Nordrhein-Westfalen


Gemeinden

Stadt Barntrup und Gemeinde Dörentrup


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2011 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2014: ca. 1,7 Mio. Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Städtische Kreise


Kontaktdaten

Stadt Barntrup
Franz-Joachim Kuhs
Mittelstraße 38
32683 Barntrup
Tel.: +49 5263 409160
E-Mail: F.Kuhs@banrtrup.de


Gemeinde Dörentrup
Fachbereich Bauen und Umwelt
Herr Dirk Süllwold
Poststraße 11
32694 Dörentrup
Tel: +49 5265 739 1480


DSK – Regionalbüro Bielefeld
Herr André Wagner
Oelmühlenstaße 23
33604 Bielefeld
Telefon: +49 521 58486422
E-Mail: andre.wagner@dsk-gmbh.de


Link / weitere Informationen

Informationen zur Programmumsetzung in Dörentrup

Informationen zur Programmumsetzung in Barntrup


Stand

Juli 2015

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