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Ratzeburg – Zukunftskonzept Daseinsvorsorge

Schwerpunkte: Kooperation, Infrastruktur/ Daseinsvorsorge, Überörtliche Beteiligung

Zusammenfassung

Die Kreisstadt Ratzeburg, aufgrund ihrer Insellage im Ratzeburger See auch "Inselstadt" genannt, hat ca. 13.700 Einwohner (Stand 2012). Seit der Aufnahme in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden" im Jahr 2011 entwickelt die Kreisstadt gemeinsam mit ihren Umlandgemeinden Strategien und Maßnahmen, um frühzeitig auf die sich verändernden demografischen und wirtschaftlichen Strukturen zu reagieren. Im Mittelpunkt stehen die Aufwertung und bedarfsgerechte Anpassung der sozialen und technischen Infrastruktur sowie die Stärkung ehrenamtlichen Engagements. Beispielhaft ist die intensive und frühzeitige Beteiligung der Akteure bei der Erstellung des Zukunftskonzepts Daseinsvorsorge.

Kontext

Ratzeburg hat als Unterzentrum mit Teilfunktionen eines Mittelzentrums große Bedeutung für die Umlandgemeinden. Einerseits profitieren die Bewohnerinnen und Bewohner der umliegenden Gemeinden von dem Versorgungsangebot in Ratzeburg, andererseits ist die Stadt für die Auslastung der Versorgungseinrichtungen auf die Nachfrage aus den Nachbargemeinden angewiesen. Sowohl in Ratzeburg als auch in den Umlandgemeinden sind die Auswirkungen des demografischen Wandels spürbar: Die Gemeinden haben zwar eine stabile Bevölkerungsentwicklung, aber eine Zunahme der Seniorinnen und Senioren und ein Wegzug der jüngeren Bevölkerung machen eine Anpassung der Infrastruktur und der Angebote der Daseinsvorsorge erforderlich.

Projektbeschreibung

Kernprojekt der Gesamtmaßnahme ist bislang die Entwicklung eines Zukunftskonzepts Daseinsvorsorge, das im März 2014 beschlossen wurde. Das Zukunftskonzept Daseinsvorsorge umfasst neben der Stadt Ratzeburg insgesamt 16 der 25 Gemeinden des Amtes Lauenburgische Seen, die an der Konzepterarbeitung aktiv mitgewirkt haben. Aus dem Konzept wurden Maßnahmen zur Sicherung der Daseinsvorsorge abgeleitet, die sowohl in Ratzeburg als auch in den Umlandgemeinden verortet sind.

Das Zukunftskonzept mit dem Titel "Stadt und Land auf Kurs 2025" wurde in einem zweistufigen Verfahren erarbeitet. In der ersten Phase erfolgte nach intensiver Beteiligung der lokalen Akteure eine Analyse der Angebots- und Nachfragesituation in den Handlungsfeldern "Sport, Freizeit und Erholung", "Familien", "Gesundheit und Pflege", "Bürgerschaftliches Engagement", "Mobilität und Erreichbarkeit", "Generationsübergreifende Wohnqualitäten" und "Kultur und Bildung". In der zweiten Phase wurden für jedes Handlungsfeld Entwicklungsziele festgelegt und daraus konkrete Projekte und Handlungsempfehlungen zur Sicherung der Daseinsvorsorge abgeleitet. Übergreifendes Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität für Jung und Alt.

In Ratzeburg werden zahlreiche bauliche Maßnahmen im südlichen Bereich der Altstadt umgesetzt. Für diesen Bereich werden derzeit Vorbereitende Untersuchungen erstellt, auf deren Grundlage ein Sanierungsgebiet ausgewiesen werden soll. Die Mittel des Bund-Länder-Programms Kleinere Städte und Gemeinden werden hier konzentriert.

Schwimmbad "Aqua Siwa" am Ufer des Küchensees Schwimmbad "Aqua Siwa" am Ufer des KüchenseesSchwimmbad "Aqua Siwa" am Ufer des Küchensees Quelle: Plan und Praxis, Berlin

Ziel ist es, die im südlichen Altstadtbereich vorhandenen Kultur-, Bildungs- und Sporteinrichtungen zu qualifizieren und an veränderte Anforderungen anzupassen. Wichtigste Maßnahme ist die Sanierung des Hallenbades "Aqua Siwa". Das denkmalgeschützte Bauwerk soll saniert, barrierefrei umgebaut und als überörtlich bedeutende Sportstätte gesichert werden. Auch an zwei Seebadestellen werden barrierefreie Zugänge ins Wasser geschaffen.

Der am Küchensee gelegene Kurpark sowie ein Rundwanderweg um den Domsee sollen attraktiver gestaltet werden. Dabei werden unterschiedliche Zielgruppen berücksichtigt und die Barrierefreiheit gesichert. Der Kurpark hat zudem im Zusammenhang mit dem Kleinbahndamm, der die Altstadtinsel mit den östlichen Vorstädten verbindet, eine wichtige Funktion für den Rad- und Fußwegeverkehr. Die Wegeverbindung soll aufgewertet und die baufällige Kleinbahndammbrücke saniert werden.

In Ratzeburg und den Umlandgemeinden hat die Förderung des ehrenamtlichen Engagements hohe Priorität. Als Schlüsselmaßnahme soll die ehemalige Ernst-Barlach-Schule saniert und als Zentrum für Kultur, Bildung und Ehrenamt umgebaut werden. Das am südlichen Altstadtrand gelegene Gebäude wird derzeit durch die Volkshochschule und die Kreismusikschule zwischengenutzt. Vorgesehen ist unter anderem die Schaffung barrierefreier Veranstaltungsräume und Sanitäranlagen. Auch die bislang unattraktiven Außenanlagen werden aufgewertet. In der Schule erhalten Vereine und Initiativen Räume für ihre Zwecke und junge Erwachsene sollen in Selbstverwaltung Bereiche nutzen können. Damit wird die Schule zu einem Treffpunkt für unterschiedliche Generationen und zur Anlaufstelle für Interessierte, die sich in Vereinen und/oder anderen Netzwerken engagieren wollen.

Handlungsfelder 

  • Überörtliche Zusammenarbeit / Kooperationen
  • Infrastrukturanpassung
  • Daseinsvorsorge mit Schwerpunkt auf

    • Bildung
    • Kultur / Freizeit
    • Jugend und Familien
  • Soziale Netzwerke / regionale Identität / Gemeinschaftsleben
  • Öffentlicher Raum
  • Beteiligung / Mitwirkung

Einzelmaßnahmen

  • Erarbeitung des Zukunftskonzepts Daseinsvorsorge mit umfangreicher Beteiligung und Online-Befragung
  • Barrierefreie Sanierung/Erneuerung des Schwimmbads
  • Aufwertung und barrierefreie Instandsetzung von zwei Seebadestellen in Ratzeburg
  • Umbau der Ernst-Barlach-Schule zum Bildungs-, Kultur- und Ehrenamtszentrum
  • Sanierung des Kurparks Ratzeburg
  • Sanierung der Kleinbahndammbrücke und des Kleinbahndamms
  • Aufwertung und barrierefreie Umgestaltung des Uferwanderwegs Domsee

Finanzierung

  • Städtebauförderungsprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden"

Projektumsetzung

Tabelle: Projektumsetzung
JahrUmsetzungsschritt
2011Aufnahme in das Programm "Kleinere Städte und Gemeinden"
2012Beginn Vorbereitender Untersuchungen (Einleitungsbeschluss)
2013Befragung der lokalen Träger, Bürgerinnen und Bürger über die relevanten Handlungsfelder / Erarbeitung von Handlungsansätzen in den Arbeitsgruppen / Online-Befragung
2014Zukunftswerkstatt "Daseinsvorsorge" (Januar) / Beschluss des Zukunftskonzepts Daseinsvorsorge (März)


Besonderheiten

Beispielhaft ist die intensive und frühzeitige Beteiligung der Akteure bei der Erstellung des Zukunftskonzepts Daseinsvorsorge. Bereits bei der Auswahl der Handlungsfelder und relevanten Infrastrukturbereiche wurden Träger der Infrastruktur in Ratzeburg und im Umland befragt. Bürgerinnen und Bürger aus der gesamten Region konnten über ein internetbasiertes "Feedbackportal" an der Befragung teilnehmen, was auf große Resonanz stieß. In thematischen Arbeitsgruppen erarbeiteten Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden und lokale Experten darauf aufbauend Anpassungsstrategien. Eine Lenkungsgruppe, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen sowie den Bürgermeistern der Gemeinden und weiteren Vertreterinnen und Vertretern der Politik, begleitete den gesamten Erstellungsprozess. Erfolgreich war auch die "Zukunftswerkstatt Daseinsvorsorge" im Januar 2014. 200 Bürgerinnen und Bürger besuchten die Veranstaltung, in der sie sich über das Zukunftskonzept informieren und ihre Prioritäten bei den Handlungsfeldern definieren konnten. Die Ergebnisse wurden in das Zukunftskonzept aufgenommen. Diese vielschichtige Zusammenarbeit und Einbeziehung unterschiedlicher Akteure von Beginn an ermöglichte eine differenzierte Analyse in den relevanten Handlungsfeldern, die zu einer problemorientierten und vor allem bürgernahen Strategieentwicklung führte.

Zusatzinformationen

Bundesland

Schleswig-Holstein


Gemeinde

Stadt Ratzeburg


Programmbereich

Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke


Projektbeginn

2011 Aufnahme in das Programm


Volumen der Städtebaufördermittel

bewilligte Bundesmittel bis einschließlich Programmjahr 2013: 850.000 Euro


Siedlungsstruktureller Typ

ländliche Kreise mit Verdichtungsansatz


Kontaktdaten

Stadt Ratzeburg
Fachbereich Stadtplanung, Bauen und Liegenschaften
Herr Michael Wolf
Unter den Linden 1
23909 Ratzeburg
Tel. +49 4541 8000161
E-Mail: wolf@ratzeburg.de


Link / weitere Informationen

Informationen zum Zukunftskonzept Daseinsvorsorge


Stand

Juni 2014

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