Navigation und Service

Neustadt in Holstein – Zukunftsgestaltung Daseinsvorsorge

Schwerpunkte: Infrastruktur/ Daseinsvorsorge, Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Handlungsfelder "Zukunftskonzept Daseinsvorsorge" Handlungsfelder "Zukunftskonzept Daseinsvorsorge"Handlungsfelder "Zukunftskonzept Daseinsvorsorge" Quelle: Stadt Neustadt i.H.

Neustadt in Holstein (circa 15.770 Einwohner, Landkreis Ostholstein) bildet mit ihren Umlandgemeinden einen bedeutenden Stadt-Umlandbereich für die Ostsee-Küstenregion. Trotz stabiler Bevölkerungszahlen muss die Stadt auf spürbare Veränderungen der Altersstruktur reagieren. Mit der Aufnahme in das Städtebauförderprogramm Kleinere Städte und Gemeinden im Jahr 2011 bildete die Stadt mit ihren Umlandgemeinden einen Kooperationsraum und erstellte das Integrierte Entwicklungskonzept "Neustadt in Holstein – Zukunftsgestaltung Daseinsvorsorge". Gemeinsam wurden Strategien und Maßnahmen zur Bewältigung der Auswirkungen des demografischen Wandels und zur Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen entwickelt.

Schwerpunkte der Programmumsetzung sind Maßnahmen zur Qualifizierung überörtlich bedeutsamer Daseinsvorsorgeeinrichtungen und die Beseitigung städtebaulicher Missstände. Die Maßnahmen, die mit Unterstützung des Städtebauförderprogramms umgesetzt werden, konzentrieren sich auf den Kernbereich von Neustadt in Holstein. Durch eine breite Einbeziehung von Akteuren aus Politik, Verwaltung, Trägern, Wirtschaft und Bürgerschaft ist es gelungen, passgenaue Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.

Kontext

Neustadt in Holstein ist eine traditionelle Hafenstadt und hat als Unterzentrum mit Funktionen eines Mittelzentrums eine hohe Bedeutung für die Versorgung der Umlandgemeinden. Zwischen 2000 und 2011 verzeichnete der Kooperationsraum zwar insgesamt einen leichten Bevölkerungszuwachs, jedoch stieg im gleichen Zeitraum die Anzahl der über 65-Jährigen um sieben Prozent infolge niedriger Geburtenraten und der starken Abwanderung junger Bevölkerungsgruppen. Bis 2025 wird eine zunehmende Alterung bei einem geringfügigen Einwohnerrückgang prognostiziert.

In den Gemeinden und insbesondere in der Kernstadt von Neustadt in Holstein bestehen funktionale Mängel: Die sozialen Infrastrukturen und Einrichtungen der Daseinsvorsorge erfüllen nicht die Bedarfe und Anforderungen einer älter werdenden Bevölkerung. Zudem existiert neben Einzelhandels- und Wohnungsleerständen auch eine Vielzahl sanierungsbedürftiger Gebäude. Dies führte zu einem erhöhten Handlungsbedarf und zur Aufnahme in das Programm Kleinere Städte und Gemeinden.

Um Neustadt als zentralen Versorgungsbereich für die Umlandgemeinden zu sichern, wurde im Rahmen der Stadt-Umland-Kooperation eine überörtlich integrierte Strategie entwickelt – das "Zukunftskonzept Daseinsvorsorge". Im Ergebnis wurden Sanierungsgebiete festgelegt und überörtlich bedeutsame Maßnahmen abgeleitet, die mit Mitteln des Städtebauförderprogramms "Kleinere Städte und Gemeinden" umgesetzt werden. Im Mittelpunkt stehen präventive Ansätze, etwa die Anpassung von Infrastrukturangeboten und Dienstleistungen sowie die Umstrukturierung des Zentrums als Wohn- und Einzelhandelsstandort. Parallel zum Zukunftskonzept Daseinsvorsorge wurde ein Wohnungsmarktkonzept für die Stadt Neustadt in Holstein und den Nahbereich erarbeitet.

Projektbeschreibung

Die Erstellung des "Zukunftskonzept Daseinsvorsorge" erfolgte in mehreren konzeptionellen Arbeitsphasen. Der Prozess wurde von einer Lenkungsgruppe in Zusammenarbeit mit verschiedenen Arbeitsgruppen aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt und der Umlandgemeinden sowie lokalen Expertinnen und Experten begleitet. Durch Expertengespräche und Akteurs- und Trägerbefragungen wurde eine Auswahl relevanter Infrastrukturen getroffen, die für eine zukünftige Sicherung der Versorgung prioritär sind. Unter Berücksichtigung der Erreichbarkeit der Daseinsvorsorgeeinrichtungen sowie der Siedlungsstruktur und Bevölkerungsprognose, wurden diese detailliert analysiert und Handlungsbedarfe identifiziert. Hieraus ergaben sich schließlich Handlungsempfehlungen innerhalb der vier Handlungsfelder "Bürgerschaftliches Engagement und Kooperation", "Pflege- und Gesundheitsstandort", "Mobilität und Erreichbarkeit" sowie "Familienfreundlichkeit". In diesem Rahmen sollen die Kernstadt von Neustadt in Holstein als zentraler Versorgungsbereich für den gesamten Nahbereich gesichert und soziale und technische Infrastruktureinrichtungen bedarfsgerecht ausgebaut werden.

Begleitend zum Zukunftskonzept Daseinsvorsorge wurden Vorbereitende Untersuchungen (VU) durchgeführt, in die auch das Wohnungsmarktkonzept und ein Einzelhandelskonzept einflossen. Dies ermöglichte eine Konkretisierung der Entwicklungsziele und Anpassungsstrategien des Zukunftskonzeptes sowie eine Ableitung investiver Maßnahmen. Im Ergebnis wurden die zwei Sanierungsgebiete "Altstadt" und "Hafenwestseite" sowie zwei Maßnahmengebiete im Umfeld von Infrastruktureinrichtungen festgelegt. Hier sind die Maßnahmen konzentriert, die mit den Mitteln des Städtebauförderprogramms Kleinere Städte und Gemeinden umgesetzt werden sollen. Die Gebiete befinden sich alle im Kernbereich von Neustadt in Holstein, um diesen als funktionales Zentrum für die Stadt und das Umland zukunftsfähig zu gestalten. Die Umlandgemeinden sollen von der Qualifizierung und Sicherung der Daseinsvorsorge und Verbesserung der Lebensqualität des Mittelzentrums profitieren.

Hafen Neustadt Hafen NeustadtHafen Neustadt Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Ziel der Maßnahmen sind die Attraktivitätssteigerung und städtebauliche Aufwertung der historischen und identitätsstiftenden Hafenwestseite und der Altstadt. Beide Gebiete sind von erheblichen Funktionsverlusten und Gestaltungsmängeln betroffen. Angestrebt sind eine verbesserte Integration der Gebiete in das Stadtgefüge durch neue Anbindungen und die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes. Eingeschlossen ist die Reaktivierung von Brachen durch die Modernisierung ehemals genutzter Gebäude. Dabei werden auch Belange des Denkmalschutzes berücksichtigt. Gleichzeitig erfolgt die Qualifizierung von öffentlichen Grün- und Freiflächen mit einer barrierefreien Gestaltung.

Neben der Sanierung von öffentlichen Einrichtungen und Gebäudebeständen (unter anderem Rathaus und Bahnhofsgebäude), zielen die Maßnahmen auf den Ausbau und Erhalt von Angeboten und Einrichtungen der Pflege, Bildung, Jugendarbeit, Sport, Freizeit und Mobilität ab (Sport- und Freizeitzentrum, Bildungs- und Betreuungszentrum). Ein sozial-integrativer Ansatz steht hierbei im Mittelpunkt. Damit sollen der Wegzug von Familien und Jugendlichen vermindert, der Zuzug neuer gefördert, aber auch künftige Bedarfe Älterer gedeckt werden.

Zu den realisierten Maßnahmen gehört bislang die Erweiterung der Kita Schatzinsel im Jahr 2015 im Rahmen der Entwicklung des Bildungs- und Betreuungszentrums östlich der Altstadt, die 2016 durch die Aufwertung der Außenanlagen ergänzt wird. Für die Sanierung der Kita wurden neben den Fördermitteln aus dem Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" Fördermittel aus dem Programm "Energetische Sanierung von Kindertagesstätten und Schulen" in Anspruch genommen. Ein Teil der weiteren geplanten Maßnahmen wird voraussichtlich im Jahr 2016 umgesetzt. Dazu gehören die Erneuerung der Skateranlage Gogenkrog und die seit 2015 laufende Sanierung des Rathauses, das in diesem Rahmen auch barrierefrei umgebaut wird.

Im Gesamtprozess erfolgten eine kontinuierliche Einbindung und ein intensiver Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Vereinen und Beiräten. Einzelne Gruppen in der Region Neustadt, unter anderem der Einzelhändlerverein, der Seniorenbeirat oder die Bürger-Stiftung Region Neustadt, wurden in Form von Akteursbefragungen und öffentlichen Veranstaltungen beteiligt und konnten ihre Interessen einbringen. Außerdem informiert die Stadt regelmäßig die Öffentlichkeit über die aktuellen Umsetzungsstände des Städtebauförderprogramms durch Pressemitteilungen und Bekanntmachungen auf der stadteigenen Website.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Mobilität
    • Kultur / Freizeit
    • Gesundheit
    • Jugend und Familien
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

Kita Schatzinsel in Bau Kita Schatzinsel in BauKita Schatzinsel in Bau Quelle: Plan und Praxis, Berlin

  • Kleinräumige Bevölkerungsprognose Ostholstein (2013)
  • Einzelhandelskonzept für die Stadt Neustadt in Holstein und Nahbereich (2013)
  • Wohnungsmarktkonzept Neustadt in Holstein und Nahbereich (2014)
  • Vorbereitende Untersuchungen für Neustadt in Holstein "Altstadt / Hafenwestseite" (2014)
  • "Zukunftskonzept Daseinsvorsorge" Stadt Neustadt in Holstein und Umland (2014)
  • Umstrukturierung des Hafens – Beteiligungs- und Diskussionsprozess (2015)
  • Erweiterung der Kita Schatzinsel und Aufwertung der Außenanlagen (2015-2016)
  • Sanierung des Rathaus (2015-2016)
  • Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes (2016)
  • Modernisierung der Skateranlage Gogenkrog (2016)
  • Aufwertung des Kindespielplatzes Klosterhof (2016)
  • Barrierefreie Gestaltung der öffentlichen Straßen Reifertstraße und Grabenstraße (2016)
  • Erstellung eines Barrierefreiheitskonzeptes (2016)
  • Sanierung Gogenkroghalle und Jugendtreff (noch nicht begonnen)
  • Straßenneubau am Holm – Wieksbergstraße (noch nicht begonnen)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
  • Investitionspakt zur energetischen Sanierung von Schulen, Kindergärten, Sportsstätten und sonstiger sozialer Infrastruktur in den Kommunen

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2011Aufnahme in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden"
2011Bildung des Kooperationsraumes "Neustadt in Holstein – Zukunftsgestaltung Daseinsvorsorge"
2013Erstellung der ersten überörtlichen Konzepte (Bevölkerungsprognose und Einzelhandelskonzept)
2014Fertigstellung des integrierten überörtlichen Konzeptes "Zukunftsgestaltung Daseinsvorsorge" und Abschluss der Vorbereitenden Untersuchungen / Wohnungsmarktkonzept
2014Beschluss der Sanierungsgebiete "Hafenwestseite und Altstadt" / Beginn Beteiligungs- und Diskussionsprozess zur Hafenumnutzung
2015Beginn der ersten investiven Maßnahmen (vorgezogene Maßnahmen): Erweiterung der Kita Schatzinsel und Sanierung des Rathauses
2016Erstellung eines Barrierefreiheitskonzeptes


Besonderheiten

Hohe Priorität für Neustadt in Holstein hat die Barrierefreiheit, die konsequent bei allen Maßnahmen thematisiert wird. Zur ressortübergreifenden Auseinandersetzung mit dem Thema erstellt Neustadt ein Barrierefreiheitskonzept. Es soll einheitliche Aussagen und Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit treffen. So sollen Straßen in der Altstadt und der Hafenwestseite, der Zugang zu öffentlichen Freiräumen und Einrichtungen wie das Rathaus und der Wohnraum barrierefrei gestaltet sowie die Integration von Menschen mit Behinderung und eingeschränkter Mobilität verbessert werden. Mit der Erstellung des Konzeptes ist ein externes Büro beauftragt.

Nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2016 sollen bereits erste Vorhaben entsprechend der Vorgaben des Konzeptes umgestaltet werden. Hierzu gehören beispielweise die Aufwertung des Spielplatzes Klosterhof, die Neuordnung der Reifertstraße und Grabenstraße oder der Straßenneubau am Holm – Wiesbergstraße.

Lernerfahrungen

Aufgrund des großen öffentlichen Interesses am Hafen hat die Stadt einen breiten und offenen Beteiligungsprozess initiiert. Mit Hilfe vielschichtiger kommunikativer Ansätze konnte eine gemeinschaftliche Entscheidung über die konzeptionelle Neugestaltung und zukünftige Nutzung der Hafenwestseite getroffen werden. Der Prozess wurde von einem externen Büro begleitet und moderiert. Um Ideen und Handlungsoptionen für die Entwicklung und die gestalterische Einbindung des Hafens in das Stadtgefüge zu generieren, wurde die Design Thinking Methode eingesetzt. Diese verfolgt den Ansatz der Problemlösung durch die Förderung der Kooperation von Menschen unterschiedlicher Fachbereiche und Interessen in einem kreativen Umfeld. Gemeinsam konnten so Fragestellungen und eine nutzerzentrierte Konzeption entwickelt werden, die die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner und der Akteure berücksichtigt.

Eine Vielzahl zielgruppenspezifischer Beteiligungsformate, die auf bestimmte Gruppen und relevante Akteure (unter anderem Hafenanrainer, Studierende, Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung, Politik, Wirtschaft usw.) ausgerichtet waren, wurde in diesem Rahmen durchgeführt. So wurden beispielsweise mehrere Expertengespräche, Analogierecherchen im Internet, Workshops und öffentliche Tagungen sowie Experimente vor Ort organisiert.

Mit dem Design-Thinking-Prozess bewies die Stadt Mut zur Durchführung eines umfangreichen und offen angelegten Verfahrens, das mit der emotionalen Debatte zu einer hohen Akzeptanz der Entscheidung und zu einem konstruktiven Ergebnis führte. Dieses findet starke Berücksichtigung in der weiteren Planung des Hafens und bildet eine wichtige Grundlage für einen städtebaulichen Wettbewerb zur Entwicklung der Hafenwestseite.

Zusatzinformationen

Bundesland

Schleswig-Holstein


Gemeinde

Neustadt in Holstein, Altenkrempe, Beschendorf, Sierksdorf, Grömitz, Schönwalde am Bungsberg, Lensahn, Scharbeutz, Schashagen


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2011 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2015: 1.767.993 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

Ländliche Kreise mit Verdichtungsansätzen


Kontaktdaten

Conrad Rieger
Stadtbauamt Neustadt in Holstein
Kirchhofsallee 2
23730 Neustadt in Holstein
Telefon: 04561 619-446
Fax: 04561 619-1447
E-Mail: crieger@neustadt-holstein.de


Link / weitere Informationen

Internetauftritt der Stadt Neustadt in Holstein


Stand

August 2016

Diese Seite