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Kreuzbergallianz

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge, Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Die fünf bayerischen Gemeinden Bischofsheim an der Rhön, Wildflecken, Sandberg, Oberelsbach und Schönau an der Brend haben sich 2010 zur interkommunalen Kooperation Kreuzbergallianz e.V. zusammengeschlossen. Gemeinsam entwickeln sie Strategien, um auf den demografischen Wandel zu reagieren und die Daseinsvorsorge in der Region zu sichern. Mit dem Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" soll der bauliche Anpassungsprozess in den einzelnen Orten gefördert werden. Dazu zählen insbesondere die Initiierung privater Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an der Wohnbausubstanz sowie die Umsetzung beispielhafter Lösungen für die Anpassung öffentlicher Infrastruktur. Dabei stehen die Stärkung der Ortszentren und die Koordinierung der Infrastruktureinrichtungen im Fokus. Ziel der Allianz ist die gemeinsam abgestimmte Entwicklung der Region rund um den Kreuzberg.

Kontext

Die Gemeinden der Kreuzbergallianz liegen circa 35 Kilometer südöstlich von Fulda in Nordbayern im Biosphärenreservat Rhön. Sie sind mit einem deutlichen Bevölkerungsrückgang konfrontiert, der bis zum Jahr 2021 fast 13 Prozent im Vergleich zu 2009 betragen soll. Mit knapp 30 Prozent fällt der Rückgang des Anteils Jugendlicher bis 18 Jahre besonders deutlich aus.

Mit der Erarbeitung eines Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) in den Jahren 2007 und 2008 wurde ein interkommunaler Entwicklungsprozess in der Kreuzbergregion mit den drei Gemeinden Bischofsheim an der Rhön, Wildflecken und Sandberg eingeleitet. 2010 kamen der Markt Oberelsbach und die Gemeinde Schönau an der Brend hinzu und wurden mit der Aktualisierung des ILEK in den Prozess integriert. Im Städtebauförderungsprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" wurde gemeinsam und unter Einbezug der Bürgerinnen und Bürger ein, auf dem ILEK basierendes, überörtliches Aktionsprogramm entwickelt und 2011 beschlossen. Darin sind Handlungsfelder und die zentralen Maßnahmen definiert. 2013 wurde das "Strategiekonzept demographiesichere Daseinsvorsorge" erstellt und seit 2015 das Pilotprojekt der Beratungsgutscheine umgesetzt. .

Projektbeschreibung

Die Kreuzbergallianz versteht sich als Plattform und Vernetzungsstelle der interkommunalen Zusammenarbeit zwischen den beteiligten fünf Kommunen, ihren Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Verbänden. Eine Steuerungsgruppe setzt sich sowohl aus den Bürgermeistern der Kommunen als auch aus Vertreterinnen und Vertretern der maßgeblichen Institutionen der Verwaltung, Wirtschaft und Regionalentwicklung in der Rhön zusammen.

Nach Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" wurde das bestehende Integrierte Ländliche Entwicklungskonzept (ILEK) im Bereich "Öffentliche Daseinsvorsorge" ergänzt. Dazu hat die Kreuzbergallianz die Erarbeitung eines regionalen Strategiekonzeptes demographiesichere Daseinsvorsorge in Auftrag gegeben, die mit Mitteln der Städtebauförderung finanziert wurde. Die Basis hierfür wurde im Zuge einer breiten Beteiligung der Öffentlichkeit auf Regionalforen geschaffen.

Eine strategische Maßnahme ist die Einrichtung eines Flächenmanagementsystems. Dazu wurde im Jahr 2012 eine gemeindeübergreifende Datenbank eingerichtet. Diese ermöglicht eine effiziente und fortschreibbare Erfassung sowie Verwaltung von innerörtlichen Baulücken und Leerständen. Auf Grundlage des Flächenmanagementsystems soll die interkommunale Abstimmung über die Anpassung beziehungsweise Zusammenlegung sozialer Infrastruktureinrichtungen und Baulandausweisungen konkretisiert sowie die Innenentwicklung gestärkt werden.

In Bischofsheim an der Rhön wurde mit Mitteln des Städtebauförderungsprogramms "Kleinere Städte und Gemeinden" zudem das Umfeld des Historischen Rentamts und der Bereich an der Hammermühle aufgewertet und die Aufenthaltsqualität der innenstadtnahen Grünflächen verbessert. Gleichzeitig wurde das neu errichtete Seniorenheim fußläufig an die Innenstadt angebunden.

 Innerstädtischer Leerstand in Wildflecken Innerstädtischer Leerstand in Wildflecken Innerstädtischer Leerstand in Wildflecken Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Zur Bewältigung der Leerstandsproblematik, zur Belebung der Ortskerne und Vermeidung von Flächenverbrauch wurde ein gemeinsamer Innenentwicklungsberater beschäftigt, dessen Aufgabenspektrum sich inzwischen zu einem umfassenden Allianzmanager weiterentwickelt hat. Dieser bietet Beratungen zum Thema Innenentwicklung für Bauinteressenten und Grundstücksbesitzer an beziehungsweise vermittelt eine Beratung durch Fachleute über ein Gutscheinsystem. Den Bau- und Umbauinteressierten werden durch die Regierung von Unterfranken (Pilotprojekt) und die jeweilige Gemeinde geförderte Beratungsgutscheine für eine Erstberatung durch einen Architekten oder Fachplaner angeboten. Ziel ist es, Investitionen von der grünen Wiese in die Ortskerne umzulenken und leerstehende Objekte zu sanieren und Baulücken zu schließen. Als Kommunikationsmaßnahme wurde 2016 die Broschüre zur Innenentwicklung in der Kreuzbergallianz vorgestellt. Diese vermittelt die Vorteile des Wohnens im Ortskern und stellt die Serviceleistungen der Stadt, wie Beratung zu Umbau und Kauf, Vermittlung von Beratungsangeboten und Fördermitteln vor.

Handlungsfelder 

  • Überörtlich Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Innenentwicklung / Flächenmanagement
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Leerstandsmanagement
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Gesundheit
    • Nahversorgung
    • Pflege und Senioren
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Ergänzung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes um den Themenbereich der Daseinsvorsorge / Erarbeitung einer Daseinsvorsorgestrategie (2011)
  • Bestands- und Bedarfsanalyse im Bereich bürgerschaftliches Engagement und Aufbau einer Freiwilligenagentur (2012)
  • Aufbau eines datenbankgestützten Flächenmanagementsystems (2012)
  • Eigentümerbefragung zur Identifizierung von Flächenpotenzialen (seit 2012 regemäßig)
  • Umgestaltung der Freifläche am historischen Rentamt im nordwestlichen und der Hammermühle im südlichen Bereich der Altstadt von Bischofsheim an der Rhön (2013)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Bündelung mit "Stadtumbau West" und LEADER

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2008Beschluss des Integrierten ländlichen Entwicklungskonzepts Kreuzberg (Bischofsheim an der Rhön, Wildflecken, Sandberg)
2010Aufbau der Organisationsstruktur der Kreuzbergallianz / Einrichtung des Allianzmanagements / 1. Regionalforum
2011Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept - Ergänzungsband für die Gemeinde Schönau an der Brend und den Markt Oberelsbach / Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" / 2. Regionalforum / Beschluss des Aktionsprogramms bis 2013 / Erarbeitung der Daseinsvorsorgestrategie
2012Aufbau eines Flächenmanagementsystems / Eigentümerbefragung
2013Strategiekonzept demographiesichere Daseinsvorsorge
2015Beratungsgutscheine im Zuge der Innenentwicklung / Ergänzende Eigentümerbefragung
2016Broschüre zur Innenentwicklung


Besonderheiten

Die Kommunen der Kreuzbergallianz haben schon vor der Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" im Rahmen von Fördermaßnahmen im Programm "Stadtumbau West" und des EU-Programms LEADER Erfahrungen in der interkommunalen Kooperation gesammelt. Einen Schwerpunkt stellte hierbei der Umgang mit militärischen Konversionsflächen und brachgefallenen Gewerbebetrieben dar. Mit der Aufnahme in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" wurde der Schwerpunkt auf die Sicherung der Daseinsvorsorge verlagert. Durch Maßnahmen wie das gemeindeübergreifende Flächenmanagementsystem wurde die interkommunale Kooperation intensiviert und die Voraussetzung für überörtlich abgestimmtes Handeln im Angesicht des demografischen Wandels geschaffen.

Eine Besonderheit stellen die Eigentümerbefragungen im Rahmen des Flächenmanagements dar. In den Jahren 2011 und 2012 wurden alle Eigentümer angeschrieben, um herauszufinden, ob bei ihnen beispielsweise Beratungsbedarf hinsichtlich der Grundstücksnutzung besteht oder ein Verkauf oder eine Bebauung beabsichtigt ist. 2015 wurden erneut diejenigen Besitzer befragt, die bei der ersten Befragung noch nicht teilgenommen haben beziehungsweise bei denen ein Leerstand aufgetreten ist. Das Flächenmanagement erfasst damit nicht nur den Leerstand, sondern eröffnet auch die Möglichkeit, künftige Entscheidungen vorzubereiten und Eigentümer gezielt zu beraten.

Lernerfahrungen

Es zeigte sich, dass das Thema des Leerstandsmanagement in umfassender Weise angegangen werden muss: Zusätzlich zum Innenentwicklungsberater wurde eine Informationsbroschüre zur Sanierung von Bestandsgebäuden erstellt. Für sanierungsbereite Eigentümerinnen und Eigentümer besteht ein umfassendes Beratungsangebot, um Hemmnisse bei der Sanierung von Bestandsgebäuden abzubauen. Regelmäßig durchgeführte Eigentümerbefragungen erheben kontinuierlich die noch verbleibenden Sanierungsbedarfe.

Zudem haben sich die Rolle und das Aufgabenspektrum des Innenentwicklungsberaters zu einem umfassenden Allianzmanager weiterentwickelt, so dass das Thema der Innenentwicklung und Daseinsvorsorge integriert umgesetzt werden können.

Zusatzinformationen

Bundesland

Bayern


Gemeinden

Bischofsheim an der Rhön (federführend), Wildflecken, Sandberg, Oberelsbach, Schönau an der Brend


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2011 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2016: 505.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

dünn besiedelte ländliche Kreise


Kontaktdaten

Kreuzbergallianz e.V.
Michaela Schleiffer
Kirchplatz 4
97653 Bischofsheim a. d. Rhön
Tel.: +49 9772 910118
E-Mail: info@kreuzbergallianz.de

Informationen (Links):

Informationsportal der Kreuzbergallianz


Stand

März 2017

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