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Hülben Ortsmitte

Schwerpunkte: Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge

Zusammenfassung

Die Gemeinde Hülben mit ca. 2.900 Einwohnern befindet sich im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg und ist in das Biosphärenreservat Schwäbische Alb eingebettet. Hülben liegt im Einzugsbereich von Reutlingen (ca. 20 km Entfernung) und in mittlerer Entfernung zu Stuttgart und Ulm (50 bzw. 60 km). Die Entwicklungsdynamik in Hülben ist positiv. Dennoch besteht Handlungsbedarf, die Infrastruktur an die Bedarfe unterschiedlicher Altersgruppen anzupassen und die Innenentwicklung zu stärken. Der Gemeinderat hat daher den Grundsatzbeschluss gefasst, der Innenentwicklung vor der Außenentwicklung Vorrang zu geben.

Im Mittelpunkt der Maßnahme steht die Aktivierung und Revitalisierung vorhandener Flächenpotenziale im Ortskern von Hülben. Hierzu sollen das Wohnangebot, insbesondere das generationengerechte und generationenübergreifende Wohnen gestärkt, die Einrichtungen der Daseinsvorsorge qualifiziert und der öffentliche Raum aufgewertet werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verbesserung des Zusammenhaltes und die Schaffung von gemeinschafts- und identitätsfördernden Angeboten. In der Startphase stehen daher vor allem Maßnahmen im zentralen Wohnumfeld und bürgerschaftliche Projekte im Vordergrund. Als Schlüsselmaßnahme wird ein leer stehendes, historisches Schulgebäude zu einem multifunktionalen Bürgerhaus im Ortskern von Hülben umgebaut.

Kontext

Trotz einer anhaltend stabilen Entwicklung der Bevölkerungszahl besteht in der Kommune Handlungsbedarf zur Sicherung der Daseinsvorsorge und der zentralen Funktionsbereiche im Ortskern. Dieser ergibt sich vor allem aus der bis 2007 stark durch Bauflächenneuausweisungen an den Rändern geprägten Siedlungspolitik der Gemeinde und durch die Entwicklung neuer Ansprüche an die vorhandenen Infrastrukturen infolge des demografischen Wandels (insbesondere Alterung der Bevölkerung).

Zentrales Ziel der zukünftigen Gemeindeentwicklung ist es, den Blick wieder stärker nach innen auf den Ortskern zu richten und bestehende Flächenpotenziale zu nutzen, um einer weiteren Schwächung des Zentrums entgegen zu wirken. Diesen Paradigmenwechsel in der strategischen Entwicklung der Gemeinde unterstreicht der Gemeinderatsbeschluss zur Förderung der Innen- vor der Außenentwicklung und der Abkehr von Bauflächenneuausweisungen aus dem Jahr 2007. Die Gemeinde wurde im Jahr 2011 in das Städtebauförderprogramm Kleinere Städte und Gemeinden aufgenommen, um Hülben bei der Umsetzung dieses strategischen Entwicklungsziels zu unterstützen.

Projektbeschreibung

Im Jahr 2007 verabschiedete der Gemeinderat das Gemeindeentwicklungskonzept "Hülben 2025", in dem er sich nicht nur zur Innenentwicklung bekennt, sondern diese auch aktiv gestalten möchte. Auf der Grundlage des Konzeptes werden Maßnahmen im Programm Kleinere Städte und Gemeinden umgesetzt.

Die zentralen Ziele der Gesamtmaßnahme sind die Stärkung des Ortskerns durch Innenentwicklung, die Aktivierung und Inwertsetzung der vorhandenen Flächenpotenziale, der Erhalt und die Stärkung der öffentlichen und privaten Infrastruktur insbesondere der ärztlichen und örtlichen Grundversorgung und die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements.

In den zentralen Bereichen der Gemeinde sollen langfristig attraktive Rahmenbedingungen für nachbarschaftliches und generationenübergreifendes Wohnen, wohnortnahes Arbeiten und eine wohnortnahe Grundversorgung geschaffen werden. Insgesamt leistet die Maßnahme damit einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Sicherung der örtlichen Daseinsvorsorge. Davon profitieren nicht nur direkt die Einwohner der Gemeinde, sondern auch umliegende Ortschaften.

Schon während der Erstellung des Konzeptes, aber auch im Rahmen der Umsetzung der Gesamtmaßnahme steht die Zusammenarbeit und Kooperation mit den Bürgerinnen und Bürgern an erster Stelle. Diese geht deutlich über die etablierten Formen einer Beteiligung hinaus: Bürgerbeteiligung wird hier als Prozess verstanden, der die Umsetzung der baulichen Maßnahmen kontinuierlich begleitet. Als Formate haben sich verschiedene Gesprächsrunden (Infogespräche, Quartiersgespräche, Einzelgespräche) und die Einrichtung Runder Tische zu unterschiedlichen Themen (Soziales, Kinder- und Jugend, Gesunde Gemeinde, Ortsmitte) etabliert. Vor allem der Runde Tisch Ortsmitte ist ein wesentlicher Kooperationspartner zu allen Belangen der Ortsentwicklung.

In der Startphase der Gesamtmaßnahme stand die Förderung bürgerschaftlicher Projekte im Mittelpunkt, um das bestehende Engagement ernst zu nehmen und in weitere Bereiche der Sanierungstätigkeit hineinzutragen. Hierzu wurde beispielsweise im Rahmen des Bürgerprojektes "Stationen an der Ortsdurchfahrt" ein Masterplan für die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt in Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde erstellt.

Weiterhin initiierte die Gemeinde ein Aktives Immobilien- und Flächenmanagement. Als Beitrag zu einer zukunftsgerechten Siedlungspolitik erfolgt in diesem Rahmen eine zielorientierte Steuerung der Siedlungsstruktur und der Besiedlung. Hierzu hat die Gemeinde in Zusammenarbeit mit einem externen Sanierungsträger zunächst bestehende und zu erwartende Leerstände erfasst. Dabei wurden erhebliche gegenwärtige und zukünftige Nutzungs- und Flächenpotenziale in bereits erschlossenen zentralen Lagen im Umfang von insgesamt 9 Hektar (rund 150 unbebaute Grundstücke, 30 Leerstände, 90 zu erwartende Leerstände) identifiziert. Die identifizierten Grundstücke wurden hinsichtlich ihrer Eignung, d. h. Art und Maß potentieller baulicher Nutzungen überprüft und werden nun über unterschiedliche Wege vermarktet. Ein eigens erstelltes Immobilienbuch listet alle verfügbaren Flächen auf. Eingerichtet ist ein Beratungsservice für Eigentümer, Bauinteressierte, Zuzugsinteressierte, Baufinanzierer, Unternehmer und Existenzgründer, um die Vermarktung der Grundstücke zu unterstützen.

Im Rahmen der Leerstandserfassung sind aber auch qualitative Defizite in der Daseinsvorsorge, etwa in den Bereichen medizinische Versorgung und soziale Infrastruktur erkennbar geworden. In der derzeitigen Umsetzungsphase wird daher einerseits ein Schwerpunkt auf die Behebung städtebaulicher Missstände und die energetische Modernisierung privater und öffentlicher Gebäude gelegt, andererseits wird die soziale Infrastruktur durch die Schaffung ergänzender Angebote für zukünftig stärkere Nachfragen insbesondere durch ältere Menschen qualifiziert.

Eine der Schlüsselmaßnahmen zur Revitalisierung der Ortsmitte und zum Ausbau der sozialen Infrastruktur ist der Umbau eines in großen Teilen leer stehenden Schulhauses zum Bürgerzentrum. Nachdem im Jahr 2011 alle vorbereitenden Beschlüsse seitens der Gemeinde gefasst wurden, begann die Umsetzung der Maßnahme im ersten Bauabschnitt im Jahr 2012. Im September 2013 konnten die Bautätigkeiten des 1. Bauabschnitts abgeschlossen und der erste Teil des Gebäude wieder in Betrieb genommen werden. Das Gebäude ist nun barrierefrei zugänglich, und die Sanierung erfolgte unter energetischen Gesichtspunkten. Im Westflügel des Gebäudes entstanden ein Bürgersaal mit multifunktionalen Nutzungsmöglichkeiten im Erdgeschoss, ein Trauzimmer im Gewölbekeller, eine Jugendwerkstatt mit ergänzenden Jugendräumen und eine Hausmeisterwohnung im Dachgeschoss. Weiterhin bietet das Haus schon jetzt Heimat für sieben ortansässige Vereine, und es wurden Räumlichkeiten für ein historisches Schulmuseum geschaffen. Für den zweiten Bauabschnitt sind die Einrichtung einer Gemeindebibliothek im Untergeschoss sowie die Sanierung weiterer Vereinsräume und deren energetische Sanierung in Eigenregie vorgesehen.

Handlungsfelder 

  • Innenentwicklung / Flächenmanagement
  • Leerstandsmanagement
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Kultur / Freizeit
    • Gesundheit
    • Jugend und Familien
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Behebung städtebaulicher Missstände auf mehreren Grundstücken
  • Umbau eines ehemaligen Schulhauses zum Bürgerzentrum mit Bürgerhaus (seit 2012)
  • Bürgerprojekt "Stationen an der Ortsdurchfahrt" zur Verbesserung des Zusammenhaltes in der Dorfgemeinschaft und des Ortsbildes (2011)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2007Beschluss des integrierten Entwicklungskonzeptes (Gemeindeentwicklungsplan) einhergehend mit dem Beschluss Innen- vor Außenentwicklung
2011Aufnahme in das Städtebauförderprogramm / Gemeinderatsbeschluss über Vorbereitende Untersuchungen
2012Festsetzung des Fördergebietes als Sanierungsgebiet / Bürgerprojekt "Stationen an der Ortsdurchfahrt" / Beginn 1. Bauabschnitt Umbau des alten Schulhauses zum Bürgerzentrum
2013Fertigstellung 1. Bauabschnitt altes Schulhaus


Besonderheiten

Der demografische Wandel wird trotz einer stabilen Einwohnerentwicklung auch in Hülben zunehmend spürbar, indem sich die Altersgruppen verschieben und der Anteil der älteren Menschen spürbar zunehmen wird. Gleichzeitig ist Hülben nach wie vor ein beliebter Zuzugsort für Familien. Hier sind jedoch keine Zuwächse zu erwarten, sodass bestehende Betreuungseinrichtungen schon jetzt unterausgelastet sind, während adäquate Angebote für ältere Menschen fehlen. Um auch zukünftig handlungsfähig zu bleiben, hat sich die Gemeinde dazu entschlossen, den Trend zum Wachstum in die Fläche umzukehren und den Ortskern als Zentrum der Gemeinschaft, der Daseinsvorsorge und des Wohnens zu stärken.

Als Impulsprojekt zur Anpassung der sozialen Infrastruktur ist mit dem Umbau einer ehemaligen Schule zum generationenübergreifenden, multifunktionalen Bürgerzentrum nicht nur ein funktionaler, sondern auch ein identitätsstiftender Mehrwert verbunden, der den Ortskern als Lebensmittelpunkt für Hülben und die Region stärkt.

Lernerfahrungen

Mit der konsequenten Ausrichtung der zukünftigen Gemeindeentwicklung auf den Ortskern und die frühzeitige Anpassung der sozialen Infrastruktur an zukünftige Bedarfe verfolgt Hülben einen präventiven Entwicklungsansatz. Mit ausgewählten Schlüsselprojekten konnte eine entsprechende Entwicklungsdynamik in Richtung des Ortskernes in Gang gebracht werden. Die zur Verfügung gestellten Mittel aus dem Städtebauförderprogramm leisteten dazu einen zentralen Beitrag, denn ohne diese Form der Anschubfinanzierung hätte der von der Gemeinden schon vor Aufnahme in das Programm beschlossene Paradigmenwechsel nicht so wirkungsvoll umgesetzt werden können.

Jenseits der investiven Impulswirkung ist jedoch auch die Prozess- und Beteiligungskultur hervorzuheben, die durch Aufnahme in das Programm gestärkt wurde. Obwohl grundsätzlicher Konsens hinsichtlich der Neuausrichtung der Siedlungsflächenentwicklung besteht, galt es immer wieder im Laufe der Programmumsetzung, Vorbehalte abzubauen.

Zusatzinformationen

Bundesland

Baden-Württemberg


Gemeinden

Hülben


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2011 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2014: 500.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

städtische Kreise


Kontaktdaten

Gemeinde Hülben
Frau Bettina Scheu
Hauptstraße 1
72584 Hülben
Tel: +49 7125 968615
E-Mail: bettina.scheu@huelben.de


STEG - Stadtentwicklung Südwest
Herr Reglin
Olgastraße 54
70182 Stuttgart
Tel: + 49 711 21068119
E-Mail: hans-joachim.reglin@steg.de


Link / weitere Informationen

Gemeinde Hülben


Stand

März 2015

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