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Zentrum Niesky / Ortskern Rietschen

Schwerpunkte: Kooperationen, Innenentwicklung, Infrastruktur/Daseinsvorsorge

Zusammenfassung

Die Große Kreisstadt Niesky (ca. 9.600 Einwohner, Landkreis Görlitz) befindet sich etwa 20 km westlich der deutsch-polnischen Grenze. Als Mittelzentrum übernimmt sie Versorgungs- und Wirtschaftsfunktionen für die umgebenden Gemeinden. Niesky wurde im Jahr 2010 in das Städtebauförderprogramm aufgenommen. Zum eigens dafür gebildeten Kooperationsraum gehören acht Städte und Gemeinden. Im Jahr 2016 erfolgte die Aufnahme der Gemeinde Rietschen (ca. 2.600 Einwohner) als Ergänzungsstandort zum Mittelzentrum in das Programm. Schlüsselmaßnahmen der Programmumsetzung sind die Sanierung stadtbildprägender Gebäude in Holzbauweise, die Schaffung mehrerer Wohnangebote für ältere Menschen sowie die Sanierung des Eisstadions in Niesky. Geplante Schlüsselmaßnahmen in Rietschen sind die Sanierung des Kino-Cafés Rietschen, die Schaffung von Wohnangeboten für betreute Wohngruppen, die Einrichtung eines Dorfladens sowie die Sanierung des Gemeindeamtes.

Kontext

Der aus acht Kommunen (Hohendubrau, Horka, Kodersdorf, Mücka, Niesky, Rietschen, Rothenburg in der Oberlausitz, Waldhufen) bestehende Kooperationsraum ist von den Auswirkungen des demografischen Wandels erheblich betroffen. Zwischen 1990 und 2015 haben die beteiligten Kommunen zwischen 13 und 32 Prozent ihrer Einwohner verloren. Für die Stadt Niesky wird bis 2030 ein weiterer Bevölkerungsrückgang von ca. 18 Prozent prognostiziert. Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter im Kooperationsraum (1990: 37,7 Jahre, 2015: 47,9 Jahre).

Durch den starken Bevölkerungsrückgang in Verbindung mit der Zunahme älterer Menschen unterschreiten die Einrichtungen der Daseinsvorsorge ihre Tragfähigkeitsgrenze und bieten nur ein unzureichendes Angebot. Vor diesem Hintergrund besteht das zentrale Handlungserfordernis in der Anpassung und Neuausrichtung der Einrichtungen der Daseinsvorsorge für den Kooperationsraum. Schlüsselthemen sind Wohnen sowie kulturelle und soziale Infrastruktur.

Projektbeschreibung

In interkommunaler Abstimmung mit den umliegenden Gemeinden hat zunächst die Stadt Niesky als Mittelzentrum im Kooperationsraum im Februar 2013 ein überörtlich integriertes Entwicklungskonzept beschlossen. 2015 erfolgte die Fortschreibung des Konzeptes, insbesondere um Aussagen und Maßnahmen zum ländlichen Ergänzungsstandort Rietschen für das Mittelzentrum Niesky. Zentrale Zielstellung ist die Sicherung der Versorgungs- und Dienstleistungsfunktion sowie der kommunalen Aufgaben für den ländlichen Nahbereich. Das Konzept dient als fachliche Grundlage für die Durchführung der Maßnahmen im Städtebauförderprogramm.

Im Mittelpunkt der Kooperation stand zunächst die Umsetzung von Maßnahmen in Niesky. Die ersten bereits realisierten Maßnahmen waren die denkmalgerechte Sanierung und Modernisierung stadtbildprägender Holzfertigbauten, die ein wichtiger Teil des baukulturellen Erbes in Niesky sind. Dazu zählen die St. Josef-Kirche und das Konrad-Wachsmann-Haus. Der Holzbau wurde saniert und seit 2014 als Informationszentrum für Holzbau, Veranstaltungsort und Anschauungsobjekt zur Sanierung von Holzfertigbauten genutzt.

Ein weiteres Handlungsfeld im Kooperationsraum ist das Wohnen: Hier wurden mehrere Projekte mit Mitteln des Städtebauförderprogramms umgesetzt. Die barrierefreie Modernisierung und Instandsetzung eines Gebäudes an der Bautzener Straße 8-10 verbunden mit der Schaffung von altengerechtem Wohnraum trägt zur Stärkung des Zentrums in Niesky als Wohnstandort bei. Die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Niesky mbH hat mit anteiliger Unterstützung des Förderprogramms Aufzugsanlagen in das hundert Jahre alte Gebäude eingebaut, Notrufsysteme und alle weiteren für Senioren notwendigen technischen Anlagen installiert. Die Eröffnung wurde im März 2013 gefeiert.

Um die Infrastruktur langfristig zu sichern, wurden 2013 die intensiv genutzte Sporthalle und der Sportplatz in der Konrad-Wachsmann-Straße energetisch saniert. Seit April 2016 wird zudem das Eisstadion Niesky saniert. Es ist eine wichtige Einrichtung für die Sport- und Freizeitgestaltung in der Stadt. Zudem ist Niesky seit den 1940er Jahren ein regionales Zentrum für den Eislaufsport. Ein Architekturbüro wurde nach einem Verhandlungsverfahren mit Entwurf, Neukonzeption und Umbau des Stadions beauftragt. Im Zentrum steht die Entwicklung eines ganzheitlichen Konzeptes für die energetische Sanierung und Verbesserung der Infrastruktureinrichtung. Alle Funktionen des Stadions werden unter einem Dach zusammengeführt.

In der Gemeinde Rietschen ist in den kommenden Jahren die Umsetzung mehrerer Maßnahmen vorgesehen: Im Ortskern der Gemeinde soll in einer Bestandsimmobilie ein Dorfmarkt eröffnet werden, der die Nahversorgungssituation in der Gemeinde verbessert und lokalen Betrieben (u.a. Teichwirtschaft) zusätzliche Absatzmöglichkeiten bietet. Für eine sanierungsbedürftige, leer stehende Villa in der Nähe des Bahnhofes sind die Sanierung und der Umbau zum Wohnstandort für betreute Wohngruppen vorgesehen. Zudem soll der Verwaltungsstandort der Gemeinde Rietschen – ebenfalls im Zentrum der Gemeinde – saniert werden.

Erste Schlüsselmaßnahme, die in den kommenden zwei Jahren umgesetzt werden soll, ist die Sanierung des Kino-Cafés Rietschen. Das Kino ist ein wichtiges Kulturangebot für die gesamte Region. Die nächstgelegenen, noch betriebenen Kinotheater befinden sich in 30 bis 50 km Entfernung in Görlitz, Bautzen, Bad Muskau, Zittau und Cottbus. Das Dorfkino Rietschen befindet sich in ortszentraler Lage in einem ortsbildprägenden Bestandsobjekt. Die Kinonutzung des "Kaisersaales" besteht seit über 50 Jahren. Das Kino wird ehrenamtlich durch den ortsansässigen Verein betrieben. Die drei wesentlichen Umsetzungsschritte sind der sorgsame Abbruch ungenutzter Anbauten, die energetische Sanierung der verbleibenden Gebäudehülle und die Modernisierung der räumlichen Organisationsstruktur des Dorfkinos zu einem kombinierten Kino- und Veranstaltungssaal mit gastronomischem Angebot. Bis 2018 soll die Maßnahme umgesetzt werden.

Baufortschritt Eisstadion Niesky im März 2017 Baufortschritt Eisstadion Niesky im März 2017Baufortschritt Eisstadion Niesky im März 2017 Quelle: Stadtwerke Niesky GmbH

Zur Koordinierung und Unterstützung der überörtlichen Zusammenarbeit wurde ein Kooperationsmanagement eingerichtet. Neben dem Antrags- und Fördermittelmanagement übernimmt dieser auch die Koordination der interkommunalen Zusammenarbeit. Die konzeptionelle Phase wurde genutzt, das überörtlich integrierte Entwicklungskonzept interkommunal abzustimmen. In der Umsetzungsphase konnte die Zusammenarbeit verstetigt werden: Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Kommunen treffen sich regelmäßig im Rahmen von jährlichen Werkstattgesprächen. Seit 2017 wird auch die Umsetzung der Maßnahmen in Rietschen durch eine externe Programmbegleitung unterstützt.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Integriertes Entwicklungskonzept
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Bildung
    • Kultur / Freizeit
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben
  • Sanierung und Erhalt historischer Bausubstanz

Einzelmaßnahmen

  • Modernisierung und Instandsetzung der Bautzener Straße 8 -10 zur Schaffung seniorengerechter Wohnungen, Niesky (2012)
  • Sanierung katholische Pfarrkirche "St. Josef", Niesky (2012)
  • Modernisierung und Instandsetzung Konrad-Wachsmann-Haus, Niesky (2011 - 2014)
  • Modernisierung und Instandsetzung Sportplatz und Sporthalle an der Konrad-Wachsmann-Straße, Niesky (2012 - 2015)
  • Modernisierung und Instandsetzung Eisstadion Niesky (2016 - 2017)
  • Teilrückbau, Sanierung und Nutzungserweiterung des Dorfkinos, Rietschen (2017 - 2018)
  • Revitalisierung der "Villa Hüffner" zu einem einzelfallorientierten Wohnprojekt der Kinder- und Jugendhilfe, Rietschen (2017 - 2018)
  • Sanierung der ehemaligen Drogeriefiliale und Umnutzung als Dorfmarkt, Rietschen (2017 - 2019)
  • Sanierung und Nutzungserweiterung des Gemeindeamtes für die Verwaltungsgemeinschaft Rietschen – Kreba-Neudorf (2018 - 2020)

Finanzierung

  • Bund-Länder-Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"

weitere Finanzierung:

  • ILE-Region Östliche Oberlausitz, gefördert aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (LEADER)
  • Modellvorhaben der Raumordnung und Landesentwicklung "Optimierung der Infrastrukturangebote und Aufwertung der Lebensbedingungen in Regionen mit besonders starkem Bevölkerungsrückgang – Modellregion Oberlausitz Niederschlesien"
  • Zertifizierungsprogramm "European Energy Award" mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Freistaates Sachsen (Niesky)
  • Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (Niesky, Konrad-Wachsmann-Haus)

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2010Aufnahme Niesky in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden"
2012Fertigstellung "Seniorengerechtes Wohnen Bautzener Straße 8 -10" / Fertigstellung Sanierung katholische Pfarrkirche "St. Josef"
2013Beschluss des überörtlich abgestimmten integrierten Entwicklungskonzeptes
2014Fertigstellung, Modernisierung und Instandsetzung des Konrad-Wachsmann-Hauses sowie Umbau zum Informationszentrum für Holzbau, Veranstaltungsort und Anschauungsobjekt zur Sanierung von Holzfertigbauten
2015Fortschreibung des überörtlich abgestimmten integrierten Entwicklungskonzeptes für den Ergänzungsstandort "Ortskern Rietschen" / Beginn Sanierung und Umbau "Seniorenwohnen Schulstraße 10" in Niesky
2016Beginn Modernisierung und Instandsetzung Eisstadion Niesky / Aufnahme Rietschen in das Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden" / Beginn Modernisierung und Instandsetzung Eisstadion Niesky / Fertigstellung Modernisierung Sportplatz und Sporthalle Konrad-Wachsmann-Straße / Konzeption zum Aufbau eines ländlichen Gesundheitszentrums am Standort des Emmaus-Krankenhauses in Niesky mit ambulanter und stationärer Versorgung für den Kooperationsraum

Besonderheiten

Hervorzuheben ist die bestandsorientierte Innenentwicklung im Rahmen der Gesamtmaßnahmen in Niesky und Rietschen: Bei der Umsetzung der Einzelmaßnahmen setzen die Kommunen auf die bauliche Ertüchtigung und Wiedernutzung von leerstehenden und teilweise ortsbildprägenden Gebäuden im Zentrum. Durch diese sichtbaren Schlüsselprojekte wird Innenentwicklung als Ziel der Siedlungsentwicklung konsequent verfolgt. Dabei wird ein Schwerpunkt auf die Schaffung von zielgruppenspezifischen Wohnangeboten und die Anpassung und Ertüchtigung von Schlüsseleinrichtungen der sozialen und kulturellen Daseinsvorsorge gelegt.

Die Umsetzung der Gesamtmaßnahme in Niesky wird zudem durch die Akquise privater Investitionen unterstützt. Die ursprünglich vorgesehene Einzelmaßnahme "Seniorenwohnen Schulstraße 10" wird seit 2015 durch private Investoren aus der Region umgesetzt und – anders als ursprünglich eingeplant – nicht mehr aus Mitteln des Städtebauförderprogramms. Für die Weiterentwicklung des Krankenhaus-Standortes Niesky zum Gesundheitszentrum im ländlichen Raum konnten mit den ansässigen Fachärzten, der Diakonissenanstalt Emmaus und der allgemeinen Ortskrankenkasse Kooperations- und Investitionspartner zur Umsetzung der Maßnahme gefunden werden.

Lernerfahrungen

Seit der Wende und auch zukünftig ist der Kooperationsraum durch die Lage in einer strukturschwachen Region mit den Herausforderungen des wirtschaftsstrukturellen und demografischen Wandels konfrontiert. Hier hat die Stadt Niesky gemeinsam mit den beteiligten Städten und Gemeinden des Kooperationsraumes Strategien entwickelt, mit diesen Rahmenbedingungen umzugehen und gezielte Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Der Aufbau und die Entwicklung der interkommunalen Kooperation der Stadt Niesky mit sieben weiteren beteiligten Kommunen sind beispielgebend für das Städtebauförderprogramm: Aus der formalen interkommunalen Beteiligung der Nachbargemeinden der Stadt Niesky als Bedingung zur Aufnahme in das Städtebauförderprogramm im Jahr 2010 ist eine interkommunale Zusammenarbeit der Kommunen auf Augenhöhe entstanden. Als Austauschformat hat sich seit 2014 das jährlich stattfindende Werkstattgespräch etabliert, in dessen Rahmen sich die Kommunen des kooperierenden Netzwerkes zu Zukunftsthemen des Kooperationsraumes austauschen und die Entwicklungsstrategie abstimmen. Darüber hinaus stimmen sich die Programmakteure regelmäßig im Rahmen der Umsetzung von Einzelmaßnahmen ab.

Die Kooperation befindet sich derzeit noch im Aufbau, der Mehrwert des Austausches zu gemeinsamen Themen hat sich jedoch bereits positiv auf die Entwicklung der Region ausgewirkt: So konnte Rietschen als weitere Kommune des Kooperationsraumes in das Programm aufgenommen werden. Zudem wird infolge des ersten interkommunalen Werkstattgespräches ein ländliches Gesundheitszentrum in Kooperation mit der Diakonissenanstalt Emmaus Niesky, die auch Betreiber des Krankenhauses Niesky ist, errichtet. Das Gesundheitszentrum soll in einem leer stehenden Gebäude auf dem Gelände des Krankenhauses eingerichtet werden.

Zusatzinformationen

Bundesland

Sachsen


Gemeinden

Niesky, Rothenburg/O.L., Rietschen, Horka, Kodersdorf, Verwaltungsverband Diehsa mit den Gemeinden Hohendubrau, Waldhufen und Mücka


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2010 Aufnahme der Stadt Niesky in das Programm

2016 Aufnahme der Gemeinde Rietschen in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

Bewilligte Bundesmittel bis einschließlich 2016:

Niesky: 3.685.750 Euro

Rietschen: 400.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

dünn besiedelte ländliche Kreise


Kontaktdaten

Große Kreisstadt Niesky
Frau Barbara Giesel
SGL Bauverwaltung
Große Kreisstadt Niesky
Muskauer Str. 20/22
02906 Niesky
Tel.: +49 3588 282657
E-Mail: b.giesel@niesky.de


Programmbegleitung Niesky
Frau Anja Franke
Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH
Geschäftsstelle Dresden
01078 Dresden
Tel.: +49 351 8082823
E-Mail: anja.franke@wuestenrot.de


Gemeindeverwaltung Rietschen
Herr Bürgermeister Ralf Brehmer
Forsthausweg 2
02956 Rietschen
Tel.: +49 35772 421-0
E-Mail: ralf.brehmer.rietschen@kin-sachsen.de


Weiterführende Informationen (Links):

Internetseite der Stadt Niesky

Internetseite der Gemeinde Rietschen


Stand

Mai 2017

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