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Allianz Hofheimer Land

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge, Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Interkommunales Bürgerzentrum am Marktplatz der Stadt Hofheim i. UFr. Interkommunales Bürgerzentrum am Marktplatz der Stadt Hofheim i. UFr.Interkommunales Bürgerzentrum am Marktplatz der Stadt Hofheim i. UFr. Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Die Förderung der Innenentwicklung zur Sicherung lebenswerter Orts- und Gemeindezentren ist das zentrale Anliegen der Hofheimer Allianz im Landkreis Haßberge in Unterfranken. Sieben Gemeinden mit 53 Ortsteilen haben sich im Jahr 2008 im Rahmen eines Programms zur Revitalisierung von innerörtlichen Leerständen (Förderung der Bausubstanz) zusammengetan. Seither hat sich die Allianz zu einer Partnerschaft weiterentwickelt, in der die beteiligten Gemeinden in einem kooperativen und von Konsens geprägten Arbeitsprozess erfolgreich Strategien zur Sicherung der Lebensqualität entwickeln und gemeinsam umsetzen. Um die Kooperation weiter zu fördern und regionale Schlüsselprojekte zur Sicherung der Innenentwicklung und Daseinsvorsorge umzusetzen, wurde der Kooperationsraum Hofheimer Land im Jahr 2010 in das Förderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" aufgenommen. Über 230 Leerstände konnten in den beteiligten Gemeinden und Ortsteilen bisher gefüllt und rund 20 gemeindliche Ortskernprojekte umgesetzt werden.

Kontext

Die Kooperation Hofheimer Land liegt im nördlichen Teil des Landkreises Haßberge im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken. Die Kreisstadt Haßfurt ist 12 Kilometer vom Kooperationsraum entfernt.

Die größten Herausforderungen für die sieben Gemeinden sind der Einwohnerrückgang und die Alterung der Bevölkerung im Zuge des demografischen Wandels, insbesondere des Wegzugs jüngerer Bevölkerungsgruppen. Zudem ermöglicht die mit der Bevölkerungszahl schrumpfende Finanzausstattung der einzelnen Gemeinden nur noch eine unzureichende Sicherung der Daseinsvorsorge. Weiterer Handlungsbedarf besteht bei der ÖPNV- und Schulverkehrsanbindung innerhalb der Region sowie der Vernetzung mit der Umgebung. Lokale Herausforderung in einzelnen Gemeinden der Kooperation ist die drohende Zunahme von Leerständen in den Ortskernen, sodass diese nicht mehr vollständig ihre Versorgungs- und Zentrumsfunktion wahrnehmen können und an Attraktivität für Bürgerinnen, Bürger und Besucher verlieren.

Um die funktionalen und städtebaulichen Mängel zu beheben, die soziale Infrastruktur zu sichern und die interkommunale Kooperation zu verstetigen, wird die Hofheimer Allianz mit derzeit drei ausgewiesenen Fördergebieten seit 2010 im Förderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" unterstützt. Zentrales Ziel der Kooperation ist die Bewahrung und Verbesserung der Lebensqualität durch intensive Zusammenarbeit und Abstimmung der kooperierenden Gemeinden. Von besonderer Bedeutung sind die Innenentwicklung und der Erhalt des Kulturraums.

Projektbeschreibung

ehemalige Schule in Rügheim unmittelbar vor der Fertigstellung nach dem Umbau zum neuen Dorfgemeinschaftshaus ehemalige Schule in Rügheim unmittelbar vor der Fertigstellung nach dem Umbau zum neuen Dorfgemeinschaftshausehemalige Schule in Rügheim unmittelbar vor der Fertigstellung nach dem Umbau zum neuen Dorfgemeinschaftshaus Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Die interkommunale Kooperation der sieben Gemeinden im Hofheimer Land wurde bereits im Jahr 2008 im Rahmen eines Modellprojektes im Landkreis zur Förderung der Bausubstanz gegründet. Im Mittelpunkt des Modellprojektes stand das Ziel, den zunehmenden Leerstand in den Ortszentren einzudämmen. Dazu wurde eine qualifizierte Bestandserfassung durchgeführt, um Leerstände und Baulücken insbesondere in den Ortskernen zu reduzieren beziehungsweise weitere zu verhindern.

Zur Umsetzung dieses ehrgeizigen Ziels gründete sich eine Lenkungsgruppe, die die Arbeit der interkommunalen Kooperation begleitet und auch zukünftigen Herausforderungen in anderen Handlungsbereichen gemeinsam begegnet. Sie trifft sich seither regelmäßig und setzt sich aus den Bürgermeistern der kooperierenden Gemeinden, Verwaltungsangestellten, dem LEADER-Management Haßberge, je einem Vertreter der Regierung von Unterfranken (Städtebauförderung) und dem Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken zusammen. Ein Allianzmanagement (Kooperationsmanagement) bündelt und koordiniert seit 2013 die Aktivitäten und Prozesse vor Ort.

Mit dem "Überörtlichen Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept zur öffentlichen Daseinsvorsorge für die Gemeinde-Allianz Hofheimer Land" erarbeiteten die Kommunen 2010 ein gemeinsames Leitbild und die Leitziele für die zukünftige Entwicklung. Sechs Arbeitskreise zu den Themen ländliche Wirtschaft, Siedlungsentwicklung und Bauen, soziale Infrastruktur, touristische Potenziale, regionale Identität, Kultur und Zusammenleben sowie technische Infrastruktur und Verkehr formulierten die Maßnahmen für das Entwicklungskonzept.

Seit der Aufnahme in das Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Netzwerke und Zusammenarbeit" konnten mehrere ortsbildprägende leer stehende Objekte durch den Umbau zu multifunktionalen Bürgerzentren und -häusern revitalisiert werden. Während in Hofheim ein interkommunales Bürgerzentrum entstand, konnte in weiteren Kommunen der Allianz ein dezentrales Bürgerhäuser-System aufgebaut werden.

Eine bereits abgeschlossene Maßnahme der Allianz ist der Um- und Ausbau des ehemaligen Finanzamtes der Stadt Hofheim in ein interkommunales Bürgerzentrum. Als ein zentraler Anlaufpunkt für die Bürgerinnen und Bürger zu allen Themen der Allianz befindet sich nicht nur der Sitz des Allianzmanagements in dem Gebäude, sondern auch eine Vielzahl von Beratungseinrichtungen zu den Themen Daseinsvorsorge, Bauen und Siedlungsentwicklung. Das Bürgerzentrum beherbergt zudem den Sitz des Kultur- und Seniorenbüros, die Tourismuszentrale, eine Bücherei, einen modern ausgestatteten Konferenzraum sowie einen Ausstellungsraum zur Allianz in der angrenzenden Remise. Seit 2016 ist auch eine Asylkoordinatorin für das Hofheimer Land hier angesiedelt, mit den Arbeitsschwerpunkten Wohnraum- und Arbeitsplatzbeschaffung für die Asylsuchenden der Gemeindeallianz.

Auch mehrere Bausteine des dezentralen Bürgerhäuser-Systems sind bereits umgesetzt: Durch den Umbau des ehemaligen Schulhauses in Rügheim (Ortsteil von Hofheim) zu einem Bürgerhaus und der alten Kommunalbrauerei zum "Kommunalbrau- und Backhaus Rügheim" sowie der Umbau eines alten Bauernhauses in Kimmelsbach (Ortsteil von Bundorf) zu einem Jugendhaus und des alten Pfarrhauses in Mechenried (Ortsteil Riedbach) zu einem Bürgerhaus konnten mehrere ortsbildprägende Leerstände wiederbelebt werden. Weiterhin sollen 2017 der Neubau eines Kindergartens sowie eine Verbindung des Neubaus mit dem Bürgerhaus in Mechenried realisiert werden. Der neue integrierte Standort des Bürgerhauses (Arztpraxis im Erdgeschoss, Versammlungsraum und Betreuungsangebote im Obergeschoss) und des Kindergartens führt zu Synergieeffekten, beispielsweise zu Bau- und Betriebskostenersparnissen durch die Zusammenlegung der Funktionsräume (Toiletten, Heizung, Küche). Ein weiteres Gemeinschaftshaus soll in einem ehemaligen Gefrierhaus in Sulzbach entstehen, es soll 2017 fertiggestellt werden.

Ein Projekt mit einem besonderen gemeinschaftlichen Charakter ist das Schwimmbad. Für die Zusammenlegung, Sanierung und den Umbau eines Hallenbades mit angrenzendem Freibad lobte die Allianz einen Architektenwettbewerb aus. Alle Kommunen des Kooperationsraumes haben sich in einer gemeinsamen Erklärung dazu verpflichtet, das Schwimmbad finanziell zu unterstützen und es so langfristig betreiben zu können. Das neu entstandene Freibad wurde 2016 eröffnet. Das Hallenbad soll ebenfalls saniert und gemeinsam mit dem Freibad betrieben werden.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Innenentwicklung / Flächenmanagement
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Leerstandsmanagement
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Kultur / Freizeit
    • Pflege und Senioren
    • Jugend und Familien
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Einrichtung eines interkommunalen und multifunktionalen Bürgerzentrums im ehemaligen Finanzamt in Hofheim mit Tourismusbüro, Seniorenbetreuung, Stadtbücherei, Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen, Sitz des Allianzmanagements (Fertigstellung 2012)
  • Umbau des alten Schulhauses in Rügheim als Teil eines dezentralen Bürgerhaus-Systems in den beteiligten Gemeinden (Fertigstellung 2014)
  • Umbau eines alten Bauernhauses zum Dorfgemeinschaftshaus in Kimmelsbach (Fertigstellung 2016)
  • Sanierung des interkommunalen Freibades in Hofheim (Fertigstellung 2016)
  • Umbau der alten Kommunalbrauerei in Rügheim zum "Kommunalbrau- und Backhaus Rügheim" (Fertigstellung 2017, geplant)
  • Umbau des alten Pfarrhauses in Mechenried zum Bürgerhaus und Neubau eines Kindergartens (Fertigstellung 2017, geplant)

Finanzierung

  • Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Amt für ländliche Entwicklung

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Gründung der Allianz Hofheimer Land / Bestandsanalyse zu Leerständen und Baulücken im Kooperationsraum
2010Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden"
2011Auftaktveranstaltung in Hofheim und Beginn der Konzepterstellung / Durchführung eines Beteiligungswettbewerbes für Jugendliche zur Ideensammlung für eine jugendorientierte Entwicklung des Hofheimer Landes
2012Eröffnung des interkommunalen Bürgerzentrums in Hofheim
2013Gründung des Vereins Hofheimer Land e.V. / Einrichtung des Allianzmanagements im interkommunalen Bürgerzentrum
2014Fertigstellung des ersten Bürgerhauses innerhalb des dezentralen Bürgerhaus-Systems / Fertigstellung des Integrierten Entwicklungskonzeptes
2016Einweihung Dorfgemeinschaftshaus in Kimmelsbach / Eröffnung Bürgerhaus Mechenried / Neubau Kindergartens in Mechenried / Eröffnung interkommunales Freibad in Hofheim


Besonderheiten

Interkommunale Kooperation bedeutet im Hofheimer Land mehr als nur eine Lenkungsrunde mit den Akteuren der beteiligten Kommunen. Durch das Allianzmanagement und seine feste Verankerung im interkommunalen Bürgerzentrum in einem wieder inwertgesetzten Baudenkmal im Gebiet der Allianz wird die Kooperation nicht nur lebendig, sondern auch erfahrbar und erlebbar insbesondere für die Bewohnerinnen und Bewohner des Kooperationsraumes. Alle Interessierten und Engagierten im Kooperationsraum finden dort konkrete Anlaufstellen für Informationen rund um die Aktivitäten der Allianz sowie eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Mitbestimmung und -gestaltung der Kooperation im Allgemeinen oder vor Ort in einer der beteiligten Gemeinden.

Lernerfahrungen

Bürgerhaus Mechenried nach dem Umbau Bürgerhaus Mechenried nach dem UmbauBürgerhaus Mechenried nach dem Umbau Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Die Allianz Hofheimer Land verfolgt konsequent das Ziel der Innenentwicklung. Neben der Revitalisierung von leer stehenden Objekten durch deren Umbau und gemeinsame Nutzung (interkommunales Bürgerzentrum, interkommunales Freibad), war ein weiterer Schritt in Richtung Innenentwicklung die Rücknahme von Baugebietsausweisungen an den jeweiligen Ortsrandlagen. Um auch die Bevölkerung, Eigentümer und potentielle Neubürger für die Nutzung bestehender Bausubstanz zu mobilisieren, werden sogenannte Innenentwicklungs-Beratungsgutscheine für Architektenberatungen sowie spezielle Förderprogramme angeboten. Die Beratung wird nur für Gebäude, die seit mindestens drei Monaten leer stehen und sich innerhalb der ausgewiesenen Sanierungsgebiete befinden angeboten. Bei der Gestaltung wird auf die Wünsche des jeweiligen Interessenten eingegangen, solange diese mit der Gestaltungssatzung und der momentanen Rechtslage vereinbar sind. Ein Beratungsgutschein kann folgende Leistungen beinhalten:

  • Bewertung des Gebäudebestands,
  • Tipps und Hinweise zum Umbau,
  • Beurteilung des energetischen Zustandes und Handlungsempfehlungen hierzu,
  • Prüfung des Flächenangebots für die Pläne des Bauwilligen und eine grobe Kostenschätzung des Vorhabens.

Zudem übernimmt die Gemeinde die Kosten für den Abtransport von anfallendem Bauschutt.

Seit April 2016 sind mehrere Gemeinderäte und Ortssprecher als Leerstandslotsen aktiv. Sie erfassen Leerstände und sind Ansprechpartner für Interessierte.

Zusatzinformationen

Bundesland

Bayern

Gemeinden

Aidhausen, Bundorf/Haßberge, Burgpreppach, Ermershausen, Hofheim in Unterfranken, Maroldsweisach, Riedbach


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2010 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2016: 1.721.300 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

dünn besiedelte ländliche Kreise


Kontaktdaten

Herr Bürgermeister Wolfgang Borst
Marktplatz 1
97461 Hofheim i. UFr.
Tel.: 09523 50337 0
Fax: 09523 50337 28
E-Mail: stadt-hofheim@gmx.de


Allianzmanagement Hofheimer Land e.V.
Marktplatz 1
97461 Hofheim i. UFr.
Tel.: 09523 50337 16
Fax: 09523 50337 28
E-Mail: info@hofheimer-land.de


Link / weitere Informationen

Internetauftritt der Allianz Hofheimer Land


Stand

Juli 2017

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